Aktualisiert: 25.03.2021 - 16:56

Schlechte Verträglichkeit Verhütungsmittel im Test: Nicht einmal die Hälfte der Pillen ist zu empfehlen

Welches Verhütungsmittel ist das beste? Pille, Hormon- oder Kupferspirale, Ring, Spritze – es gibt vieles. Doch laut Stiftung Warentest ist nur ein kleiner Teil davon wirklich geeignet.

Foto: Getty Images/Rattankun Thongbun; Canva.com [M]

Welches Verhütungsmittel ist das beste? Pille, Hormon- oder Kupferspirale, Ring, Spritze – es gibt vieles. Doch laut Stiftung Warentest ist nur ein kleiner Teil davon wirklich geeignet.

Verhütung ist Frauensache? Leider zu großen Teilen noch immer. Dabei sind längst nicht alle Verhütungsmittel wirklich gut geeignet. Sicher in der Verhütung sind sie (fast) alle – nur für den Körper nicht immer. Stiftung Warentest hat sich 141 Mittel angeschaut.

Wie verhüten Sie? Tatsächlich nur mit Kondom, oder gehören Sie zu den vielen, vielen Frauen in Deutschland, an denen der Hauptteil der Verhütung hängen bleibt? Das alleine ist schon Grund, aufmerksam zu werden. Noch mehr Grund geben die Ergebnisse des großen Verhütungsmittel-Tests der Stiftung Warentest. Das meistgenutzte Verhütungsmittel ist nämlich nicht unbedingt das beste. Und das liegt nicht an seiner Schutzwirkung, sondern an der Verträglichkeit.

Verhütungsmittel-Test: Darum versagt die Pille so oft

Wenn es heißt "die Pille versagt", dann liegt das ganz sicher nicht an ihrer Schutzwirkung vor ungewollten Schwangerschaften. Das Präparat, das am 1. Juni 1961 erstmals, damals noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden, auf den Markt kam, ist inzwischen immer wieder weiterentwickelt worden und mittlerweile als "Anti-Baby-Pille" bekannt. Mittlerweile gibt es unzählige "Pillen" auf dem Markt, das Verhütungsmittel wird in Deutschland häufiger genutzt als das Kondom.

Doch die Kritik an hormonellen Produkten steigt und immer weniger Frauen nehmen die Pille – und das aus gutem Grund. Das zeigen auch die Ergebnisse des Verhütungsmittel-Tests der Stiftung Warentest. Über 100 Anti-Baby-Pillen haben sich die Experten angeschaut, daneben aber auch andere Verhütungsmittel, von denen ein Großteil ebenfalls hormonbasiert funktioniert.

Das Problem daran: Die Gabe von Hormonen beeinflusst den Körper. Das kann in manchen Fällen hilfreich sein, in anderen wiederum aber vieles im Körper durcheinanderbringen. Denn Hormone steuern nicht nur unsere Sexualität, sondern sind an unzähligen Körpervorgängen beteiligt. Problematisch daran: Hormonelle Verhütungsmittel wie die oft verschriebene Einphasen-Pille geben meist eine gleichbleibende Menge an den Hormonen Östrogen und Gestagen ab. Das wird aber nicht jeder sie einnehmenden Person gerecht. Zwar gibt es auch Mittel, mehrstufige Präparate, die die Hormone über den Zyklus verteilt unterschiedlich abgeben. Aber auch das kann nicht auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten werden. Denn: Jeder Körper tickt anders.

Thromboserisiko vor allem bei diesen Pillen erhöht

Das Resultat ist ein irgendwie gestörter Hormonhaushalt – und damit das Risiko etwa für Thrombosen. Besonders Pillen, bei denen Östrogen mit den Gestagen-Arten Desogestrel, Dienogest, Drospirenon oder Gestoden kombiniert ist, stuft die Stiftung Warentest in ihrer Untersuchung als wenig geeignet ein. Denn sie erhöhen nachweislich das Risiko für Thrombosen in den Beinen sowie für Lungenembolien: Acht bis zwölf von 10.000 Personen, die eine weniger geeignete Pille einnehmen, erleiden eine Thromboembolie, während dieses Risiko bei den als geeignet getesteten Pillen für fünf bis sieben Frauen besteht.

Das geringste Thromboserisiko weist die Minipille auf, bei der wenig Östrogen mit dem Gestagen Levonorgestel kombiniert wird. Doch bei ihr muss auf zeitlich gleichbleibende Einnahme geachtet werden, sonst verliert sie ihre Verhütungssicherheit. Mehr dazu: Pille vergessen: Was ist jetzt zu beachten?

