07.12.2016

SENIORENBESUCH Die kleinsten Therapiepferde der Welt laden zum Kuscheln ein

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Mini-Pferdchen mit Riesen-Herz: „Marquise“ und „Baisha“ bringen Freude in den Seniorenalltag.

Foto: Christian Hass

Mini-Pferdchen mit Riesen-Herz: „Marquise“ und „Baisha“ bringen Freude in den Seniorenalltag.

Sind die süß! Knapp 70 Zentimeter hoch, sanfte Augen, Wuschelmähne: die Therapiepferde „Marquise“ und „Baisha“ besuchen mit ihren vierbeinigen Kollegen von der Hundestaffel Senioren.

Marquise“ (fast 2) ist eine kleine, stolze Dame. Gerade einmal 69 Zentimeter hoch, 36 Kilo - und doch ein ganzes Pferd. Genau wie „Baisha“ (6 Monate), die sogar noch einen Zentimeter kleiner ist. Zwei Mini-Pferdchen mit Riesen-Herz.

Zusammen mit ihren bellenden Kollegen der „Besucherhundestaffel“ vom Roten Kreuz Bad Säckingen tapsen sie durch Seniorenheime und Kitas - und sorgen überall für tierisch gute Laune. „Die meisten sind begeistert, wenn sie die Pferdchen zwischen den Hunden entdecken“, lacht ihre Besitzerin Irmgard Peruzzi (55), die zusammen mit Ehemann Hans Bracher (64) ehrenamtlich die Staffel leitet.

So ist es auch heute, im Altenpflege-Zentrum Sankt Franziskus. Wiehernd begleiten die Pferdchen die Barsoi-Hündin „Ronia“ (1), wuseln zwischen Rollatoren und Rollstühlen. „So ein niedlicher Schatz“, schwärmt Elsa Mühlau (90) und kuschelt sich an die weiche Mähne von „Marquise“. „Als Kind hatte ich auch ein Pony. Nichts schenkt so viel Liebe wie ein Tier.“

Die Schmerzen einmal vergessen

Elsa hat extra eine große Packung Leckerli gekauft. „In diesen Stunden vergesse ich alle Schmerzen“, sagt sie - und ihre Augen leuchten. Auch Mitbewohnerin Erika Lieder (94) streichelt die Stute und lächelt selig: „Ich war schon immer ein Pferdemädchen.“

Staffel-Chefin Irmgard Peruzzi freut sich über die Begeisterung. „Unsere Minipferde sind eine gute Alternative für Menschen, die Angst vor Hunden haben. Sie machen die gleiche Ausbildung wie unsere Therapiehunde, den Rettungshunde-Eignungstest.“ Die kleinen Rösser lernen mit Lärm, hektischen Bewegungen und wackeligen Untergründen klarzukommen.

Kuschelpferde im Aufzug

Darum steigen „Marquise“ und „Baisha“ jetzt auch ganz entspannt in den Aufzug, hoch in den zweiten Stock der Seniorenresidenz. Oben angekommen, laufen sie munter durch die aufgeregt entzückte Seniorengruppe. Ein Streichler hier, ein Leckerli da ... Die Pferde bringen Seelen-Glück mit - und kriegen viel zurück!

„Unsere Bewohner blühen bei den tierischen Besuchern auf“, freut sich auch Heimleiterin Birgit Matt (59). „Sie machen sich hübsch und warten sehnsüchtig, bis die Pferdchen endlich kommen.“ Selbst schwer Demenzkranke, die sonst kaum sprechen, strahlen plötzlich, strecken den steifen Arm nach „Marquise“ aus oder stellen sogar wieder Fragen.

Momente, die auch Irmgard Peruzzi immer wieder berühren. „Das Lächeln der Besuchten, die Dankbarkeit, wenn sie sich an unsere Tiere kuscheln - das ist wunderschön.“

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Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 48. .

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