28.01.2019

Zahnbehandlungsphobie Angst vorm Zahnarzt überwinden: So geht's

Die Panik vor dem Stuhl: Wer unter einer Zahnbehandlungsphobie leidet, gerät schnell in einen echten Teufelskreis. Wie Sie die Angst vorm Zahnarzt überwinden können, lesen Sie hier.

Foto: iStock/Aja Koska

Die Panik vor dem Stuhl: Wer unter einer Zahnbehandlungsphobie leidet, gerät schnell in einen echten Teufelskreis. Wie Sie die Angst vorm Zahnarzt überwinden können, lesen Sie hier.

Unter einer Zahnbehandlungsphobie leiden rund 5 Prozent aller Deutschen – sowohl körperlich, als auch seelisch. Aber es gibt Wege aus dem Teufelskreis.

Das mulmige Gefühl vor einem Arztbesuch, vor allem wenn es um die Zähne geht, kennt wohl jeder. Sobald man aber auf dem Stuhl liegt, geht das schlechte Gefühl meist vorbei. Doch nicht jeder kann sich so glücklich schätzen. Bei Angstpatienten ist die Angst vorm Zahnarzt so ausgeprägt, dass sie sich einfach nicht in der Lage fühlen, auch im Hinblick auf eine Zahnbehandlung auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen. Und das kann bis hin zum sozialen Rückzug führen – nämlich dann, wenn die Zähne darunter leiden.

Angst vor dem Zahnarzt: Gefahr der Abwärtsspirale hoch

Rund fünf Prozent aller Deutschen sind von einer ausgeprägten Zahnarztphobie betroffen – und vermeiden selbst bei starken Schmerzen nach Möglichkeit die Behandlung so lange wie möglich. Erst wenn die Beschwerden nicht mehr auszuhalten sind, quälen sie sich auf den Behandlungsstuhl – und sehen sich genau dann oft einer tatsächlich schmerzhaften Situation entgegen.

Denn durch das lange Aushalten und fortgeschrittene Probleme wie unbehandelte Löcher oder schwere Entzündungen müssen Zahnärzte genau dann umso mehr machen. Je nach Ausprägung schlägt dann sogar die Betäubung nicht mehr richtig an. Der Angstpatient wiederum sieht sich genau dann in seiner Phobie bestätigt – und schiebt Folgetermine wieder auf.

Unbehandelte Zahnprobleme können zu sozialem Rückzug führen

Wer seine Zahnprobleme aus Angst nicht behandeln lässt, stellt möglicherweise früher oder später auch optische Probleme fest – und fängt an, sich zu schämen. Genauso sieht es aus, wenn etwa durch eine Entzündung im Mund unangenehmer Geruch entsteht oder durch Schmerzen nicht mehr gründlich genug die Zähne geputzt werden können.

Betroffene ziehen sich aus Scham oft irgendwann mehr und mehr aus ihrem sozialen Umfeld zurück.

Aber auch körperliche Probleme können etwa unbehandelte Zahnfleischentzündungen mit sich bringen, wenn Bakterien sich über das Blut im Körper verteilen. Im schlimmsten Fall kann sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen. Zudem bringen Forscher Entzündungen im Mund sogar mit Alzheimer in Verbindung und vermuten, dass die Bakterien die Demenz-Erkrankung erst auslösen. Eine regelmäßige Vorsorge ist also wichtig. Eigentlich.

Das wissen Angstpatienten natürlich auch. Die Angst aber überwiegt, und mit dem Wissen, dass man sich selbst nicht guttut, wenn man den Zahnarztbesuch trotz Problemen nicht wahrnimmt, steigt der Druck umso mehr. Irgendwann wird bei manchen gar eine gewisse Form von Selbsthass daraus.

Warum die Phobie? Probleme oft aus Kindheitstagen

Bei vielen Patienten geht die Angst vorm Zahnarzt zurück in die frühe Kindheit – und fängt oft bei den Eltern an, dann erst beim damaligen Zahnarzt. Denn wenn schon ein Elternteil Angst vor der Behandlung hat, spürt das Kind das und denkt, jetzt komme etwas Schlimmes auf es zu. Eltern wiederum, die bedenkenlos zur Behandlung gehen, vermitteln ihren Kindern diese Sicherheit weiter.

Betroffen sind aber auch solche Patienten, die in der Kindheit, aber auch noch im Erwachsenenalter eine schmerzhafte und unschöne Erfahrung machen mussten. Dieses Ereignis kann sehr einschneidend sein und auch spät eine Zahnarzt-Phobie entwickeln lassen.

Eine Rolle spielen dabei auch Sinnesfaktoren. Das Geräusch des Bohrers, wenn jemand eine schmerzhafte Bohrbehandlung erleben musste, eine sich auch über andere Behandlungsgebiete erstreckende Spritzenphobie oder allein der Geruch in der Praxis können Angst auslösen.

Angst bekämpfen: Wie werde ich die Phobie los?

Natürlich gibt es Möglichkeiten, die Angst vorm Zahnarzt kurzzeitig auszuschalten, etwa mit Vollnarkose, Beruhigungsmitteln oder gar Hypnose. Die Angst kehrt dann aber früher oder später zurück – die Ursache wird nicht ergründet und bekämpft.

Daher raten Ärzte in Phobie-Fällen zu einer Psychotherapie, bei der Psychologen oder Psychotherapeuten mit Zahnärzten zusammenarbeiten. "Studien zeigen, dass bereits drei Termine einer verhaltenstherapeutischen Maßnahme zum Erfolg führen können", erklärt dazu Prof. Dr. Hans-Peter Jöhren, Leiter der Zahnklinik Bochum. Seiner Erfahrung nach konnten danach 70 Prozent der Phobiker ihre Behandlung beim Zahnarzt fortsetzen.

In der Grafik finden Sie noch mehr Tipps, um die Angst vor dem Zahnarzt zu überwinden:

Wie funktioniert die Verhaltenstherapie gegen Zahnarztphobie?

Der Betroffene lernt in der Verhaltenstherapie, seine Angst zu verstehen und bewusst zu spüren und daraufhin Entspannungstechniken einzusetzen, die helfen, mit dieser Angst umzugehen. Dabei wird etwa die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen eingesetzt.

Die Therapie wird Schritt für Schritt durchgeführt, so versucht der Therapeut etwa zuerst zusammen mit dem Patienten im Gespräch den Grund für die Angst herauszufinden. Dann geht es an das Erlernen hilfreicher Entspannungstechniken und im Anschluss an das Einsetzen dieser mithilfe von Bildern, Tonaufnahmen oder Videos. Kann der Patient mit diesen Konfrontationen umgehen, folgt erst wieder ein Besuch in der Praxis, aber noch immer mit der Möglichkeit, diese wieder zu verlassen. Meist aber können Betroffene spätestens beim zweiten Betreten der Praxis Platz auf dem Behandlungsstuhl nehmen, heißt es laut Initiative proDente e.V.

Funktioniert die Verhaltenstherapie nicht – auch das kommt vor – so können Betroffene eine Behandlung in der Tiefenpsychologie probieren.

Und wer zahlt das alles?

Ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder Psychologen steht jedem zu. Stellt dieser dann die Diagnose "Zahnbehandlungsphobie", so übernehmen sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen die weitere Behandlung.

Damit ist die psychologische Behandlung eines Angstpatienten bei der Angst vorm Zahnarzt für diesen günstiger als etwa Hypnose durch den Zahnarzt oder etwa Vollnarkose. Erstere ist keine Kassenleistung, zweitere wird ebenfalls nur bei attestierter Phobie übernommen.

Bis dahin helfen vielleicht unsere Tipps zum richtigen Zähneputzen weiter. Mundgeruch kann übrigens ganz unterschiedliche Ursachen haben und muss nicht an mangelnder Mundhygiene liegen.

Weitere Informationen zur Zahngesundheit bietet die Initiative proDente e.V., die zudem Adressen für Zahnarzt- und Patientenberatung bereithält.

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