Aktualisiert: 05.04.2021 - 21:15

Sicher und wirksam Zähne aufhellen Wie Bleaching zu Hause gelingt und was der Zahnarzt anders macht

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Bleaching beim Zahnarzt ist meist die bessere Idee: Hier kann direkt geschaut werden, welcher Ton natürlich wirkt.

Foto: Getty Images/aywan88

Bleaching beim Zahnarzt ist meist die bessere Idee: Hier kann direkt geschaut werden, welcher Ton natürlich wirkt.

Beauty-Wunsch weiße Zähne: Bleaching kann, richtig gemacht, ein Hollywood-Lächeln zaubern. Oder den Zahnschmelz und das Zahnfleisch zerstören.

Ein Lächeln mit weißen Zähnen verleiht jedem Gesicht einen deutlichen Attraktivitäts-Kick, unbewusst verbinden wir mit einem strahlenden, geraden Gebiss nämlich Gesundheit. Das muss nicht tatsächlich so sein, auch blitzweiße Beißerchen können geschädigt sein, jedoch sind Verfärbungen und Beläge oft auch Warnzeichen für Schäden, wie Parodontitis und Entzündungen. Da kommt der Gedanke an ein Zahn-Bleaching ganz schnell.

Zähne bleachen lassen: Gute Idee oder nicht?

Die meisten Menschen wünschen sich nicht nur gesunde, sondern auch weiße Zähne. An diesem Vorhaben nagt, im wahrsten Sinne des Wortes, der Zahn der Zeit. Denn das Zahnbein, das unter dem Zahnschmelz liegt, ist von der Grundfarbe von Natur aus gelblich. Im Laufe des Lebens schwindet der Zahnschmelz und das darunter liegende Gelb kommt immer mehr zum Vorschein.

Jahre des Kaffee-, Tee- und Rotwein-Konsums tun ihr Übriges und so ist es keine Einbildung, wenn man eines Tages feststellt, dass die Zahnfarbe nicht mehr das ist, was sie mal war. Verständlich, dass dann der Wunsch aufkommt, die Zähne weiß zu bekommen, am besten sofort, am besten so günstig wie möglich. Dagegen spricht grundsätzlich nichts, allerdings gibt es unzählige Irrtümer, schädliche Produkte und hohe Kosten bei der Zahnaufhellung. Hier lesen Sie, wie Sie Ihre Beißerchen günstig zu Hause weißer bekommen – und wie auf keinen Fall – was Experten empfehlen und wie eine Bleaching-Behandlung in der Zahnarztpraxis abläuft.

Checkliste Bleaching: Was vor der Zahnaufhellung wichtig ist

Mit Drogerie-Produkten oder in der Praxis beim Zahnarzt – für wen kommt Zahn-Bleaching überhaupt in Frage? Die Experten von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung raten, sich vor der Zahnaufhellung u. a. über folgende Faktoren Gedanken zu machen:

Sind meine Zähne gesund?

Schmerzen, Schäden und unschöne weiße Flecken sollen natürlich nicht das Ergebnis einer Zahnaufhellung sein. Deshalb ist es wichtig, die Gesundheit der Zähne vorab beim Zahnarzt checken zu lassen und ggf. Probleme zu behandeln. Denn Karies, undichte Füllungen und angegriffener Zahnschmelz können dazu führen, dass das Bleichmittel in das Innere des Zahnes eindringt und dort den Nerv schädigt.

Wichtig: Schwangere, Stillende, Jugendliche und Patienten mit Allergien gegen Inhaltsstoffe des Bleichmittels – z. B. Wasserstoffperoxid – sollten ihre Zähne grundsätzlich nicht bleichen.

Lässt sich überhaupt jeder Zahn bleichen?

Wenn Sie Kronen, Brücken oder abgestorbene Zähne in Ihrem Gebiss haben, müssen Sie davon ausgehen, dass sich diese Stellen nicht einfach so wie der Rest aufhellen lassen. Ein "toter" Zahn sticht oft durch dunklere Färbung hervor, die können Sie nicht selbst mit frei verkäuflichen Bleaching-Mitteln angleichen, denn die Aufhellung muss von innen geschehen. Dazu wird der Zahn auf der nicht sichtbaren Seite geöffnet, das Bleichmittel eingebracht und mit einer zwischenzeitigen Füllung wieder verschlossen – hier muss also definitiv die Zahnärztin ran. Synthetische Bestandteile wie Kronen, Brücken oder auch Veneers verändern ihre Farbe durch das Bleaching nicht wesentlich, was zu einem uneinheitlichen Ergebnis führen kann.

Wer neben der Farbe auch die Form der Zähne verändern will, könnte vielleicht das Aufkleben von Keramikblättchen, sogenannten Veneers, in Betracht ziehen. Wie das funktioniert und was es kostet, erklärt hier eine Zahnärztin.

Wie weiß soll es werden?

Sie haben an sich eine helle Zahnfarbe und wollen sie nur wieder etwas zum Strahlen bringen? Dann sind vielleicht überhaupt keine Bleichmittel nötig! Denn oberflächliche Verfärbungen verschwinden schon durch eine professionelle Zahnreinigung, bei der Ablagerungen entfernt und die Zahnoberfläche anschließend geglättet wird. Das ist mindestens einmal jährlich schon allein aus gesundheitlichen Gründen wichtig, um Parodontitis zu vermeiden.

Generell gilt: Je mehr Sie von Ihrer Ausgangsfarbe aus aufhellen wollen, desto wahrscheinlicher brauchen Sie dabei professionelle Unterstützung. Denn die frei verkäuflichen Bleaching-Produkte dürfen aus Sicherheitsgründen nur eine geringe Konzentration Bleichmittel enthalten.

Zahnaufhellung günstig zu Hause – das ist möglich

Zahnärzte schlagen sowieso die Hände über dem Kopf zusammen, wenn es um das Bleaching mit Streifen und Tinkturen aus dem Drogeriemarkt oder Online-Shops geht. Einige ihrer Hauptkritikpunkte: Laien können nicht abschätzen, ob sie ein einheitliches Ergebnis erzielen oder z. B. durch kleine Zahnschmelz-Risse helle Flecken entstehen. Außerdem sind die frei verkäuflichen Schienen oder Klebestreifen nicht an das individuelle Gebiss angepasst, deshalb kommt evtl. viel vom Bleichmittel auf das Zahnfleisch und wird verschluckt, was zu Reizungen führen kann. Darüber hinaus ist natürlich die Aufhellungswirkung beim Bleaching zu Hause beschränkt.

Aufhellungstherapien mit Produkten, die über 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid enthalten, dürfen nach EU-Vorgaben nur von der Zahnärztin durchgeführt werden. ABER: Kosmetische Produkte, die in der EU verkauft werden – und hierzu zählen die Zahnaufhellungsmittel aus der Drogerie – dürfen nur auf den Markt kommen, wenn sie auf ihre Sicherheit geprüft wurden.

Achten Sie, vor allem bei Bleaching-Produkten aus dem Online-Handel, auf das CE-Prüfsiegel. Bei korrekter Anwendung und vorherigem Zahn-Gesundheitscheck können Sie die Mittel relativ risikolos verwenden. So eine "Kur" mit Bleaching-Strips oder -Lösungen ist meist für eine oder zwei Wochen konzipiert, die genaue Produktbeschreibung sollten Sie auf jeden Fall ernst nehmen und die Einwirkzeit und gesamte Anwendungsdauer nicht überschreiten, sonst ist die Sicherheit nicht gewährleistet.

Weiße Zähne durch Hausmittel oder UV-Licht? Bloß nicht!

Vor ein paar Jahren tauchten sie plötzlich auf Social Media, vor allem Instagram, auf: Zahnschienen mit UV-Licht, die ein Bleaching-Ergebnis wie beim Zahnarzt versprachen. Influencer priesen sie als einfach in der Eigenanwendung und vergleichsweise günstig an. Was ist dran am Hype?

Die Bundeszahnärztekammer warnt: "Von der Verwendung von Bleaching-Lampen ist abzuraten, da der Einsatz von Licht als Zahnaufhellungsmethode durch die aktuelle wissenschaftliche Literatur nicht gestützt wird. Lichtbestrahlung bzw. Bleaching-Lampen haben keine tatsächliche Auswirkung auf die Zahnaufhellung und können schädliche Wirkungen hervorrufen."

Im Klartext: keine Wirkung, außer auf den Geldbeutel. Neben dem Kontostand leidet außerdem auch die Mundgesundheit unter dem Bleaching durch Licht. Die Lichtbestrahlung führt zu einer Erhitzung der Zähne, was ihnen Feuchtigkeit entziehen kann. Dadurch entsteht zwar eine vorrübergehende "Illusion" einer Zahnaufhellung, sie hält aber nicht an, mögliche Schäden aber schon. Unter anderem kann das Zahnfleisch Verbrennungen erleiden und die Überhitzung der Zähne den Zahnnerv angreifen. Ganz klare Empfehlung der Experten: Finger weg.

Vermeintliche Geheimtipps um Zähne zu bleichen sind außerdem diverse Hausmittel, die u. a. Säuren enthalten. Sie können durchaus wirkungsvoll sein, schädigen aber Zahnschmelz und Zahnfleisch, was wiederum zu Verfärbungen führen kann – ein dentaler Teufelskreis. Verzichten Sie daher auf jeden Fall auf Eigen-Bleaching mit Substanzen wie Backpulver, Zitronensaft, Apfelessig, grobe Schleifkörper – z. B. Salz – in der Zahnpasta.

Zahnaufhellung per Bleaching beim Zahnarzt: Kosten & Methoden

Alle Mittel, die die Zähne aufhellen, funk­tionieren nach demselben Prinzip: Sie enthalten Wasser­stoff­per­oxid oder Carbamidper­oxid. Diese Substanzen setzen im Mund aktiven Sauer­stoff frei, der im Zahnschmelz gefärbte Moleküle aufspaltet und sie in farblose umwandelt. Wie gut das gelingt, hängt von den individuellen Zähnen und der Stärke des verwendeten Mittels ab. Beim professionellen Bleaching ist eine Aufhellung von mindestens zwei bis drei Stufen auf der Farbskala möglich.

