Aktualisiert: 31.03.2021 - 16:16

Übersicht AstraZeneca nur noch ab 60: Das müssen Sie jetzt wissen

Verwirrung um AstraZeneca: Wer kann sich sicher impfen lassen, wer sollte Rücksprache mit Ärzten halten, was passiert jetzt? Eine Übersicht.

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Verwirrung um AstraZeneca: Wer kann sich sicher impfen lassen, wer sollte Rücksprache mit Ärzten halten, was passiert jetzt? Eine Übersicht.

Erneut gibt es Trubel um den Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Das Vakzin wird nun nur noch an Menschen ab 60 Jahren ausgegeben. Jüngere sollen den Impfstoff unter gewissen Umständen aber auf Wunsch trotzdem erhalten können. Was gilt es nun zu wissen?

Nach dem vorsorglichen Aussetzen der Impfungen mit AstraZeneca Mitte März ging es bereits nach wenigen Tagen weiter – doch nun gibt es erneute Einschränkungen: In Deutschland soll das Vakzin nur noch an bestimmte Altersgruppen verimpft werden. Woran liegt das, was gilt es nun zu beachten und was bedeutet das womöglich für den eigenen Impftermin? Hier gibt's eine AstraZeneca-Übersicht.

Eine Übersicht: AstraZeneca – wer wird nun noch damit geimpft?

Seit Dienstagabend ist es beschlossen: Die Impfungen mit AstraZeneca werden nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur noch bei über 60-Jährigen eingesetzt.

Ausgeschlossen sind Impfungen für Jüngere dennoch nicht: Sie sollen aber nur noch "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung" erfolgen, sieht der Beschluss vor. Diese Impfungen sollen dann nicht in den Impfzentren, sondern in Arztpraxen durchgeführt werden.

Einfluss könnte das auch auf die Impfkampagne haben: Die Bundesländer dürfen nun frei entscheiden, ob sie Impfungen von 60-69-Jährigen vorziehen. Denn so könne "diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle" nun schneller geimpft werden, erklären die Gesundheitsminister der Länder.

Warum kommt es überhaupt zur erneuten Einschränkung?

Erst wurde der Impfstoff nur für unter 65-Jährige freigegeben, weil Daten für die ältere Zielgruppe fehlten. Mittlerweile ist klar: Der Impfstoff von AstraZeneca wirkt bei Älteren sehr gut. Das zeigen vor allem Daten aus Großbritannien, wo sehr viele Ältere mit dem Vakzin geimpft worden sind. Dann gab es den ersten Impfstopp. Im Anschluss wurde das Vakzin für alle über 18 freigegeben. Nun die Einschränkung: bitte nur an Ältere. Dieses Hin und Her verunsichert viele.

Grund für den kurzzeitigen Impfstopp und die erneute Anpassung ist das Auftreten von bis Montag Nachmittag (29. März) insgesamt 31 sogenannten Sinusvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung. In 19 Fällen gab es zusätzlich eine Thrombozytopenie, einen Mangel an Blutplättchen. 29 der Fälle waren Frauen jüngeren und mittleren Alters. Neun der Fälle verliefen tödlich, die anderen konnten behandelt werden. 2,7 Millionen Erstimpfungen mit dem Impfstoff hatte es bis dahin gegeben.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA, die die Impfstoffe für die EU freigibt, hat den Impfstoff übrigens nie negativ bewertet. Jedoch hat sie ihn nach den Meldungen während des Impfstopps erneut überprüft. Die EMA hat bisher nicht bestätigen können, dass die Fälle von der Impfung direkt ausgelöst worden sind. Sie schließt es aber auch nicht aus. Dennoch bestätigt die EMA weiterhin die Sicherheit des Impfstoffes und die Wirksamkeit gegenüber Covid-19. Der Nutzen überwiege daher noch immer bei Weitem eventuelle Risiken.

Wie häufig sind solche Sinusvenenthrombosen sonst?

Bei solchen Hirnvenenthrombosen verstopfen bestimmte Venen im Hirn. Die Komplikation ist normalerweise äußerst selten, sie treten sonst bei bakteriellen oder viralen Infektionen auf oder werden durch bestimmte Medikamente ausgelöst. Ein bis vier Fälle auf 100.000 Einwohner gibt es in Deutschland im Jahr. Das bedeutet hochgerechnet auf die 2,7 Millionen Impfdosen 27 bis 108 Fälle, allerdings im ganzen Jahr. Da die Komplikation so schwerwiegend ausfallen kann, muss hier aus Sicherheitsgründen gehandelt werden.

Welche Symptome bei einer Sinusvenenthrombose auftreten, lesen Sie hier. Dort klären wir auch mehr zu den Hintergründen dieser Erkrankung und wie Ärzte behandeln können.

Ich bin unter 60 und habe den Impfstoff von AstraZeneca bereits bekommen. Muss ich etwas beachten?

Wer schon beide Impfdosen hinter sich habe und die letzte Impfung schon 16 Tage zurückliege, habe keine Folgen mehr zu befürchten, hieß es bereits nach dem ersten Impfstopp. Das gilt auch jetzt.

Wer erst kürzlich geimpft worden ist, soll vorsorglich zum Arzt gehen, wenn ein Unwohlsein nach vier Tagen nicht aufhört. Insbesondere bei immer stärker werdenden, anhaltenden Kopfschmerzen sowie punktförmigen Einblutungen ist der Arztbesuch wichtig. Impfreaktionen in den ersten Tagen nach der Impfung dagegen sind normal und klingen normalerweise schnell wieder ab. Beobachten Sie Ihren Körper, aber lassen Sie sich nicht von Angst lähmen. Denn beachten Sie: Die Komplikation ist noch immer äußerst selten. Dennoch ist Wachsamkeit natürlich immer gut.

