Aktualisiert: 29.03.2021 - 18:22

Coronavirus belastet die Psyche Covid-Risikopatienten leiden doppelt: Die Angst macht zu schaffen

Die Angst vor Covid-19 lähmt derzeit viele Risikopatient:innen. Nehmen Sie sich jetzt viel Zeit für sich und sprechen Sie ruhig auch mit Ihren Ärzten über Ihre Angst.

Foto: Getty Images/kupicoo

Die Angst vor Covid-19 lähmt derzeit viele Risikopatient:innen. Nehmen Sie sich jetzt viel Zeit für sich und sprechen Sie ruhig auch mit Ihren Ärzten über Ihre Angst.

"Sie leiden unter großem zusätzlichem Stress": Risikopatienten trifft die derzeitige Situation besonders hart, denn auch die Psyche leidet. Viele leiden unter Angstphasen und trauen sich viel weniger raus.

Diabetes, starkes Übergewicht, Herzprobleme, Bluthochdruck, Krebs und mehr: Viele Menschen in Deutschland leiden unter einer Vorerkrankung, die das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, erhöhen kann. Bluthochdruck und Co sind Volkskrankheiten, stark verbreitet in unserer Gesellschaft. Entsprechend viele Menschen sehen sich einem erhöhten Covid-Risiko gegenüber – und das macht vielen Angst. Risikopatienten leiden unter zusätzlichem Stress durch Angst vor Covid-19.

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Die Covid-Angst übernimmt: Risikopatienten leiden unter Stress

Wie sehr die Situation insbesondere Risikopatienten zu schaffen macht, das haben sich nun Forschende der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen zusammen mit Experten der Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankung, der Klinik für Kardiologie und der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen genauer angesehen.

Insgesamt 16.983 Teilnehmer schlossen die Studie ab, darunter sowohl solche mit Hochrisikokrankheiten als auch Menschen ohne Vorerkrankung. Die Ergebnisse zeigten: Die Teilnehmer mit Hochrisikoerkrankungen gaben an, mehr unter generalisierter Angst und Covid-19-bezogener Angst zu leiden. Sie wiesen ein höheres sogenanntes adhärentes und dysfunktionales Sicherheitsverhalten auf. Auch ihre subjektive Risikowahrnehmung zeigte sich erhöht.

Mehr Beratung gefordert – und Vertrauensaufbau in Maßnahmen

"Sie leiden unter großem zusätzlichem Stress, weil sie sich vor einer Infektion oder einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung besonders fürchten", fasst die Erstautorin der Studie, Hannah Kohler von der LVR-Klinik Essen zusammen.

Doch wie helfen? Es sei wichtig, Menschen mit Risikoerkrankungen nicht nur vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu schützen, sondern sie auch mental zu begleiten, eben psychische Belastungen zu berücksichtigen.

Dazu empfehlen die Forschenden insbesondere für Risikopatient:innen spezielle psychologische Beratungs- und Unterstützungsangebote. Und auch Behörden und Politik nehmen die Studienautor:innen in die Pflicht, denn höheres Vertrauen in staatliche Maßnahmen etwa kann sehr viel Angst nehmen. Dieses Vertrauen sinkt jedoch derzeit und muss zwingend wieder aufgebaut werden.

Was tun bei Angstzuständen während der Pandemie?

Bemerken auch Sie, dass Sie seit Beginn der Pandemie vermehrt unter erhöhter Angst leiden? Zögern Sie nicht, sich, gerne auch telefonisch, mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin zu beraten und über mögliche Hilfen zu sprechen.

Die bisher verfügbaren Maßnahmen helfen zudem dabei, das persönliche Risiko einer Erkrankung zumindest abzusenken. Mittlerweile ist zu Abstandsgeboten, Masken (am besten gut sitzende FFP2-Masken) und Handhygiene auch die Möglichkeit der Schnelltests hinzugekommen. Vermehrt werden solche Schnelltests in Situationen mit vielen anderen Menschen zur Pflicht. Zudem schreitet die Impfkampagne weiter fort. Die Impfstoffe schützen allesamt vor schweren und tödlichen Verläufen.

Sollte Ihre Vorerkrankung Ihnen gesundheitliche Probleme bereiten, zögern Sie bitte niemals, sich hierfür ärztliche Hilfe zu holen! Bei Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Symptomen etwa bitte immer sofort den Notarzt rufen!

Und ansonsten gilt: Nehmen Sie sich Auszeiten. Versuchen Sie, sich abzulenken, lassen Sie ruhig auch mal die Nachrichten Nachrichten sein. Hier gibt's weitere hilfreiche Tipps:

Achtung: Diese Tipps dienen nur als Vorschlag und Hilfe, können aber keine professionelle Beratung ersetzen. Auch in jetzigen Krisenzeiten ist beispielsweise die Telefonseelsorge für Sie erreichbar. Wer unter Angst oder Panik oder an Depression leidet, keinen Ausweg mehr weiß oder sich um einen nahestehenden Menschen sorgt, kann sich unter der 0800 111 0 111 melden.

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Studie:

Kohler, Skoda et al. (Journal of Primary Care and Community Health, 2021): "Increased COVID-19-related fear and subjective risk perception regarding COVID-19 affects behavior in individuals with internal high-risk diseases"

Deutsche Zusammenfassung (SpringerLink): "Veränderung der psychischen Belastung in der COVID-19-Pandemie in Deutschland: Ängste, individuelles Verhalten und die Relevanz von Information sowie Vertrauen in Behörden"

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