15.03.2017

Psychologie Mehr Me-Time - bitte!

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Zeit für sich selbst und Rituale, die man sich auch in stressigen Situationen des Lebens gönnt, sind der Schlüssel zu vielen kleinen Glücksmomenten.

Foto: iStock/kupicoo

Zeit für sich selbst und Rituale, die man sich auch in stressigen Situationen des Lebens gönnt, sind der Schlüssel zu vielen kleinen Glücksmomenten.

„Ich komme immer zu kurz!“ Wenn Sie diesen Stoßseufzer bestens kennen, lesen Sie unbedingt weiter. Denn dahinter steckt wahrscheinlich ein ganz anderes Problem, als Sie vermuten

Was ist Me-Time?

„Me-Time“ ist Zeit für mich, und zwar ausschließlich für mich. Sekunden, Minuten oder auch Stunden, in denen wir - wenn überhaupt – mal nur an uns selber denken. „Wenn es damit nicht klappen will, liegt das nicht unbedingt an den vielen Terminen in unserem Kalender“, sagt die Berliner Psychologin Susanne Gastdorf. „Viel mehr stehen wir uns oft selbst im Weg.“ Obwohl Freiräume da sind, schaffen wir es nicht, sie zu genießen. Für diese seelische Zeitverschwendung gibt es unterschiedliche Gründe. Hier finden Sie heraus, was bei Ihnen schiefläuft.

Müdigkeit macht langsam …

Schlafmangelgehört zu den schlimmsten Zeitkillern. Fehlt Nachtruhe (weniger als sechs Stunden), leidet die Konzentrationsfähigkeit. Alle Reaktionen werden langsamer, und wir lassen uns vor allem leichter ablenken. Die logische Folge: Obwohl wir länger wach sind, schaffen wir weniger. Auch einfache Dinge wie Hausarbeit oder Routine-Aufgaben im Job dauern unnötig lange. Tschüss, Me-Time!

Ihr Problem?

  • Ich schlafe oft beim Fernsehen oder Lesen ein.
  • Ich habe Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen.
  • Ich liege an den Wochenenden viel im Bett, versuche nach- und vorzuschlafen.
  • Ich sage häufig „Alles zu viel“ oder „Wie soll ich das bloß schaffen?“.

… aber man kann auch ins Bett gehen

Ausreichend Schlaf bedeutet für die meisten sieben bis acht Stunden. Wichtigster Schritt dahin: Trauen Sie sich wieder zu sagen „Ich bin müde, ich muss ins Bett“. Auch wenn der Partner noch wach ist oder der Handy-Chat mit der Freundin noch läuft. Schlafenszeit ist Schlafenszeit! Sie machen sich fit für die erste Me-Time des Tages: in Ruhe frühstücken, statt gähnend durch die Wohnung zu hetzen.

Sorgen rauben Energie …

Gesundheit, Geld, Familie, Karriere - es gibt unendlich viele Dinge über die wir uns Sorgen machen können. Was, wenn die Kopfschmerzen was Ernstes sind, die Waschmaschine ausgerechnet jetzt kaputt geht, das Geld im Urlaub nicht reicht, die Tochter zu spät nach Hause kommt, der Sohn eine Fünf in Mathe schreibt, der Chef keine Geduld mehr hat, die Kollegin auch noch krank wird? Alles Dinge, die in der Zukunft liegen. Die also eventuell passieren könnten, aber auf keinen Fall passieren müssen. Trotzdem beschäftigen uns diese Sorgen schon jetzt von morgens bis abends und rauben jede Menge Seelen-Energie für Schönes.

Ihr Problem?

  • Ich habe verspannte Nackenmuskeln.
  • Ich bin häufig gereizt.
  • Ich finde Sachen oft nicht wieder.
  • Ich sage gern „Auch das noch“ oder „Ich habe es geahnt“.

… aber man kann sie auch vertreiben

Sorgen kann man spontan wegatmen. Nutzen Sie diese SOS-Hilfe am besten mehrmals täglich - immer wenn Sie die Anspannung spüren: Zehnmal tief Luft holen und dabei den Satz „Mir geht es gut“ wiederholen.

Damit die Sorgen-Stunden insgesamt weniger (und die Relax-Stunden mehr) werden, beugen Sie vor: Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten jeden Tag. Beim zügigen Spaziergang, Radfahren, Joggen oder Fitness-Training, entspannen Sie die Muskeln, bauen Stress-Hormone ab und Glücks-Hormone auf.

Alles muss schnell gehen …

Wir rennen zum Bus, wir suchen im Supermarkt verzweifelt die schnellste Kasse, wir essen im Stehen, wir telefonieren schon auf dem Weg zur Arbeit. Einfach mal nichts tun? Gedankenverloren zum Bus schlendern, in der Warteschlange andere beobachten, auf einem Stuhl sitzen und in Ruhe kauen, in der Bahn aus dem Fenster gucken … Viele wissen überhaupt nicht mehr, wie sich das anfühlt. Verschenkte Me-Time!

Ihr Problem?

  • Ich mache vieles auf den letzten Drücker.
  • Ich habe keinen Lieblings-Platz zum Entspannen.
  • Ich vergesse oft Absprachen.
  • Ich sage häufig „Eben noch schnell“ oder „Kannst du kurz mal“.

… aber man kann auch die Pausen-Taste drücken

Das beste Mittel gegen die Dauer-Hektik sind Rituale, die im Alltag zu Pausen zwingen - und die wir niemals ausfallen lassen! Zum Beispiel: Morgens zehn Minuten früher aufstehen und den Frühstückskaffee am Tisch trinken. Fünf Minuten vor dem Mittagessen ans Fenster stellen, in den Himmel schauen und die Wolken beobachten. Nach der Arbeit bequeme Sachen anziehen und zehn Minuten um den Block gehen. Vor dem Schlafengehen einen Becher Lieblings-Aromatee trinken.

Schlechte Laune reißt runter …

Beim Zähneputzen war die Welt noch in Ordnung. Aber dann beschwert sich die Nachbarin im Treppenhaus, weil Ihre Tür gerade eben ein bisschen laut ins Schloss gefallen ist. Die Frau hat einfach immer was zu meckern. Leider lassen sich viele Menschen von solchen Kleinigkeiten die Laune (und den Spaß) für den ganzen Tag verderben.

Ihr Problem?

  • Ich lache selten, lächeln schon eher.
  • Ich werde für mein Gedächtnis bewundert.
  • Ich knirsche oft mit den Zähnen.
  • Ich denke häufig „Das ist nicht mein Tag“.

… aber man kann auch positiv denken

Jetzt geht es darum, den Ärger möglichst schnell aus dem Kopf zu kriegen. Der Nachbarin in Gedanken mal richtig die Meinung zu sagen oder gar wütend den eigenen Auszug zu planen, reißt nur noch weiter runter. Machen Sie sich lieber bereit für viele kleine Glücksmomente. Betonen Sie die positiven Dinge, die der Tag zu bieten hat. Sammeln Sie mindestens fünf und der kurze Treppenhaus-Ärger ist nicht mehr wichtig. Die Sonne scheint. Sie haben Ihre Lieblingsschuhe an. Sie gehen in der Mittagspause bummeln. Das Schnäppchen, das Sie im Internet bestellt haben, wird heute geliefert. Und abends gibt’s Ihre Lieblings-TV-Serie. Endlich Me-Time!

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