Was, wenn ich erst eine Dosis erhalten habe?

Ob die Impfung für Jüngere noch fortgesetzt wird oder die Empfehlung nun so bleibt, ist noch unklar. Zwischen Erst- und Zweitimpfung sollen bei AstraZeneca so oder so zwölf Wochen liegen, so sieht es die Empfehlung der Stiko vor.

Theoretisch könnte als Zweitdosis auch ein anderer Impfstoff gegeben werden. Jedoch ist dies noch nicht geprüft.

Wer bei der ersten Impfung keine Beschwerden hatte, dürfte bei der zweiten Impfung ebenfalls sicher sein und nach eigenem und ärztlichem Ermessen auch die Zweitimpfung mit AstraZeneca erhalten dürfen. Rücksprache mit Ärzten ist hier bei Unsicherheiten aber derzeit der beste Weg.

Reicht vielleicht sogar eine Dosis?

Viele, die bereits eine Impfung bekommen haben, fragen sich derzeit, ob der zweite Termin wirklich nötig ist oder ob sie ihn aus ihren Bedenken heraus doch lieber absagen oder zumindest abwarten und den zweiten Termin aufschieben.

Bislang liegt die empfohlene Zeitspanne zwischen beiden Impfungen bei zwölf Wochen. Der Schutz der ersten Impfung ist bereits recht hoch, jedenfalls steigt dieser Schutz nach der zweiten Dosis noch einmal. Auch dürfte er länger anhalten. Dazu weiß man aber bislang noch nicht alles: "Wir haben wenig Erfahrung, was die Dauer des Impfschutzes anbelagt, weil die Studien dazu ja gerade abgeschlossen sind. Mindestens sechs Monate sollte der nach der ersten Impfung aufgebaute Schutz aber halten", zitiert t-online.de den Infektionsbiologen Stefan Kaufmann.

Schon 30 Tage nach der ersten Impfung, also rund vier Wochen, schützt auch AstraZeneca vor schweren Verläufen, wie etwa Daten aus Schottland zeigen: Das Risiko einer Krankenhauseinweisung sank nach diesem Zeitraum um 94 Prozent im Vergleich zu nichtgeimpften Menschen.

Sprich: Eine Dosis ist immer noch besser als keine Dosis. Die Schutzwirkung der zweiten Dosis ist aber höher und möglicherweise auch langanhaltender. Der Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson wiederum, der in seiner Wirkweise dem von AstraZeneca ähnelt, wird von vorne herein nur in einer Dosis gespritzt – weil er als 1-Dosis-Impfstoff getestet wurde. Auch hier ist der aufgebaute Schutz nach wenigen Wochen schon sehr hoch.

Sollten Sie überlegen, die zweite Dosis ausfallen zu lassen, sprechen Sie dies am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ab oder fragen Sie bei Ihren Impfärzten nach.

Welche Konsequenzen hat es eigentlich, seinen Impftermin abzusagen oder gar verfallen zu lassen? Mehr im Video:

Impftermin absagen – und dann?
Impftermin absagen – und dann?

Können wir das Impfziel bis Ende Sommer jetzt überhaupt noch erreichen?

Die Einschränkungen der Impfung mit AstraZeneca werfen nun erneut alle Pläne mehr oder weniger über den Haufen, wieder einmal muss die Impfstrategie angepasst werden. Die Bundesregierung hält dennoch weiterhin am Plan fest, bis zum Beginn des dritten Quartals 2021 allen impfwilligen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zu machen.

Eigentlich sollten die Impfungen mit AstraZeneca im Laufe des Aprils auch in Arztpraxen beginnen. Dort wird nach Ostern zuerst mit Biontech geimpft. 56 Millionen Impfdosen AstraZeneca erwartet Deutschland im Jahr 2021 für Deutschland. Wird der Impfstoff aber vermehrt abgelehnt, stocken auch die Impfungen. Zwar können Biontech/Pfizer nun etwas mehr liefern als angekündigt, und auch von Jensen (Johnson & Johnson) kommen ab April Lieferungen. Im Sommer könnte dann das Vakzin von Curevac in den Startlöchern stehen. Dennoch hemmt das nun gesunkene Vertrauen in einen eigentlich wirksamen Impfstoff.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert daher, Impfwillige, sobald möglich, ihren Impfstoff frei wählen zu lassen. Dennoch solle man an der ethischen Reihenfolge festhalten, um die schwerkranken Menschen zu schützen, die bisher noch nicht geimpft werden konnten – etwa die, die zu Hause leben, aber durch Immobilität nicht zum Impfzentrum kommen können.

Wir hoffen, mit dieser AstraZeneca-Übersicht zumindest einen Teil Ihrer offenen Fragen klären zu können und passen diesen Artikel bei neuen Erkenntnissen weiter an. Nichtsdestotrotz ersetzen solche Artikel niemals ärztliche Fachmeinungen. Bei Unsicherheiten, sowohl bezüglich der Impfungen als auch des Coronavirus selbst sollte Ihr erster Weg daher immer zu einer Ärztin oder einem Arzt führen.

Quellen: Stiko, PEI, Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AFP und spot on news, t-online.de, aerzteblatt.de, eigene Recherche

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