Aktualisiert: 27.05.2021 - 16:16

Besser als Antidepressiva Depression bei Demenz: Soziale Kontakte statt Tabletten

Zusammen lachen und sich erinnern: Solche Therapien mit sozialem Kern wirken Studien zufolge besser gegen Depression bei Demenz als die Gabe von Antidepressiva.

Foto: Getty Images/nemke

Zusammen lachen und sich erinnern: Solche Therapien mit sozialem Kern wirken Studien zufolge besser gegen Depression bei Demenz als die Gabe von Antidepressiva.

Wer unter Depression leidet, dem helfen Antidepressiva – oder? Das ist nicht unbedingt der Fall. Vor allem bei Menschen mit Demenz zeigt sich an Studien, dass soziale Kontakte und Bewegungstherapie besser helfen als Medikamente. Der Individualfall entscheidet, wie so oft.

Muss es immer gleich die medikamentöse Therapie sein? Nein – vor allem bei so individuell unterschiedlich ausfallenden Diagnosen der Psyche kann es sein, dass andere Optionen besser wirken. Das scheint der Fall vor allem bei Demenzpatient:innen mit Depressionen zu sein: Statt Antidepressiva helfen soziale Kontakte und gute Betreuung oft mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser.

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Statt Antidepressiva: Diese Therapien helfen besser gegen Depression bei Demenz

Zusammengefasst hat diese Erkenntnis ein Forscherteam von der University of Toronto in Kanada. Die Forschenden rund um Geriaterin Jennifer Watt haben sich 256 Studien mit insgesamt 28.483 Teilnehmenden mit Demenz mit oder ohne Depression angesehen. Und die Ergebnisse sind recht eindeutig:

Eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva zeigte sich als nicht wirksamer als die reguläre Betreuung dementer Patient:innen. Gleichzeitig gab es zehn andere Therapiemöglichkeiten, die die depressiven Symptome spürbar lindern konnten:

  • kognitive Stimulation
  • Bewegung
  • Erinnerungstherapie
  • Berührungstherapie und Massage
  • Gabe von Cholinesterase-Inhibitoren
  • multidisziplinäre Betreuung
  • Psychotherapie in Kombination mit Erinnerungstherapie und Umfeld-Veränderung
  • Beschäftigungstherapie
  • Bewegung in Kombination mit sozialer Interaktion und kognitiver Stimulation
  • tiergestützte Therapie

Bitte an Politik und Medizinpersonal: Mehr soziale Therapien anbieten

Der Rat der Wissenschaftler:innen an Ärztinnen und Ärzte ist daher, mehr soziale Therapieansätze bei der Behandlung von depressiven Demenzpatient:innen in Erwägung zu ziehen. In die Verantwortung ziehen sie neben Betreuern und medizinischem Personal aber auch die Politik, damit mehr Angebote überhaupt erst möglich gemacht werden können.

Depressiv im Pflegeheim – ein unausweichliches Schicksal?

Man muss schließlich beachten: So sehr Antidepressiva im Individualfall helfen können, dürfen und können sie kein Allheilmittel sein. Als Medikamente bergen auch sie das Risiko für Nebenwirkungen, je nach Art etwa Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz, aber auch Verstopfung, Schwindel, Zittern und Mundtrockenheit, bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen.

Umso wichtiger ist es, sinnvolle und nebenwirkungsarme Therapiemöglichkeiten auszumachen und zu fördern. Denn das Thema Demenz wird uns in Zukunft immer mehr begleiten. Derzeit leben weltweit rund 50 Millionen Menschen mit der Diagnose Demenz. Eine ärztlich festgestellte Depression betrifft etwa 16 Prozent von diesen. Doch die Dunkelziffer ist höher. Man schätzt, dass weitere 32 Prozent an depressiven Symptomen leiden, ohne aber eine Diagnose erhalten zu haben.

Wie erkenne ich die Symptome einer Altersdepression? Und wie äußern sich die typischen Symptome von Depressionen eigentlich generell? Je früher eine Depression erkannt wird, desto besser lässt sich dagegen angehen.

Damit Altersdepression bei einer Demenz gar nicht erst eine Chance hat, gibt es immerhin bereits wirksame Konzepte, etwa Demenzdörfer: Ein Zuhause für Alzheimerpatienten, bei denen unter anderem Erinnerungstherapie und das Nicht-alleine-sein eine große Rolle spielen.

Studie:

Quellen: Pharmazeutische Zeitung, Netdoktor, AWMF: S3-Leitlinie zu unipolarer Depression, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

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