04.10.2018

Diabetes vorbeugen Insulinresistenz: Was hat sie mit Übergewicht zu tun?

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Insulinresistenz kann auf einen gefährlich erhöhten Blutzuckerspiegel hindeuten. Jeder kann betroffen sein. Sie können der Insulinresistenz aber mit gesunder Ernährung entgegenwirken.

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Insulinresistenz kann auf einen gefährlich erhöhten Blutzuckerspiegel hindeuten. Jeder kann betroffen sein. Sie können der Insulinresistenz aber mit gesunder Ernährung entgegenwirken.

Wird eine Insulinresistenz festgestellt, ist schnelles Handeln gefragt. Denn ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann ein Hinweis auf Diabetes sein. Erfahren Sie mehr über Risikogruppen, Ursachen und Heilungsschancen.

Insulinresistenz kann schnell gefährlich werden. Was genau man darunter versteht, wo sie herkommt, wie Sie sich vor daraus resultierender Diabetes schützen – und was insofern zu tun ist:

Insulinresistenz verstehen: Bereitstellung von Energie aus Kohlenhydraten im Stoffwechsel

Traubenzucker (Glukose) ist ein sehr wichtiges Transportmittel für Energie im Körper. Glukose wird entweder mit der Nahrung aufgenommen oder in der Leber produziert und dann mit dem Blut in die verschiedenen Organe transportiert und verwendet. Viele Organe (z. B. Muskel, Herz) können neben Glukose auch andere Stoffe als Energiequelle verwenden (z. B. Fett), einige Organe (Gehirn und rote Blutkörperchen) benötigen allerdings Glukose unbedingt zum Überleben.

Aus diesem Grund hat der Körper viele Mechanismen, um die Glukose im Blut ausreichend hoch zu halten; genannt seien die Hormone Cortisol, Wachstumshormon, Adrenalin, Noradrenalin und Glukagon. Viele dieser Botenstoffe sind so genannte Stresshormone: Hormone, die bei seelischer oder körperlicher Anstrengung ausgeschüttet werden, um so den Körper – u. a. durch Bereitstellung von Energie – leistungsfähiger zu machen.

Insulinresistenz: gefährliche Erhöhung des Blutzuckers

Nur ein einziges Hormon senkt den Blutzucker: Insulin. Insulin wird in kleinen Zellnestern, den "Inseln" (daher "Insulin") in der Bauchspeicheldrüse gebildet und ausgeschüttet, wenn die Glukose im Blut zu hoch ist.

Um die Blutglukose (Blutzucker) zu senken, stellt das Insulin den ganzen Stoffwechsel auf Glukoseverbrauch um: In der Leber drosselt es die Produktion von Glukose (Glukoneogenese) und erhöht deren Speicherung (Glykogen-Synthese). Im Muskel und im Fett sorgt es für einen Glukose-Einstrom in die Zelle, damit diese verbraucht wird, und hemmt gleichzeitig die Fettverbrennung, damit die Organe nicht Fett anstelle von Glukose als Energie verwenden können.

Kurz gesagt: Wer schnell verdauliche Kohlenhydrate isst, dessen Blutzuckerspiegel steigt schnell an. Die Bauchspeicheldrüse merkt dies und schüttet mehr Insulin aus, damit die Zellen reagieren und den Blutzucker aufnehmen.

Insulin führt also zur Senkung des Blutzuckers, zur Energiespeicherung und auch zum Aufbau von Gewebe. Diese Wirkung wird in der Medizin "anabol" genannt. Wenn Insulin fehlt oder nicht richtig wirkt, ist der Blutzucker zu hoch, man wird zuckerkrank und hat Diabetes mellitus.

Diabetes als Folge von Insulinresistenz

. Bei absolutem Mangel an Insulin spricht man von Diabetes mellitus Typ 1; dann sind die "Inseln" in der Bauchspeicheldrüse zerstört und produzieren kein Insulin mehr. Die Erkrankung gilt damit als Autoimmunerkrankung – denn das körpereigene Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Typ 1 tritt dann auf, wenn 80 bis 90 Prozent dieser Zellen zerstört sind.

Wenn Insulin nicht richtig wirken kann, hat man Diabetes mellitus Typ 2. Und dieser Zustand bzw. der Zustand davor wird "Insulinresistenz" genannt – übrigens die häufigste Störung unseres Kohlenhydratstoffwechsels. Dabei reagieren die Zellmembranen nur noch langsam auf das ausgeschüttete Insulin – denn dieses kann nicht mehr richtig arbeiten. Währenddessen wird aber weiter bei der Verdauung Traubenzucker freigesetzt, und der Blutzuckerspiegel steigt weiter. Die Bauchspeicheldrüse versucht, dagegen anzuwirken, indem sie mehr Insulin ausschüttet. Eine "Hyperinsulinämie" entsteht – zu viel Insulin im Blut – die sogenannte "Prädiabetes"

Die Bauchspeicheldrüse kann mitunter einige Jahre so weiterarbeiten – irgendwann gibt sie aber meist auf und produziert gar kein Insulin mehr, so dass Diabetes mellitus Typ 2 entsteht.

Haben nur Diabetiker eine Insulinresistenz?

Insulinresistenz tritt also als Prädiabetes auch bei Menschen auf, die noch keinen Diabetes mellitus haben. Er zeigt an, dass ein Mensch in großer Gefahr ist, an Diabetes mellitus zu erkranken. Es ist ausgesprochen wichtig, Personen mit Prä-Diabetes zu identifizieren, denn bei diesen besteht noch die Möglichkeit, vorzubeugen und die Erkrankung zu verhindern. Entsprechend intensiv sind die Forschungen, um einfache Methoden zu finden, Prä-Diabetes zu erkennen.

Insulinresistenz kann unter anderem Ursache von Bewegungsmangel und Übergewicht sein. Sie kann aber auch stressbedingt auftreten, genetisch veranlagt sein und erst im Alter aufkommen.

Diagnostik der Insulinresistenz

Die genaue Messung der Insulinresistenz ist nur durch aufwendige, mehrstündige Untersuchungen (sog. "Clamp-Technik") möglich; einen groben Anhaltspunkt bietet der "HOMA"-Index, bei dem Glukose- und Insulin-Spiegel gemessen und miteinander ins Verhältnis gesetzt werden. Beide Methoden stehen aber nicht für die Routine zur Verfügung.

Die einfachste Methode, eine Insulinresistenz abzuschätzen, ist es, den Bauchumfang zu messen. Oberhalb von 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen steigt das Risiko, über 102 cm bzw. 88 cm ist die Wahrscheinlichkeit, eine Insulinresistenz zu haben, bereits hoch.

Es gibt jedoch auch dicke Menschen ohne jede Insulinresistenz und schlanke mit hoher Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2; es bleibt also eine gewisse Unsicherheit. Am besten wäre ein einfacher Bluttest zum Testen auf Insulinresistenz; den gibt es aber leider (noch) nicht.

Der orale Glukosetoleranztest

Eine gute Methode, die Insulinresistenz durch den Hausarzt einschätzen zu lassen, ist der so genannte orale Glukosetoleranztest (oGTT). Hierbei werden unter ärztlicher Aufsicht 75 g Glukose in Wasser gelöst getrunken und vorher sowie an definierten Zeitpunkten der Blutzucker im venösen Plasma gemessen (ein Blutzucker-Selbstmessgerät sollte hierfür nicht verwendet werden).

Der oGTT misst die Insulinresistenz nicht direkt, aber die Ergebnisse eines "erhöhten Nüchtern-Blutzuckers" oder einer "verminderten Glukosetoleranz" lassen auf eine mögliche Insulinresistenz schließen.

  • Wenn der Ausgangswert unter 100 mg/dl (5.6 mmol/l) und der 2-Stunden-Wert unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) liegt, dann ist alles in Ordnung.
  • Über 125 mg/dl (6,9 mmol/l) nüchtern oder über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) ist man bereits zuckerkrank.
  • Bei Blutzuckerwerten zwischen 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l) nüchtern oder zwischen 140 mg/dl (7,8 mmol/l) und 200 mg/dl (11,1 mmol/l) nach 2 Stunden hat man mit großer Wahrscheinlichkeit eine Insulinresistenz.

Blutbild-Abkürzungen können wie ein Buch mit sieben Siegeln wirken – was dahinter steckt, erklären wir Ihnen.

Ist Insulinresistenz eine Krankheit?

Als Krankheit im formalen Sinn (d. h. im Sinne der Versicherungsträger) zählt die Insulinresistenz noch nicht. Sollte es nach den Diabetes-Spezialisten gehen, wird sich das aber in Zukunft bald ändern. Wenn eine Insulinresistenz bei einem Menschen nachgewiesen wurde, ist es allerhöchste Zeit, etwas zu unternehmen: Als erste Maßnahme ist eine Änderung des Lebensstils notwendig – mit Ernährungsumstellung, Sport und Gewichtsabnahme. Dies bessert die Insulinresistenz sehr rasch und hilft dabei, gesund zu bleiben.

Eine Ernährungsumstellung ist nicht immer einfach, kann aber gelingen – und zwar mit ein paar Tricks. Wenn es aber doch so weit sein sollte: Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob Obst bei Diabetes erlaubt ist. Was Sie bei der Ernährung bei Diabetes beachten sollten, verraten wir Ihnen auch. Zum Beispiel bieten sich diese 6 süßen Alternativen zum Zuckerfrei-essen an.

Fazit: Insulinresistenz lässt sich rückgängig machen

Insulinresistenz heißt, dass Insulin den Blutzucker nicht richtig senken kann. Sie entsteht meist durch Übergewicht auf der Grundlage einer genetischen Veranlagung. Es ist wichtig, eine Insulinresistenz zu erkennen, um der Entstehung einer Zuckerkrankheit vorzubeugen. Die wichtigsten Maßnahmen gegen Insulinresistenz sind Gewichtreduktion und Sport.

Mehr zum Thema Diabetes und Diäten finden Sie auf unseren Themenseiten.

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