05.12.2016

INTERVIEW Der Kartenlegerin in die Karten geschaut: „Das ist Lebenshilfe“

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Kartenlegen ist ein Zusammenspiel aus Wissen und Deutung der Karten, Psychologie und Intuition.

Foto: Henning Scheffen

Kartenlegen ist ein Zusammenspiel aus Wissen und Deutung der Karten, Psychologie und Intuition.

Seit 27 Jahren legt Sylvie Kollin die Karten - auch vielen Stars und Bossen. Alles Hokuspokus oder ist da mehr dran? „Ich hab schon Leben gerettet“, sagt sie im BILD der FRAU-Interview.

BILD der FRAU: Frau Kollin, verraten Sie Ihrem Kunden wirklich alles, was Sie sehen?

Sylvie Kollin: Ich komme ganz selten in die Situation, was Schlimmes zu sagen. Die Leute gehen ja nicht zum Kartenleger, um zu gucken, wann sie sterben. Sie kommen, weil sie Denkanstöße brauchen. Wie geht meine Beziehung weiter? Wird meine Vorgesetzte mich weiter mobben? Um solche Fragen geht es. Wichtig ist mir: Ich rede nicht um den heißen Brei rum, sondern Tacheles.

Und wenn es dabei doch mal heikel wird?

Sicher hatte ich schon Fälle, in denen ich geraten habe, einen Arzt aufzusuchen, zum Gynäkologen zu gehen - und ich habe dann Feedback bekommen, dass sie wirklich krank waren, der Arztbesuch absolut nötig.

Wie wird man eigentlich Kartenlegerin?

Es gibt keinen bestimmten Weg. Ich habe früher als Hotelfachfrau gearbeitet und dann eine Astrologin kennengelernt, die mir die Karten gelegt hat. Und die Dinge trafen dann auch so ein, wie sie gesagt hatte. Das hat mich fasziniert und ich habe angefangen zu lernen. Sechs Jahre habe ich geübt, dann machte ich aus meinem Hobby einen Beruf - das ist jetzt schon 25 Jahre her.

Das klingt, als könnte jeder das Kartenlegen lernen.

Karten legen können viele. Das Schwierige ist aber, sich auf die Menschen einzustellen, das richtige Gefühl dafür zu haben. Es ist ein Zusammenspiel aus Wissen und Deutung der Karten, Psychologie und Intuition. Ich gebe den Leuten Lebenshilfe. Ein kühler Kopfmensch wird das nie können und lernen. Und er wird auch nie dran glauben.

Wie läuft so eine Sitzung ab?

Ich lege zuerst sogenannte Kipperkarten, auf denen Symbole und Menschen zu sehen sind. Diese Bilder deute ich und ergänze sie mit Skatkarten. Zum Schluss frage ich die Kunden, ob noch Fragen offen sind.

Benutzen Sie immer dieselben Karten?

Ich tausche sie regelmäßig. Oft schon nach einem Abend, wenn ich ganz viel zu tun hatte. Die Karten müssen sich gut anfühlen, dürfen nicht speckig sein.

Ihre Kundschaft ist hauptsächlich weiblich, oder?

Ja, zu 70 Prozent. Meine Kunden sind 20 bis 85 Jahre alt, jeder dritte von ihnen kommt regelmäßig.

Kartenlegen ist kein geschützter Beruf, für kleines Geld gibt es Angebote im TV oder Internet. Wie vermeide ich, an schwarze Schafe zu geraten?

Gucken Sie, wie lange der Kartenleger den Job schon macht. Je länger, desto besser. Hören Sie auf Empfehlungen. Ich nehme mir eine Stunde Zeit für meine Kunden und schreibe ihnen meine Vorhersagen auf. Dann können sie überprüfen, was eingetreten ist. Ich behaupte, dass ich fast nie daneben liege. Es gibt keine Zufälle. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis die Vorhersage eintrifft.

Warum nehmen Sie Karten und keine Kugel?

Ich bitte Sie … Kugeln sind doch Quatsch. Da ist nichts drin, aus dem man etwas lesen kann.

Gucken Sie auch für sich selber in die Karten?

Nein, nicht mehr. Ich bin nicht objektiv, würde mir immer nur das Beste heraussuchen.

Eine konkrete Frage zum Schluss: Wird Deutschland 2018 wieder Fußball-Weltmeister?

Meine Vorhersagen sind persönlich und personenbezogen. Schleppen Sie mir den Jogi Löw ran und ich lege ihm gerne die Karten…

>> Darum trennt sich Jogi nach 30 Jahren von Daniela?

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Eine Stunde bei Sylvie Kollin in Hannover kostet 195 Euro. Muss die Kartenlegerin anreisen sind es 250 Euro > www.sylvie-kollin.de.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 44.

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