Aber was ist die geeignete Kombination? Ein niedriger Östrogengehalt kombiniert mit den Gestagenen Levonorgestel, Norethisteron oder Norgestimat stellten sich im Test als "geeignet" heraus. Es lohnt daher immer ein Gespräch mit Gynäkolog:innen sowie der Blick in den Beipackzettel. Der klärt auch über andere mögliche Nebenwirkungen auf, die es bei allen Pillen im Test gibt: etwa Depressionen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt die Pille vor allem als Option für junge Frauen, die nicht oder nicht stark rauchen und kein Übergewicht sowie keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Alle diese Gegenindikationen steigern nämlich ebenfalls das Thromboserisiko.

Unser Experte ist sich übrigens sicher: "Die Pille würde heutzutage gar nicht mehr zugelassen werden" – und genauso steht es derzeit um die " Pille für den Mann". Deren Weiterentwicklung schreitet nicht voran – wegen Nebenwirkungen, die sich mit denen der Pille für die Frau decken.

Mit oder ohne Hormone: Die Spirale

Ein weiteres Verhütungsmittel im Test waren Spiralen. Die gibt es mit Hormonen, aber als Kupferspirale (oder Kupferkette) auch ohne Hormone. Intrauterinpessare werden in die Gebärmutter eingesetzt und verbleiben dort bis zu fünf Jahre. Die Hormonspirale gibt lediglich Gestagen in geringen Mengen ab und steigert dabei das Thromboserisiko nicht. Völlig nebenwirkungsfrei ist sie damit dennoch nicht: Sie können etwa Stimmungsschwankungen auslösen oder auch zu Gewichtszunahme führen.

Die Kupferspirale wiederum gibt Kupfer-Ionen ab, die sich gegen Spermien richten. Beide Spiralarten verändern die Gebärmutterschleimhaut zudem so, dass sich keine Eizelle einnisten kann. Der Nachteil an Spiralen ist das Einsetzen, das in einem kleinen Eingriff geschehen muss. Dabei können Komplikationen entstehen. Und auch während das Intrauterinpessar in der Gebärmutter sitzt, können in manchen Fällen Entzündungen auftreten und die Monatsblutung kann sich verstärken. Bei Spiralen bestehe zudem ein gewisses Risiko für Beckenentzündungen, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können. Die Stiftung empfiehlt die sehr gut vor Schwangerschaften schützenden Verhütungsmittel daher vor allem für Personen, deren Kinderwunsch abgeschlossen ist.

Diese Verhütungsmittel sind weniger geeignet

Kommen wir zurück zur Verträglichkeit. Aufgrund dieser fallen auch die meisten weiteren getesteten Verhütungsmittel durch den Test. Bei der Dreimonatsspritze komme als Nebenwirkung etwa hinzu, dass sich die Knochendichte verringern könne.

Probleme zeigt der Test auch beim Implantat auf, das etwa in den Oberarm eingesetzt wird und dort Hormone abgibt. Es könne im Arm verwachsen oder wandern und ließe sich dann nicht immer leicht entfernen, schreiben die Experten. Zudem sei nichts zum Thromboserisiko bekannt. Der Verhütungsring, der einmal monatlich in die Vagina eingeführt wird, sowie das Hormonpflaster wiederum wirken ähnlich wie die Pille. Jedoch gebe es Hinweise darauf, dass beide das Thromboserisiko im Vergleich zu den als geeignet eingestuften Pillen erhöhen. Außerdem könnten Hautreizungen und Scheidenentzündungen auftreten.

Zur Verhütung gehören immer zwei

Übrigens: Das nebenwirkungsfreiste und schmerzfreiste Mittel auf dem Markt bleibt das Kondom, das zusätzlich auch vor Geschlechtskrankheiten schützt. Doch hier muss sich die Frau auf den Mann verlassen können – und das klappt leider nicht immer. Denn nicht alle Männer mögen Kondome. So gibt es etwa Fälle, in denen das Kondom einfach abgezogen wird. Das sogenannte "Stealthing" etwa ist durchaus ein Problem – und eine Straftat.

Verhütung sollte eigentlich immer Sache von beiden Partnern sein – insbesondere auch, wenn es sich nur um ein kurzes, einmaliges Stelldichein handelt, sollte vorher darüber gesprochen werden. Doch auch in der Partnerschaft muss die Verhütung Thema für beide sein. Die Möglichkeiten für den männlichen Part sind leider noch immer begrenzt – und viele Frauen nehmen das Thema aus Sicherheitsgründen lieber selbst in die Hand. Einen Tipp gibt die Stiftung Warentest aber dazu: Verhütung ist nicht günstig. Zumindest das Finanzielle sollte daher in einer Partnerschaft durchaus geteilt werden.

Hier finden Sie den vollständigen Verhütungsmittel-Test der Stiftung Warentest.

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