05.05.2020 - 19:55

Vom Virus, das es nicht gibt? Corona-Leugner: Woher kommt all der Hass?

Die Versammlungen der Corona-Leugner und Gegner häufen sich: Kein Abstand, "Maulkorb statt Maske". Woher diese Denke kommt und was wir tun können, zeigt die Psychologie. (Und kleiner Tipp: Auch unter einer Maske kann man den Mund aufmachen...)

Foto: imago images / argum

Die Versammlungen der Corona-Leugner und Gegner häufen sich: Kein Abstand, "Maulkorb statt Maske". Woher diese Denke kommt und was wir tun können, zeigt die Psychologie. (Und kleiner Tipp: Auch unter einer Maske kann man den Mund aufmachen...)

Ja, uns allen machen die Einschränkungen rund um das Coronavirus zu schaffen. Aber sie haben einen Zweck – den nicht jeder ganz nachvollziehen kann. Warum nur, fragen wir uns. Denn das ignorante Verhalten der Corona-Leugner kann enorm gefährlich werden. Ein Erklärungsversuch.

Klar, kritisch hinterfragen, sogar aufstehen und sich auch mal gegen die großen Mächte wehren – das ist eigentlich eine Eigenschaft, die lobenswert ist. Eine gute Sache etwa, wenn die Gefahr für Kriege besteht, wenn Gesetze beschlossen werden, die in mancherlei Hinsicht fragwürdig sind, wenn Menschenleben gefährdet sind. Beispielsweise die der vielen frierenden Obdachlosen. Oder die der aus Kriegsgebieten Flüchtenden, die jämmerlich ertrinken. Oder die der Menschen, die gerade an einem Virus erkranken, über dessen Folgen wir so gut wie nichts wissen.

Aber Moment mal. Wie hinterfragt man da genau kritisch? Nun, sicherlich nicht, indem man ebendieses Virus einfach leugnet und hinter jeder Ecke Verschwörungstheorien wittert – ohne ebendiese wiederum kritisch zu hinterfragen. Klingt komisch? Genau das tun Corona-Leugner zurzeit. Und sie schreien immer lauter. Das kann auf mehreren Ebenen gefährlich werden. Ein wissenschaftlich geschärfter Blick auf die Psyche kann vieles erklären.

Corona-Leugner: Wie entsteht dieser Frust?

Seitdem das Coronavirus in Deutschland und anderen Teilen der Welt angekommen ist, ist enorm vieles nicht mehr so, wie es war. Nüchtern betrachtet ist es so: Da ist ein neuartiges Virus aufgetaucht, dessen Art uns zwar bekannt ist, sein genaues Verhaltensmuster jedoch nicht – ein Virus, das verschiedenste Symptome hervorruft und vor allem für bestimmte Risikogruppen (die gerade evaluiert werden) gefährlicher ist als für andere, und das auch Todesopfer fordern kann. Ein Virus, dessen Folgeschäden für den Körper wir noch nicht kennen, sondern erst langsam beobachten müssen. Ein Virus, das die Macht hat, ganze Gesundheitssysteme lahmzulegen und sogenannte Triagen von Ärzten zu fordern – also die Entscheidung, welcher Patient eine Chance aufs Überleben hat und bei wem sich die Behandlung noch lohnt.

Um die Folgen – viele Todesopfer, wie sie etwa Länder wie Italien oder Großbritannien und die USA zu beklagen haben – so gering wie möglich zu halten, wurden Maßnahmen ergriffen. Einerseits früh (China, Deutschland), andererseits erst sehr spät (Großbritannien). Strikte Maßnahmen, die andere Folgen mit sich bringen. Ebenfalls Folgen für die Gesundheit (Depression, Angst vor Ansteckung, Panik davor, den Notruf zu tätigen), aber auch enorme wirtschaftliche Folgen. Ja, hier stehen Existenzen auf dem Spiel. Und ja, sicherlich waren nicht alle Schritte der Bundesregierung vor allem in Sachen Einschränkungen perfekt durchdacht. Aber in einer nie dagewesenen Krisensituation ist das auch nicht die leichteste Aufgabe. Und ja, man wird mit Infos überflutet und es ist schwierig, sich darin nicht zu verlieren und einer aufkeimenden Ohnmacht zu entkommen. Dass Frust entstehen kann, ist verständlich, und vor allem menschlich.

