13.07.2020 - 20:50

Coronakrise Psychische Belastung von Kindern höher als erwartet

Kaum raus, zuhause auf engem Raum, keine Tagesstruktur: Kinder hatten unter den Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie offenbar mehr zu leiden als bisher angenommen.

Foto: iStock.com/SanyaSM

Kaum raus, zuhause auf engem Raum, keine Tagesstruktur: Kinder hatten unter den Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie offenbar mehr zu leiden als bisher angenommen.

Dass die Coronakrise auch seelisch nicht spurlos an uns vorbeigeht ist klar. Jetzt zeigt eine Studie aber: Kinder leiden mehr unter den Auswirkungen der Pandemie, als erst angenommen – vor allem, wenn sie aus ärmeren Familien stammen.

Vor allem bei Kindern aus sozial schwächeren Familien ist es auffällig. Doch auch insgesamt scheinen Kinder und Jugendliche in Deutschland mehr unter psychischen und psychosomatischen Problemen zu leiden. Schuld daran? Die Coronavirus-Pandemie. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in der sogenannten COPSY-Studie.

COPSY-Studie: Kinder und Jugendliche leiden psychisch unter Corona-Einflüssen

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hatten sich mit den Auswirkungen und Folgen der Coronavirus-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beschäftigt – und die Ergebnisse sind deutlicher als angenommen.

Mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren sowie über 1.500 Eltern hatten die Forscher online befragt – zu Themen wie psychischer Gesundheit, Lebensqualität und Gesundheitsverhalten. Hinzu kamen konkrete Fragen zu Schule, Familie und Freunden.

Verglichen haben die Wissenschaftler die Ergebnisse mit zuvor erhobenen Daten bundesweiter Studien aus Zeiten vor der Corona-Krise.

Mehr psychische und psychosomatische Probleme

Die Ergebnisse: Das Risiko für psychische Auffälligkeiten stieg von rund 18 Prozent vor der Pandemie auf 31 Prozent während der Krise. So zeigten sich bei den Kindern und Jugendlichen häufiger Probleme wie Hyperaktivität oder Auffälligkeiten im Verhalten und emotionale Belastung. Weiterhin machten sich vermehrt psychosomatische Beschwerden bemerkbar.

71 Prozent der Kinder und Jugendlichen fühlen sich psychisch stark belastet. Vor der Krise waren es nur etwas mehr als 20 Prozent. Zudem erklärten 27 Prozent der Kinder und 37 Prozent der Eltern, es gebe seit Beginn der Corona-Einschränkungen mehr Streit in der Familie – vor allem dann, wenn es nur wenig Platz zuhause gibt und die Tagesstruktur fehlt, erklärt Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie und der For­schungsgruppe "Child Public Health" der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psy­chotherapie und -psychosomatik des UKE. Vor allem, so die Forscher, stellten sich die Veränderungen durch die Corona-Krise bei Kindern von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss oder Migrationshintergrund als sehr schwierig heraus.

"Die Studie hat gezeigt, dass die Herausforderungen der Pandemie und die damit im so­zi­alen Leben einhergehenden Veränderungen die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verringern und das Risiko für psychische Auf­fällig­keiten erhöhen", beschreibt Ravens-Sieberer.

Rat an Eltern: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder

Man habe zwar damit gerechnet, dass sich das psychische Wohlbefinden während der Krise verschlechtert habe. "Dass sie [die Verschlechterung, Anm. d. Red] allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht", erklärt Ravens-Sieberer.

Dennoch, so die Psychologin, solle man jetzt nicht dramatisieren. Denn viele Kinder und Jugendliche würden über Ressourcen verfügen, sich zu stabilisieren. Dazu sei ein gutes Klima in den Familien wichtig. Sie rät Eltern, sich Zeit für Gespräche und auch für gemeinsame Unternehmungen zu nehmen. So könne man den Kindern das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden.

Aber nicht nur die Psyche leidet, sondern auch die allgemeine Gesundheit. Ungesündere Ernährung, weniger Sport, Gewichtszunahme sind als Punkte genannt, gefolgt von Einschlafproblemen, Kopf- und Bauchschmerzen. Auch gaben zwei Drittel der Schüler an, das Smartphone häufiger zu nutzen. Allerdings, so Ravens-Sieberer, sei das nicht zwingend ein Nachteil. Das Smartphone könne auch eine große Rolle dabei spielen, die sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten.

Wie soll es weitergehen? Konzepte müssen her

Die Studie zeigt: Es müssten dringend Konzepte her, wie man Familien in belastenden Phasen besser unterstützen könne, betont Ravens-Sieberer. Auch vor dem Hintergrund einer möglichen weiteren Coronavirus-Welle. Gerade belastete Familien müssten Unterstützung bekommen, damit die Kinder beim Unterricht zuhause besser klarkommen. Auch Treffen in kleineren Gruppen unter Kindern müssten ermöglicht werden.

Zeit haben Eltern leider auch nicht unbegrenzt. Wenn es aber wieder eng werden sollte: Kita zu und nu? So beschäftigen Sie Ihr Kind in der Corona-Quarantäne

Die COPSY-Studie des UKE finden Sie hier.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen