18.03.2016

NEUE STUDIE Liebe Nachbarn! So leben Sie länger

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Hier ein Blümchen, da ein bisschen Gemüse: Frieden am Gartenzaun ist schön und wichtig, auch für Ihre Gesundheit. Wer sich gut mit seinen Nachbarn versteht, lebt nachweislich länger

Foto: ©iStock / Susan Chiang

Hier ein Blümchen, da ein bisschen Gemüse: Frieden am Gartenzaun ist schön und wichtig, auch für Ihre Gesundheit. Wer sich gut mit seinen Nachbarn versteht, lebt nachweislich länger

Sie haben häufig Ärger mit Nachbarn? Vorsicht! Neue Studien zeigen: Das ist nicht nur schlecht für die Stimmung und den Seelenfrieden - sondern auch für die Gesundheit!

Können Nachbarn wirklich krank machen? "Ja", sagen US-Forscher nach einer Langzeitstudie. Sie beobachteten 5000 Erwachsene über fünf Jahre und stellten fest: Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, steigt deutlich, wenn es in der näheren Umgebung viel Streit und wenig Freundschaft gibt. Der Unterschied ist ungefähr so groß wie zwischen Rauchern und Nichtrauchern! Erschreckend, oder?

Wie viele Menschen betroffen sein könnten, zeigt eine repräsentative Umfrage in Deutschland. Danach hatte jeder Dritte schon mindestens einmal richtig Zoff mit dem Nachbarn. Auch warum es so häufig kracht, fanden die Marktforscher heraus:

Wie Sie Frieden schaffen

Viele Probleme, eine Lösung: Seien Sie selbst ein guter Nachbar! Wenn Sie diese sechs Psycho-Strategien nutzen, helfen Sie sich und anderen, können Polizei und Rechtsberatung vergessen.

1. Starten Sie bei null

Wenn Sie neu eingezogen sind, ist es einfach. Sie lernen Ihre Nachbarn gerade erst kennen, die Beziehung ist noch unbelastet und Sie können von Anfang an alles richtig machen. Für alle, bei denen es schon Streit gegeben hat, ist es schwieriger. Sie haben sich bereits schrecklich übereinander geärgert, es wurde auch schon richtig laut und von herzlicher Stimmung können Sie nur träumen.

Hier hilft nur eins: Ziehen Sie einen dicken fetten Schlussstrich, löschen Sie alle negativen Nachbarschaftsdaten, und starten Sie mit den Punkten zwei bis sechs neu. Am besten gleich heute! Wer keinen Stress will, muss vergessen können.

2. Benutzen Sie das Zauberwort: "Hallo!"

Wie oft stürzen Sie aus dem Haus ohne nach links und rechts zu gucken? Wie oft starren Sie im Fahrstuhl auf den Boden oder aufs Handy, statt ein kleines Gespräch zu beginnen? Ab jetzt sollte die Antwort heißen: Nie! Begrüßen Sie Ihre Nachbarn (auch die Kinder!) immer mit einem freundlichen "Hallo". Bleiben Sie dabei, auch wenn Sie keine Antwort bekommen.

Einer muss den Anfang machen und Sie können sicher sein: Es dauert nicht lange, bis das gegenseitige Grüßen selbstverständlich wird. Ist dieser erste Schritt geschafft, fügen Sie eine Kleinigkeit hinzu. Wünschen Sie einen schönen Tag, freuen Sie sich gemeinsam über das sonnige Wetter oder schimpfen Sie über den Regen Jedes kleine Gespräch verbindet und ist eine gute Basis, wenn es doch mal Probleme gibt. Wer im Alltag höflich ist, bleibt auch in Krisensituationen eher beim guten Ton.

3. Erzählen Sie, was Sie gerade bewegt

Wenn Sie möchten, dass Ihre Nachbarn Rücksicht nehmen, versorgen Sie sie mit Informationen und Erklärungen. Erzählen Sie von Ihren Arbeitszeiten (und der nötigen Nachtruhe), vom Wochenend-Großeinkauf (und dem benötigten Parkplatz vor der Haustür), von Ihrem Gärtnerhobby (und der Unkraut- Abneigung). Berichten Sie auch von Ihrem geplanten Sommerfest (und möglichem Lärm), von drohenden Handwerkern (und möglichem Schmutz), vom neuen Musikinstrument Ihrer Tochter (und den notwendigen Übungszeiten). Wer offen und ehrlich ist, erlebt weniger böse Überraschungen.

