28.06.2020 - 18:22

In Studie bewährt Computerspiele gegen ADHS? Ein neuer Vorstoß gegens Zappeln

ADHS erkennen: Diese Anzeichen gibt’s

ADHS erkennen: Diese Anzeichen gibt’s

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Die US-amerikanische FDA hat ein Computerspiel zur Behandlung von ADHS zugelassen – in einer Studie hatte das Game tatsächlich Erfolge erzielt. Zocken hilft also gegen Hyperaktivität? Nun ja, in Maßen:

Eigentlich sind Computerspiele ja ein Dorn im Auge vieler Erziehungsberechtigter. Gerade die sollen jetzt aber Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom helfen? Kurios, aber wahr: In den USA ist jetzt ein Computerspiel offiziell zur Behandlung von ADHS zugelassen. Das bedeutet aber nicht, dass jetzt stundenlang gezockt werden sollte.

Studie zeigt: Computerspiel kann bei ADHS helfen

Es handelt sich um ein ganz bestimmtes Spiel, das auf den Namen "AKL-T01" bzw. den Handelsnamen "EndeavorRX" hört. Im Rahmen einer Studie haben Verhaltensforscher diese videospielartige Anwendung zusammen mit 348 Kindern getestet und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "The Lancet Digital Health" vorgestellt.

Die Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren waren alle mit ADHS diagnostiziert, nahmen aber im Zeitraum der Studie keine Medikamente ein und litten nicht unter anderen psychiatrischen Erkrankungen. Die Auswahl war also begrenzt. Die meisten Kinder mit ADHS zeigen gleichzeitig Störungen des Sozialverhaltens oder leiden auch unter Entwicklungsstörungen oder Depressionen. ADHS gilt weltweit als eine der wichtigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter – rund fünf Prozent aller Kinder weltweit sind betroffen.

Beschränkter Zeitraum zum Testen: Genau 25 Minuten am Tag

An 20 Zentren in den USA wurde getestet. In einem Zeitraum von vier Wochen sollten die teilnehmenden Kinder das Spiel an je fünf Tagen pro Woche genau 25 Minuten lang auf einem Tablet spielen. Dabei gab es zwei Varianten der App: Eine Version enthielt Elemente, die die Aufmerksamkeit sowie die Fähigkeit zum Bewältigen mehrerer Anforderungen gleichzeitig und zur Kontrolle von Impulsreaktionen trainieren sollte.

Eine Aufgabe drehte sich dabei um die Warnehmung und Entscheidungen, bei einer anderen ging es um Navigation, für die motorisches Geschick von Nöten war. Schafften Spieler beide Anforderungen, gab es Belohnungen. Zudem wurde anschließend der Schwierigkeitsgrad des Spiels individuell angepasst.

Die Kontrollgruppe bekam eine nicht ganz so ausgeklügelte App zum Spielen. Damit die Ergebnisse vergleichbar sind, wurde allen Familien und Kindern mitgeteilt, es handele sich um ein therapeutisches Spiel.

Kinder mit echter Therapie-App schnitten besser ab

Vor und nach dem Testzeitraum sollten die Kinder ein digitales Assessment-Programm (TOVA – "Tests Of Variables of Attention") durchlaufen. Das Ergebnis: Nach den vier Wochen schnitten die Kinder, die mit der speziell designten Therapie-App gespielt hatten, deutlich besser ab als die Kinder aus der Kontrollgruppe.

Doch auch bei den Kindern mit der "falschen" App zeigte sich den Eltern zufolge eine Verbesserung der Aufmerksamkeit. Daher scheint auch allein der tägliche Trainingsplan, der dem Tagesablauf eine gewisse Struktur gibt, einen Beitrag zu leisten, stellen die die Studie leitenden Kinder- und Jugendpsychiater fest.

Zusätzlich müssten nun noch Untersuchungen der Hirnfunktion notwendig sein, um genaue Ergebnisse zu erzielen – ebenso wie weitere, sicher auch längere Studienzeiträume.

Zukünftig vielleicht Ergänzung zur Standardtherapie

ADHS wird bisher vor allem mit Verhaltenstherapie und Medikamenten behandelt. Wäre ein solches Aufmerksamkeitstraining über Tablet oder PC vielleicht eine weitere Möglichkeit der Behandlung – ohne Begleiterscheinungen, wie sie von Medikamenten hervorgerufen werden? Bis dahin dauert es sicherlich noch.

In Deutschland ist die App noch gar nicht zur Behandlung zugelassen. Sollten weitere Studien dazu aber zu ähnlichen Ergebnissen kommen, wäre dies zumindest eine mögliche Ergänzung zur regulären Therapie. Wichtig dabei wird bleiben: Die Bildschirmzeit muss auch weiterhin begrenzt sein: 25 Minuten am Tag sind genug – danach ist wieder Bewegung angesagt.

Wussten Sie schon, dass ADHS auch bei Erwachsenen auftreten kann? Diese elf Anzeichen weisen darauf hin. Zudem ist ADS nicht gleich ADHS: Sechs Symptome sind typisch. Oft gehen Verhaltensstörungen Hand in Hand. Diese Anzeichen verraten das Asperger-Syndrom. Und mehr zum Thema Depression erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Studie: Kollins et al. (The Lancet Digital Health): "A novel digital intervention for actively reducing severity of paediatric ADHD (STARS-ADHD): a randomised controlled trial"

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