Aktualisiert: 05.05.2021 - 16:45

Frage nach Lockerungen Wie ansteckend sind Geimpfte, Genesene und Getestete?

Ein Eintrag im Impfpass und wir dürfen wieder alles? So einfach ist das nicht. Und doch sind gewisse Lockerungen sinnvoll. Welches Risiko geht von Geimpften, Genesenen und Getesteten noch aus?

Foto: Getty Images/Westend61

Ein Eintrag im Impfpass und wir dürfen wieder alles? So einfach ist das nicht. Und doch sind gewisse Lockerungen sinnvoll. Welches Risiko geht von Geimpften, Genesenen und Getesteten noch aus?

Lockerungen stehen im Raum – oder zumindest die Rückgabe gewisser Grundrechte für Menschen, die bereits den vollständigen Impfschutz haben oder von Covid-19 genesen sind. Teilweise werden sie auch einfach mit frisch Getesteten gleichgesetzt. Aber ist die Ansteckungsgefahr jeweils wirklich gering genug, um die Pandemie aufzuhalten? Ein Überblick.

Sie sollen auch ohne vorherigen Test zum Friseur gehen können, möglicherweise gelten auch Kontaktbeschränkungen untereinander sowie Ausgangsbeschränkungen nicht mehr: Für Geimpfte und Genesene soll es möglicherweise schon ab kommendem Wochenende einen ersten Schwung an Rechten zurückgeben. Maske und Abstand gelten in der Öffentlichkeit trotzdem weiterhin. Aber wie ist das eigentlich? Sind Geimpfte und Genesene sowie frisch Getestete wirklich nicht mehr oder nur noch wenig ansteckend? Ein Vergleich, der zeigt: Gewisse Vorsicht gilt trotzdem noch.

Geimpft, genesen, gestestet: Geringe Ansteckungsgefahr, mehr Freiheiten?

Das Infektionsgeschehen soll eingedämmt werden, gleichzeitig müssen Grundrechte wie das Recht auf freie Bewegung zu jeder Tages- und Nachtzeit wieder zurückgegeben werden. Ein Gleichgewicht, das nicht leicht zu erreichen ist in Zeiten, in denen noch viel über das Coronavirus und seine Auswirkungen geforscht wird. Doch es gibt erste Daten, die zeigen: Geimpfte geben das Coronavirus bei vollständigem Impfschutz offenbar nicht mehr weiter, sollten sie sich doch noch infizieren. Dennoch wissen wir: Genesene können sich durchaus ein zweites Mal infizieren, je nachdem, wie lange die erste Erkrankung zurückliegt, wie stark die dabei gebildeten Antikörper sind und welche Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 sie sich eingefangen haben. Und wir wissen: Schnelltests bieten zwar eine gewisse Sicherheit, jedoch handelt es sich um eine Momentsituation – es kann durchaus sein, dass negativ Getestete schon infiziert sind, aber noch nicht genügend Viruslast für den Test aufweisen. Kurz später könnten sie trotzdem ansteckend sein.

Wie lässt sich das alles nun einordnen? Sind Lockerungen bzw. die Rückgabe von vorerst gewissen Rechten dann überhaupt sinnvoll? Klar ist: Geschehen muss etwas, ewig lassen sich die Einschränkungen schließlich nicht fortsetzen – und das sollen sie auch gar nicht. Also im Kleinen anfangen?

Vollständig geimpft = weniger ansteckend?

Wann gilt man als vollständig geimpft? Das hängt vom Impfstoff ab:

  • Biontech/Pfizer: Sieben bis 14 Tage nach der zweiten Impfdosis
  • Moderna: Ab dem 14. Tag nach der zweiten Impfdosis
  • AstraZeneca: Ab dem 15. Tag nach der zweiten Impfdosis
  • Johnson & Johnson: Ab dem 28. Tag – bei diesem Impfstoff genügt eine Impfdosis

Zwar lässt sich noch nicht sagen, wie lange der Impfschutz anhält – möglicherweise sind später weitere Impfungen notwendig, etwa wenn sich neue Varianten des Coronavirus durchsetzen sollten. Jedoch zeigt sich zumindest, dass nach Ausbilden des vollständigen Impfschutzes weniger Gefahr der Ansteckung von Geimpften ausgeht, sollten sie sich trotzdem infizieren. Denn bedenken wir: Impfungen bieten nie einen vollständigen Schutz, infizieren kann man sich trotzdem. Bisher zeigte sich in Studien, dass mit Biontech/Pfizer Geimpfte das Virus viel weniger weitergeben – das lässt sich etwa in Israel beobachten. Und auch nach der Impfung mit AstraZeneca scheint die Virusweitergabe seltener zu erfolgen, erkennbar in Großbritannien.

Aufgrund der bisherigen Daten nimmt die Ständige Impfkommission (Stiko) daher an, dass die Virusweitergabe von Geimpften so stark reduziert ist, dass sie im Infektionsgeschehen eine geringere Rolle spielen als Ungeimpfte. Dennoch ist klar: Auch Geimpfte müssen weiterhin Maske tragen und Abstand halten, wenn sie auf andere Menschen treffen.

