02.07.2020 - 21:09

Vor allem Frauen betroffen Sommerdepression: Wenn die schönste Jahreszeit zur Qual wird

Es ist Sommer und alle sind glücklich – außer Ihnen? Eine Sommerdepression trifft vor allem Frauen.

Foto: iStock.com/kieferpix

Es ist Sommer und alle sind glücklich – außer Ihnen? Eine Sommerdepression trifft vor allem Frauen.

Winterdepression? Kennt man. Aber saisonal abhängige Depressionen gibt es auch in den anderen Jahreszeiten – sogar im Sommer. Und die kann besonders tragisch werden, wenn gefühlt alle um uns herum glücklich die Sonne genießen.

Die Freude fehlt, man fühlt sich rastlos, hat das Gefühl, etwas zu verpassen. Die Zeit rennt und schleicht doch. Die Gefühle, die eine Sommerdepression mit sich bringt, sind so vielfältig wie zermürbend. Dabei strahlt doch draußen die Sonne und alle genießen das gute Wetter – so fühlt es sich zumindest an.

Sommerdepression: Daher kommt die saisonal abhängige Depression

Die Sommerdepression gehört zu den saisonal abhängigen Depressionen (SAD) – genauso wie die Winterdepression. Während bei der Winterdepression aber vor allem der Mangel an Tageslicht ausschlaggebend ist – wir fühlen uns durch zu viel Melatonin schlapp, bekommen gleichzeitig zu wenig Vitamin D – ist es im Sommer oft einfach zu viel Licht. Allein, weil es so früh hell und so spät dunkel wird... Und das ist nur ein kleiner Teil der Gründe. Genau wissenschaftlich belegt sind die Auslöser noch nicht – und wenn, dann gibt es vor allem Daten zur saisonalen Herbst-Winter-Depression.

Im Sommer ist es dagegen genau umgekehrt: Durch das viele Tageslicht wird zu wenig Melatonin ausgeschüttet. Verschiedene biochemische Prozesse im Körper, die alles regulieren, geraten durcheinander und wir kommen nicht mehr so gut zur Ruhe, leiden etwa an Schlafstörungen oder Verstimmungen. Durch die längeren Helligkeitsphasen gerät unser Tagesablauf durcheinander, die Routine kommt ins Wanken.

Symptome begleitet von Schuldgefühlen

Klassische Symptome einer SAD treten immer wieder auf – die Hauptsymptome einer Sommerdepression decken sich also auch mit denen einer Winterdepression:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Gedrückte Stimmung, wenig Freude und Desinteresse
  • Schlafstörungen
  • Pessimissmus
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme oder aber Heißhungerattacken
  • Suizidgedanken
  • Kognitive Störungen
  • Schuldgefühle

Im Sommer kommt aber erschwerend dazu, dass gefühlt alle um uns herum Spaß haben, ausgeglichen sind und die Sonne so richtig genießen. Uns dagegen plagen die Schuldgefühle. Einfach, weil wir uns so jammerig vorkommen und nichts schaffen. (Spoiler: Dem ist nicht so! Wir schaffen eine Menge, verlieren aber schnell den Blick dafür!)

Aber auch Selbstzweifel können die Sommerdepression verstärken. Ein verzerrtes Selbstbild und ein Blick, der nur auf die vermeintlichen "Schwachstellen" unseres Körpers gerichtet ist, lassen uns schnell daran zweifeln, ob wir wirklich einen Bikini tragen können und gar auf die kurze Hose verzichten. Aber bei der Hitze in langen Klamotten raus? Dann vielleicht doch lieber zuhause bleiben? Solche Gedankenmuster bringen uns schnell dazu, den Alltag nicht mehr richtig wahrzunehmen, was die Symptome weiter verstärken kann. Eine Art Abwärtsspirale kann entstehen.

Was tun gegen Sommerdepression?

Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Eine Sommerdepression kommt als Diagnose etwa bei vier bis sechs Prozent der Bevölkerung vor. Damit ist sie seltener als die "klassische" Winterdepression, aber dennoch nicht weniger schlimm.

Ein geregelter Tagesablauf kann schon enorm viel wert sein. Dabei schafft es der Körper oft von ganz allein, den Melatonin- und Serotoninspiegel zu regulieren. Gerade das Serotonin beeinflusst als Neurotransmitter unsere Stimmung. Ist zu wenig davon da, kann es zu depressiven Symptomen kommen. Achten Sie auch in Urlaubszeiten auf feste Stationen am Tag: Stellen Sie sich den Wecker, planen Sie etwas Sport ein und essen Sie ausgewogen und mit vielen frischen Nahrungsmitteln.

Wo eine Winterdepression auch mit einer "Lichttherapie" behandelt werden kann, ist es bei einer Sommerdepression nicht unbedingt förderlich, sich ins Dunkle zu setzen. Helfen kann es aber, die Fenster nachts möglichst abzudunkeln.

Eine Sommerdepression kann wie jede SAD und andere Formen der Depression auch medikamentös behandelt werden, etwa durch Antidepressiva, beispielsweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die den Serotoninspiegel stabilisieren. Sie sollten darüber aber dringend vorher mit Ihren behandelnden Ärzten reden. Vor allem, wenn die Sommerdepression immer wiederkehrt und Sie mindestens zwei Jahre in Folge daran leiden, holen Sie am besten ärztliche Hilfe ein, gerne psychologische. Eine Psychotherapie, etwa kognitive Verhaltenstherapie, kann auch Abhilfe schaffen. Hier lesen Sie, wie eine Psychotherapie abläuft.

Ganz wichtig: Sprechen Sie mit anderen. Das kann, wie erwähnt, eine Psychiaterin oder ein anderer Arzt sein. Aber auch die Familie oder die besten Freunde bieten Halt. Machen Sie Dinge zusammen, bewegen Sie sich zusammen. All das kann helfen – vor allem, wenn die Sommerdepression noch nicht allzu weit fortgeschritten ist.

Psychologie: Fakten, Erkrankungen, Störungen
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Ist in Ihrem Umfeld jemand von Depression betroffen und Sie wissen nicht, wie Sie am besten reagieren sollen? Hier gibt es die wichtigsten Verhaltens-Tipps.

Wenn Sie depressiv sind, das Gefühl haben, in einer ausweglosen Lage zu sein oder Suizid-Gedanken haben, zögern Sie nicht, umgehend Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Hilfsangebote der Telefonseelsorge sind jederzeit erreichbar, per Mail, Chat oder Telefon unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222. Dort erhalten Sie Unterstützung von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Und auch die Deutsche Depressionshilfe kann unterstützen und weiterhelfen.

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