19.02.2019

Beziehungshilfe Streit ums Geld? So regeln Sie die Finanzen in der Partnerschaft

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In Beziehungen kommt es immer wieder zu Streit wegen Finanzen. Das muss nicht sein. Wie Sie das Thema Geld in der Partnerschaft am besten regeln? Hier gibt es tolle Anti-Streit-Tipps!

Foto: iStock/KatarzynaBialasiewicz

In Beziehungen kommt es immer wieder zu Streit wegen Finanzen. Das muss nicht sein. Wie Sie das Thema Geld in der Partnerschaft am besten regeln? Hier gibt es tolle Anti-Streit-Tipps!

Jedes dritte Paar streitet regelmäßig über Geld. An jeder dritten Trennung sind Geldsorgen schuld. Was wir tun können, damit Geld nicht zum Liebeskiller wird, erklären unsere Experten hier.

Laut einer Forsa-Umfrage der RaboDirect Deutschland (2017) wäre es für 42 Prozent der Deutschen ein Trennungsgrund, wenn der Partner nicht gut mit Geld umgehen und haushalten könnte. Das ist eine ganz schön hohe Zahl. Wie sie das Thema Geld in der Partnerschaft am besten regeln, fragen sich viele Paare. Wichtig vor allem: Man muss sich dieses Themas erst einmal gemeinsam annehmen – aber das ist gar nicht so einfach.

Geld in der Partnerschaft: Darüber reden ist das A und O

Paarberater Michael Mary ist der Meinung: "Über Geld wird in einer Beziehung immer noch viel zu wenig geredet." Eine Studie zeigt zudem auf: Jeder Fünfte bespricht Geldprobleme nicht mit dem Liebsten. Und: 41 Prozent der Deutschen wissen bis heute nicht einmal, was der Partner verdient (Umfrage Consorsbank, 2015).

"Aber wer schweigt, schafft Unsicherheiten und schürt Ängste", weiß Mary. Denn die Einstellung zum Geld ist bei Mann und Frau meist sehr unterschiedlich: "Männer sind risikobereiter, Frauen mehr am Nestbau interessiert", erklärt Finanzberaterin Constanze Hintze aus München. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Umgang mit Geld bei vielen Paaren auch eines der größten Streitthemen darstellt.

Diese Tipps sollen dabei helfen, dass es nicht mehr zu Streit wegen Geld in der Beziehung kommt.

Der erste wichtige Schritt ist, Geld-Konflikte offen anzusprechen und natürlich Kompromisse zu suchen. "Wer regelmäßig über Geld spricht, schafft Nähe und Vertrauen", sagt Mary, "so werden Finanzen zu einem Thema, das die Liebe sogar stärken kann."

Beziehungstipps: Schluss mit Streit wegen Geld

1. Aufschreiben, was beide brauchen

Klingt unromantisch? Klar, schafft aber auch emotionale Sicherheit: "Machen Sie einen Ehevertrag", rät Finanzexpertin Constanze Hintze. Das nimmt Druck, verhindert seelische Erpressungsversuche: "Keiner der Partner ist dann gezwungen, aus Geldgründen zusammenzubleiben. Setzen Sie sich in Ruhe zusammen, legen Sie Wünsche, Einnahmen und Ausgaben fest und planen Sie – natürlich auch schöne Dinge."

Anti-Streit-Tipp: Für den Überblick bei alltäglichen Ausgaben hilft ein Haushaltsbuch oder eine Haushalts-App. Paaren, die zusammenziehen, rät die Expertin zu einem gemeinsamen Konto, von dem alle gemeinsamen Ausgaben (z. B. Miete, Lebensmittel, Urlaub) abgehen – und zusätzlich zu je einem eigenen Konto für ganz persönliche Wünsche.

Auch über Hobbys sollte in diesem Zusammenhang gesprochen werden, denn vielleicht hat der eine ein kostspieligeres Freizeitvergnügen. "Was den einen glücklich macht, darf den anderen nicht unglücklich machen", so Mary.

2. Auf ein gemeinsames Ziel hinsparen

Eine Fernreise, ein eigenes Häuschen oder ein neuer Fernseher? Geld ist auch zum Gönnen da. "Gemeinsame Sparziele tun der Liebe richtig gut", sagt Finanzberaterin Constanze Hintze. 62 Prozent der Deutschen sind sicher, dass ein kleines Geldpolster, das man zusammen anlegt, auch zusammenschweißt. "So ein Puffer gibt Sicherheit, hält Sorgen klein, schafft Vorfreude."

