Aktualisiert: 13.04.2021 - 16:15

Muss man verzichten? Darf man nach der Corona-Impfung Alkohol trinken? Ja, aber...

Nach der Impfung erstmal anstoßen? Lieber nicht, raten Ärzte. Gänzlich für Monate auf Alkohol verzichten muss man aber nicht unbedingt.

Foto: Getty Images/alvarez; Canva.com [M]

Nach der Impfung erstmal anstoßen? Lieber nicht, raten Ärzte. Gänzlich für Monate auf Alkohol verzichten muss man aber nicht unbedingt.

Vielen von uns ist nach der Impfung gegen Covid-19 wahrscheinlich zum Feiern zumute – endlich gepiekst! Doch kurz vor und auch nach der Impfung sollten Sie lieber alkoholfrei anstoßen. Das hat mehrere Gründe.

Endlich geimpft! Da kann ein kleines Gläschen zum Anstoßen doch nicht schaden, oder? Nun, besser damit warten, raten Experten – aus zwei Gründen: Alkohol kann die Impfwirkung abschwächen und außerdem das Immunsystem zusätzlich belasten. Wobei genau sich Alkohol und die Corona-Impfung nicht so gut vertragen, was erlaubt ist und was nicht und wie lange Sie im besten Fall abstinent bleiben sollten, erfahren Sie hier.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Darf man nach der Covid-Impfung Alkohol trinken?

Verbieten kann das Freudengläschen natürlich niemand. Doch Mediziner sind sich da durchaus einig: Wer wirklich etwas von seiner Schutzimfpung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 haben will, sollte zumindest ein paar Tage auf Alkohol verzichten. Wie viele genau, da scheiden sich die Geister.

Der Verzicht auf Alkohol nach der Impfung war bereits im Zuge der Berichterstattung rund um den russischen Impfstoff Sputnik V in den Fokus geraten. Hier existierten mitunter Nachrichten, sich am besten mehrere Monate in Verzicht zu üben. Die entkräftet Dr. Alexander Gintsburg, Direktor des Gamaleja-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie in Russland und Entwickler des Impfstoffes in einem Tweet: "Wir sprechen hier nicht von komplettem Verzicht, moderater Konsum ist erlaubt", schreibt er. "Wir raten aber dazu, drei Tage nach jeder Injektion auf Alkohol zu verzichten, und das gilt für alle Impfstoffe."

Problem 1: Impfwirkung könnte herabgesetzt werden

Das eine Problem an Alkoholkonsum gleich nach der Impfung ist nämlich: Alkohol kann die Immunantwort des Körpers abschwächen. Das könnte die Wirkung des Impfstoffes vermindern. Das gilt für alle Impfungen, ob nun gegen das Coronavirus, gegen die Grippe, die Pneumokokken und Co – nur in unterschiedlichem Maße. So haben unter anderem Forschende für eine BBC-Doku untersucht, wie sich Alkohol auf die Impfwirkung auswirken kann. Demnach können drei Gläser Prosecco die Impfwirkung bei diversen Impfstoffen bereits stark herabsetzen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Studie zur Pneumokokken-Impfung, die die Krankenkasse "Barmer" zitiert. Demnach bildet das Immunsystem von Alkoholikern weniger Antikörper. Bei den Impfungen gegen Hepatitis A und B wiederum habe man einen negativen Effekt von Alkohol weniger nachweisen können.

Wie genau das bei den Covid-Impfstoffen ist, weiß man noch nicht hundertprozentig. Eine Wechselwirkung zwischen Impfstoff und Alkohol jedenfalls wird höchstwahrscheinlich ausgeschlossen. Klar ist aber: Der Ethanol, also der Alkohol, kann durchaus die weißen Blutkörperchen hemmen, und die sind mitunter an der Arbeit unseres Immunsystems beteiligt. Zudem ist der Körper nach dem Genuss von Alkoholika erstmal mit dem Abbau eben dieser beschäftigt – und zieht damit auch Ressourcen von der Aufgabe "Impfschutz aufbauen" ab. Die Gefahr, dass weniger Impfschutz aufgebaut wird, besteht also.

Problem 2: Alkohol wirkt wie ein Immunsuppressivum

Das zweite Problem macht uns generell anfälliger, ob nun geimpft oder nicht: Da Alkohol unser Immunsystem schwächt und nicht mehr so schnell reagieren lässt, macht uns das durchaus anfälliger für Infekte, zitiert die Seite "Newscientist" etwa die Immunologin Eleanor Riley von der Universität von Edinburgh. Das merke man vor allem bei Menschen, die regelmäßig viel Alkohol trinken – sie hätten oft eine schlechtere Immunfunktion als Menschen mit moderatem Alkoholkonsum oder abstinent lebende Menschen.

Das aber gelte vor allem dann, wenn regelmäßig moderat oder akut viel Alkohol getrunken werde, schreibt die Krankenkasse Barmer. Denn Alkohol ist ein Zellgift, und in großen Mengen schwächt es den Körper und damit auch das Immunsystem.

Übrigens ist aus diesem Grund ein erhöhter Alkoholkonsum in Pandemiezeiten keine gute Idee, sofern Sie viele Kontakte mit anderen haben. Denn ein schwaches Immunsystem kommt auch schlechter mit dem Coronavirus klar.

Alkohol in Maßen statt in Massen

Allerdings dürfen wir unser Immunsystem auch nicht unterschätzen. "Im alltäglichen Umgang mit unzähligen Krankheitserregern aus der Umwelt ist unsere körperliche Abwehr weitaus mehr gefordert, als durch die überschaubare Anzahl geschwächter Erreger in Impfstoffen", schreibt die Barmer. "Unser Immunsystem kommt daher auch ohne Weiteres mit Genussmitteln klar: Es verarbeitet Impfungen selbst dann, wenn wir anschließend einen leckeren Milchkaffee, ein Stück Sahnetorte oder ein Glas Rotwein genießen. Solange wir das in Maßen tun, stören wir nicht die Routine der körperlichen Abwehr."

Einen "dramatischen" Alkoholverzicht von 56 Tagen nach der Corona-Impfung, wie etwa das vor einigen Monaten kursierende Zitat von Russlands Oberärztin Anna Popowa anpries, müssen wir wohl nicht "fürchten". Dennoch gilt: Je leichter wir es unserem Immunsystem machen, die Impfung zu verarbeiten und eine Immunantwort zu bilden, desto besser! Schließlich soll die Corona-Impfung ja vor allem eines: uns vor schweren Covid-19-Verläufen schützen.

Und selbst wenn nur die geringste Gefahr besteht – wir haben mit einem Alkoholverzicht von zumindest ein paar Tagen nach der Impfung selbst die Chance, die Impfwirkung positiv zu beeinflussen, indem wir unseren Körper nicht zusätzlich noch mit der Aufgabe "jetzt bitte Alkohol abbauen" belasten. Dann wird eben – ob mit oder ohne Alkohol – angestoßen, sobald der Impfschutz voll da ist – also etwa 15 Tage nach der zweiten Impfdosis. Das ist dann wirklich ein Grund zum Feiern!

Hinweis: Sollten Sie sich nach dem Impftermin matt, müde oder unwohl fühlen, sollten Sie den Alkohol erst recht stehen lassen, denn er kann uns die unangenehmen Beiwirkungen durchaus verstärkt wahrnehmen lassen. Insbesondere, wenn Sie ein paar Stunden nach der Impfung auf Schmerzmittel wie Paracetamol zurückgreifen, heißt es: Hände weg vom Alkohol!

Mehr zu Impfungen sowie zum Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite nach.

Quellen und Studien:

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