21.03.2016

Keine Angst, Leben zu retten! 8 Notfälle - und wie Sie richtig reagieren!

Von

Foto: ©istock Talaj

Es passiert im Alltag öfter, als man denkt: Die Schnittwunde hört nicht auf zu bluten oder eine Gräte steckt in der Luftröhre fest. Was tun?

Ein Leben zu retten, ist einfacher, als viele denken. Auch wenn nur jeder dritte Deutsche laut einer aktuellen DRK-Umfrage an einem Unfallort richtig helfen kann: "Jeder von uns sollte beherzt handeln, ohne Angst vor einem Fehler. Dazu sind wir nicht nur moralisch, sondern auch juristisch verpflichtet", so Dr. Thomas Ziegenfuß, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am St. Josef Krankenhaus Moers.

"Am schlimmsten ist das Unterlassen einer Herzdruckmassage bei einem Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Selbst wenn bei der Massage die Rippen brechen - das überlebt ein Mensch. Nicht aber, wenn nichts unternommen wird!" Jeder sollte deshalb alle zwei Jahre seine Erste-Hilfe-Kenntnisse konsequent auffrischen. "Dazu reichen sogar schon Reanimations-Apps oder ein Internet-Video", so der Notfall-Mediziner.

Notfall 1: Herz-Kreislauf-Stillstand

Jemand bricht zusammen, reagiert nicht, wenn er angesprochen oder gerüttelt wird. Es ist auch keine Atmung mehr wahrzunehmen.

Erste Hilfe

1. Keine Zeit damit verschwenden, nach einem Puls zu suchen. Er ist für Laien oft nicht zu ertasten.

2. Als Erstes unter 112 den Rettungswagen rufen.

3. Sofort mit der Wiederbelebung, also der Herzdruckmassage, beginnen: Patienten auf den Rücken legen. Die Hände übereinanderlegen, mit den Handballen senkrecht auf die Mitte des Brustkorbs drücken.

4. Die Drucktiefe sollte fünf Zentimeter betragen, das Drucktempo 100 Mal pro Minute, z.B. nach dem Rhythmus des Bee-Gees-Hits "Stayin' Alive". Keine Pausen machen!

5. So lange reanimieren, bis der Notarzt kommt.

An öffentlichen Plätzen wie Flughäfen oder Behörden einen automatischen Defibrillator einsetzen.

Mund-zu-Mund-Beatmung

1. Sind noch Atemgeräusche zu hören? Dafür einfach Ohr über Nase und Mund der Betroffenen halten.

2. Eine Hand an die Stirn und eine Hand an die Kinnspitze legen. Kopf sanft nach hinten strecken.

3. Nase zudrücken. Zweimal für eine Sekunde in den Mund blasen, dann folgen 30 Druckmassagen.

Notfall 2: Nasenbluten

Wenn die Nasenschleimhäute durch trockene Heizungsluft oder eine Erkältung gereizt sind - also besonders im Winter -, platzen ihre Äderchen sehr leicht.

Erste Hilfe

1. Aufrecht hinsetzen, Kopf nach vorne beugen und Stirn abstützen, damit das Blut aus der Nase fließen kann. Dabei ein sauberes Tuch unter die Nase halten und ruhig durch den Mund ein- und ausatmen.

2. Ein Coldpack in den Nacken legen. Fünf bis zehn Minuten mit Daumen und Zeigefinger den oder die Nasenflügel kräftig zusammendrücken. Ausnahme: nicht, wenn die Nase nach einem Sturz oder einer Verletzung dick geschwollen ist (Verdacht auf Nasenbruch, sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme).

3. Blutet es immer noch, erneut weitere fünf Minuten drücken. Lässt die Blutung auch nach 15 Minuten nicht nach oder beginnt sie immer wieder, den Rettungsdienst unter 112 anrufen.

Notfall 3: Panikattacke

Rund 60 bis 75 Prozent der deutschen Frauen bekommen immer mal wieder eine Panikattacke - besonders in stressigen Festtags-Zeiten. Dann rast und stolpert das Herz, der Mund wird trocken, der Hals ist wie zugeschnürt und der Schweiß rinnt. Dazu kommt oft die Angst, ohnmächtig zu werden.

Erste Hilfe

1. Den Patienten beruhigen: Panik ist sehr unangenehm, aber nie wirklich gefährlich. Das Herz bleibt nicht stehen und der Atem stockt auch nicht! Das Augenmerk auf die Umgebung lenken, z.B. auf die weihnachtlich geschmückten Straßen, Schaufenster oder die Menschen. Auch gut: bewusst den Lauf des Sekundenzeigers seiner Armbanduhr betrachten lassen.

2. Den Patienten tiefer als gewöhnlich einatmen und sofort wieder ausatmen lassen. Danach den Atem anhalten und in Gedanken von 1001 bis 1006 zählen lassen. Wieder einatmen. Wiederholen, bis die Panikattacke weggeht.

3. Den Patienten Nüsse (vorher unbedingt nach Allergie fragen!) essen oder Kaugummi kauen lassen. Das baut Stress ab.

4. Neue Katastrophengedanken verhindert ein Gummiband um den Arm. Sobald die Angst hochkriecht, das Band mehrmals schnalzen lassen, bis es etwas wehtut. Der Schmerz überlagert dann die Panik-Gefühle.

5. Hyperventiliert der Ängstliche, eine Papiertüte so über sein Gesicht stülpen, dass sie über Nase und Mund reicht. In die Tüte ein- und ausatmen lassen. Statt einer Tüte die hohlen Hände vor seinen Mund halten und hineinatmen lassen.

Notfall 4: Verschlucken

Verirrt sich ein größeres Fleischstück in die Luftröhre und kann nicht abgehustet werden, so besteht schnell Lebensgefahr. Droht der Patient bewusstlos zu werden, hilft das Heimlich-Manöver (s. o.), das einen heftigen Hustenstoß simuliert. Bei stabil wachen Patienten reichen einige Schläge auf den Rücken, um das Abhusten zu fördern und zu erleichtern.

Erste Hilfe

1. Hinter den Patienten stellen, die Faust auf seine Magengrube direkt am unteren Ende des Brustbeins legen.

2. Die andere Hand über die Faust legen, dann mit beiden Händen den Patienten ruckartig zu sich heranziehen. Durch den hohen Druck löst sich der Fremdkörper.

Notfall 5: Blutungen

Verletzungen, z. B. durch einen Schnitt oder Sturz, die mit einem Pflaster nicht zu stoppen sind, können schnell gefährlich werden.

Erste Hilfe

1. Sterile Mullbinde fest um die Wunde wickeln. Zur Not reicht auch ein Tuch oder T-Shirt.

2. Mit dem Finger oder der Faust kräftig auf die Wunde drücken - so lange, bis die Blutung aufhört.

3. Arm oder Bein bitte nur dann mit einem Gürtel oder einer Schnur abbinden, wenn der Druckverband nicht wirkt.

4. Wunden mit mehr als 2 cm Länge und 0,5 cm Tiefe sollten grundsätzlich sofort chirurgisch versorgt werden. Wichtig: auf klaffende Wunden kein Sprühpflaster!

Notfall 6: Verbrennung

Rötet sich die Haut, z. B. durch kochendes Wasser oder das heiße Bügeleisen, handelt es sich um eine Verbrennung ersten Grades, bilden sich Blasen, um eine Verbrennung zweiten Grades.

Erste Hilfe

1. In beiden Fällen das verbrannte Hautareal mit zimmerwarmem Leitungswasser so lange kühlen, bis es nicht mehr wehtut.

2. Bei zusätzlichen Beschwerden wie z. B. Übelkeit oder Kreislaufproblemen besser zum Arzt gehen.

3. Wichtig: Nicht Butter oder Mehl auf die Brandwunde geben. Das schadet!

Notfall 7: Herzinfarkt

Treten plötzlich starke Schmerzen im Brustraum auf, die in den Rücken, den linken Arm oder den Kiefer ausstrahlen, bei Frauen auch in die Magengegend, könnte ein Herzinfarkt dahinterstecken.

Erste Hilfe

1. Den meist ängstlichen Patienten beruhigen und unbedingt vom Umherlaufen abhalten.

2. Den Patienten aufrecht hinsetzen, damit er besser atmen kann.

3. Halsketten abnehmen, Blusen und Hemden öffnen, Rollis ausziehen.

4. Notarzt rufen.

Notfall 8: Ohnmacht

Liegt jemand auf dem Boden, reagiert nicht auf Ansprechen oder Rütteln, atmet aber normal, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Sie verhindert, dass z.B. die Zunge in die Luftröhre rutscht oder Erbrochenes eingeatmet wird.

Erste Hilfe

1. Links neben dem Ohnmächtigen knien. Seine Beine ausstrecken, Hand unter das Gesäß schieben.

2. Körpernahes Bein anwinkeln und Verletzten vorsichtig drehen. Oberschenkel und Hüfte befinden sich im rechten Winkel. Das rechte Bein ruht ausgestreckt auf dem angewinkelten Bein. Rechten Arm über die Brust oberhalb des Gesichts platzieren.

3. Unten liegenden Arm zur Stablilisierung abwinkeln.

4. Den Kopf vorsichtig nach hinten überstrecken, den Mund öffnen und das Gesicht auf den Handrücken legen. Rettungsdienst alarmieren und die hilflose Person mit einer Decke wärmen.

Dieser Text erschien ursprünglich in der BILD der FRAU 04/12/2015.

Seite

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen