21.09.2018

Bei der Diät erlaubt? Freispruch für die Nudel: Pasta macht nicht dick

Pasta gehört zu den Leibgerichten der Deutschen. Leider machen Kohlenhydrate dick. Oder?

Foto: istock/zeljkosantrac

Pasta gehört zu den Leibgerichten der Deutschen. Leider machen Kohlenhydrate dick. Oder?

Laut einer kanadischen Studie machen Nudeln doch nicht dick und sollen sogar beim Abnehmen helfen. Was genau das bedeutet und in welchen Fällen Pasta doch zum Dickmacher wird, erfahren Sie hier.

Spaghetti, Tagliatelle, Penne & Co. - die Deutschen lieben Nudeln. Doch in den vergangenen Jahren ist das Pasta-Image schlechter geworden. So sollen Nudeln Dickmacher sein und im Rahmen einer Diät unbedingt gemieden werden - vor allem, wenn es sich dabei um eine Low-Carb-Diät handelt.

Doch nun haben kanadische Wissenschaftler in einer Studie herausgefunden, dass Pasta doch nicht dick macht. Im Rahmen einer Ernährung mit einem geringen glykämsichen Index soll die Nudel sogar beim Abnehmen helfen. Was genau in der Studie herausgefunden wurde, wie die Ergebnisse zu bewerten sind und in welchen Fällen Pasta doch zum Dickmacher werden kann, habe ich für Sie zusammen getragen.

Kanadische Pasta-Studie deckt auf: Nudeln machen nicht dick

In einer Studie des St. Michael Krankenhauses in Toronto, Kanada, mit knapp 2.500 Teilnehmern wurde untersucht, inwieweit sich Pasta im Rahmen einer Diät mit niedrigem glykämsichen Index auf das Gewicht, den Body Mass Index (BMI) und Körperfettanteil auswirkt. Im Frühjahr diesen Jahres kam die Pasta-Studie zu dem überraschenden Ergebnis, dass der Verzehr von Pasta, anstelle von anderen kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln, nicht zu Gewichtszunahme oder Zunahme des Körperfettanteil führt. Grund hierfür ist sehr wahrscheinlich, dass Pasta einen im Vergleich zu anderen kohlenhydratreichen Lebensmitteln einen niedrigen glykämischen Index hat, weswegen sie sich nicht nachteilig auf Gewicht und Körperfett auswirken soll.

Der glykämische Index (GI) zeigt auf, inwieweit sich ein Lebensmittel auf unseren Blutzuckerspiegel auswirkt. Hier wird reine Glukose (Traubenzucker) als Referenzwert genommen, der mit einem glykämischem Index von 100 den Blutzuckerspiegel direkt hochschnellen lässt. Da Blutzuckerschwankungen Gewichtszunahme und Übergewicht fördern können, basiert beispielsweise die Glyx-Diät auf dem Ansatz, sich von Lebensmitteln mit geringem GI zu ernähren.

Erfahren Sie mehr über den glykämsichen Index und ob er tatsächlich schlank hält.

Glykämischer Index von Pasta ist relativ gering

Zurück zur Pasta: Nudeln haben einen relativ geringen glykämsichen Index, vor allem, wenn man sie mit anderen Sättigungsbeilagen und Getreideprodukten, wie Kartoffeln, Reis, Weißbrot und Ähnlichem vergleicht.

Hier eine Übersicht des glykämischen Index (GI) verschiedener Getreideprodukte und Kartoffeln - beachten Sie dabei, dass ein Wert von mehr als 70 als hoch und von weniger als 55 gering ist:

  • Kartoffellbrei, instant: GI von 87
  • Kartoffeln, gekocht: GI von 82
  • Weißbrot: GI von 75
  • Basmati-Reis, gekocht: GI von 57
  • Spaghetti weiß, gekocht: GI von 49
  • Vollkornspaghetti, gekocht: GI von 42
  • Roggenbrot mit (80% intakten) ganzen Körnern: GI von 41

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Pasta macht also schlank?

Gemäß der Pasta-Studie haben die Teilnehmer im Rahmen einer Ernährung mit niedrigem GI und mit durchschnittlich 3,3 Portionen Pasta pro Woche über einen Zeitraum von ca. 12 Wochen ein halbes Kilogramm abgenommen. Gemäß der Studienzusammenfassung, weist das darauf hin, dass Pasta in diesem Fall sogar zu Gewichtsverlust beiträgt.

In unserer Bildergalerie sehen Sie die besten klassisch italienischen Pasta-Rezepte...

An dieser Stelle möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass es wahrscheinlich weniger die Pasta selbst war, die zum Gewichtsverlust beigetragen hat, sondern eher die Ernährungsweise insgesamt. Diese bestand vorwiegend aus Lebensmitteln mit niedrigem GI. Auch die Wissenschaftler der Studie kamen zu dem Schluss, dass im nächsten Schritt die Auswirkung von Pasta auf das Gewicht im Rahmen anderer gesunden Ernährungsweisen untersucht werden sollte.

Die Aussage sollte aus meiner Sicht also nicht "Pasta macht schlank" heißen, sondern vielmehr "Pasta allein macht nicht dick".

Nudeln machen nicht dick: Warum die Aussage auch mit Vorsicht zu genießen ist

Für sich allein betrachtet klingen die Ergebnisse der Pasta-Studie sehr verführerisch und verleiten natürlich dazu nun ordentlich Nudeln zu schlemmen. Doch auch wenn Pasta allein vielleicht nicht dick macht, sollte für das Gewicht dennoch auf 3 wesentliche Punkte geachtet werden:

  • Wie schon gesagt, die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen einer insgesamt niedrig glykämischen Diät erreicht, was bedeutet, dass es wahrscheinlich mehr die Ernährungsweise war, die zum Gewichtsverlust beigetragen hat, anstatt der Pasta selbst. Achten Sie daher auf eine generell gesunde Ernährungsweise.
  • Es kommt auf die Zubereitung an. Denn wenn Sie nun Spaghetti Carbonara, Lasagne oder andere fettige Pastasaucen wählen, sind diese auch weiterhin Kalorienbomben. Wählen Sie also besser Tomatensauce, Arrabiata oder andere Gemüse-basierte, kalorienärmere Saucen.
  • Auch die Menge an Pasta macht’s! Übertreiben Sie es nicht mit riesigen Portionen, denn ein Kalorienüberschuss kann auch weiterhin zu Fettpölsterchen und Gewichtszunahme führen.

Fazit: Nudeln sind keine bösen Dickmacher, aber auch keine Diät-Wunderwaffe

Nudeln machen also nicht dick? Gemäß der Studie ist dies bestätigt. Doch sollte die Aussage nicht isoliert gesehen werden, denn damit Pasta nicht dick macht, sollte auf eine allgemein gesunde Ernährungsweise geachtet werden - und der Studie zufolge sogar auf Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index. Gleichzeitig sind Portionsgröße und Zubereitungsart des Pastagerichtes zu beachten. Und selbst dann ist Pasta keine Diät-Wunderwaffe - schließlich brauchten die Studienteilnehmer aus Kanada 3 Monate um gerade einmal ein halbes Kilo zu verlieren.

Dennoch ist es aus meiner Sicht schön zu wissen, dass Pasta kein böser Dickmacher ist und der gelegentliche Besuch beim Italiener nicht gleich zu mehr Kilos auf der Waage führt! In diesem Sinne: Buon appetito! Übrigens ein interessanter Fakt: Die Studie wurde von einem Pasta-Hersteller mit unterstützt.

Erfahren Sie mehr über Kohlenhydrate im Essen: Kohlenhydrate - Nur manche sind Dickmacher !

Quellen:
St. Michael’s Hospital Toronto, Study suggests pasta can be part of a healthy diet without packing on the pounds, http://www.stmichaelshospital.com/media/detail.php?source=hospital_news/2018/0403
BMJ Publishing Group Ltd., Effect of pasta in the context of low-glycaemic index dietary patterns on body weight and markers of adiposity: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials in adults, https://bmjopen.bmj.com/content/8/3/e019438

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Weitere gesunde und ausgewogene Ernährungstipps für jede Lebenslage finden Sie bei unserer Kolumnistin Natürlich Nadine. Entdecken Sie zudem noch mehr Ratgeber für eine gesunde und bewusste Ernährung auf unserer Themenseite Diäten.

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Auch unser Experte Dr. Wimmer stellt sich der Frage, ob Pasta ein Dickmacher ist, und erzählt noch etwas mehr:

Dr. Wimmer: Machen Nudeln tatsächlich dick?

"Nudeln machen dick!" – Diesen Ruf hatte Pasta lange. Etwas zu unrecht, wie eine Meta-Studie zeigt. Darin wurden insgesamt 30 Studien analysiert. Mit überraschendem Ergebnis: Im Gegensatz zu anderen Kohlenhydraten bewirken Nudeln sogar, dass man eher abnimmt. Sie fragen sich jetzt sicher: Wie kann das sein? Eine Antwort darauf verrät Dr. Wimmer im Video.

BdF Dr. Wimmer über Nudeln

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