Aktualisiert: 01.04.2021 - 20:42

Flatulenz-Führer Hilfe, ständige Blähungen! Wie oft Pupsen ist eigentlich normal?

Die Luft muss raus, und sie sucht sich ihren Weg. Ständige Blähungen können aber belasten. Wie oft Pupsen normal ist und woher das kommt, lesen Sie hier.

Foto: Getty Images/tumsasedgars

Die Luft muss raus, und sie sucht sich ihren Weg. Ständige Blähungen können aber belasten. Wie oft Pupsen normal ist und woher das kommt, lesen Sie hier.

Pupsen kann befreiend sein – oder unglaublich peinlich. Warum Sie Flatulenzen nicht ewig unterdrücken können, wie oft Furzen am Tag normal ist und wann ärztlicher Rat hilft, erfahren Sie hier.

Ja, die lieben Darmwinde. Die halten uns mitunter ganz schön auf Trab. Zu Hause meist kein Problem, haben sie in sozialeren Situationen durchaus das Potential zur quälenden Dauerbelastung. Wer hatte nicht schon einmal das Problem: Im Aufzug drückt's plötzlich, doch die Chefin steht mit in der Kabine, oder man möchte vor dem neuen Partner einfach (noch) nicht zeigen, was der eigene Darm so alles drauf hat in Sachen Verdauungsgase. Dabei ist Pupsen eigentlich ganz normal und menschlich – und das Zurückhalten der Gase kann sogar gesundheitliche Probleme verursachen – oder auf solche hinweisen. Ständige Blähungen sind nämlich meist ein Anzeichen dafür, dass irgendwas nicht stimmt.

Hilfe, Blähungen! Was hilft schnell?
Hilfe, Blähungen! Was hilft schnell?

Ständige Blähungen: Wie oft pupsen wir am Tag?

Dass unserem Darm immer mal Winde entweichen, ist ganz normal: Zehn bis 20 Mal am Tag pupsen wir alle. Zumindest sollten wir das, denn Gase müssen raus. Unser Darm produziert über den Tag rund zehn Liter Gas. Das kommt aber nicht alles hinten raus. Das meiste davon atmen wir tatsächlich über die Lunge ab – ohne Geruchsbelästigung. Jedenfalls, sofern auf gründliche Mundhygiene Wert gelegt wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Nur zehn Prozent der Darm-Gase verursachen dagegen Blähungen und entweichen uns als Furz.

Dabei gibt es durchaus Schwankungen, denn Blähungen hängen ganz individuell von dem ab, was wir essen und trinken und wie wir beides herunterschlucken. Wird nämlich viel Luft verschluckt, etwa bei zu schnellem Essen, dann gibt's auch eher Blähungen. Die werden verstärkt, wenn das Essen beim "Schlingen" zu wenig gekaut wird.

Handelt es sich dann auch noch um blähende Lebensmittel, sind viele Darmwinde vorprogrammiert. Hinzu kommen mögliche Lebensmittelunverträglichkeiten, die den Darm in die Bredouille bringen können.

Wie entstehen Blähungen überhaupt – und warum stinken sie?

Gase im Bauch entstehen, wenn unser Darm arbeitet. Der zersetzt die zugeführte Nahrung aus dem Magen nämlich weiter. Jedoch hat unser Verdauungstrakt Grenzen: Alles kann er nicht verarbeiten. Diese "Abfallprodukte" landen dann im Dickdarm und werden später ausgeschieden. Je mehr Unverdauliches dabei ist, desto mehr arbeitet unser Darm. Das kann durchaus positiv sein, das sehen wir etwa an den wichtigen Ballaststoffen. Die sind vollständig oder teilweise unverdaulich. Sie binden aber Wasser und sorgen damit dafür, dass der restliche Speisebrei gut verarbeitet und alles Übriggebliebene ausgeschieden werden kann. Fehlen uns Ballaststoffe und Wasser, kann das zu Verstopfung führen.

Während unser Darm nun aber Nahrung zersetzt, entstehen nicht nur feste Produkte, sondern eben auch Gase, darunter auch Schwefel als Schwefelwasserstoff und Ammoniak, die dem Ganzen ihren charakteristischen Geruch, oder eher Gestank, verleihen. Wo kommen die aber her? Forschende aus Melbourne in Australien haben herausgefunden, dass für den unangenehmen Geruch beim Pupsen auch Cystein mitverantwortlich ist. Diese Aminosäure ist wichtig für den Körper und schützt uns sogar vor Atemwegserkrankungen, kann aber eben durchaus zu müffelnden Darmwinden führen. Denn Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure. Werden cysteinhaltige Nahrungsmittel verdaut, entsteht der stinkende Schwefelwasserstoff.

Diese Lebensmittel bringen uns zum Pupsen

Enthalten ist Cystein vor allem in Lebensmitteln mit viel Stärke, aber auch in Fleisch, in Eiern und in Milchprodukten, in Kohl, Hafer und Mais oder Knoblauch.

Blähend wirken können aber noch jede Menge anderer Lebensmittel. Klassiker sind Zwiebeln oder Hülsenfrüchte, allen voran die Bohnen. Auch Fruchtzucker und Haushaltszucker erhöhen die Gasproduktion, aber auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit, Müsli und frisches Brot. Und auch die Genussmittel Alkohol und Kaffee können Blähungen auslösen.

Klar, Genussmittel müssen nicht zwingend sein. Jetzt aber auf jegliche mehr oder weniger blähenden Lebensmittel zu verzichten wäre erstens kaum möglich und würde letztendlich zu einer Mangelernährung führen und wäre zweitens auch aus anderen Gründen ungesund: Denn die Gase helfen ebenfalls dabei, den unverdaulichen Abfall aus unserem Darm herauszubefördern. Gewisse Luft im Bauch ist also nicht nur normal, sondern durchaus gesund.

Mehr dazu: Warum gesunde Ernährung einen Blähbauch verursachen kann.

Wann wird's zu viel?

Ein Tag mit vielen Blähungen kann ganz einfach aufs Essen zurückzuführen sein. Kommen die Probleme häufiger vor? Dann lohnt sich ein Blick auf den Ernährungsplan oder ein Versuch in achtsamerem Essen. Gegen akute Blähungen können Hausmittel wie Bauchmassagen im Uhrzeigersinn, Wärmflaschen oder ein Anis-Fenchel-Kümmel-Tee helfen. Wirksam ist auch die Heilpflanze Engelwurz.

Wer aber ständig an Blähungen leidet, dem wird das mehr und mehr zur Belastung. Man spricht in diesem Fall auch von Meteorismus, der aber auch vermehrtes Aufstoßen mit einbezieht. Kommen dann noch Bauchschmerzen oder ein starker Geruch dazu, kann das die Lebensqualität enorm einschränken. Bevor Sie sich aufgrund von Blähungen aus sozialen Situationen heraushalten, ist ein Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt ratsam. Leider sind Darmprobleme oft noch ein Tabuthema, aber keine Sorge: Ärzt:innen kennen sich damit aus. Und auch sie selbst leiden ganz sicher immer mal darunter.

Möglicherweise liegt einfach eine Lebensmittelunverträglichkeit vor, die dann aber gut behandelt werden kann. Dann heißt es: Ernährungsplan umstellen.

Vielleicht liegt den starken Blähungen aber auch eine Darmerkrankung zugrunde. Und die muss behandelt werden.

Sofort in ärztliche Behandlung begeben sollten Sie sich, wenn zu nicht entweichenden Blähungen noch Veränderungen im Stuhlgang wie Blut im Stuhl oder Verstopfung, starke Bauchschmerzen und Erbrechen hinzukommen. Dann könnte nämlich auch ein Darmverschluss dahinter stecken. Und der ist immer ein medizinischer Notfall!

Blähungen vermeiden: So geht's

Übrigens kann auch mangelnde Bewegung dazu führen, dass Blähungen immer wieder kommen. Tatsächlich hilft der gute, alte Verdauungsspaziergang besonders, wenn Sie schwer und fetthaltig gegessen haben.

Regelmäßige Bewegung hält den Darm aber generell auf Trab und kann dabei auch langfristig gegen Blähungen helfen. Noch ein Vorteil: An der frischen Luft kann der eine oder andere Pups sogar unerkannt entweichen.

Ganz viele praktische Tipps gibt's hier: Blähungen: Was hilft gegen Luft im Bauch?

Blähungen zurückhalten: Nicht gefährlich, aber...

Klar, Pupsen ist unangenehm, vor allem, wenn's dann auch noch stinkt. Eine Blähung kurz zurückzuhalten, ist dabei nicht weiter schlimm, jedoch sollte das nicht ständig passieren – und vor allem nicht über einen längeren Zeitraum oder immer wieder. Denn wie der Name schon sagt, blähen uns Darmgase auf. Können sie nicht über ihren natürlichen Weg, den Darmausgang, entweichen, sammeln sie sich und verursachen vor allem eines: starke Schmerzen. Und irgendwann kommen sie dann doch raus, und zwar hochkonzentriert und damit wahrscheinlich so richtig übelriechend.

Videos zu Magen-Darm-Erkrankungen
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Was, wenn's so gar nicht mehr vorwärts gehen will? Welche Hausmittel bei Verstopfung wirklich helfen, erklären wir Ihnen hier. Übrigens können Blähungen auch fälschlich für einen Herzinfarkt gehalten werden. Haben Sie schon einmal vom Roemheld-Syndrom gehört? Bei den beschriebenen Problemen sollten Sie dennoch immer schnell medizinische Hilfe suchen.

Mehr zum Thema Verdauung lesen Sie auf unserer Themenseite.

Hinweis: Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose, sondern dient nur der Information. Bitte lassen Sie Beschwerden immer ärztlich abklären!

Studien und Quellen:

Yao, Gibson et al. (Gut Microbes, Vol 9, Iss. 6, Nov 2018, p. 510-522; Monash University): "Modulation of colonic hydrogen sulfide production by diet and mesalazine utilizing a novel gas-profiling technology"; Deutschlandfunk Nova, gmf-info.de zu Ballaststoffen, Doccheck-Flexikon zu Meteorismus

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