Aktualisiert: 15.04.2021 - 16:33

Beschluss: Auf mRNA-Impfstoff umsteigen Zweitimpfung nach AstraZeneca: Das müssen Sie jetzt wissen

Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen und unter 60 Jahre alt? Dann wird Ihre Zweitimpfung voraussichtlich durch einen der mRNA-Impfstoffe ersetzt.

Foto: Getty Images/SOPA Images / Kontributor

Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen und unter 60 Jahre alt? Dann wird Ihre Zweitimpfung voraussichtlich durch einen der mRNA-Impfstoffe ersetzt.

Die Gesundheitsminister haben es nun beschlossen: Wer unter 60 ist und bisher nur seine Erstimpfung mit Vaxzevria, dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca, erhalten hat, soll beim zweiten Termin einen der mRNA-Impfstoffe erhalten. Damit folgt man einer Empfehlung der Stiko. Was bedeutet das jetzt?

Nach dem Hin und Her mit Vaxzevria soll es nun etwas mehr Klarheit über das weitere Vorgehen geben. Gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) von Anfang April haben sich Deutschlands Gesundheitsminister nun darauf geeinigt, dass jeder unter 60 Jahren, der bisher eine Erstimpfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff erhalten hat, nun für die zweite Dosis auf einen der mRNA-Impfstoffe umschwenken soll. Was bedeutet das nun für "Halbgeimpfte"?

Nach Erstimpfung mit AstraZeneca: Zweitimpfung für Jüngere mit welchem Impfstoff?

Zwischen erster und zweiter Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca sollen im Bestfall rund 12 Wochen vergehen. Das bedeutet, dass nun viele Jüngere, die mit dem Impfstoff namens Vaxzevria geimpft worden sind, noch auf ihre zweite Impfdosis für den vollen Schutz warten.

Schon Anfang April hatte die Stiko empfohlen, unter 60-Jährigen in diesem Fall bei der zweiten Impfung einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, "bis entsprechende Daten vorliegen". Dazu kommen in Deutschland bisher Comirnaty von Biontech/Pfizer sowie der Impfstoff von Moderna in Frage. Sobald zugelassen, würde sich der Impfstoff vom Tübinger Unternehmen Curevac einreihen. Einen von diesen sollen nun also unter 60-Jährige nach rund 12 Wochen als Zweitdosis erhalten. Das betrifft rund 2,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger, so die Bundesregierung.

Was ist mit gebuchten Terminen?

Für Baden-Württemberg gibt es hier etwa schon eine Regelung: Die Menschen in Baden-Württemberg, die bereits einen Termin für die zweite Dosis Vaxzevria erhalten haben, dürfen diesen Termin beibehalten. Sie werden dann vor Ort mit Comirnaty oder dem Impfstoff von Moderna geimpft. Sollte dieser nicht vorhanden sein, wird allerdings umgebucht.

In manchen Fällen ist aber auch ein neuer Vermittlungscode nötig. Wer nun also unter 60 ist und bereits einen Vermittlungscode für AstraZeneca hat, aber nicht ausdrücklich damit geimpft werden will, muss einen neuen Code anfordern.

Warum nach 12 Wochen?

Nach rund 12 Wochen scheint laut Stiko der Schutz einer einmaligen Vaxzevria-Impfung abzunehmen. Daher sei auch die Gabe einer anderen Impfstoff-Art in Ordnung.

Wer wird jetzt noch mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft?

Genutzt wird Vaxzevria mittlerweile nur noch bei Personen über 60, die keine sonstigen Kontraindikationen zeigen, bei denen also davon auszugehen ist, dass sie jeden der hier verimpften Impfstoffe vertragen. Wer über 60 ist, Vaxzevria erhalten hat und noch auf seine Zweitimpfung wartet, wird auch die nach voraussichtlich rund 12 Wochen wieder mit dem AstraZeneca-Vakzin erhalten. Ausnahmen gibt es, wenn die Erstimpfung gar nicht vertragen wurde und starke Komplikationen aufgetreten sind, die behandelt werden mussten. Dann ist eine Rücksprache mit den Hausärzten oder Impfärzten sinnvoll.

Muss ich auch umschwenken, wenn ich Vaxzevria bei der Erstimpfung gut vertragen habe?

Gänzlich ausgeschlossen ist die Gabe einer zweiten Dosis Vaxzevria bzw auch der Gesamtimpfung damit nicht. Auch jüngere Menschen aus den Impfgruppen 1 und 2 könnten "gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit AstraZeneca geimpft werden zu wollen", hieß es im Beschluss der Bundesregierung über die Umverteilung auf Ältere.

Das ändert sich auch im neuen Beschluss nicht. Wer mit den Ärzten abspricht, auch eine Zweitdosis Vaxzevria erhalten zu wollen und keinerlei Kontraindikationen zeigt, kann nach ärztlicher Einschätzung beim Impfstoff bleiben.

Gibt es ein Risiko, wenn man nun auf eine andere Art von Impfstoff zurückgreift?

Viele beschäftigt die Frage: Könnte es nicht zu Komplikationen kommen, wenn nun mit einem anderen Impfstoff geimpft wird? Generell lässt sich sagen: Wissenschaftler rechnen mit keinen Komplikationen, die mit der Impfstoff-Art zusammenhängen. Die Trägerflüssigkeit wird vom Körper schnell abgebaut, so dass es hier zu keinen Vermischungen kommen dürfte.

Dennoch gibt es bisher recht wenige Daten zum sogenannten "Mix & Match" bzw. der Kreuzimpfung. Aus diesem Grund rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher davon ab. Dazu hatte die WHO-Sprecherin Margaret Harris im April Stellung bezogen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet hatte.

In Großbritannien läuft seit Februar allerdings eine große Studie dazu. In Tierversuchen konnte etwa bereits gezeigt werden, dass sich die Immunantwort bei der Gabe zweier verschiedener Vakzine (Vaxzevria und Comirnaty bisher) sogar erhöhen ließ.

Warum überhaupt dieses Hin und Her?

Es handelte sich bei den Entscheidungen, die Impfstoffgabe vom Alter abhängig zu machen, jedes Mal um Vorsichtsmaßnahmen. Als der Impfstoff nur für Jüngere zugelassen war, lag das daran, dass belastbare Daten für Ältere fehlten. Die sind nachgereicht worden und zeigten hohe Wirksamkeit und Sicherheit – zwischenzeitlich war das Vakzin für alle über 18 freigegeben.

Dann traten vereinzelte Hirnvenenthrombosen auf, insbesondere bei jüngeren Frauen. Um diese zwar seltenen aber dennoch möglicherweise mit der Impfstoff-Art zusammenhängenden Komplikationen weitgehend zu vermeiden, hat man sich vor ein paar Wochen entschieden, den AstraZeneca-Impfstoff nur noch an Menschen über 60 zu verimpfen. Hier ist die Gefahr der Komplikation nach bisherigen Erkenntnissen noch viel geringerer.

Dennoch weisen Hersteller und Mediziner alle Geimpften drauf hin, auf Symptome einer Sinusvenenthrombose zu achten. Das sind insbesondere immer stärker werdende Kopfschmerzen zwischen Tag 4 und Tag 16 nach der Impfung sowie punktförmige Einblutungen in der Haut in diesem Zeitraum. Werden diese Hirnvenenthrombosen früh erkannt, sind sie behandelbar.

Wichtig zu wissen ist, dass auch die Erkrankung Covid-19 bei Patienten für Blutgerinnsel, also Thrombosen, sorgt. Mehr über das Coronavirus und Impfungen im Allgemeinen lesen Sie auf unseren Themenseiten.

Quellen: RKI – epidemiologisches Bulletin (Stiko-Empfehlung zur Covid-19-Impfung), dpa, Daz.online

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