Wenn Sie sich für eine professionelle Zahnaufhellung in der Zahnarztpraxis entschieden haben, müssen Sie – je nach Verfahren und Aufwand - mit Kosten zwischen ca. 250 und 700 Euro rechnen, so Stiftung Warentest. Generell unterscheidet man das etwas teurere "In Office Bleaching", also das Bleichen in der Praxis und das "Home Bleaching", also die Verwendung von professionellem Bleichmittel vom Zahnarzt, aber über Wochen zu Hause. So laufen die Behandlungen ab, wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung erklärt:

In Office Bleaching in der Praxis

  • Die Zahnärztin fertigt zunächst einen Schutz für das Zahnfleisch aus elastischem Kunststoff an, also eine Art Abschirmung der zu behandelnden Zähne vom restlichen Mundraum.
  • Das Bleichmittel, häufig in Form eines Gels, wird aufgetragen. Dabei tragen Arzt und Patient in der Regel Schutzbrillen.
  • Das Bleaching-Mittel wirkt etwa 15 Minuten unter ärztlicher Kontrolle ein. Danach werden die Zähne fluoridiert, also gestärkt.

Achtung: Manchmal wird in Praxen sog. "Power Bleaching" angeboten, bei dem der Bleich­vorgang durch Laser- oder UV-Licht verstärkt wird und kurzfristig zu einer starken Wirkung führt. Stiftung Warentest warnt deutlich: "Dabei entwickelt sich Wärme, die den Bleich­vorgang beschleunigt. Es gibt aber begründete Befürchtungen, dass diese Erwärmung den Zahn­nerv schädigen kann. Bereits nach sechs Wochen etwa sieht das Ergebnis des Power-Bleaching mit Licht nicht besser aus als das Ergebnis beim Bleichen ohne Licht."

Home Bleaching unter zahnärztlicher Anleitung:

  • In der Praxis wird eine Schiene nach Ihrem Gebiss gefertigt und Sie bekommen eine Anleitung, wie Sie die Zahnaufhellung zu Hause durchführen sollen.
  • Sie bekommen das Bleichmittel – in höherer Dosierung als Drogerieprodukte, allerdings geringer als das In Office Bleaching – und die Schiene mit nach Hause.
  • Dort tragen Sie es über mehrere Wochen nachts, bzw. nach Anweisung des Zahnarztes. Sie sollten auch ein Mittel zur Fluoridierung erhalten und es regelmäßig auf die Zähne auftragen.
  • In Office und Home Bleaching werden öfter auch kombiniert, was im individuellen Fall das beste ist, hängt von dem Aufhellungswunsch und der Experten-Einschätzung ab.

Nebenwirkung des Bleachings mit höher dosierten Aufhellungsmitteln sind häufig schmerzende und empfindliche Zähne nach der Behandlung. Hier schafft ein Fluoridgel Abhilfe, das Ihnen der Zahnarzt mitgeben oder empfehlen sollte.

Gelbe Zähne und Verfärbungen verhindern durch Hygiene

Die Mundgesundheit ist nicht nur Grundlage für schöne Zähne, sondern hat Einfluss auf den ganzen Körper. Deshalb ist gute Zahnpflege eine Investition in die eigenen Abwehrkräfte und die wichtigste Maßnahme, damit es gar nicht zu Verfärbungen kommt und nach einer Zahnaufhellung das Ergebnis möglichst lange erhalten bleibt.

Das bedeutet: Zwei- bis dreimal täglich Zähne putzen, idealerweise mit einer elektrischen Zahnbürste, tägliche Verwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen, einmal wöchentlich Fluoridgel zur Stärkung von Zahnschmelz und -substanz verwenden, einmal jährlich zur Prophylaxe zur Zahnärztin, bei Beschwerden natürlich sofort.

Eine professionelle Zahnreinigung sollten Sie auch mindestens einmal jährlich durchführen lassen, um Parodontitis vorzubeugen und Beläge zu entfernen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht oder nur teilweise übernommen und belaufen sich, je nach Praxis, auf ca. 60-120 Euro. Wer sich das nicht leisten kann oder will, sollte immerhin den Anspruch auf eine kostenlose Zahnsteinentfernung wahrnehmen – die steht gesetzlich Versicherten nämlich einmal im Jahr zu.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind wann wichtig?
Welche Vorsorgeuntersuchungen sind wann wichtig?

Sie können also schon selbst viel tun, um sich ein strahlendes und gesundes Gebiss zu erhalten. Sollten Sie trotzdem ein Bleaching in Betracht ziehen, gilt bei der Heimanwendung wie bei der Zahnarztbehandlung: Genau an die Anweisung halten, egal wie groß die Ungeduld zum Hollywood-Lächeln ist.

Noch mehr Hintergründe zu Zahnbehandlungen und Zahngesundheit finden Sie auf unserer großen Themenseite.

Quellen:

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