Aktualisiert: 27.04.2021 - 18:49

Fragen zur Impfung Keine Impfreaktion: Ist der Impfschutz hoch genug?

Unwohlsein nach der Impfung plagt viele – aber nicht alle. Sagt die Stärke der Impfreaktion etwas über die Höhe des Impfschutzes aus?

Foto: Getty Images/Boy_Anupong

Unwohlsein nach der Impfung plagt viele – aber nicht alle. Sagt die Stärke der Impfreaktion etwas über die Höhe des Impfschutzes aus?

Bei manchen gegen Covid-19 Geimpften fällt die Impfreaktion sehr stark aus, andere wiederum spüren gar nichts. Sagt das etwas über die Stärke der Schutzwirkung aus?

Derzeit wird über wenig mehr geredet als über die Reaktionen auf die Corona-Schutzimpfung. Die können nämlich mitunter stark ausfallen. Bei anderen wiederum schmerzt höchstens die Einstichstelle oder sie spüren gar nichts Auffälliges. Hat die Impfreaktion einen Einfluss auf die Schutzwirkung der Corona-Impfung?

Starke Impfreaktion = starker Impfschutz?

Eine Impfung regt das Immunsystem an, aktiv zu werden, und einen Schutz gegen einen Eindringling aufzubauen. Im Falle der Covid-Impfungen ist das das Coronavirus Sars-CoV-2. Unser Körper bekommt mit der Impfung die Möglichkeit, Teile des Virus, die einzeln harmlos sind, kennenzulernen und Antikörper dagegen zu bilden. Meist ist das das Spike-Protein, das für das Coronavirus charakteristisch ist und mit dem es an Zellen andockt. Kommt dann später das echte Virus mit seinem Spike-Protein an, weiß das Immunsystem, welche Antikörper es losschicken muss. Genau das lernt es durch die Impfung.

Diese Reaktion auf Virusteile und die anschließende Anregung des Immunsystems kann sich auf unterschiedlichen Wegen bemerkbar machen – bei manchen mehr, bei manchen weniger. Generell spüren Jüngere eher stärkere Reaktionen auf einen Impfstoff als Ältere, da ihr Immunsystem schneller reagiert.

Bedeutet das aber nun, dass das Immunsystem von Geimpften, die keine Reaktion wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder Fieber spüren, nicht gut genug reagiert?

Immunologe erklärt: Diese Rechnung geht nicht ganz auf

Ein Immunforscher der Universität Massachusetts erklärt in einem Beitrag auf dem Onlineportal "The Conversation", warum auch die mit einem guten Impfschutz rechnen können, die von der Impfung nichts bis wenig mitbekommen:

Unser Körper beginnt wenige Stunden nach der Spritze, auf den Impfstoff bzw. auf das, was unser Körper nach Anleitung des Impfstoffes baut, zu reagieren. Diese Reaktion dauert mitunter ein paar Tage – daher können Beschwerden nach der Impfung auch durchaus diese paar Tage anhalten. Nach der ersten Dosis antwortet unser Immunsystem erst einmal mit der angeborenen Immunantwort, erklärt Robert Finberg, Immunologe an der Medical School der University of Massachusetts.

Diese Immunantwort ist unspezifisch, das Immunsystem schickt also erst einmal alles los, was es gegen Eindringlinge aufzuweisen hat – etwa weiße Blutkörperchen (Neutrophile) und Makrophagen. Und genau das ist es, was manchen Menschen unangenehme Stunden bis Tage bereitet, andere wiederum aber nicht betrifft. Das passiert übrigens bei jeder Impfung und auch bei jedem neuen Virus. Die Neutrophile und Makrophagen produzieren Zytokine, die diese unangenehmen Reaktionen wie Fieber und Co auslösen. Das passiert auch beim Erstkontakt mit dem Coronavirus.

