17.10.2016

INTERVIEW Berlin ick liebe dir: Mareike und Judith kennen die Berliner Trends

Mareike Bölsche und Judith Karbstein kennen sich schon aus gemeinsamen Agenturzeiten und sind die kreativen Köpfe hinter Berlin-ick-liebe-dir.de

Foto: Svenja Goebel

Mareike Bölsche und Judith Karbstein kennen sich schon aus gemeinsamen Agenturzeiten und sind die kreativen Köpfe hinter Berlin-ick-liebe-dir.de

Mareike Bölsche und Judith Karbstein sind die Bloggerinnen hinter Berlin-ick-liebe-dir.de. Sie sprachen mit uns über Trends, Berlin und ihre Henkersmahlzeiten.

 

Wir sitzen im gemütlichen Brammibal's Donuts Laden am Maybachufer in Neukölln und lassen uns die veganen Donuts schmecken. Denn der vegane Donut-Laden ist derzeit beliebter denn je, aber weder ich noch meine beiden Interviewpartner Mareike Bölsche und Judith Karbstein vom Blog "Berlin ick liebe dir" sind bisher da gewesen. Es wurde also allerhöchste Zeit für uns und wir haben kurzerhand die Arbeit und das Vergnügen miteinander verbunden.

bildderfrau.de: Schön, dass wir es zusammen hierher geschafft haben. Erzählt mal, wie erfahrt ihr von neuen Restaurants?

Mareike: Das ist tatsächlich unterschiedlich, entweder durch Medien wie Instagram, weil man ja mit den Geschäften und den anderen Bloggern vernetzt ist. Noch viel häufiger passiert es aber, dass wir auf unseren Touren durch Berlin selbst neue Läden entdecken. Wir sind oft mit den Fahrrad unterwegs. Wir konzentrieren uns oft mehr auf die Hausfassaden auf der Suche nach neuen Läden, als tatsächlich auf die Straße.

Judith: Und letztlich auch über Freunde, die ja wissen, dass wir immer auf der Suche sind und uns dann Bescheid geben. Es gibt natürlich auch Geschäftsbesitzer, die uns kontaktieren. Es sind also ganz viele kleine Teile, die sich am Ende zusammenfügen.

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Was macht für euch ein gutes oder empfehlenswertes Restaurant aus?

Mareike: Das ist für mich eine Mischung. Das Essen muss per se schon einmal gut sein. Ein weiteres wichtiges Element ist der Service, der in manchen Berliner Locations noch ausbaufähig ist. Das schreiben wir in unsere Bewertungen auch immer rein. Was mich auch immer reizt sind neue Sachen, die ich unheimlich gern probiere, die aber trotzdem lecker sein sollen.

Judith: Es hängt auch immer von der Kategorie ab. Bei einem Imbiss ist mir der Service eigentlich egal, aber ich möchte gern das Gefühl haben, Preis und Leistung in einem vernünftigen Verhältnis stehen, dass kein Convenience-Food verwendet wird und dass das Gesamtkonzept stimmt. Preis und Leistung müssen stimmig sein, ebenso Atmosphäre und Service, aber wie gesagt, das hängt immer von der Kategorie des Lokals ab.

Wie habt ihr beide euch eigentlich gefunden?

Mareike: Wir haben zusammen in einer Werbeagentur gearbeitet. Das war vor sieben Jahren, woraus eine Freundschaft entstand.

Was ist eurer Meinung nach der nächste große Trend in der Foodie-Szene?

Judith: Spezialisierte Restaurants, so wie Brammibal's Donuts, die sich auf eine Speise spezialisieren und diese dann richtig, richtig gut machen.

Mareike: Das gibt es schon mit Hot Dog-Läden oder reinen Dessertläden, die nur Nachtsich haben. Da hat neulich einer in Neukölln eröffnet. Oder auch Läden nur für Teigtaschen, wie Tak Tak am Rosenthaler Platz, der nur polnische Teigtaschen hat. Diese Spezialisierung wird weiter zunehmen.

Judith: Ja genau. Die Tage der eierlegenden Wollmilchsau sind gezählt und regionale Lebensmittel rücken auch mehr in den Fokus. Die Alleskönner wird es sicherlich weiterhin geben, die Leute haben ja unterschiedliche Geschmäcker, sonst könnten wir ja nie mehr zusammen essen gehen. Ich war neulich im Westen Berlins in einem Pizzaladen, die wirklich nur eine Pizzakarte hatten mit zwölf Pizzen, die sie regelmäßig aktualisieren, aber eben auf Lasagne und die Spaghetti Bolognese verzichten.

Wenn ihr auf Reisen geht, soll ja der Genuss nicht zu kurz kommen: Wie findet ihr die Restaurants und Essenstrends von anderen Städten heraus?

Mareike: Grundsätzlich bin ich ein großer Fan von Foursquare, so richtig nerdig. Wir waren vor Kurzem in Barcelona und kurz zuvor habe ich einen Koch kennengelernt, der aus Barcelona ist. Ihn habe ich nach Empfehlungen gefragt. Auch den Freundeskreis frage ich gerne, wenn ich weiß, dass jemand gerade erst da war, wo ich hinmöchte.

Judith: Ich tu mich sehr schwer mit den ganzen Plattformen wie Yelp oder Tripadvisor, den traue ich nicht. Ich checke sowas zwar gegen und es kann teilweise auch stimmen. Gerade in Berlin kann ich es ja auch überprüfen. Ich würde immer Locals oder Freunde fragen. Ich würde auch immer nach coolen Blogs suchen. Bewertungen hin oder her, einige Plattformen haben eventuell Berechtigung, aber generell bin ich kein Freund davon, weil zu viel manipuliert wird.

Mareike: Vor meiner letzten New York-Reise habe ich auch auf Pinterest geschaut. Instagram gar nicht, für die Suche nach neuen Locations finde ich es nicht geeignet. Man kann sich Profile von Foodies in New York raussuchen, aber über Pinterest fiel mir die Suche leichter.

Was liebt ihr am meisten an Berlin?

Judith: Ich mag das leicht Verpeilte. Ich mag, dass Berlin keinem gehört, auch wenn ich etwas Angst habe, dass es sich dahingehend wandelt, siehe Monsterbauten, Malls und so weiter. Und dass Berlin so eine freie Stadt ist. Jeder findet hier seinen Platz.

Mareike: Für mich ist es tatsächlich das Freiheitsgefühl. Im Prinzip kann ich machen, was ich möchte, wie ich es möchte und wann ich es möchte. Ich kann mich anziehen, wie ich möchte, reden, wie ich möchte - ich kann tun und lassen, was ich will. Das ist eine große Freiheit. Ich habe vorher eine Zeit in Hamburg gelebt und kam für ein Wochenende nach Berlin, und das, obwohl ich hier in der Nähe aufgewachsen bin. Das war so ein Aha-Erlebnis, nach zwei Jahren, die ich in einer Korsage eingezwängt gelebt habe, die während des Wochenendes einfach so aufplatzte. Nichtsdestotrotz bin ich aber mittlerweile wieder ein großer Fan der Hansestadt und bin auch gerne dort.

Gibt es denn auch Dinge, die euch in Berlin fehlen?

Judith: Mir fehlt das Meer. Andere Metropolen sind auch nicht am Meer, aber das würde mir hier noch fehlen.

Mareike: Ich bin ein Großstadt-Kind und ich liebe das Gefühl in New York. Große Städte faszinieren mich, Berlin ist mir fast zu klein. Die Häuserschluchten in Manhattan... Berlin hat viele ländliche Gegenden.

Judith: Gerade das finde ich toll.

Mareike: Ich hätte gerne noch mehr Stadt. Manchmal denke ich mir "So ein bisschen mehr Tokio und News York wären schön".

Judith: Ich liebe es alles zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichen zu können. Obwohl Berlin eine große Stadt ist, ist es immer noch chillig.

Was sollte kein Berlin-Besucher verpassen?

Judith: Ich finde, dass man die Eastside Gallery gesehen haben sollte. Das Brandenburger Tor und andere typisch touristischen Sachen sollte man nicht verpasst haben, denn das macht Berlin ja auch aus. Touristisch? Na und! Klar gibt es spannende Ecken in Kreuzberg, aber wenn man nur wenig Zeit hat, sollten die Hauptattraktionen nicht fehlen.

Mareike: Mit dem Fahrrad die Stadt zu erkunden! Ich habe auch erst eine große Tour durch die Stadt zu verschiedenen Spots gemacht und hatte noch so viel Neues zu entdecken. Ich wohne hier seit sieben Jahren und entdecke trotzdem noch so viel Neues.

Was wäre eure Henkersmahlzeit?

Mareike: Lustigerweise habe ich neulich erst genau darüber nachgedacht aber mir fällt es gerade echt nicht mehr ein. Was aber immer geht ist Bibimbap (koreanisches Reisgericht), ich bin ein riesen Bibimbap-Fan. Meine Leibspeise! Zum Beispiel bei YamYam. Dann gibt es noch in Schöneberg das Ixthys. Ein total schräger Laden, der sich auf Bibimbap spezialisiert hat. Das Lokal befindet sich in einer alten Kapelle und die Wände sind tapeziert mit Bibelsprüchen. Das muss man sich mal vorstellen, da kommt man in ein koreanisches Lokal und alles ist voller Bibelsprüche.

Judith: Ich könnte als Henkersmahlzeit nichts Gesundes essen. Bei mir wäre es wohl warmer Schokokuchen mit einem flüssigen Kern, Vanilleeis und Erdbeeren. Ich liebe diesen Nachtisch und diese Kombi. Wenn es dieses Dessert auf der Karte gibt, bestelle ich den immer.

Zwei Blogs, eine Firma, als Freelancer arbeiten: Wie bekommt ihr das alles unter einen Hut?

Mareike: Das fragen wir uns selbst manchmal. Wir haben ja selten alle Bälle gleichzeitig in der Luft, der Fokus verschiebt sich eher. Wir hatten eine ganze Weile den Fokus auf Berlin ick liebe dir, davor lag der Fokus auf unserem Foodblog Foodpilot. Wir versuchen auch gerade unsere Produkte noch nach vorne zu bringen. Also es ist ein permanentes Verschieben vom Fokus, selten ein gleichzeitiges Arbeiten an mehreren Sachen. Wir sind ja auch zu Zweit, manchmal auch zu Dritt und irgendwie funktioniert es. Die bekannte 80-20-Regel hilft auch. Es muss nicht immer alles perfekt sein, und wenn mal eine Mail unbeantwortet bleibt, weil sie auch eigentlich total unpassend ist, spart man sich auch wieder fünf Minuten. Es ist alles eine Frage der Organisation.

Judith: Es ist manchmal auch chaotisch. Wenn man mal ganz ehrlich ist, vernachlässigt man auch mal Sachen. Es kann also gut sein, dass mal das eigene Projekt darunter leidet, es ist manchmal wirklich schwierig. Die Aufgaben sind teilweise sehr unterschiedlich, wir schreiben ja nicht nur und hinter den Blogs und der Agentur steht eine ganze Menge.

Mareike: Bei allem Fokussieren stecken trotzdem viele unterschiedliche Aufgaben dahinter. Man kann nicht immer priorisieren, wenn wirklich alles gleichzeitig dringend ist.

Judith: Ich kann viel in der Natur abschalten. So viele Ideen, wie mir auch in den Kopf kommen, die ich auch immer aufschreiben muss, fällt es mir trotzdem leicht auch mal abzuschalten. Ich denk mir dann "Lass Berlin Berlin sein", ich habe zum Glück auch nie das Gefühl, dass ich etwas verpasse. Egal, ob ich 20 Veranstaltungen verpassen, das interessiert mich überhaupt nicht. Ich gehe tatsächlich auch gar nicht viel auf Veranstaltungen, das wirkt vielleicht anders, aber ich verbringe auch gerne ruhige Abende zuhause. Ich bin zum Stubenhocker geworden, zumindest was Veranstaltungen angeht. Ich kann auch abends viel besser arbeiten.

Mareike: Mit den Veranstaltungen ist es tatsächlich lustig, weil ich es liebe auf Veranstaltungen zu gehen. Immer, nachdem ich mich vorgestellt habe oder man ins Gespräch kam, habe ich erzählt, dass ich den Blog bzw. die Agentur mit einer Freundin betreibe. Wenn ich aber Leute zum wiederholten Male treffe und man hat sich schon vor eineinhalb Jahren kennengelernt, aber Judith hat noch nie jemand gesehen, kommen schon fragende Blicke, ob es Judith überhaupt gibt und wer sie überhaupt ist. Wenige haben Judith je kennengelernt. (lacht) Mein Ruhepol sind tatsächlich meine Freunde und meine Familie, mit denen ich mich über ganz andere Sachen unterhalte, als die neuesten Trends oder Berlin.

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