Aber mehrere Sachen sollten langsam klar sein:

Ohne schnelle Einschränkungen sähe die Lage jetzt wesentlich dramatischer aus – das verrät ein kurzer Blick auf andere Länder. Die Einschränkungen können natürlich nicht ewig andauern. Aber warum muss hier schrittweise vorgegangen werden? Weil ein drastischer Schritt zur Normalität ganz schnell eine dramatischere Lage herbeirufen könnte. Ein Virus geht nicht einfach so weg. Es bleibt, es passt sich an, es wird uns ganz sicher noch eine lange Zeit begleiten. Warum sind die Lockerungen so ungleichmäßig, warum werden manche Bereiche schneller, manche weniger schnell gelockert? Weil wir so eine Situation noch nie hatten und hier ausgelotet werden muss. Und weil die Bürger so langsam ungeduldig werden. Freiheitsbeschränkung ist nicht schön, nein. Und das Verständnis für die Maßnahmen sinkt mit sinkender Reproduktionszahl. Je weniger sich anstecken, desto ungefährlicher wird's doch draußen, oder? Dann kann man doch jetzt aufhören mit dem ganzen Freiheitsentzug, oder? Ganz kurz zu diesem "Präventionsparadox": Nein. Kann man nicht.

Kurzer Einschub: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Das Unverständnis über die aktuelle Lage ist eigentlich ziemlich gut erklärbar. In der Psychologie nennt man das "Auswirkung des irrealen Empfindens". Uns hier in Deutschland geht es größtenteils gut: Morgens geht die Sonne auf, wir haben in der Regel immer etwas Essen im Kühlschrank, müssen uns nicht vor Kriegen fürchten, haben über das Internet Zugriff zu unendlichen Informationen und haben geliebte Menschen um uns. Das ist unsere Lage. In die Situation anderer hineinversetzen fällt schwer. Und nun soll ein Virus kommen, das man noch nicht mal sehen kann, das aber unseren kompletten, immer schon so gelebten Alltag durcheinanderwirft? Das kann doch in unserer fortschrittlichen Welt eigentlich gar nicht sein. Hier findet sich doch schnell eine Lösung – oder? Nun, genau eben nicht. Denn wir kennen die Situation nicht. Der Gedanke an eine schnelle Lösung aber beruhigt erst einmal. Doch nicht auf ewig. "Okay, dann halten wir es eben jetzt mal aus" weicht irgendwann einem Frust über die Situation, da auch nach Wochen diese Blitzlösung immer noch nicht in Sicht ist. Unsere Gewohnheit des bisherigen Lebens ändert sich. Und das ist nicht einfach zu greifen und schon gar nicht umzusetzen.

Wenn der Peak überschritten ist...

Vielleicht ist "Corona-Leugner" nicht das richtige Wort. Sicherlich "leugnet" nicht jeder, der die anhaltenden Maßnahmen als übertrieben ansieht, auch die Existenz des Virus. Doch die Gefahr ebendessen wird in vielen Köpfen immer weiter heruntergespielt, je länger die Situation anhält. Das ist übrigens menschlich. Das geht uns vermutlich allen irgendwann so. Gefährlich wird's aber, wenn der Ruf nach Freiheit (die wir hierzulande übrigens immer noch haben!) die grundnatürliche Sorge vor einer Erkrankung oder vor dem Verlust geliebter Menschen irgendwann so sehr überwiegt und diesen einen Punkt überschreitet, dass Gefahren völlig falsch eingeschätzt werden. Und wenn dann der Bezug zu Realität vollkommen verloren geht und aus kritischem Hinterfragen eine Form von "Bockigkeit" wird, in der sich der Bockige bei jedem Bisschen eingeschränkt fühlt, dann kann die Situation problematisch werden.

Wie zu Beginn gesagt: Kritisches Hinterfragen ist enorm wichtig, vor allem auch, wenn es um Eingriffe in die persönliche Freiheit geht. Deutschland hat da eine Vergangenheit, was sage ich, mehrere. Das dritte Reich, die Unterdrückung durch das SED-Regime – einige können sich sicherlich vor allem an letzteres noch gut erinnern. Es gibt nur einen gravierenden Unterschied: Damals war das Problem eine Regierung, die irgendwo völlig falsch abgebogen ist, unter der Menschen gelitten haben. Heute ist das Problem ein Virus, das jedem gefährlich werden kann, egal, welcher Gruppierung, Hautfarbe, Gesinnung er oder sie angehören. Und anders als eine Regierung kann man ein Virus nicht stürzen.

Nutzen vs. Risiken: Wie schützt man Milliarden Menschen?