Im Spiel ist bisher lediglich, dass Geimpfte auf Schnelltests etwa vor dem Frisörbesuch verzichten können. Zudem dürften sich Geimpfte untereinander wieder treffen. Treffen sie auf Ungeimpfte, gelten weiterhin Einschränkungen der Personenzahl sowie das Tragen von Maske, Abstandsregeln und Co.

Genesen: Reichen die Antikörper für den Schutz anderer?

Die meisten, die Covid-19 bereits hinter sich haben, sind aufgrund der vom Körper gebildeten Antikörper erst einmal vor einer Neuinfektion geschützt. Klar ist allerdings: Diese Antikörper sind nicht bei jedem stark und sie verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder. Zudem bergen Virusmutanten weitere Gefahren, da die Antikörper nach der Erkrankung möglicherweise nicht stark genug dafür sind. Der Antikörperschutz Geimpfter ist da höher.

Bisher weiß man aber, dass Genesene in den meisten Fällen mindestens acht Monate geschützt sein können. Um auf Nummer sicher zu gehen, geht das Robert Koch-Institut bisher von sechs Monaten aus. Danach seien eine erneute Ansteckung und ein Übertragungsrisiko nicht ausgeschlossen.

Wessen Covid-19-Erkrankung nun also weniger als sechs Monate zurückliegt, der muss nach Kontakt mit Infizierten nun nicht in Quarantäne. Möglich ist außerdem eine Impfung nach frühestens sechs Monaten. Die kann den Antikörperschutz als "Booster-Impfung" nämlich stark erhöhen, auch vor Mutanten. Mehr dazu: Covid-19 überstanden? Einmalige Impfung schützt vor Varianten.

Impfung nach Covid-19?
Impfung nach Covid-19?

Für Genesene stehen nun allerdings auch Lockerungen im Raum, die denen von Geimpften nicht unähnlich sein dürften. Ist das sinnvoll? Infrage käme etwa, dass dafür ein Antikörpertest vorliegen muss, der zeigt, dass genügend Antikörper vorhanden sind – oder zumindest eine Bescheinigung darüber, wie lange die Erkrankung zurückliegt.

Getestet: Tests sind immer nur eine Momentaufnahme

Derzeit gibt es die Möglichkeit, sich via Schnelltest auf eine akute Covid-Infektion prüfen zu lassen. Das Ergebnis ist innerhalb von rund 30 Minuten da. Allerdings sind Schnelltests weitaus unzuverlässiger als die sicheren PCR-Tests aus dem Labor, deren Prüfung aber länger dauert. Schnelltests erkennen Menschen mit Symptomen relativ zuverlässig, symptomlose Infizierte allerdings nur zu rund 58 Prozent.

Dennoch hilft die Teststrategie, um zumindest sogenannte Superspreader zu erkennen. Auch das ist eine große Hilfe zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Wer einen tagesaktuellen negativen Test nachweisen kann, darf derzeit etwa zum Frisör oder in den Zoo. Bei all dem gelten weiterhin Maskenpflicht und Abstandsregelungen.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass man trotz negativem Testergebnis durchaus infiziert sein kann und sich daher weiter an jegliche Schutzmaßnahmen halten sollte.

Fazit: Fast alle Maßnahmen begleiten uns weiterhin

Fassen wir zusammen: Man geht derzeit davon aus, dass die Gefahr, dass Geimpfte jemanden anstecken, geringer ist als bei Nichtgeimpften. Und auch bei Genesenen ist zumindest wenige Monate nach der Erkrankung von einem gewissen Schutz auszugehen. Tests wiederum bieten nur eine Momentaufnahme.

Klar wird bei dieser Übersicht: Gänzlich aufgehoben werden können Einschränkungen für keine der Gruppen. Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand werden weiterhin gelten, solange nicht genügend Menschen geschützt sind – und in kritischen Situationen, etwa beim Kontakt mit vulnerablen Gruppen, möglicherweise auch darüber hinaus.

Die Gefahr, sich gegenseitig anzustecken ist unter Geimpften allerdings extrem gering, da beide Seiten geschützt sind. Treffen unter Geimpften weiterhin zu untersagen, ließe sich daher auf Dauer schwierig mit unseren Grundrechten vereinbaren. Dennoch ist auch hier nichts in Stein gemeißelt. Zumal derzeit noch die Frage offen ist: Wer kontrolliert das alles?

Klar ist: Je mehr Daten aus der Wissenschaft kommen, desto besser lässt sich die Lage einschätzen. Daher sind diese Angaben ohne Gewähr auf Dauer. Offen ist zum Beispiel die Frage, wie lange Geimpfte diesen hohen Impfschutz aufweisen und damit auch weniger ansteckend sind, sollten sie sich trotzdem infizieren. Je nachdem, wie schnell der Impfschutz abnimmt oder falls neue Varianten kommen, sollten wir damit rechnen, uns gegen Covid-19 nachimpfen lassen zu müssen. Jegliche Entscheidungen zu Lockerungen bleiben also ebenfalls Momentaufnahmen.

Mehr rund um das Coronavirus im Speziellen sowie Impfungen im Allgemeinen lesen Sie auf unseren Themenseiten.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe