Aktualisiert: 23.04.2021 - 16:52

Problematische Stoffe Selbstbräuner: Gesunder Teint oder gefährlicher Inhalt?

Formaldehyd in Selbstbräuner? Eigentlich nicht zugelassen – leider aber Realität. Der gesundheitsschädliche Stoff entsteht nämlich als Zerfallsprodukt des Wirkstoffes.

Foto: Getty Images/Prostock-Studio

Formaldehyd in Selbstbräuner? Eigentlich nicht zugelassen – leider aber Realität. Der gesundheitsschädliche Stoff entsteht nämlich als Zerfallsprodukt des Wirkstoffes.

Gerade im Frühling, wenn die Sonne zwar schon hervorblinzelt, aber noch nicht genügend Kraft hat, träumt so mancher von der ersten Sommerbräune. Also mit Selbstbräuner nachhelfen? Davor sollten Sie unbedingt einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen.

Endlich braun werden – oder die Urlaubsbräune möglichst lange halten. Bräunende Sprays und Lotionen aus dem Kosmetikregal versprechen viel. Eigentlich ja praktisch, wird die Haut doch schön braun, ohne dass man sich der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne aussetzen muss. Gut für die Haut sind Selbstbräuner damit aber noch lange nicht. Im Gegenteil, in vielen stecken fragwürdige Stoffe, die vor allem nach längerer und zu warmer Lagerung problematisch sind.

Wie schädlich ist eigentlich… Selbstbräuner?
Wie schädlich ist eigentlich… Selbstbräuner?

Selbstbräuner können ganz schön schädlich sein

Kein Sonnenbrand, keine trockene Haut, kein Hautkrebsrisiko: Spricht ja alles eigentlich für die Cremes und Sprays, die gleichmäßige Bräune ohne Sonne versprechen. Doch Selbstbräuner haben Nachteile. Und die sind nicht nur kosmetischer Natur.

Klar, wer nicht aufpasst und sich mit der Anwendung nicht genau auseinandersetzt, stattdessen einfach drauflos sprüht, erlebt nicht selten sein, naja, braunes Wunder. Selbstbräuner können, nicht korrekt aufgetragen, nämlich durchaus zu heftig wirken oder fleckige Haut verursachen – wenn man nicht aufpasst, sogar über Wochen. Nur mit der korrekten Anwendung ist es aber nicht getan. Auch die Lagerung ist wichtig – und ein Blick auf die Inhaltsstoffe ratsam. Denn neben potentiellen Allergenen und Stoffen, die schädlich für die Haut und auch für die Umwelt sind, steckt ein Übel in einem oft genutzten Hauptbestandteil: dem Bräunungsmittel selbst.

Hauptwirkstoff ist kritischster Inhaltsstoff

DHA nennt sich das Bräunungsmittel auf der Inhaltsstoff-Liste meist, kurz für "Dihydroxyaceton". Dieser Wirkstoff ist in vielen Selbstbräunern für die Bräunung verantwortlich, denn er reagiert mit der obersten Hornschicht der Haut.

Das wäre nicht weiter tragisch, wenn sich dabei, vor allem durch Wärme, in Reaktion mit Eiweißen auf der Haut nicht der Stoff Formaldehyd bilden würde. Und der reizt einerseits die Haut und gilt andererseits als krebserregend, wenn man ihn einatmet. Zwar wird Formaldehyd in der Regel in so geringen Mengen freigesetzt, dass er nicht auf der Packung deklariert werden muss. Gänzlich gesundheitlich unbedenklich ist das Ganze damit aber nicht.

Formaldehyd darf laut Vorgaben vom Bundesamt für Risikobewertung in Kosmetik nur noch mit einem Anteil von 0,2 Prozent vorkommen, da es in höheren Mengen Kontaktallergien auslösen kann und in der Atemluft eben als krebserregend eingestuft ist. In den im Jahr 2006 vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit untersuchten Selbstbräunern lagen die Werte im zulässigen Bereich: Rund drei bis fünf Prozent DHA und zwischen 0,003 und 0,061 Prozent Formaldehyd.

Das Problem mit dem sich anreichernden Formaldehyd

Problematisch daran ist, dass DHA zu den "Formaldehydabspaltern" gehört – das heißt, es kann sich zersetzen. Und das passiert, wenn

  • das Kosmetikum mit DHA zu lange aufbewahrt wird,
  • es über längere Zeit Wärme ausgesetzt ist, etwa im warmen Auto oder auch schon in warmen Badezimmern.

DHA ist nämlich nicht besonders stabil und zerfällt bei Wärme nach und nach. Das lässt sich mit bloßem Auge aber nicht erkennen, denn Formaldehyd ist farblos. Kritisch ist das vor allem, weil auf Selbstbräunern selten ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt ist, wie Ökotest Ende 2020 kritisierte. Ebenso fehle bei vielen Produkten ein Hinweis zur richtigen Aufbewahrung. Fazit: Über zwei Drittel der getesteten Produkte fielen durch, darunter auch viele Naturkosmetik-Selbstbräuner.

Einen Warnhinweis müssen Hersteller bei den oben genannten geringen Anteilen im frischen Produkt nicht aufdrucken. Das muss erst ab einem Anteil an Formaldehyd von 0,05 Prozent passieren. Dass sich Formaldehyd aber erst im Nachgang bei nicht sachgerechter Lagerung abspaltet, wird nicht beachtet. Sprich: Obwohl die Werte beim Abfüllen sicher im Rahmen waren, sind sie das nach einiger Zeit bei nicht korrekter Aufbewahrung möglicherweise nicht mehr. Woher aber sollen Verbraucher wissen, wie ihr Selbstbräuner aufzubewahren ist, wenn dazu nichts auf der Verpackung steht?

