01.02.2018 - 15:55

Auf die Probe gestellt Welche Haarwuchsmittel helfen wirklich bei Haarausfall?

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Sind Sie sich auch unsicher, zu welchem Haarwuchsmittel Sie greifen sollen? Unsere Experten geben wertvolle Tipps.

Foto: iStock/vgajic

Sind Sie sich auch unsicher, zu welchem Haarwuchsmittel Sie greifen sollen? Unsere Experten geben wertvolle Tipps.

Ab dem 40. Lebensjahr leiden 40 Prozent aller deutschen Frauen an Haarausfall, ab 50 schon jede Zweite. Kein Wunder, dass der Markt für Haarwuchsmittel boomt. Doch was davon hilft wirklich gegen Haarausfall?

Ob Shampoos, Seren oder gar Hormonbehandlungen – Haarwuchsmittel gibt es zuhauf. Da kann es schwer fallen, den Überblick zu behalten. Der Dermatologe Dr. Welf Prager und der Plastische Chirurg Holger Fuchs bewerten 10 sanfte und oft eingesetzte Haarwuchsmittel gegen Haarausfall.

1. Haarwuchsmittel: Lösung oder Schaum mit Minoxidil

Das bei Haarausfall am häufigsten gekaufte Haarwuchsmittel bei erblichem, androgenetischem Haarausfall (z. B. auch in den Wechseljahren) kommt aus der Bluthochdruck-Forschung. Wie das Mittel, das als Lösung oder Schaum daherkommt, genau den Haarwuchs fördert, wissen Mediziner noch nicht. Das Mittel muss jeden Tag in die Kopfhaut einmassiert werden.

Das sagt Dr. Welf Prager: Der Wirkstoff überzeugt beim anlagebedingten Haarausfall. Die Therapie braucht allerdings etwas Geduld, denn die Haare wachsen meist erst nach bis zu 6 Monaten nach. Aber auch nur dann, wenn das Haarfollikel noch intakt ist.

Kosten: ca. 60 Euro für 3 Monate.

2. Eigenblut-Spritze

Für dieses Haarwuchsmittel wird aus dem Blut des Patienten ein Plasma-Konzentrat gewonnen, das reich an Blutplättchen ist. Es wird dreimal im Abstand von 4 - 6 Wochen in die Kopfhaut gespritzt. Diese Anwendung muss rund einmal im Jahr aufgefrischt werden.

Das sagt Dr. Welf Prager: Die Medizin weiß noch nicht genau, wie diese Methode wirkt, ob möglicherweise Stammzellen eine Rolle spielen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Eigenblut-Therapie vor allem in Kombination mit dem Microneedling „schlafende“ Haarfollikel weckt, weil die Durchblutung erhöht wird.

Kosten: Von 500 bis 1000 Euro pro Behandlung .

3. Thiocyanat-Serum

Das Molekül Thiocyanat soll die Zelltätigkeit fördern und die Zellmembranen stabilisieren. Außerdem aktiviert es Enzyme und den Stoffwechsel. Schüttere Kopfhautstellen müssen einmal täglich mit dem Serum massiert werden.

Das sagt Holger Fuchs: Der Wirkstoff regt zwar die Durchblutung an. Da es sich dabei aber nicht um ein Arzneimittel handelt, darf es auch nicht die Grenze der Kopfhaut hinunter zu den Haarfollikeln überschreiten. Deshalb halte ich die Wirkung für eingeschränkt. Es ist aber dennoch denkbar, dass einige Formen von Haarausfall gestoppt werden können.

Kosten: 150 ml ab ca. 25 Euro.

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4. Thymusdrüsen-Wirkstoff

Bei erblich bedingtem, hormonellem Haarausfall sollen Wirkstoffe aus der Thymusdrüse das Haarwachstum in den Haarwurzeln anregen. Täglich 1 Minute 2 - 4 ml Thymus-Serum in Haar und Kopfhaut einmassieren.

Das sagt Holger Fuchs: Die Thymus-Behandlung ist eigentlich eine intravenöse Therapie über den Blutkreislauf. Aber warum sollte es nicht auch als Shampoo oder Serum wirken. Denn weil sie das Immunsystem stärken kann, kann sie durchaus sinnvoll bei Autoimmunerkrankungen wie dem kreisrunden Haarausfall sein. Aber auch begleitend oder nach einer Chemotherapie und bei Mangelernährung kann sie wirksam sein. Wie bei jeder Therapie muss aber zu allererst die Ursache vom Haar-Spezialisten geklärt werden.

