19.06.2020 - 14:31

Risiko steigt Negatives Denken kann Demenz fördern

Alzheimer - wie sich durch negatives Denken das Risiko steigert

Alzheimer - wie sich durch negatives Denken das Risiko steigert

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Wer regelmäßig negativen Gedanken nachhängt, scheint sein Demenz-Risiko signifikant zu steigern – das haben Forscher herausgefunden. Aber kann man Fröhlichkeit lernen?

Unser Gehirn programmiert sich ständig um. Immer wieder prasseln neue Eindrücke auf unsere grauen Zellen ein, die sich daraufhin neu vernetzen. So können wir unsere Denkzentrale auch trainieren – aber offenbar nicht nur in Sachen Bildung, sondern auch auf dunkle Gedanken. Britische Forscher konnten jetzt herausfinden, dass wiederholte negative Gedanken das Demenz-Risiko erhöhen können und eng mit Demenz-Erkrankungen verbunden sind. Lässt sich das verhindern? Wenn ja, wie?

Negatives Denken und Demenz: Grübeln macht also wirklich krank

Wiederholt negatives Denken ("repetitive negative thinking", kurz RNT) über einen längeren Zeiträum schränkt die kognitiven Fähigkeiten ein und kann ankurbeln, dass Proteine, sogenannte Plaques, im Gehirn abgelagert werden. Diese Plaques können Alzheimer auslösen, eine Form der Demenz-Erkrankung. Das haben Forschende des University College in London anhand langjähriger Beobachtungen von über 55-Jährigen herausgefunden. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Alzheimer's & Dementia".

"Es ist bereits bekannt, dass Depressionen und Ängste im mittleren und hohen Alter Risikofaktoren für Demenz sein können. Jetzt haben wir herausgefunden, dass bestimmte Denkmuster, die Depressionen und Ängste mit sich bringen, zugrundeliegende Faktoren sein können, warum Menschen mit solchen Störungen eher eine Demenz entwickeln", erklärt Studienleiterin Natalie Marchant von der Psychiatrischen Fakultät des University College London.

Durchgehend negative Gedanken fördern Plaquebildung im Hirn

360 Menschen über 55 Jahren haben Marchant und ihre Forscherkolleginnen und -kollegen untersucht – über zwei Jahre hinweg. In dieser Zeit haben sie ihnen immer wieder Fragen gestellt. Fragen zu negativen Situationen – wie sie damit zurechtkommen und wie sie ihr Denken beeinflussen. Neben Depressions- und Angstlevel konzentrierten sich die Wissenschaftler auf bestimmte Denkmuster und schauten, ob die Probanden über die Vergangenheit grübelten oder sich um die Zukunft sorgen machten und mehr. Wer immer wieder zu solchen Gedanken neigt, landet in sogenannten Denkschleifen – Gedanken, die sich ständig wiederholen.

Auch auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Raumkognition und Sprache schauten die Forscher. Bei rund 50 Prozent der Teilnehmer wurden außerdem Hirnscans mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) durchgeführt. So konnten Marchant und ihre Kollegen auch Ablagerungen von Tau-Proteinen und Amyloid messen – Proteine, die sich möglicherweise als Plaques ablagern und so Alzheimer auslösen können.

Das Ergebnis: Bei Probanden, die häufiger negativ denken, konnten die Forscher über vier Jahre hinweg feststellen, dass kognitive Störungen und Gedächtnisschwund auftraten – und damit erste Alzheimer-Anzeichen.

Es kommt auf die Häufigkeit der negativen Gedanken an

Mal ein depressiver Gedanke oder auch eine Depression oder Angst scheinen aber nicht so ausschlaggebend zu sein. Zwar können solche Phasen auch zu kognitiven Störungen führen. Proteinbildung konnten die Forscher bei solchen Probanden, die nur phasenweise unter Angst und Depression litten, nicht feststellen.

Wiederholt negatives Denken aber, so die Forscher, stelle eine Belastung für den Körper dar, mit der dieser durchgängig zu kämpfen habe. Vergleichen könne man das etwa mit hohem Blutdruck, den man selbst auch lange Zeit kaum wahrnimmt, der den Körper aber stark belastet. Die Kombination aus geistigem und körperlichem Stress tut nicht gut – und auch körperliche Anstrengung kann laut anderen Studien dazu führen, dass sich Tau- und Amyloid-Proteine ablagern und das Gehirn verändern.

Das zeigt den Forschern einmal mehr: Unsere Gedanken können unseren Körper beeinflussen. Schmerzen etwa können auch aus Gefühlen entstehen. Aber wir können etwas dagegen tun.

Was hilft? Achtsamkeit und mentales Training

Negative Denkmuster lassen sich nämlich aufbrechen. Das funktioniert beispielsweise mit Achtsamkeitstraining, aber auch andere mentale Trainingsmethoden wie Meditation können helfen. Oder haben Sie schon einmal von Autosuggestion gehört? Damit können Sie positive Denkmuster im Hirn manifestieren. Das funktioniert beispielsweise wunderbar in Kombination mit Selbsthypnose.

Ob das alles klappt, wollen die Forscher nun in einem groß angelegten Projekt herausfinden. Dabei soll es etwa auch Gesprächstherapien geben, vor allem für Menschen in hohem Alter. Doch hier muss weiter geforscht werden – auch mit weit mehr Probanden. Denn die in der Studie befragten Teilnehmer waren bereits als Alzheimer-Risikopatienten bekannt.

Dennoch kann es nicht schaden, positives Denken zu trainieren. Versuchen Sie es – und dabei können Sie sich ruhig Hilfe holen. So lässt sich Demenz möglicherweise auch vorbeugen. Zudem lohnt es sich, die Symptome einer Altersdepression zu kennen.

Wenn Demenz-Erkrankungen frühzeitig erkannt werden, lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen noch lange erhalten. Unter anderem lässt sich Alzheimer an den Augen erkennen. So erkennen Sie die Symptome:

Demenz frühzeitig erkennen - Das sind die Symptome von Alzheimer und Co.

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Wussten Sie, dass Demenz und Alzheimer in drei Stadien verlaufen?Mehr zum Thema Demenz und zu Alzheimer im Speziellen erfahren Sie auf unseren Themenseiten. Dort lesen Sie etwa Tipps für Angehörige im Umgang mit Demenz oder finden einen Schnelltest, der zeigt, wie gut Ältere noch Autofahren können.

Studie: Marchant et al. (Alzheimer's & Dementia): "Repetitive negative thinking is associated with amyloid, tau, and cognitive decline"

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