Kritische Stoffe: Vor allem Kontaktallergene

Ökotest kritisiert aber noch mehr. So beinhalten viele Bräunungsmittel Polyethylenglykole (PEG) oder deren Derivate. Die stehen nämlich im Verdacht, die Haut durchlässiger zu machen, und gelten ebenfalls als Kontaktallergene. Genutzt werden sie aber in jeder Menge Pflegeprodukte. So kritisiert Ökotest auch deren Anwendung unter anderem in Badezusätzen.

Außerdem kritisch: Viele Hersteller greifen auf Duftstoffe zurück, die ebenfalls zu den Auslösern von Kontaktallergien zählen. Achten Sie also besser darauf, dass Stoffe wie Isoeugenol oder Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal oder künstlicher Moschusduft nicht gelistet sind. Letzterer kann sich im Körper anreichern und ist sogar in der Muttermilch nachweisbar. Auch in der Umwelt baut er sich nur schwer ab. Achten sollten Sie auch auf den Stoff Lilial, der im Verdacht steht, die Fortpflanzung zu gefährden.

Im Sinne der Umwelt sind viele Selbstbräuner ebenfalls nicht, beinhalten sie mitunter schwerlösliche synthetische Polymere sowie die Silikonverbindung Siloxan D4, die schwer abbaubar ist – und zudem ebenfalls möglicherweise die Fortpflanzung gefährdet.

Diese Alternativen gibt es

Wie kann man sich also gegen Formaldehyd und andere kritische Stoffe im Selbstbräuner schützen? Das einfachste wäre natürlich, nicht auf selbstbräunende Mittel zurückzugreifen. Ist das keine Option, achten Sie zumindest darauf, ein Präparat zu wählen, das kein DHA beinhaltet, sondern Erythrulose, einer Zuckerart, die bei der Fermentierung von Algen oder Pflanzen gewonnen wird. Auch Erythrulose färbt die Haut, jedoch langsamer als DHA, und auch nicht so intensiv. Das Bräunungsergebnis wird also schwächer ausfallen. Der Vorteil: Hässliche Selbstbräuner-Flecken auf der Haut sind dadurch kaum zu erreichen.

Besser bleibt es, die Haut immer mal wieder kurzzeitig der Sonne auszusetzen. Sprich: nicht stundenlang brutzeln, sondern sich täglich ein paar Minuten bis zu einer halben Stunde in der Sonne bewegen. Wer länger unterwegs ist oder empfindliche und helle Haut hat, sollte dafür trotzdem immer die Sonnencreme dabei haben.

Zusätzlicher Vorteil dabei: Der Körper bildet in der Sonne das wichtige Vitamin D – das kann Selbstbräuner nämlich nicht.

So benutzen Sie Selbstbräuner richtig

Und wenn es doch die Bräune aus der Tube oder Dose sein soll, dann sollten Sie zumindest den korrekten Umgang damit kennen:

  • Bewahren Sie Ihren Selbstbräuner möglichst kühl auf.
  • Nutzen Sie möglichst frische Produkte, die Sie rasch verbrauchen. Tipp: Kauf- und Öffnungsdatum auf die Verpackung schreiben und nicht länger als drei, maximal sechs Monate nutzen.
  • Waschen Sie sich nach dem Auftragen immer gründlich die Hände.
  • Damit die Bräune nicht fleckig wird, Haut vorher peelen und dann den Selbstbräuner immer möglichst gleichmäßig in kreisenden Bewegungen auftragen. Dicke Hautstellen wie Knie und Ellenbogen erst zum Schluss behandeln und nur wenig Selbstbräuner nutzen, da sie sich sonst schnell zu dunkel färben. Mund, Augen, Augenbrauen und Haaransatz auslassen.
  • Vor dem Anziehen von Kleidung alles gut einziehen lassen, sonst gibt's Flecken.
  • Vor dem Sonnenbad bzw. dem Gang nach draußen in die Sonne möglichst Sonnencreme auftragen, um die Haut zu schützen. Wie? Experten-Tipps zeigen den perfekten Sonnenschutz für Ihre Haut!

Mehr Tipps: So wenden Sie Selbstbräuner richtig an!

Wichtig zu wissen: Auch, wenn es den Anschein hat und viele Selbstbräuner zum "Vorbräunen" vor dem Urlaub nutzen: Selbstbräuner hat keinerlei Sonnenschutz, da er nur die oberste Hautschicht färbt, die Haut jedoch keine schützenden Pigmente bilden lässt. Er schützt damit nicht vor schädlicher UV-Strahlung! Sonnencreme ist daher trotz Selbstbräuner noch immer wichtig.

Achtung Allergiker: Wer zu Allergien neigt oder empfindliche Haut hat, sollte generell auf Selbstbräuner verzichten, insbesondere solche mit DHA. Problematisch bei Kontaktallergien: Ein kurzer Allergietest an einer kleinen Hautstelle reicht nicht, da diese Allergien oft erst allmählich nach wiederholter Nutzung auftreten.

Mehr zum Thema Hautpflege lesen Sie auf unserer Themenseite nach.

Quellen: Ökotest zu Selbstbräunern, LGL: Braune Haut ohne Nebenwirkungen? Untersuchungen von Selbstbräunern 2006, BfR zur Verwendung von Formaldehyd oder Formaldehyd-Abspaltern in Pflege- und Reinigungsmitteln in Privathaushalten

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