Man kann es aber loswerden: Und zwar mit einem Impfstoff. Doch genau da setzt ein weiteres Problem an, das die freiheitskämpferischen Corona-Leugner haben: "Ein Impfstoff, mit dem ich mich impfen lassen MUSS? Das ist doch Körperverletzung!" Andere Frage: Ist es dann nicht auch Körperverletzung, wenn ich als vorerkrankter Mensch meine Freiheit wahrnehme und einkaufen gehe, um meinen persönlichen Lebensbedarf zu sichern, dabei aber von einem unwissentlich an Covid-19 erkrankten Menschen angehustet werde? Alles eine Nutzen-Risiken-Abwägung.

Halten wir fest: Ja, es muss schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben – den wird es aber auch erst in voller Verfügbarkeit geben, wenn dieser möglichst sicher getestet ist. Vorher wird niemand geimpft, schon gar nicht zwangsweise. Und bis ein Impfstoff verfügbar ist, müssen Regelungen bezüglich Impfung und Immunität getroffen werden, an denen gearbeitet wird – und zwar nach und nach, während man herausfindet, wie lange die Immunität überhaupt anhalten kann – und ob ein Impfstoff überhaupt zielführend ist. Das Ziel? Möglichst viele Menschen schützen.

Feste Vorstellung: So funktioniert die Welt – oder?

Ganz schön viele Hintergründe, was? Wie will man da noch durchblicken? Richtig informieren bedeutet: mehrere Quellen checken, kritisch hinterfragen. Ein Corona-Leugner aber denkt, ebenso übrigens wie ein Verschwörungstheoretiker, ein Impfgegner oder ein Klimawandel-Leugner, kritisches Hinterfragen bedeute einfach, eine mal ganz andere Quelle zu rezipieren – und dann dabei zu bleiben. In diesem Stadium hat man meist eine feste Vorstellung davon entwickelt, wie unsere Welt funktioniert. Da werden dann wissenschaftliche, seriöse Quellen strengstens hinterfragt und kritisch beäugt, ohne aber genau hinzugucken. "Ist doch sowieso alles von "denen da oben" gekauft." Und warum? Weil irgendwo auf Youtube ein vermeintlicher Experte seine Meinung raushaut, die sich in Grundzügen mit der eigenen deckt. Bequeme Lügen sind eben einfacher zu glauben als unbequeme Wahrheiten.

Wir leben mit festgefahrenen Meinungen. So ist unser Gehirn nun mal

Das Problem ist auch: Wer sich einmal auf eine Meinung festgefahren hat, der ändert sie nicht mehr so einfach. Sich einzugestehen, dass man im Unrecht war, bringt das Selbstwertgefühl durcheinander. Statt Immunität gegen ein Virus entsteht hier eine Immunität gegen Fakten – zumindest gegen die unbequemen, die die eigene Meinung unterminieren.

Das ist übrigens völlig natürlich – so funktioniert unser Gehirn. Denn neue Informationen werden im Kopf völlig unterschiedlich verarbeitet, je nachdem, ob sie unserer festen Ansicht widersprechen oder ob wir ihnen zustimmen. An Argumente, die unsere Meinung stützen, erinnern wir uns viel schneller als an solche, die widersprüchlich zu unserer Meinung sind, zeigt auch eine Studie der Universität Koblenz. Außerdem lehnen Menschen eine Information eher ab, wenn sie unangenehme Konsequenzen hat. Ergo: Es ist viel einfacher, daran zu glauben, dass das Coronavirus gar nicht existiert und man uns nur "verarscht", als der Wissenschaft und Politik zu glauben und sich selbst einzuschränken mit Kontaktverbot und Abstandsregeln – und auch mit der Maskenpflicht, die zugegeben schwierig ist (denn da gibt's wieder die, die jetzt die viel wichtigere Abstandsregelung aufgrund ihrer Maske vernachlässigen).

Abwehrreaktionen führen zu Trugschlüssen

Eine weitere Studie aus den Niederlanden zeigt: Je stärker ein Mensch von etwas überzeugt ist und je mehr er deshalb von anderen angegriffen wird, desto heftiger ist seine Abwehrreaktion darauf. Da kann jemand noch so ruhig versuchen, mit Fakten die Lage zu erklären, es wird nicht ankommen. Um sich diesem Widerstand auszusetzen, werden dann auch nur noch Quellen rezipiert, die die eigene Meinung widerspiegeln. Das war es dann auch mit kritischem Hinterfragen und dem Check verschiedenster Quellen. (Das wird übrigens auch ein Problem dieses Textes sein: Die, die er ansprechen soll, werden ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht lesen.)

Plötzlich ist gefühlt jeder Virologe oder Mediziner, jeder weiß es besser als etwa ein Christian Drosten, der seine Einschätzungen gibt, weil er am Coronavirus forscht. Und daher erst nach und nach Infos geben kann, je nach neuesten Erkenntnissen. Und der seine Aussagen daher natürlicherweise auch einmal revidieren oder korrigieren muss.

Dabei kursieren so viele Trugschlüsse, die übrigens auch ihrerseits die Menschenwürde schmälern.

  • Menschen, die mit einer Coronavirus-Infektion sterben, wären sowieso bald an Altersschwäche oder Krankheit gestorben? Das ist vor allem eine ganz widerliche Aussage. Sind deren Leben dann gleich weniger wert? Was, wenn es die eigene Mutti heimsucht? Haben dann Forschung und Politik wieder versagt, weil sie die Lage eben nicht ernstgenommen haben?


    Das ist aber auch einfach nicht richtig. Schauen wir mal auf andere Epidemien. Da reicht es, wenn wir die hierzulande im Vergleich niedrige angenommen Covid-19-Sterblichkeitsrate von zurzeit etwa 2,8 Prozent nehmen, die sich auf lange Sicht als dramatisch auswirken könnte. Im Vergleich: Bei der Hongkong-Grippe 1968 lag die Sterblichkeitsrate bei unter 0,5 Prozent. Weltweit sind trotzdem über eine Million Menschen gestorben. Allein in Deutschland lag die Übersterblichkeit bei 40.000. Das sind die, die zu den Todesfällen hinzugekommen sind, die in diesem Jahr an anderen Krankheiten, Alter oder Unfällen gestorben sind. Wenn eine Einschränkung auch nur ein Menschenleben rettet – ist es das nicht wert?

  • Das Virus wird von manchen nur als Ablenkungsmanöver für Staatsstreiche angesehen. Ein ganz kurzer Blick auf Leichenberge in Italien oder Gräber im Central Park in New York sowie wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe sollten hier eigentlich Grund genug für ein kräftiges Kopfschütteln sein.
  • "Ich kenne keinen, der es hatte – ich glaub das nicht". Nun, das könnte sich irgendwann ändern. Und ganz ehrlich? Dann ist das Geschrei groß und dann ist die Politik wie oben schon erwähnt halt schuld – nur eben jetzt am Gegenteil.
  • "Die Grippe ist schlimmer/genauso schlimm, da sind auch 25.000 Menschen gestorben!" – Ja, viele Menschen sterben an der Grippe, aber die 25.000 beziehen sich erstens auf einen Zeitraum, der in Sachen Corona noch gar nicht erreicht ist. Und Überraschung: Auch die Corona-Todesopfer können sich einer solchen Zahl annähern, oder sie gar übersteigen, wenn jetzt alle Maßnahmen gekappt werden. Denn bei der Grippe haben wir einen Vorteil: Wir kennen sie und wir wissen, wie wir mit ihr umgehen müssen und wissen auch über Folgeschäden Bescheid. Und die Grippe macht sich recht schnell bemerkbar bei Infizierten. Sars-CoV-2 nicht.
  • "Impfung?? Impfschäden! Körperverletzung!" Wie erwähnt: Es wäre einerseits genauso Körperverletzung, jetzt einfach alle in ihr Unglück laufen zu lassen. Andererseits: Klar, Impfschäden sind möglich. Um die zu minimieren, wird aber auch erstmal viel getestet. Und verglichen mit den Opferzahlen, die uns ohne Impfung irgendwann drohen – denn auch eine natürliche Herdenimmunität ist unklar und wäre wohl erst in mehreren Jahren da, wären diese zu ertragen. Übrigens: Auch die Masernimpfung hat viele Gegner. Doch hat sie uns bereits viel Leid erspart – und Masern schwächen das Immunsystem über Jahre. Es wäre Gravierendes passiert, wenn nicht so sehr gegen Masern geimpft würde.