Erst nach dieser ersten Impfung entwickelt sich die zielgerichtete, erworbene, sogenannte spezifische Immunantwort, die sich später direkt gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 richtet, sollte es Monate oder vielleicht sogar Jahre nach der Impfung zum Kontakt kommen. Der Aufbau dieser T- und B-Zellen dauert mitunter Wochen – im Falle der mRNA-Impfungen etwa zwei Wochen. Bis dahin sind die Trägersubstanzen im Impfstoff längst abgebaut und die Körperreaktion durch die unspezifische Immunantwort in der Regel vorbei.

Übrigens: In seltenen Fällen können durchaus allergische Reaktionen nach der Impfung auftreten. Die beginnen aber in der Regel schon kurz nach der Impfung und sind eine Reaktion auf die Trägerlösung, nicht auf den wirksamen Bestandteil der Impfungen. Sind Sie Allergiker:in, geben Sie dies bitte immer vor der Impfung an. So kann man Sie im Zweifel nach der Impfung etwas länger überwachen und im Fall der Fälle sofort reagieren.

Und auch wenn Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber nach zwei, drei Tagen nicht nachlassen oder gar schlimmer werden, zögern Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen!

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Präventiv ein Schmerzmittel gegen die Impf-Beschwerden?
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Unterschied bei der zweiten Impfdosis: Hinweis auf Schutzwirkung

Bei der zweiten Impfdosis kann es Finberg zufolge aber anders aussehen: Diese Dosis wird Wochen nach der ersten verabreicht, der Körper hat bereits eine erste spezifische Immunantwort gebildet. Das heißt: Kommt die zweite Impfdosis, meldet sich nicht mehr die unspezifische Immunantwort, sondern gleich die spezifische, die durch die zweite Impfdosis weiter gestärkt wird.

Gerade bei mRNA-Impfstoffen kann die zweite Spritze gefühlt heftiger ausfallen. Und dies könne, so Finberg, in der Tat ein Hinweis auf die Stärke des ausgebildeten Immunschutzes sein. Noch gibt es hier aber keine wissenschaftlich gesicherten Beweise, dass jemand mit einer stärkeren Impfreaktion später auch eine stärkere Schutzwirkung gegen das Virus ausbildet.

Auch bei wenig Reaktion: Hoher Impfschutz sehr wahrscheinlich vorhanden

Halten wir also fest: Reaktionen auf den Impfstoff sind ganz normal und können durchaus ein paar Tage anhalten. Sie sind insbesondere bei den mRNA-Impfstoffen aber möglicherweise erst nach der zweiten Spritze ein Anzeichen auf eine gute Impfreaktion. Dennoch heißt das nicht, dass Menschen, die keine Beschwerden nach der Impfung verspüren, gar keinen Impfschutz aufbauen. Wer sich unsicher ist, kann im Nachgang der Impfungen einen Antikörpertest machen.

Beachten Sie aber: Der Impfschutz muss sich erst aufbauen. Im Falle der mRNA-Impfstoffe ist er erst rund 15 Tage nach der zweiten Impfdosis vollständig. Erst dann greift die Schutzwirkung von über 90 Prozent. Infizieren kann man sich dann trotzdem noch, jedoch fallen die Erkrankungen in den allermeisten Fällen sehr leicht aus. Nach bisherigen Erkenntnissen geben die meisten Geimpften auch trotz Infektion nur wenig Virus weiter. Bis alle geimpft sind, muss aber auch jeder Geimpfte weiterhin Maske tragen und Abstand halten, um andere nicht potentiell zu gefährden. Je mehr Menschen diesen Grundschutz durch die Impfung erhalten, desto weniger hat das Coronavirus die Möglichkeit, Schaden anzurichten – nach und nach.

Auch interessant: So haben Impfungen die Gesundheit der Menschheit verändert. Und das leisten die einzelnen Corona-Vakzine.

Quellen: Gastbeitrag auf "The Conversation", eigene Recherche

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