30.03.2017

Rhetorik Bleiben Sie souverän mit Sprachkarate

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Beim Sprachkarate werden werden die Grundhaltungen und Regeln der asiatischen Kampfkunst Karate einfach übernommen.

Foto: iStock/laflor

Beim Sprachkarate werden werden die Grundhaltungen und Regeln der asiatischen Kampfkunst Karate einfach übernommen.

Nicht immer finden wir in stressigen Situationen die passenden Worte. Da hilft uns Sprachkarate – mit paar Regeln aus der asiatischen Kampfkunst.

Streit mit der Freundin, Ärger mit dem Partner oder ein Krisengespräch beim Chef? Wie Sprachkarate funktioniert, erklärt hier Kommunikations-Profi Annette Schelb. Die Konfliktberaterin aus Königswinter hat das Sprachkarate-Programm selbst entwickelt: „Dabei werden die Grundhaltung und die Regeln dieser Kampfkunst einfach übernommen“, erklärt Annette Schelb (57).

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Karate- Grundregeln

  • Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
  • Beim Karate gibt es keinen ersten Angriff.
  • Erkenne dich selbst zuerst, dann den anderen.
  • Wandle dich, abhängig von deinem Gegner.
  • Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.

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Schritt 1: Erkenne Dich selbst

Kommunikation ist oft schwierig, bedeutet für uns in vielen Situationen Stress. Wir wollen unsere Meinung vertreten, uns nicht bevormunden lassen, befürchten Streit … Bei hohem Stresspegel schüttet unser Gehirn aber Botenstoffe aus, die blitzschnelle Reaktionen fördern – und klares Denken ausschalten. Unsere Vernunft setzt also tatsächlich aus.

Machen Sie den Blitz-Test:

Wie reagieren Sie in Konfliktsituationen?

  • A Ich gehe sofort in die Luft.
  • B Ich gebe sehr schnell klein bei.
  • C Ich bleibe einfach cool.
  • A Ich gehe immer als Siegerin aus Konflikten hervor.
  • B Ich fühle mich schwach und hilflos.
  • C Ich tue alles dafür, einen Konflikt in einen konstruktiven Dialog zu verwandeln.
  • A Ich brauche einen Sündenbock.
  • B Ich lasse mich häufig zum Sündenbock machen.
  • C Ich versuche, einen Konflikt unter sachlichen Aspekten aufzuarbeiten.

Welchen Buchstaben haben Sie am häufigsten angekreuzt?

Die Auswertung:

Am häufigsten „A“: Die Kämpferin

Sie laufen oft heiß, reagieren in Streitgesprächen mit Angriff. Ihre Stimme ist dabei laut und schrill. Sie sehen den Gesprächspartner als Feind, der besiegt werden muss.

Am häufigsten „B“: Die Taucherin

Sie fühlen sich bei Meinungsverschiedenheiten klein und hilflos. Ihre Stimme ist leise und tonlos. Im Konflikt verpufft Ihre Energie. Am liebsten würden Sie die Flucht ergreifen und untertauchen.

Am häufigsten „C“: Die Verhandlungspartnerin

Sie dürfen sich beglückwünschen, machen in Konfliktsituationen alles richtig.

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Schritt 2: Reflektiere dein Verhalten

Unsere Gefühle bestimmen unser Handeln. Aber mit dem Wissen aus unserem Blitz-Test können Sie dennoch eine Menge dafür tun, selbstbewusst (also „sich seiner selbst bewusst“) zu agieren.

6 Grundregeln der Kommunikation:

1. Auf Augenhöhe

Respektvolles Miteinander steht für Sprachkarate-Profis an erster Stelle. Gehen Sie nicht in Kampfstellung, sondern lernen Sie, sich selbst zu beherrschen. Gelassenheit erzeugt eine innere Haltung und einen Spannungszustand, der von anderen wahrgenommen und beantwortet wird. Das ist vor allem bei Kämpferinnen wichtig. Seien Sie präsent, aufmerksam und wohlgespannt – wie im Tanz. Kommunizieren Sie mit- statt gegeneinander. Lassen Sie sich auf Ihren Gesprächspartner ein, statt ihn zu bekämpfen.

2. Vorbereitung

Schreiben Sie die Argumente beider Gesprächsparteien auf. Fragen Sie nicht nur: „Was will ich?“, sondern auch: „Welche Wünsche hat mein Gegenüber?“ Und überlegen Sie, welche Kompromisse möglich wären. Vorbereitung gibt Taucherinnen Sicherheit.

3. Gute Manieren

Höflichkeit entspannt Konfliktsituationen. Sagen Sie „Danke“, „Bitte“ und „Guten Tag“ oder halten Sie dem anderen die Tür auf. Das hilft allen „Konflikttypen“ und kann kleine Wunder wirken. Kaum etwas schätzen Menschen mehr, als mit Respekt behandelt zu werden.

4. Fragen stellen

Mit den W-Fragen (warum, wie, wer, wann …) geben Sie Ihrem Gegenüber Rederaum und das Gefühl, angehört zu werden. Geschlossene Ja-/Nein-Fragen begünstigen Entscheidungen. Klären Sie zu Beginn des Gesprächs: „Hast du Lust, mit mir über dieses Thema zu sprechen?“

5. Sich Zeit nehmen

Atmen Sie während des Gesprächs bewusst aus und wieder ein und gönnen Sie sich kurze Denkpausen. Das sorgt für Entspannung von Stimme und Stimmung.

6. Notfalls vertagen

Kommunikation funktioniert nur, wenn beide bereit sind. Manchmal hilft es, eine Nacht darüber zu schlafen. Mit neuer Kraft kann das Problem am nächsten Tag gemeinsam besprochen werden.

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Schritt 3: Angst aus – Körpersprache an

Ob angreifen oder ducken – beide Reaktionen haben ihren Ursprung in der Angst, Ansehen zu verlieren. Das Wort „Angst“ kommt von dem indogermanischen „angh“, was so viel heißt wie „eng“. Alles was unseren Körper weit und weich macht, ist ein gutes Mittel gegen das Angstgefühl.

Das hilft Ihnen:

  • Ein hüft- bis schulterbreiter Wohlfühlstand mit beiden Füßen auf dem Boden gibt Sicherheit.
  • Lockern Sie Ihre Knie und das Becken. Dehnen und recken Sie sich – das entspannt.
  • Stehen Sie aufrecht, Kopf, Hals und Wirbel sind nach oben gerichtet. Der Blick ist offen und freundlich – das signalisiert: „Alles im grünen Bereich.“
  • Lockern Sie Ihre Schultern, Arme und Hände und nutzen Sie Gestik im Gespräch. Karate heißt „leere Hand“: Beim Sprachkarate sind wir unbewaffnet. Wer seine Hand auf Herzhöhe bewegt, setzt damit ein freundliches Zeichen und unterstreicht die Bedeutung seiner Worte.

Eine kleine Übung

Stellen Sie eine Tasse auf den Tisch und positionieren Sie sich dann so, dass der Henkel der Tasse rechts von Ihnen ist. Bitten Sie eine Freundin, sich auf die andere Seite zu stellen. Sie wird behaupten, dass der Henkel links ist.

Sie haben nun verschiedene Möglichkeiten, mit diesem „Konflikt“ umzugehen:

  1. Sie können auf Ihrer Position bestehen und versuchen, Ihren Standpunkt durchzusetzen. Damit verlieren Sie natürlich beide – im schlimmsten Fall eine Freundin.
  2. Sie können Ihr Gegenüber für ignorant und besserwisserisch erklären – und damit viel über sich selbst sagen. Auch hier verlieren Sie beide.
  3. Sie können feststellen, dass es mehr als eine Wahrheit gibt, wenn Sie sich locker machen und die Perspektive wechseln – natürlich kann der Henkel auch links sein.

Sprachkarate-Fazit

Sie können Ihrem Gegenüber seine Sicht der Dinge lassen, ohne Ihre Sicht aufgeben zu müssen. Und: Im Dialog gewinnen beide – an Einsicht, Wissen und Vertrauen. Bewegen Sie sich, dann wird sich Ihr Gegenüber auch bewegen.

Mehr Infos: www.sprachkarate.de

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