14.06.2018

Mit Spray, Spülung, Tropfen Ohren richtig reinigen: So wird der Gehörgang sauber

Wattestäbchen sind tabu, um Ohren richtig zu reinigen. Sie sollten daher nur für die Reinigung der äußeren Ohrmuschel genutzt werden.

Foto: iStock/Voyagerix

Wattestäbchen sind tabu, um Ohren richtig zu reinigen. Sie sollten daher nur für die Reinigung der äußeren Ohrmuschel genutzt werden.

Die Ohren sanft und sicher reinigen, ist gar nicht so einfach, denn der Gehörgang ist sehr empfindlich. Was Sie beim Ohrenreinigen vermeiden sollten und welche Mittel und Hausmittel sinnvoll sind.

Wie kann man nur die Ohren richtig reinigen? Ausgiebig geduscht, dabei auch die Ohren mit klarem Wasser gespült und danach abgetrocknet – trotzdem lässt sich im Gehörgang ganz deutlich ein Krümel gelbes Ohrschmalz entdecken. Keine Frage, das wirkt extrem ungepflegt. Doch was die wenigsten wissen: Ohrenschmalz an sich ist kein Schmutz, sondern es handelt sich bei Cerumen, so der medizinische Fachbegriff für Ohrenschmalz, um ein dickflüssiges Sekret, das wichtig für die Gesundheit der Ohren ist.

Aber nicht nur Ohrenschmalz klebt an den Ohren, auch Hautschüppchen oder andere Verunreinigungen aus dem Alltag gelangen ans oder ins Ohr. Das Ohrenschmalz übernimmt die Reinigung schon ganz gut. Ein wenig selbst nachhelfen schadet aber nicht – sofern Sie sich auf die äußeren Ohrbereiche beschränken oder sehr, sehr vorsichtig vorgehen.

Ohren richtig reinigen: Ohrenschmalz reinigt und schützt die Ohren

Rund um die Uhr produziert das Ohr etwas Cerumen, um den Gehörgang vor Austrocknung zu schützen. Sonst würde es in den Ohren ständig jucken. Außerdem fängt das Ohrschmalz Staub und Krankheitserreger ab. Dabei transportieren Flimmerhärchen mit winzigen Bewegungen das Ohrenschmalz mitsamt dem Fremdmaterial aus dem Ohr heraus. Darum finden sich am Ende des Gehörgangs, in der Ohrmuschel, oft kleine Mengen Ohrenschmalz. Unter der Dusche oder mit einem feuchten Kosmetiktuch lässt sich das an dieser Stelle problemlos entfernen.

Wenn Ohrenschmalz zum Problem wird

Allerdings gibt es Fälle, in denen sich das Ohr nicht richtig selbst reinigt. Das Ohrenschmalz ist sehr dick, zäh und kann auch den Gehörgang verstopfen. Betroffen sind davon vor allem ältere Menschen, aber auch Schwimmer. Nicht zuletzt tritt dieses Problem aber auch dann auf, wenn Sie Ihre Ohren zu häufig und unsachgemäß reinigen.

Diese Hilfsmittel sind beim Ohren reinigen tabu

Die meisten greifen nämlich, um Ohrenschmalz zu entfernen, zu einem Wattestäbchen. Das ist nicht grundsätzlich falsch: Wenn Sie einen Tropfen Babyöl auf das runde Ende des Wattestäbchens träufeln und damit ausschließlich die Ohrmuschel sanft reinigen, ist das durchaus sinnvoll. Allerdings dürfen Sie das Wattestäbchen auf keinen Fall in den Gehörgang schieben, wie HNO-Ärzte warnen.

Und auf keinen Fall sollten Sie spitze Gegenstände wie Pinzetten, Büroklammern, Haarnadeln und ähnliches verwenden.

All diese Hilfsmittel können zu einer Entzündung führen. "Wird die zarte Haut des Gehörgangs durch Manipulation verletzt, können die dort natürlicherweise vorkommenden Bakterien sich vermehren und ein krank machendes Ungleichgewicht entsteht. Es sind meist Staphylokokken, die dann zu einer Entzündung der Haarbälge und Talgdrüsen bis hin zur Eiterfurunkel-Bildung im Gehörgang führen", erklärt Dr. Winfried Goertzen vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Außerdem schieben diese Hilfsmittel Ohrschmalz nur tiefer in den Gehörgang.

Ohren richtig reinigen – spülen oder Spray benutzen

Dabei gibt es andere Methoden, die weniger riskant sind. Auch werden die verschiedensten Instrumente und medizinischen Hilfsmittel angeboten, um die Ohren zu reinigen und auch Ohrschmalz sicher zu entfernen. Einige davon sind erfolgreich, andere wirken jedoch kaum. Die wichtigsten:

  • Ohren ausspülen mit der Ballonspritze (Apotheke). Tipp: Wählen Sie ein Produkt, das komplett aus Gummi besteht und keine feste Spitze hat, dann können Sie es problemlos in der Ohrmuschel benutzen und warmes Wasser damit ins Ohr spülen. Die Flüssigkeit löst Ohrenschmalz und Ohrpfropfen und löst direkt andere Fremdpartikel aus dem Ohr.
  • Ohrentropfen. Die frei verkäuflichen Produkte enthalten Wirkstoffe, die Ohrschmalz auflösen, etwa Natriumdioctylsulfosuccinat. Achtung: Wenn kaum oder gar kein Cerumen vorhanden ist, kann der Gehörgang dadurch gereizt werden. Außerdem sollten Sie bei der Anwendung die Einwirkzeit (meist zehn Minuten) einhalten und erst danach die Ohren mit etwas lauwarmem Wasser ausspülen.
  • Ohrensprays. Manche von ihnen enthalten eine Meersalzlösung, andere hochwertige Öle wie Mandel- oder Walnussöl. Alle drei natürlichen Substanzen können Ohrschmalz sanft lösen. Wenden Sie das Ohrenspray vernünftig an – meist reicht ein Sprühstoß, mehr hilft nicht mehr und berücksichtigen Sie die Einwirkzeit.
  • Ohrenkerze oder Hopi-Kerze, nach dem Indianerstamm, der diese Kerzen zur Ohrreinigung eingesetzt haben soll. Die Spezial-Kerze wird angezündet, und sozusagen ins Ohr gestellt, während Sie auf der Seite liegen. Die Ohrenkerze ist innen hohl, ein Sicherheitsfilter verhindert, dass heißes Wachs in die Ohren gelangt. Die brennende Kerze soll im Ohr einen Unterdruck erzeugen, der einen Ohrpfropf aus dem Gehörgang nach außen befördert. Allerdings besteht bei unsachgemäßer Anwendung Verbrennungsgefahr. Die Ohrenkerze sollte daher niemals ohne eine zweite Aufsichtsperson angewendet werden.
  • Ohrreiniger. Es gibt verschiedene Produkte, etwa Stäbe mit löffelförmigem Ende oder mit einem kleinen Lasso, mit denen sich Ohrschmalz aus dem Gehörgang entfernen lassen soll. Doch auch hier besteht Verletzungsgefahr, weil die Instrumente hart sind. Lieber den Facharzt machen lassen.

Die drei besten Hausmittel zum Ohren reinigen

Daneben gibt es noch einfach Hausmittel, um die Ohren zu säubern und Ohrenschmalz zu lösen:

  • Mandel- oder Olivenöl– diese natürlichen Öle können Fett besonders gut lösen. Träufeln Sie dazu drei Tropfen Öl in das Ohr, legen Sie sich dann für zehn Minuten auf die andere Seite, damit das Öl gut in den Gehörgang läuft. Danach das Ohr mit lauwarmem Wasser spülen.
  • Warme Auflage – wringen Sie ein kleines Frotteetuch fest unter heißem Wasser aus. Legen Sie das warme, feuchte Tuch auf das Ohr, die Temperatur sollte etwa 38 Grad betragen, auf keinen Fall zu heiß sein. Ruhen Sie sich nun ein bisschen auf der Couch aus und legen Sie sich dabei auf die Seite, auf der sich die warme Auflage befindet. Warten Sie, bis das Tuch abkühlt und spülen Sie danach das Ohr mit lauwarmem Wasser.
  • Dampfbad. – füllen Sie heißes Wasser in eine Schüssel, geben Sie etwas Kamillenextrakt oder Meersalz dazu. Halten Sie Ihren Kopf seitlich so über den aufsteigenden Dampf, sodass er das Ohr erreicht. Oft hat sich danach Ohrschmalz gelöst, läuft heraus und lässt sich aus der Ohrmuschel einfach entfernen.

Ohren reinigen lassen

Viele diese Selbstbehandlungen sind alleine nicht einfach auszuführen. Lassen Sie sich auf jeden Fall etwa bei der Ohrspülung mit der Ballonspritze, aber auch bei den Ohrreinigern von einer anderen Person helfen.

Letztendlich ist jedoch der HNO-Arzt Ansprechpartner, wenn es darum geht, hartnäckiges hartnäckiges Ohrenschmalz zu entfernen oder Sie sogar einen Ohrpfropf loswerden wollen. Er inspiziert das Ohr und kann entscheiden, ob überhaupt eine Behandlung nötig ist. Denn Cerumen an und für sich ist zunächst nichts Krankhaftes, erst wenn Ohrenschmerzen vorliegen oder eine Gehörminderung, wird der Arzt tätig.

Mit Cerumen lösenden Substanzen wird er den Ohrpfropf erst mal auflösen und nach entsprechender Einwirkzeit eine Spülung mit körperwarmem Wasser durchführen, etwa mit einer handlichen speziellen Sprühflasche. Zusätzlich wird der Arzt darüber aufklären, ob und wie in Zukunft die Ohren am besten gereinigt werden sollten – in den meisten Fällen ist das nämlich gar nicht nötig.

Ohren richtig reinigen: Weniger ist mehr!

Es reicht in der Regel, beim Duschen die Ohrmuschel innen, außen sowie hinter dem Ohr sanft mit einem Waschlappen zu reinigen. Diese Methode ist besonders sanft und sicher – denn so besteht keine Gefahr, zu tief ins Ohr einzudringen und dort Verletzungen hervorzurufen oder Ohrschmalz tief ins Ohr zu befördern. Letzteres erledigt die Arbeit im Inneren des Ohres meist also von selbst – und alles, was nach außen gelangt, wischen Sie einfach sanft weg.

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