Halten wir fest: Es gibt viele Studien, die zeigen, wie sich Menschen in ihrer Meinung beeinflussen lassen – oder eben nicht. Wie schnell unser Gehirn faktisch falsche Informationen eher abspeichert und behält, weil sie in uns eine angenehmere Vorstellung der Welt und eine Wut gegen die Wahrheit in uns hervorrufen. Und vor diesem Blick ist das Internet eher Fluch als Segen:

Soziale Medien als Verschwörungspool

Corona-Leugner oder die, die es irgendwann werden, weil sie mit der Situation unzufrieden sind, gelangen unglaublich schnell an falsche Informationen, die sie weiter in ihrer Meinung bestätigen. Diese Meinung können sie unglaublich leicht mit Gleichgesinnten über soziale Medien teilen und vor allem weiterverbreiten. Kurios dabei ist, wie offensichtlich mittlerweile stark verwirrte Promis wie etwa Xavier Naidoo hier eine ganze Menge Menschen ansprechen und das dann weiterverbreiten. Dabei sollte bei einem "ganzheitlichen" Blick auf das, was zu allen möglichen Themen von sich gegeben wird und die auf kurioseste Art miteinander verknüpft werden, ganz schnell die Alarmglocken des gesunden Menschenverstands schrillen. Doch die einfach verpackte Information gepaart mit Frust bis hin zur Wut und Ohnmacht, gleichzeitig gedacht von immer mehr Menschen, übernimmt das Gehirn. Dabei schreien sie besonders laut, die Leugner. Fatal: Die "Gegenseite", die noch evidenzbasiert denkt, schreit lange nicht so laut. Und kann ihre komplexen Informationen häufig auch nicht einfach verpacken. Was die Seite der Leugner, der Verschwörer, der wütenden Bürger jedoch perfektioniert hat. Und einfache Informationen? Sind viel leichter gemerkt.

Formulieren wir doch mal einfacher!

Das zeigt übrigens auch eine Studie aus dem Jahr 2007: Auch, wenn Menschen eine Sache selbst gesehen haben und die Fakten klar scheinen: Wird ein simples, dem widersprechendes Gerücht gestreut, wird dieses Gerücht eher geglaubt – da es einfacher formuliert ist.

Zudem überschätzt sich der Mensch gerne – vor allem, wenn er keine Ahnung hat. Der sogenannte "Dunning-Kruger-Effekt" bedeutet, dass man sich immer dann für besonders kompetent hält, wenn man wenig Ahnung von etwas hat, da man einfach nicht weiß, wie richtige Kompetenz in diesem Bereich aussieht und man daher keinen Vergleich hat. Wissenschaftler aus ebendiesem Bereich, die die Kompetenz haben, drücken sich hingegen vorsichtiger aus – was ein anderer Wissenschaftler dann hinterfragt. Für einen Laien und vor allem für einen Faktenleugner wiederum wirkt das, als habe der Wissenschaftler keine Ahnung.

Übrigens ist genau dafür guter Wissenschaftsjournalismus unentbehrlich. Ranga Yogeshwar etwa bringt es in Sachen Corona-Lockdown auf den Punkt:

Ranga Yogeshwar

Der Weg wird tatsächlich kein leichter sein – aber wir können ihn mitpflastern

"Ich will selbst entscheiden" – Ja, das ist absolut verständlich, und das dürfen Sie auch, wenn es ausschließlich um Sie geht. So ist es aber bei einer Virus-Pandemie leider nicht. Auch die Risikogruppe hat eine Würde.

Und so schwierig der Gedanke ist: Das Virus existiert, und es ist zumindest für einen Teil von uns gefährlich – von Langzeitfolgen wie Lungen- und Herzproblemen oder sogar neurologischen Beschwerden noch ganz zu schweigen, denn über die müssen wir erst noch viel lernen. Das Virus wird nicht durch einen Knopfdruck plötzlich weg sein und unser Leben wie vorher weitergehen. Wir müssen alle (!) auf unsere Art leben, damit umzugehen. Das ist enorm schwer. Aber es wird noch schwerer, je länger man es leugnet.

Kritisch hinterfragen bleibt übrigens trotzdem wichtig: Wir dürfen und sollten auch jegliche Beschränkungen und Lockerungen kritisch hinterfragen und das auch äußern. Denn nur so kann die Politik so reagieren, wie es einerseits für unsere körperliche und psychische Gesundheit, andererseits aber auch für unser aller wirtschaftliches Wohl der beste Weg ist. Es kommt aber eben darauf an, wie wir diese Kritik äußern – und ob wir dabei andere gefährden.

Fake News: So erkennen Sie Coronavirus-Lügen
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Weitere News, etwa, wo die Gefahr, sich mit dem Covonavirus anzustecken, am größten ist, finden Sie auf unserer Themenseite zum Coronavirus.

Studien:

Studie der Universität Koblenz zum Thema Motivierte Wissenschaftsrezeption

Studie der Universität Amsterdam und der Vrije Universiteit Amsterdam zum Thema Resistenzen gegen Überzeugung

Studie von Anderson, Lepper & Ross zum Thema Festhalten an falscher Meinung

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

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