4. Warten Sie 24 Stunden

Sie liegen im Bett und hören das Rumpeln von Nachbars Waschmaschine. Sie stehen am Fenster und beobachten wie Nachbars Hund Ihre Hecke mit einem Laternenpfahl verwechselt. Es ist heiß draußen, aber Sie müssen die Balkontür schließen, weil Nachbars Grill qualmt.

All das bringt Sie auf 180 und genau deshalb sollten Sie auf keinen Fall sofort reagieren. Heftige Schläge gegen die Wand stoppen den Schleudergang nicht. Wütendes Trommeln gegen das Fenster rettet die Hecke nicht. Empörtes Rufen vom Balkon löscht die Holzkohle nicht. Atmen Sie also lieber tief durch und beschließen Sie, die Sache ganz in Ruhe am nächsten Tag zu klären. Wer eine Diskussion wütend beginnt, kann sicher sein, dass sie im Streit endet.

5. Schlucken Sie Ärger nicht runter

Für schüchterne Menschen kann Punkt 4 zu einem Problem werden. Denn ist die erste Wut verraucht, trauen sie sich nicht mehr und schlucken den Restärger lieber runter. Aber das sollten Sie auf keinen Fall tun. Nur wenn Sie Ihrem Nachbarn sagen, was Sie stört, kann er es beim nächsten Mal besser machen. Damit es leichter fällt, beginnen Sie das Gespräch nicht mit einem Vorwurf, sondern mit Verständnis.

Ein sehr guter erster Satz ist zum Beispiel: "Sicher haben Sie es gar nicht bemerkt, aber..." So drängen Sie Ihr Gegenüber nicht in die ungemütliche Schuldecke und können gemeinsam nach einer vernünftigen Lösung suchen. Schließlich ist es kein Problem, die Waschmaschine früher einzustellen, den Hund woanders hinzuführen, den Grill windgeschützter zu platzieren. Nur wer Probleme anspricht, kann sie auch lösen.

6. Nehmen Sie Hilfe an

Früher bedeutete gute Nachbarschaft vor allem: Einer hilft dem anderen. Der Weg zum Supermarkt ist zu weit? Ich bring dir was mit! Die Kinder spielen den ganzen Tag draußen? Wir passen abwechselnd auf! Ihr fahrt in den Urlaub? Wir gießen eure Blumenbeete!

Heute genügt ein Anruf beim Lieferservice, spielen die Kinder viel mehr drinnen am Computer, kümmert sich die automatische Berieselungsanlage um die Blumen und wir kommen bestens ohne Nachbarn klar. Schade. Denn wer sich umeinander kümmert, lernt sich besser kennen und weiß den anderen mehr zu schätzen. Bitten Sie also ruhig mal um einen Gefallen, nehmen Sie Hilfe an und motivieren Sie Ihre Nachbarn dadurch, das Gleiche zu tun.

Zehn Gründe für Streit

  1. Lärmbelästigung, vor allem durch Partys, Streitereien oder lautes Fernsehen - 63,6 %
  2. Nachbar hält sich nicht an die Regeln, putzt z. B. das Treppenhaus nicht, räumt im Winter keinen Schnee - 44,7 %
  3. Haustiere stören, z. B. weil sie Schmutz oder Lärm machen und riechen - 41,0 %
  4. Ärger übers Auto, z. B. weil es auf dem falschen Parkplatz abgestellt wird oder Wege versperrt - 39,2 %
  5. Unfreundlichkeit, z. B. weil der Nachbar nicht grüßt oder nicht hilfsbereit ist - 33,0 %
  6. Ärger im Treppenhaus, z. B. weil es mit Kinderwagen oder Fahrrädern zugestellt wird - 32,1 %
  7. Ärger in Gemeinschaftsräumen, z. B. weil sie verdreckt sind oder mit Hausrat zugestellt - 27,5 %
  8. Störungen durch Besucher, z. B. weil sie nachts klingeln - 22,1 %
  9. Belästigung durch Rauch, z. B. weil Zigarettenqualm ins Treppenhaus zieht - 20,7 %
  10. Anderes, z. B. Dekorationen wie Fußmatten, Gartenzwerge oder Türkränze - 9,3 %
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