Aktualisiert: 15.03.2021 - 16:37

Immunantwort beeinträchtigt? Schmerzmittel und die Corona-Impfung: Bitte warten!

Der Impftermin steht an und Sie überlegen, vorher ein Schmerzmittel einzunehmen, um gegen eventuelle Nebenwirkungen gewappnet zu sein? Möglicherweise nicht die beste Idee.

Foto: Getty Images/Westend61; Canva.com [M]

Der Impftermin steht an und Sie überlegen, vorher ein Schmerzmittel einzunehmen, um gegen eventuelle Nebenwirkungen gewappnet zu sein? Möglicherweise nicht die beste Idee.

Derzeit macht ein Tipp die Runde, der vor den Reaktionen auf die Corona-Impfung schützen soll. Doch die Reaktionen sind nichts anderes als die Immunantwort des Körpers. Und die ist eigentlich genau das, was wir brauchen.

"Nimm 'ne Tablette vorher und eine nachher, dann wird's nicht so schlimm!" So oder so ähnlich heißt es derzeit oft, wenn jemand vom anstehenden Impftermin erzählt und möglicherweise auch eine gewisse Angst vor "Nebenwirkungen" äußert. Diese Reaktionen sind zumeist Kopfschmerzen, Fieber oder Schüttelfrost. Klar also, dass Paracetamol und Co da helfen. Doch Wissenschaftler raten: Nach der Covid-Impfung nicht direkt Fieber- und schmerzsenkende Mittel nehmen. Denn die könnten die Immunreaktion abschwächen – und damit den Schutz gegen Covid-19 beeinträchtigen.

Präventiv ein Schmerzmittel gegen die Impf-Beschwerden?
Präventiv ein Schmerzmittel gegen die Impf-Beschwerden?

Präventiv Schmerzmittel vor der Corona-Impfung – gute Idee?

Kopfschmerzen, Fieber, starke Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle: Das sind die häufigsten Reaktionen, mit denen Geimpfte nach ihrer Corona-Impfung zu kämpfen haben. Manchmal dauern die Beschwerden ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage – und sind dann so schnell wieder weg wie sie gekommen sind. Unangenehm ist das, keine Frage. Daher empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) in den Aufklärungsmerkblättern zur Schutzimpfung gegen Covid-19, die jede:r Geimpfte bekommt, auch die "Einnahme von schmerzlindernden und fiebersenkenden Medikamenten" bei Schmerzen oder Fieber. Ob die prophylaktische Einnahme aber so sinnvoll ist, ist dagegen fraglich, und dafür müssen wir uns das Wirkprinzip von Impfungen ansehen.

Die "Nebenwirkungen", das ist eigentlich die Reaktion unseres Körpers auf das, was der Impfstoff im Körper macht: Fremdkörper herstellen, die unser Immunsystem dann lernt zu bekämpfen. Und genau das ist es, was diese "Nebenwirkungen" auslöst. Es handelt sich also eigentlich nicht um Nebenwirkungen, sondern sogar um die gewünschte Wirkung bzw. Körperreaktion. Und die kann bei manchen Menschen, übrigens vor allem bei jüngeren, eben durchaus unangenehm ausfallen. Gefährlich ist sie für die allerwenigsten von uns – wenn nicht gerade eine sehr schwächende Krankheit vorliegt.

Erkenntnis von anderen Impfungen: Impfwirkung beeinträchtigt

Das "Ärzteblatt" berichtet hier über die Meldung einer Arbeitsgruppe der University of British Columbia in Vancouver, Kanada. Die beziehen sich auf diverse Studien, unter anderem eine von 2009 aus dem Fachblatt "Lancet". Hier hatten Kinder vor einer Impfung zur Vorbeugung von Nebenwirkungen Paracetamol erhalten. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe hatten sie nach der Impfung signifikant weniger Antikörper gebildet. Auch das US-Center for Disease Control and Prevention (CDC) wird zitiert. Demnach werden fiebersenkende Mittel vor oder unmittelbar nach einer Impfung nicht empfohlen.

Ob und wie stark sich die Immunantwort reduziert, ist laut dem vom "Ärzteblatt" zitierten stellvertretenden Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universität Kiel, Thomas Herdegen, noch unklar. Doch man müsse damit rechnen, sagt er. Denn medizinisch wäre das erklärbar. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder auch Aspirin gehören zu den "Nicht-steroidalen Entzündungshemmern", kurz NSAR. Paracetamol funktioniert etwas anders, aber es gibt eine Gemeinsamkeit. Beide hemmen auf ihre Art einen Stoffwechselvorgang im Körper, über den grippeähnliche Begleitreaktionen nach einer Impfung abgeschwächt werden. Sie reduzieren dabei aber auch die Höhe des sogenannten Impftiters – einem Maß für die Immunität des Körpers gegen die Krankheit, gegen die geimpft wurde. Das ist für andere Impfungen bereits bekannt.

Mehr dazu: Schmerzmittel-Vergleich: Was wirkt wie, wann und warum?

Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen her

Eine wissenschaftliche Studie zum Einfluss von Schmerzmitteln auf die Coronavirus-Schutzimpfung gibt es noch nicht. Bisher kann man nur von anderen Impfungen auf die Corona-Impfung schließen.

So habe etwa die Gabe von Paracetamol an Erwachsene sechs Stunden nach einer Hepatitis-B-Impfung in einer Studie von 2014 keinen Einfluss auf die Immunantwort gezeigt, während eine Gabe sofort nach der Impfung die Immunantwort abgeschwächt hätte. Herdegen leitet daher die Empfehlung ab, frühestens nach sechs Stunden ein Schmerz- und Fiebermittel einzunehmen.

Ein Unterschied besteht aber: Bei Hepatitis B etwa wird direkt mit dem Antigen geimpft, auf das der Körper dann Antikörper entwickelt. Die bisher verfügbaren Covid-Impfstoffe aber funktionieren so, dass der Körper erst einmal die Proteine produzieren muss, auf die er dann Antikörper entwickelt. Das dauert seine Zeit. Daher könnten sich hier die Empfehlungen bei besseren Erkenntnissen durchaus noch ändern.

Mehr dazu: Vorsicht: Darum ist man nicht sofort nach einer Impfung immun!

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Empfehlung des RKI: Bei Schmerzen sind Schmerzmittel okay

Die Empfehlung des RKI ist damit übrigens trotzdem nicht falsch. Unter Schmerzen muss niemand leiden. Wenn es also zu einer spürbaren, unangenehmen Impfreaktion nach der Covid-Impfung kommt: Ruhig Tablette nehmen, wenn von Ärztin oder Arzt nicht anders verordnet – aber eben auch nur so viel, wie akut nötig ist.

Präventiv sollten solche Tabletten, auch nicht verschreibungspflichtige, dagegen generell besser nicht eingenommen werden. Denn auch Paracetamol und Co sind Medikamente, die durchaus Nebenwirkungen mitbringen können – da lohnt ein Blick in die Packungsbeilage. Und wenn eine der Nebenwirkungen darüber hinaus bedeutet, dass möglicherweise ein schlechterer Schutz gegen das Coronavirus aufgebaut wird, ist das Abwarten durchaus eine zusätzliche Überlegung wert. Bei Unsicherheiten fragen Sie vor der Impfung ruhig nochmal beim Impfteam nach.

Diese Fehler sollten Sie rund um den Impftermin nicht machen.

Quellen/Studien:

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