Kosten: ab ca. 40 Euro für ein Set aus Shampoo und Serum.

5. Immun-Behandlung

Bei der Immun-Behandlung betupft der Arzt die Kopfhaut einmal pro Woche mit der chemischen Substanz Diphenylcypropenon. Das löst eine milde allergische Reaktion aus, die das Immunsystem dazu bringt, die Haarwurzeln nicht mehr anzugreifen. Dauer der Anwendung: bis zu 8 Monate.

Das sagt Dr. Welf Prager: Weil die Behandlung immunmodulierend auf die Haarfollikel einwirkt, hilft sie auch nur beim kreisrunden Haarausfall, der ja eine Autoimmunerkrankung ist.

Kosten: ab 80 Euro pro Monat.

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6. Meso-Injektionen

Durch mikrofeine Nadeln injiziert der Arzt Wachstumsfaktoren in die Kopfhaut. Die Behandlung erfolgt ein- bis zweimal die Woche über 4 - 6 Wochen.

Das sagt Dr. Welf Prager: Seit 50 Jahren gibt es keine nennenswerten Studien dazu. Für die Kopfhaut bringen die injizierten Wirkstoff-Kombinationen eher nichts, wohl aber das oft mit der Mesotherapie kombinierte Microneedling.

Kosten: pro Behandlung ca. 150 Euro.

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7. Unterspritzungen der Kopfhaut mit Eigenfett

Bei dieser Methode werden aus Oberschenkel, Hüfte oder Bauch in örtlicher Betäubung eine kleine Menge eigenes Fettgewebe entnommen. Es wird steril aufbereitet und fächerförmig unter die lichte Kopfhaut eingebracht. Das Fettgewebe enthält eine hohe Anzahl Stammzellen, die das Haarwachstum fördern sollen. Nach ca. 6 - 9 Monaten müssen die Unterspritzungen wiederholt werden.

Das sagt Holger Fuchs: Die Stammzellen steigern nachweislich die Mikrozirkulation und Zellaktivität in der Kopfhaut. Da es sich um Eigenfett handelt, ist diese Methode sehr gut verträglich und allergische Reaktionen bleiben aus.

Kosten: bis zu 1500 Euro pro Behandlung.

8. Hormon-Komplex

Der hormonelle Wirkstoff Alfatradiol wird einmal täglich in die Kopfhaut massiert. Er hemmt die Wirkung männlicher Botenstoffe, auf die die Haarwurzeln überempfindlich reagieren.

Das sagt Dr. Welf Prager: Den hormonähnlichen Wirkkomplex ordne ich als eher mäßig wirksam ein. Aber als ergänzende Therapie würde ich ihn dennoch empfehlen, insbesondere, wenn die Patientin der Wirkung vertraut. Denn wie bei jeder Therapie entscheidet auch ihre Psyche mit über den Behandlungserfolg.

Kosten: ca. 40 Euro für 3 Monate.

9. Traditionelle Chinesische Medizin

TCM-Dermatologen setzen in Kopfhaut und an bestimmten Körper-Meridianpunkten Akupunktur-Nadeln, verordnen Tees, Haarspülungen oder Tinkturen aus chinesischen Heilkräutern. Und sie empfehlen eine Ernährungsumstellung, z. B. mit viel Ingwer, Knoblauch, Sojabohnen.

Das sagt Holger Fuchs: Als alleinige Therapie gegen Haarausfall würde ich diese Methode nicht empfehlen. Ich sehe sie höchstens als Ergänzung zu anerkannten Behandlungen.

Kosten: Untersuchung ca. 180 Euro, Akupunktur 30 bis 70 Euro pro Sitzung, 100 g Tee ca. 10 Euro.

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10. Microneedling

Hier führt der Arzt einen walzenförmigen Derma-Roller mit ultrafeinen Nadeln über die betäubte Kopfhaut. Diese Zellreizung setzt wahrscheinlich natürliche Haar-Wachstumsfaktoren frei. Ideal: 4 Sitzungen in 3 Monaten.

Das sagt Holger Fuchs: Die Methode ist eine gute Option, um die Durchblutung der Kopfhaut anzuregen. Allerdings ist sie dort schwer anzuwenden – und bei komplett kahlen Stellen ohne verbliebene Haarwurzeln eher aussichtslos.

Kosten: ca. 80 bis 450 Euro pro Behandlung.

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