3. Finanzielle Gleichberechtigung einfordern

Nur in jeder vierten Beziehung verdienen beide Partner gleich viel. Geschlechtsbedingte Lohnungleichheit bzw. Einkommenslücke (Gender Pay Gap) ist in erster Linie ein großes gesellschaftliches Problem und wird vor allem durch die unbezahlte Care-Arbeit, die i. d. R. von Frauen verrichtet wird, aufrechterhalten (Lesen Sie, warum erst ein gesellschaftlicher Wandel, der die Arbeit von Frauen als wertvoll anerkennt, und nicht Gesetze den Gender Pay Gap schließen kann.)

Eine Gefahr in der Partnerschaft: "Verdient der Mann mehr, ist die Frau zurückhaltender, Geld aus dem gemeinsamen Topf zu nehmen – das beweisen Studien", sagt Soziologin Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung. Nur wenige Paare würden wirklich nach dem Motto "Mein Geld ist dein Geld" leben. Das aber sei mangelnde Wertschätzung für Familienarbeit – und eine Beziehungsgefahr.

Gerade wenn ein Ehepartner kein Einkommen hat, muss das besprochen werden. Denn auch demjenigen, der sich um Haushalt und Co kümmert, steht Geld zu. Niemand sollte seinen Partner da anbetteln müssen. Juristen sagen: Fünf bis sieben Prozent des Haushalts-Nettoeinkommens sind angemessenes "Taschengeld". Auch hier ist miteinander reden wieder das A und O.

Anti-Streit-Tipp: Kümmern Sie sich um Haushalt, Erziehung oder Pflege von Angehörigen und haben deshalb Verdienstausfälle, fordern Sie beim Arbeitgeber Ihr Recht auf finanzielle Gleichberechtigung freundlich, aber bestimmt ein – und sprechen Sie mit Ihrem Partner über eventuelle Ängste.

In einer ehelichen Partnerschaft gilt übrigens Gütertrennung. Eheleute sind zum Familienunterhalt verpflichtet, auch wenn es zu einer Trennung kommt. Bei einer Scheidung kommt es dann zu einem sogenannten Zugewinnausgleich, der aber erst beantragt werden muss. Diesen Zugewinnausgleich kann derjenige beantragen, der während der Ehe weniger Vermögen eingenommen hat. Dabei wird das Vermögen am Anfang der Ehe mit dem am Ende der Ehe verglichen.

4. Niemals finanziell abhängig werden

Zwei von drei Frauen ist finanzielle Unabhängigkeit total wichtig für eine glückliche Partnerschaft – trotzdem überlässt fast jede Dritte das Thema Altersvorsorge dem Partner. Constanze Hintze warnt: "Bei blindem Vertrauen drohen finanzielle und damit auch seelische Abhängigkeit."

Anti-Streit-Tipp: Auch hier gilt es, Fragen zu stellen und aktiv zu werden. Reicht uns das Geld im Alter, bin ich im Fall einer Trennung abgesichert? Ist das geklärt, entspannt sich das Zusammenleben und es kommt nicht zu Streit wegen Geld.

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5. Klar zeigen, dass Geiz verletzt

Wer liebt, verliebt sich nicht in Geld, denn das macht die Seele nicht reich. Aber Knausrigkeit nervt schon: 80 Prozent der Frauen schreckt Geiz bei einem Partner ab, hat die Agentur Elitepartner rausgefunden. "Über jeden Einkauf Rechenschaft ablegen zu müssen, gibt dem Partner das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden", erklärt Theologe und Pädagoge Prof. Anton A. Bucher. "Und knausert der Partner auch noch bei Trinkgeld oder beim Abendessen mit Freunden, ist das entsetzlich peinlich."

Anti-Streit-Tipp: Versuchen Sie dem (geizigen) Partner zu erklären, warum Geldausgeben sogar reicher machen kann. "Wer großzügig ist, zeigt ein weites Herz, ein offenes Gemüt, so der Professor. Das schafft Sympathie, Freunde, Glück.

6. Herzensgeschenke überreichen

Es kommt nicht darauf an, wie teuer ein Geschenk war – aber: "Wer seinen Liebsten beschenkt, zeigt auf materiellem Wege 'Du bist mir wichtig'", sagt Geiz-Experte Prof. Anton A. Bucher. Und nicht nur beim Beschenkten, sondern auch beim Gebenden werden viele Glückshormone ausgeschüttet.

Anti-Streit-Tipp: Erfüllen Sie dem Liebsten ruhig mal einen kleinen Wunsch oder überraschen Sie ihn mit einem persönlichen Geschenk.

Quelle: repräsentative Studie von RetailMeNot.de

Auch wenn Sie alles rund ums Geld in der Partnerschaft richtig geregelt haben – in Beziehungen kommt es nicht nur zu Streit wegen Geld. Eine glückliche Partnerschaft bringt immer die Anforderung mit, für das Glück zu arbeiten und Signale des Partners zu verstehen. Entdecken Sie daher weitere informative Beziehungstipps auf unserer umfangreichen Themenseite!

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