02.03.2020 - 15:12

Fahrlässiger Umgang mit Medikamenten Arzneimittel-Cocktails: Viele Deutsche achten nicht auf gefährliche Wechselwirkungen

Von

Ein Mix an Medikamenten kann schwere Wechselwirkungen hervorrufen, ein nichtabgesprochenes Absetzen ist aber ebenso gefährlich. Dennoch gehen viele Deutsche laut einer Umfrage viel zu fahrlässig bei der Einnahme von Arzneimitteln vor.

Foto: iStock/tibor13

Ein Mix an Medikamenten kann schwere Wechselwirkungen hervorrufen, ein nichtabgesprochenes Absetzen ist aber ebenso gefährlich. Dennoch gehen viele Deutsche laut einer Umfrage viel zu fahrlässig bei der Einnahme von Arzneimitteln vor.

Wer dauerhaft Medikamente nimmt und dazu noch zu nicht verschriebenen Arzneien wie Kopfschmerzmittel oder etwa Johanniskraut greift, muss mit schweren Wechselwirkungen rechnen – doch der Großteil der Deutschen kümmert sich nicht darum. Vor allem Jüngere stellen ihre Medikation gerne eigenmächtig um. Warum das gefährlich werden kann.

Rund 69 Prozent der Deutschen greifen zusätzlich zu ihrer verschriebenen Medikation zusätzlich zu weiteren Arzneimitteln, die nicht vom Arzt verschrieben worden sind – ohne Rücksprache. Das hat das biopharmazeutische Unternehmen UCB bei einer Befragung von 1000 Bundesbürgern festgestellt und die Daten der "Welt am Sonntag" zugänglich gemacht. Problematisch daran: Es können durchaus gefährliche Wechselwirkungen auftreten.

Parallelverwendung von Medikamenten: Vorsicht vor Wechselwirkungen

Untersucht wurde der Umgang mit Medikamenten – und der ist oft fahrlässig. Laut der Umfrage haben rund 83 Prozent der Befragten (sowohl Männer als auch Frauen) schon einmal die Einnahme von Medikamenten vergessen. Rund 69 Prozent nehmen neben verschriebenen Medikamenten ohne Rücksprache mit dem Arzt selbst verordnete Medikamente ein oder haben dies schon einmal gemacht. Außerdem haben 57 Prozent bereits mindestens einmal Medikamente ohne Absprache mit dem Arzt vorzeitig abgesetzt. 54 Prozent haben ein verschriebenes Rezept gar nicht erst eingelöst und ebensoviele haben die Dosierempfehlungen nicht eingehalten.

Ein großes Problem ist die hohe Zahl derer, die eigenverantwortlich zusätzliche Medikamente einnehmen, ohne sich vorher über eventuelle Wechselwirkungen mit den sowieso konsumierten Arzneimitteln zu informieren. Bei zehn Prozent komme eine Parallelverwendung häufiger vor, heißt es bei der "Welt am Sonntag", bei 27 Prozent ab und zu, bei 32 Prozent selten.

Transplantate verloren wegen Johanniskraut

Oft werden unbedarft Kopfschmerztabletten eingenommen. Dies sei bei einmaliger oder kurzfristiger Einnahme zwar kein allzu großes Problem, weiß der Bremer Pharmakologe und Mitglied im Vorstand der Arzneimittelkommission, Bernd Mühlbauer. Gegenüber "Welt am Sonntag" stellt er klar, dass Alltagsarzneimittel mit einer gewissen "therapeutischen Breite" entwickelt würden, innerhalb derer Wechselwirkungen mit gelegentlich zugeführten anderen Wirkstoffen nur wenige Effekte hätten.

Kritisch werde es aber etwa, wenn jemand beispielsweise Immunsuppresiva nach einer Organtransplantation nehmen müsse und dann zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Johanniskraut greife, sagt Mühlbauer: "Patienten haben in solchen Fällen schon ihre Transplantate verloren."

Andere Gefahr: Medikamente einfach absetzen

Immerhin machen sich etwa 47 Prozent der Befragten hin und wieder Gedanken über Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen. Fehlende Informationen sind aber eigentlich kein Problem: Viele gerade jüngere Menschen gaben in der Umfrage an, sich neben der ärztlichen Verordnung über verschriebene Medikamente im Internet zu informieren und damit zusätzliche Quellen einzubeziehen – um dann die Einnahme aus Furcht vor Nebenwirkungen abzubrechen.

Das kann aber ebenfalls gefährlich werden. Beispielsweise kann der Abbruch einer Antibiotika-Therapie dazu führen, dass verbleibende Bakterien im Körper Resistenzen entwickeln und sich dann nicht mehr mit Medikamenten bekämpfen lassen. Auch wer sich während der Antibiotika-Therapie bereits wieder gesund fühlt, sollte das Medikament wie verordnet zu Ende nehmen, denn "es verstecken sich immer noch Bakterien in geheimen Ecken des Körpers", so Mühlbauer. Antibiotika: Auf die richtige Einnahme kommt es an, um Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Nebst Nebenwirkungen können bei Antibiotika außerdem auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten.

Arzt immer über zusätzliche Medis informieren

Wer zu einer bestehenden Medikation hin und wieder weitere Präparate nimmt, sollte seinen Hausarzt von sich aus darüber informieren. Dieser kann dann gezielt über eventuelle Wechselwirkungen informieren und bei Bedarf auch einen speziellen Medikationsplan erstellen, damit solche Wechselwirkungen möglichst gering gehalten werden. Dieser Medikationsplan ist auch für Apotheker wichtig, die dann den Patienten entsprechend informieren können.

Übrigens können Sie sich die Einnahme so mancher rezeptfreier Medikamente sowieso sparen: Sie wirken nicht oder nur unzureichend – Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln können aber trotzdem auftreten!

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe