Aktualisiert: 08.06.2021 - 16:03

Besorgte Eltern Nehmen unsere Kinder über den Lollitest gefährliche Stoffe auf?

Für den Lollitest bei Kindern werden die regulären PCR-Abstrichstäbchen genutzt. Eltern befürchten, dass die möglicherweise mit Schadstoffen belastet sein könnten. Aber dabei handelt es sich um Falschinformationen.

Foto: Getty Images/Images By Tang Ming Tung

Für den Lollitest bei Kindern werden die regulären PCR-Abstrichstäbchen genutzt. Eltern befürchten, dass die möglicherweise mit Schadstoffen belastet sein könnten. Aber dabei handelt es sich um Falschinformationen.

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie herrscht auch eine Infodemie. Zahlreiche Informationen kursieren, nicht alle davon sind richtig – und diese Falschinformationen verunsichern viele. Vor allem, wenn es um ihre Kinder geht. Eines dieser Gerüchte: Lollitests sollen schädlich sein. Experten haben sie auf Schadstoffe getestet.

Eigentlich sollen sie den Test auf das Coronavirus bei Kindern vereinfachen, muss man ihnen so keine unangenehmen Nasenabstriche mehr zumuten: die Lollitests, an denen Kinder wie an einem Lolli lutschen können. Doch Skepsis herrscht offenbar trotzdem. Und Skepsis kann Angst schüren, die wiederum anfällig für beängstigende, aber glücklicherweise falsche Gerüchte macht. Umso wichtiger ist es, mit dieser Skepsis und Angst aufzuräumen.

Viele Eltern fragen derzeit unter anderem auch in Apotheken nach, ob die Lollitests schädliche Stoffe beinhalten, die eine Gesundheitsgefahr bergen. Schließlich müssen die Kinder in vielen Bundesländern derzeit zweimal wöchentlich einen Test auf das Coronavirus machen, wenn sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Doch das Schulministerium NRW hat Experten befragt und kann beruhigen.

Schädliche Stoffe in Lollitests? Eltern müssen sich keine Sorgen machen

Der Lollitest, der in vielen Schulen mittlerweile Anwendung findet, wird nicht mit speziellen "Lollis" gemacht, sondern mit den regulären PCR-Abstrichtupfern, die sonst auch beim Nasen- und Rachentest angewendet werden. Und zu diesen gab es in der Vergangenheit bereits kritische Nachfragen bezüglich einer befürchteten Schadstoffbelastung.

Doch das Schulministerium NRW betont in einem FAQ auf deren Internetseite: "Die CE-zertifizierten Abstrichtupfer sind Medizinprodukte und bestehen aus dem Material ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), einem handelsüblichen Kunststoff, und sind am faserigen Ende mit 100 Prozent medizinischem Nylon beflockt."

In NRW werden für die Lollitests in den Schulen Testmaterialien der Firma Synocura Healthcare GmbH aus Leverkusen genutzt. "Es handelt sich bei den Tupfern um Medizinprodukte, bei denen in Biokompatibilitätstests keinerlei Auffälligkeiten festgestellt wurden", ergänzt das Ministerium.

Beim Lollitest wird nichts an den Körper abgegeben, nur aufgenommen

Beim Lollitest wird den Kindern das Stäbchen nicht für einen Abstrich in Nase oder Rachen geschoben, sondern sie sollen für 30 Sekunden daran lutschen. Auch so kann genügend Speichel aufgenommen werden, der im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 dann Viren beinhaltet.

Anders als es der Name vermuten lässt, nehmen die Kinder beim Lutschen am Teststäbchen nichts auf – denn am Stäbchen ist nichts dran, das aufgenommen werden könnte. Der Tupfer regt vielmehr die Speichelproduktion an.

Eine weitere Besonderheit gibt's aber beim Lollitest: Da es sich nicht um Schnelltests, sondern um PCR-Tests handelt, die länger in ihrer Auswertung benötigen, werden alle Stäbchen einer Klasse gesammelt, die dann in einen gemeinsamen Pool wandern. Dieser Gesamtpool wird am selben Tag noch ausgewertet. Ist der Pool negativ, geschieht nichts. Ist eine Probe aus dem Pool positiv, gibt es noch einmal Einzeltests in der Klasse.

Schädliche Stoffe durch Sterilisationsverfahren ausgeschlossen

Woher diese Falschinformationen kommen, lässt sich nur vermuten. Möglicherweise stammen sie aus einem ähnlichen Kreis wie dem, der falschen Infos über angebliche Schädlichkeit der Abstrichtests sowie der FFP2-Masken in die Welt getragen hat. Dabei ging es – insbesondere bei den Abstrich-Stäbchen – um den Stoff Ethylenoxid, der bei manchen PCR- und Antigen-Schnelltests, oder etwa bei DNA-Tests für gerichtliche Zwecke in der Packungsbeilage angegeben ist.

Gänzlich weit hergeholt ist der Hinweis nicht, denn Ethylenoxid kann durchaus gesundheitsschädlich sein, wird es in größeren Mengen aufgenommen. Es handelt sich dabei um ein Desinfektionsmittel, das tatsächlich in höheren Mengen toxisch wirkt und als krebsauslösend gilt. Fälschlicherweise hieß es immer wieder, die Stäbchen würden mit dem Stoff beschichtet. Das stimmt nicht. Ethylenoxid ist ein Gas, das sich gleich nach der Sterilisation des desinfizierten Gegenstandes verflüchtigt. Nachweisbare Rückstände bleiben keine.

Das wäre für die Art der Tests auch schlecht. Denn Ethylenoxid zerstört DNA – das ist der Grund, warum man es zur Sterilisation einsetzt. Würden Rückstände bleiben, würde die zu testende DNA zerstört – und der Test damit unbrauchbar. Das Mittel wird bereits seit Jahrzehnten in der Medizintechnik als Sterilisationsmittel eingesetzt und in einer "Entgasungsphase" im Produktionsprozess entfernt.

Die in NRW für die Lollitests verwendeten Teststäbchen allerdings werden gar nicht mit Ethylenoxid sterilisiert, sondern mithilfe eines Gammastrahlen-Sterilisationsverfahrens – ebenfalls ein erprobtes und sicheres Verfahren, um pharmazeutische Produkte, Arzneimittel und Medizinprodukte zu sterilisieren.

Gammastrahlen sind radioaktiv – die Teststäbchen damit etwa auch? Nein, auch hier kann das NRW-Schulministerium beruhigen: "Überprüfungen des Forschungszentrums Jülich sowohl der Abstrichtupfer als auch der Verpackungsmaterialien auf etwaige Rückstände nach der Sterilisation haben gezeigt, dass keinerlei Hinweise auf radioaktive Verunreinigungen zu erkennen sind", heißt es in den FAQ.

Alle Tests besitzen die CE-Kennzeichnung

Noch einen Hinweis auf Unbedenklichkeit gibt es: Laut Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dürfen Medizinprodukte "nur dann in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden, wenn sie mit der CE-Kennzeichnung versehen sind. Die CE-Kennzeichnung darf angebracht werden, wenn die Produkte die grundlegenden Anforderungen erfüllen und das vorgeschriebene Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt wurde." Sprich: Bevor Produkte mit CE-Kennzeichnung zugelassen werden, werden sie noch einmal einer eingehende Prüfung auf Unbedenklichkeit unterzogen.

In anderen Gegenden werden für Kinder übrigens auch sogenannte Gurgeltests genutzt, die ebenfalls angenehmer sind als Abstrichtests, jedoch eine andere Gefahr bergen: Beim Gurgeln gelangen jede Menge potentiell infektiöse Aerosole in die Luft, weshalb jeder Test eigentlich draußen oder einzeln in einem gesonderten, gut belüfteten Raum durchgeführt werden muss, um andere nicht noch mehr durch das Coronavirus zu gefährden.

Für zu Hause gibt's derweil Antigen-Schnelltests zum Selbsttesten. Doch dabei gibt es einiges zu beachten, damit das Ergebnis auch zuverlässig ist:

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Um die Abrechnungen beim Antigen-Schnelltest für Bürger gab es zuletzt viel Trubel. So will man Abrechnungsbetrug beim Bürgertest zukünftig verhindern.

Quellen: Schulministerium NRW: FAQ Lollitest, pharmazeutische-zeitung.de, correctiv.org, BfArM über Medizinprodukte, zdf.de, TÜV über CE-Kennzeichnung

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