09.03.2020 - 16:10

Absage von Großveranstaltungen Einschränkungen wegen Covid-19: Wo Deutschland jetzt stillsteht

Flüge werden in den nächsten Wochen wohl noch einige ausfallen: Um eine Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, müssen wir uns wohl auf weitere Einschränkungen im Alltag gefasst machen.

Foto: iStock/martin-dm

Flüge werden in den nächsten Wochen wohl noch einige ausfallen: Um eine Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, müssen wir uns wohl auf weitere Einschränkungen im Alltag gefasst machen.

Damit die Ausbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 weiter eingedämmt werden kann, plädiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür, Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern abzusagen. Und auch Schulen werden vermehrt geschlossen, Flüge abgesagt. Worauf Sie sich in den kommenden Tagen und Wochen einstellen sollten.

Rapide breitet sich das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 aus, mittlerweile hat die Zahl der Infektionen in Deutschland die Tausendermarke überschritten. Weltweit hält das Virus die Menschheit in Atem, mit allen Mitteln wird versucht, eine weitere Ausbreitung zu verhindern oder zumindest einzuschränken. So langsam machen sich auch Auswirkungen auf den Alltag bemerkbar. Veranstaltungen fallen aus, Flüge werden gestrichen, in manchen Bundesländern bleiben Schulen erst einmal geschlossen. Was wo gerade los ist und auf welche Einschränkungen durch das Coronavirus Sie sich einstellen sollten:

Einschränkungen durch das neue Coronavirus: Spahn sagt, Bürger sollten abwägen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, besonnen zu reagieren und nun erst einmal abzuwägen, was im Alltag nun wirklich wichtig sei und worauf sie in den nächsten zwei bis drei Monaten verzichten könnten. Ob "Clubbesuch, die Geburtstagsfeier im familiären Kreis oder die Vereinssitzung", er vertraue auf die klugen Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger für sich und ihre Liebsten: "Denn wir schützen mit dieser Vorsicht vor allem unsere älteren und chronisch kranken Mitbürger."

Messen und Großveranstaltungen

Weiterhin hat Spahn die Empfehlung ausgesprochen, Großveranstaltungen ab 1000 Besuchern erst einmal abzusagen. Man habe da schon viel früher reagieren müssen, jetzt werde es Zeit, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. "Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen", erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er sei sich bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter habe, darüber spreche man in den kommenden Tagen. Aber es sei klar, dass die Gesundheit vorgehe.

Bereits abgesagt worden waren etwa die Tourismusmesse ITB oder die Leipziger Buchmesse, verschoben etwa die Hannover Messe, nun könnten auch Geisterspiele in der Bundesliga folgen. So hat das Land NRW bereits angekündigt, das Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 11. März ohne Publikum im Stadion stattfinden zu lassen, weitere Spiele könnten folgen. Der Spielbetrieb solle aber laut DFL auch im Ernstfall bis Saisonende fortgesetzt werden, notfalls ohne Fans. Getroffen hat es nun auch die Champions-League-Partie zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund, das Spiel wird vor leeren Rängen stattfinden.

Auch Konzerte könnten betroffen sein, nachdem in der Schweiz solche bereits abgesagt worden waren. Wer geplant hat, an Großveranstaltungen teilzunehmen, sollte die Internetseiten der Veranstalter prüfen und sich – wie Spahn appelliert – aber auch selbst Gedanken machen, ob dies nun sein muss.

Werden Veranstaltungen abgesagt, zahlt der Veranstalter den Ticketpreis übrigens zurück. Andere Kosten wie Reise- und Hotelkosten jedoch nicht, wenn der Veranstalter keine Schuld an der Absage trägt.

Schulen und Kitas

Die Gesundheitsbehörden entscheiden, ob Schulen geschlossen werden, lediglich im Ausnahmefall können Schulleitungen die Tore einer Schule schließen – "zur Abwehr erheblicher konkreter Gefahren". Eltern dürfen ihre Kinder bisher nicht eigenständig von der Schule fernhalten, die Schulpflicht besteht weiterhin. Eltern können die Entscheidung über eine Teilnahme am Unterricht nur nach Rücksprache mit Ärzten treffen, wenn begründeter Verdacht auf eine Infektion besteht. Einige Schulen in besonders betroffenen Gebieten, etwa im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, haben den Betrieb aber bereits ausgesetzt. Die Schulen und auch Kitas informieren Eltern und Schüler über Schließungen und notwendige Maßnahmen.

Kinder können sich mit Sars-CoV-2 infizieren. Unklar ist bisher allerdings, inwiefern sie selbst andere anstecken können.

Reisen: Flugausfälle und Co

Wer Reisen geplant hat, sollte nun aufhorchen: Auch hier ruft Jens Spahn die Bürgerinnen und Bürger auf, Risikogebiete zu meiden und auf nicht notwendige Reisen etwa in die betroffenen Regionen in Italien zu verzichten. Genauso solle man sich aber etwa zurzeit von den betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen fernhalten, wenn es sich vermeiden lässt. Dennoch bleiben die Grenzen der Europäischen Union vorerst offen. Diese Länder verschärfen die Ein- und Rückreise wegen Sars-CoV-2

  • Flüge: Die Lufthansa streicht bereits Verbindungen – 7000 Flüge sollen bisher ausfallen, die Kapazitäten um rund 50 Prozent reduziert werden. Davon betroffen sind auch andere Passagierfluggesellschaften der Lufthansa Group, also Eurowings, Swiss und Austrian Airlines. Auch Iran Air setzt Flüge nach Europa aus. Israel hat sich wiederum besonders abgeriegelt und lässt die Einreise aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und der Schweiz nicht mehr zu.
  • Bahn: Bahnverbindungen der DB werden vorerst nicht gestrichen, jedoch weist die Deutsche Bahn Passagiere auf die Ratschläge des Robert-Koch-Instituts hin: Gründliches Händewaschen, Taschentücher schnell entsorgen. Für Fahrten in Risikogebiete, etwa nach Norditalien, gilt die Kulanzregelung der DB. Sollten Kunden die Reise nicht mehr antreten wollen, können sie ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen. Dies gelte auch, wenn der Anlass einer Fahrt aufgrund des Coronavirus ausfalle, etwa wenn eine Großveranstaltung abgesagt werde und auch, wenn das gebuchte Hotel im Zielort vor Reiseantritt unter Quarantäne gestellt wird. Hier finden Sie aktuelle Infos der Deutschen Bahn zum Coronavirus.

Doch auch wenn Veranstaltungen ausfallen und Flüge gestrichen werden sowie Bürgerinnen und Bürger zum Verzicht auf unnötige Events, Reisen und Treffen aufgerufen werden, sollten wir dennoch aufpassen, dass keine unnötige Panik ausbricht und wir ruhig und besonnen handeln. Dazu erklärt eine Psychologin, was die Angst vor dem Coronavirus mit uns macht. Und was Sie für Notsituationen wirklich im Haus haben sollten, ohne nun kopflose Hamsterkäufe zu tätigen, lesen Sie auch bei uns.

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Alle neuen Infos zum Ausbruch von Sars-CoV-2 in Deutschland finden Sie in unserem Ticker.

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