23.03.2018

Wege aus der Angst finden Diese neuen Therapien helfen gegen Angststörungen

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Endlich wieder sorgenfrei leben! Dabei helfen die neuen Therapien von Angststörungen.

Foto: iStock/Kerkez

Endlich wieder sorgenfrei leben! Dabei helfen die neuen Therapien von Angststörungen.

Wenn Furcht und Sorge zur Krankheit werden, leiden Betroffene oftmals unter einer Angststörung. Moderne Therapieansätze wie Anti-Angst-Trainings und Tiefenentspannung sollen helfen. Erfahren Sie mehr über die vielversprechenden neuen Therapien gegen Angststörungen.

Von einer Angststörung sprechen Experten, wenn sie den Betroffenen daran hindert, ganz normale Dinge des Alltags zu erledigen. Wenn sie früh genug erkannt werden, können Sie jedoch überwunden werden. Wo die neuartigen Therapien von Angststörungen ansetzen, lesen Sie hier.

Therapien von Angststörungen: Symptome richtig deuten

Bei dem Verdacht auf Angststörungen ist es äußerst wichtig, die Symtome richtig zu deuten. Denn: "Betroffene versuchen die Ängstlichkeit ständig auszugleichen – und meiden so immer mehr Situationen und Orte, die Angst auslösen. Schließlich ziehen sie sich Stück für Stück aus dem Leben zurück“, weiß Prof. Claas-Hinrich Lammers, Ärztlicher Direktor an der Asklepios Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hamburg Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Sie haben zum Beispiel Panikattacken mit oder ohne Platzangst, eine generalisierte Angststörung mit ständiger, übermäßiger Besorgtheit und Anspannung oder Phobien zum Beispiel vor Spinnen, Schlangen, Höhe, dem Fliegen. Mit einem Anteil von 13 Prozent ist die soziale Phobie eine der häufigsten Angsterkrankungen. Bei ihr drehen sich alle Gedanken um Anerkennung: "Wie werde ich bewertet, werde ich abgelehnt?" Prof. Lammers: "Oft erkranken vorsichtige, unsichere Menschen. Entscheidend ist auch, ob der Erziehungsstil der Eltern die Angst eher verstärkt hat oder eher geholfen hat, sie zu überwinden."

Das sind Auslöser von Angststörungen

Auslöser können aber auch Stress, Verlust von Arbeitsplatz oder Partner, Einsamkeit, eine schwere Erkrankung, Perfektionismus oder Veränderungen im Hormonhaushalt, z. B. in Schwangerschaft oder Wechseljahren, sein. Ein weiterer Faktor sind Depressionen. "Rund 50 Prozent der Depressions-Kranken entwickeln einmal im Leben eine Angststörung", sagt Prof. Lammers. Auch der Körper reagiert. Symptome für Angststörungen können sich als Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Magenbeschwerden oder Durchfall, Herzstolpern oder Schlafstörungen äußern. Dabei sind Angststörungen heute heilbar. Je früher sie behandelt werden, desto besser.

Agoraphobie mit Panikstörung ist eine andere Bezeichnung für Panikattacken aufgrund von Platzangst. Hier erfahren Sie mehr!

6 Therapien, die gegen Angststörungen helfen

1. Konfrontationstherapie

Am erfolgreichsten ist die Konfrontationstherapie, bei der die Patienten in Begleitung eines Psychotherapeuten immer wieder in die angstauslösende Situation hineingeführt werden, z. B. in einen Fahrstuhl, eine S-Bahn oder in ein Einkaufszentrum. "Das kostet anfangs zwar enorme Überwindung. Doch je häufiger und länger sich der Patient dieser Situationen aussetzt, desto mehr erfährt er, dass sich die Angst nicht - wie befürchtet – ins Unendliche steigert, sondern wieder abnimmt", ermutigt Prof. Lammers.

2. Virtual-Reality-Programme

Ein weiterer Baustein, um die Angst "abzutrainieren" sind ganz neue Virtual-Reality-Programme, die den Patienten per 3D-Brille in seine Furcht-Welt hineinversetzen. Wer sich etwa vor Spinnen fürchtet, also an einer sogenannten Arachnophobie leidet, sieht z. B. ein handtellergroßes, haariges Computer-Krabbeltier. Bei jeder Sitzung wird es bedrohlicher – bis die Angst verfliegt. Die Virtual-Reality-Behandlung kann auch zu Hause unter Aufsicht eines Therapeuten eingesetzt werden. Ergänzend gibt es spezielle Internet-Programme mit Übungen zur Angstbewältigung (Zugang über die behandelnde Klinik).

3. Therapiebegleitende Medikamente

Manchmal verschreibt der Arzt begleitend moderne Medikamente wie z. B. "Pregabalin", das die Erregbarkeit der Nervenzellen herabsetzt und die unruhige Seele glättet. Starke Angst kann auch entstehen, wenn die Balance der Neurotransmitter (z.B. Serotonin, Noradrenalin) im Gehirn gestört ist. Da können Serotonin-Wiederaufnahmehemmer helfen.

4. Wahrnehmungslenkung

Bei der Wahrnehmungslenkung lernt der Patient, sein Angst-Karussell zu stoppen, indem er seine Aufmerksamkeit gezielt auf beruhigende und angenehme Dinge lenkt. Zum Beispiel flieht er in Gedanken in einen Garten, in dem er sich als Kind geborgen gefühlt hat. Er kann sich aber auch für zwei Minuten auf alle Gegenstände, die auf dem Schreibtisch liegen, konzentrieren. Dabei rund 20-mal bewusst durch die Nase einatmen, beim langsamen Ausatmen in Gedanken ein zweisilbiges Wort wie z.B. "Himmel" sprechen.

5. Relax- Methoden und Sport

Wer rundum entspannt ist, wird weniger anfällig für Ängste. Deshalb sind bewährte Relax-Methoden wie Qigong, Tai Chi oder Muskelrelaxation nach Jacobson eine erfolgreiche Begleit-Therapie. Und jede Ausdauersportart wie z. B. Nordic Walking oder Radfahren verringert den Pegel der Stresshormone im Blut. Wie eine US-Studie der Universität Georgia zeigt, nehmen Angstsymptome um bis zu 29 Prozent ab, wenn der Patient sich mindestens dreimal die Woche 30 bis 45 Minuten intensiv bewegt.

Sport ist gesund – und hilft nicht nur bei Angststörungen. Lesen Sie, bei welchen Krankheiten Sport besonders hilfreich ist.

6. SOS-Akuthilfe

Eine schnelle SOS-Akuthilfe bei einer beginnenden Angstattacke ist z. B. der Gedankenstopp: Stellen Sie sich ein rotes Verkehrs-Stoppschild vor und sagen laut "Stopp". Unterstützen können Sie dies durch ein Gummiband am Handgelenk. Kräftig daran ziehen und loslassen, sodass Sie einen leichten Schmerz spüren. Das verstärkt die Ablenkung von der Angst.

Ebenso effektiv als Therapie gegen Angststörungen ist die Lippenbremse: Langsam durch die Nase einatmen, dabei bis 4 zählen. Beim Ausatmen Lippen leicht aufeinanderdrücken, sodass ein leichter Widerstand entsteht. Durch einen kleinen Spalt zwischen den etwas gespitzten Lippen ausatmen, dabei bis 6 zählen. Solange wiederholen, bis die Angst nachlässt.

Oft gehen Depressionen mit Angststörungen einher. Erfahren Sie auf unserer Themenseite mehr zu diesem Thema.

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