01.11.2016

Humor ist Leben Eckart von Hirschhausen: "Lachen ist die beste Medizin"

Mit der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN kümmert er sich um kleine Patienten.

Foto: Michael Zargarinejad

Mit der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN kümmert er sich um kleine Patienten.

Witzig und unglaublich anschaulich: So vermittelt Eckart von Hirschhausen am liebsten Wissen. Im TV, in seinen Shows und jetzt aktuell in seinem neuen Buch.

Eckart von Hirschhausen, geboren in Frankfurt/Main am 25. August 1967, Sternzeichen Jungfrau, ist Arzt, Komiker und TV-Star. In seinem neuen Buch erklärt er, warum wir alle ein bisschen mehr an Wunder glauben sollten. Seine Karriere umfasst ein Medizinstudium, Auftritte als Zauberer und Komiker. Das aktuelle Solo-Programm trägt den Titel „Wunderheiler - Wie sich das Unerklärliche erklärt“. 2008 gründet er die Stiftung HUMOR HILFT HEILEN (Infos unter www.humorhilftheilen.de).

BILD DER FRAU: Lieber Herr von Hirschhausen, wenn man Ihr Buch aufschlägt, stößt man gleich auf witzige Fotos, eine Anleitung zum Lesen der Handlinien oder Sie als Zauberkünstler - was ist „Wunder wirken Wunder“ für ein Buch?

Eckart von Hirschhausen: Ein wundervolles, subjektives Sachbuch, wenn man so will, denn ich beschreibe meine Reise durch die Wunderwelt der Medizin, mit Patienten, die mich beeindruckt haben, Exkursionen in die Alternativmedizin, die Odyssee mit meinem kaputten Knie … Und vor allem verrate ich, wie Sie gesünder durch ein krankes Gesundheitswesen kommen, und wie sich jeder ein bisschen Magie in seinen Alltag holen kann.

Ganz schön was los bei Ihrer Visite.

Und ich will den Streit zwischen „Schulmedizin“ und „Alternativmedizin“ mit ein bisschen Humor entschärfen. Es gibt wirksame und unwirksame Medizin, und gute Wege, das eine vom anderen zu unterscheiden. Unsinn gibt es auf beiden Seiten und Gutes natürlich auch.

>> Ist Lachen wirklich gesund?

Zum Beispiel?

Nachweislich wirksam sind Yoga, Meditation, Entspannungsverfahren, Akupunktur bei Schmerzen und es gibt gute pflanzliche Mittel. Unsinnig sind Bioresonanz, Ohrkerzen und die allermeisten Nahrungsergänzungen. Gefährlich sind Leute, die behaupten, man könne Krebs „aushungern“ oder mit Aprikosenkernen behandeln. Da hört selbst bei mir der Spaß auf.

Sie möchten mit dem Buch Orientierung geben.

Ich verrate, wie man mit fünf Fragen herausfindet, ob eine Behandlung notwendig ist. Welche Internetseiten brauchbar sind und welche heilenden Kräfte in jedem von uns schlummern. Ich setze auf die Aufklärung und Souveränität der Patienten!

Im Buch geht’s auch um die Ansteckungskraft von positiven Gefühlen. Klappt das wirklich so einfach?

Lachen ist die beste Medizin - zum Glück sagt das ja nicht nur der Volksmund, sondern auch die Wissenschaft. Endlich wird nicht nur geschaut, was die Menschen krank macht, sondern auch, was sie gesund hält und vor seelischen Belastungen schützt. Und da ist Humor einer der zentralen Schutzfaktoren. Deshalb versuche ich ja auch sowohl mit dem Buch als auch mit meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN zu zeigen: Wir nutzen das in uns schlummernde große Potenzial von heilenden Kräften noch lange nicht aus.

Sie fordern dazu auf, das Beste auch aus dem zu machen, was das Leben an Unerfreulichem mit sich bringt. Sagt sich so einfach …

Heilung kann auch heißen zu akzeptieren, dass nicht alle heil sind, aber dazugehören. Glück ist kein Naturzustand, Gesundheit auch nicht. Nicht jeder, der gesund ist, ist glücklich. Und nicht jeder, der krank ist, ist unglücklich. Es ist doch so: Das ganze Leben ist wie eine Wunderkerze. Es brennt ab. So oder so. Wundern müssen wir uns selber.

Was setzen wir dem Perfektionismus entgegen, der Über-Optimierung unserer Zeit?

Perfektionismus ist so langweilig und anstrengend! Ich bin z. B. nicht Anti-Aging, sondern Pro-Aging! Vergänglich sind wir schließlich alle.

Und trotzdem haben wir alle auch Angst vor Krankheit und dem Sterben.

Klar habe ich auch Angst vor dem Alter, vor dem Vergesslich-und-gebrechlich-Werden. Aber ich habe mich dem gestellt und bin drei Tage in ein Altenpflegeheim gezogen. Das hat mir die Augen geöffnet und die Angst genommen. Kein Mensch braucht ein teures Wellness-Hotel zum Entschleunigen - gehen Sie einfach mal in ein Heim in Ihrer Nachbarschaft. Da freut sich sicher jemand über Besuch. Und Sie entschleunigen von allein.

Haben Sie auch so etwas wie kleine Wohlfühl-Rituale in Ihrem Leben?

Ich schwimme leidenschaftlich gerne. Ich tanze gerne, und dabei kann ich mich wirklich vergessen! Aber da kann jeder ja sein eigenes Ding finden. Es gibt im Buch ein ganzes Kapitel „Kleine Wunder dreimal täglich“, wo es um gesunde Rituale geht. Zum Beispiel sich morgens vor dem Aufstehen zu fragen: Wofür stehe ich heute auf? Und wenn einem nichts einfällt: bitte liegen bleiben!

>> Gemeinsam lacht es sich besser: Lachtraining in der Gruppe

Sie sagen: „Das Leben ist ein Wunder!“ Wie oft machen Sie sich das bewusst?

Jeden Tag. Denn jeder Mensch ist ein Wunder. Wir haben unglaubliche Selbstheilungskräfte. Machen Sie doch mal einen kleinen Kratzer in Ihre Haut - drei Tage später ist der von allein verschwunden. Machen Sie genauso einen Kratzer mal in das Auto vom Nachbarn – da können Sie lange warten, der bleibt. Wir bewundern, dass Jesus Wasser zu Wein gemacht hat. Aber ist es nicht ebenso erstaunlich, dass unser Körper in der Lage ist, über Nacht aus dem ganzen Wein wieder Wasser zu machen?

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Die Artikel erschien ursprünglich in der BILD der FRAU Nr. 42 .

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