Aktualisiert: 03.05.2021 - 14:40

Haltbarkeit testen Sonnencreme abgelaufen? So lange ist sie noch verwendbar

Ist die Sonnencreme von vor zwei Jahren noch gut? Drei kurze Checks verraten es Ihnen.

Foto: Getty Images/Natdanai Pankong / EyeEm; Canva.com [M]

Ist die Sonnencreme von vor zwei Jahren noch gut? Drei kurze Checks verraten es Ihnen.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen rauskommen oder der Urlaub im Süden naht, wird schnell im Badschrank gekramt. Irgendwo war sie doch noch, die Sonnencreme. Aber kann man dem UV-Schutz aus dem Vorjahr oder gar noch länger zurück noch trauen? Antworten geben unser Experte sowie drei einfache Tests!

Sie ist teuer und wird, geben wir's zu, bei den meisten von uns nie so wirklich leer. Also schleppen wir sie von Jahr zu Jahr mit ins Freibad oder an den See. Oder wir haben sie im Urlaub mal wieder vergessen, kaufen neue – und finden dann Zuhause beim Ausmisten plötzlich fünf Tuben. Jedesmal stellt sich die Frage: Ist die noch gut? Sonnencreme kann ablaufen, ja. Das heißt, mit der Zeit verliert sie durchaus ihren UV-Schutz und wird unwirksam. Mitunter kann sie aber auch tatsächlich schädlich werden.

Unser Experte, Prof. Dr. med. Dietrich Abeck ist Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und einer der Experten des Dermatologie-Portals derma.plus. Er erklärt uns, was genau an alter Sonnencreme so schädlich werden kann.

Das alles passiert aber nicht von heute auf morgen. Es lohnt sich, alte Sonnenmilch regelmäßig zu testen. Und das wiederum klappt mit drei einfachen Tricks, die wir Ihnen am Ende vorstellen.

Alte oder abgelaufene Sonnencreme: Darum bitte Vorsicht

Je kräftiger die Sonne scheint, desto eher müssen wir unsere Haut vor ihr schützen. Das klappt einerseits mit Kleidung. Aber die ist im Sommer so eine Sache und bedeckt auch nicht alle Hautstellen. Daher sollten wir mit Sonnencreme, Sonnenmilch oder Sonnenspray nachhelfen. Die verlängert nämlich den Eigenschutz unserer Haut gegen UV-Strahlung.

Das Problem bei abgelaufener Sonnencreme aber ist: Der UV-Schutz kann mit der Zeit abnehmen. Das passiert nicht von jetzt auf gleich, aber eine Sonnencreme vom Vorjahr oder von vor zwei oder gar drei Jahren könnte durchaus weniger schützen als eine frische. Wir können uns also nicht mehr auf den auf der Packung angegebenen Schutz verlassen. Das ist für jeden Hauttyp wichtig zu wissen, besonders sollte man aber bei Kindern oder Menschen mit heller, empfindlicher Haut auf eine noch gute Sonnencreme zurückgreifen.

Auch problematisch: Sonnencreme kann kippen und ranzig werden. Und die wollen wir dann wirklich nicht mehr auf der Haut haben. Denn mit der Zeit verändert sich die Zusammensetzung der Creme und das kann dann durchaus zu Hautirritationen und sogar zu Ausschlag führen.

Und nicht nur das: Abgelaufene Sonnencreme kann mitunter richtig schädlich werden.

Sonnenschutz mit Octocrylene: Vorsicht vor krebserregendem Abbauprodukt

Schauen Sie einmal genau auf die Inhaltsliste Ihres Sonnenschutzes. Finden Sie den Bestandteil Octocrylene? Der Stoff ist nicht per se schädlich, sagt Prof. Abeck: "Die sehr preiswerte Substanz ist in sehr vielen Sonnenschutzpräparaten enthalten, da sie den Vorteil einer synergistischen Wirkung mit anderen UV-Filtern aufweist und somit maßgeblich am Aufbau des gewünschten breiten Absorptionsspektrums für das krebserzeugende Sonnenlicht beteiligt ist." Sprich: Sie erweitert den Sonnenschutz. "Zudem verursacht die Substanz keine endokrinologischen Störungen."

Das Problem an Octocrylene liegt aber in der Zeit: Denn französische Forscher konnten nachweisen, dass in Sonnenschutzmitteln mit dem Stoff auch die Verunreinigung Benzophenon nachgewiesen werden konnte – und zwar in allen getesteten. Getestete Mittel ohne Octocrylene wiederum zeigten die Verunreinigung nicht.

Warum ist das schlimm? "Benzophenon ist ein Schadstoff, der immer wieder als Verunreinigung in verschiedenen Kosmetikprodukten nachgewiesen wird und potenziell krebserregend ist. Unter UV-Licht, wie es im Sonnenlicht vorkommt, kann die chemische Verbindung nachgewiesenermaßen das Erbgut verändern und dadurch die Entstehung von Krebs fördern", erklärt Dr. Abeck. Mäuse etwa hatten in einem Versuch verschiedene Formen von Leberkrebs und andere Krebsarten entwickelt. "Zusätzlich scheint Benzophenon in den Stoffwechsel der Schilddrüse einzugreifen. Sein Abbauprodukt p-Hydroxybenzophenon wirkt außerdem ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen."

Der Knackpunkt: Octocrylene wird mit Benzophenon als einem der Ausgangsstoffe hergestellt. Wird es zu lange unter falschen Bedingungen gelagert, kann es aber wieder zerfallen. Und das scheint die entscheidende Ursache für Benzophenon in Sonnenschutz zu sein, so Prof. Abeck: "Der größte Teil des Benzophenon in den Sonnenschutzmitteln entstand im Rahmen des Abbaus von Octocrylene."

Das heißt so viel wie: Octocrylene an sich ist nicht schädlich – frischer Sonnenschutz kann also unbedenklich genutzt werden. Anders sieht es aus, wenn das Mittel vom Vorjahr stammt oder noch älter ist und/oder zu warm gelagert wurde.

Auf die Lagerung kommt's an

So hundertprozentig fest ist die Monatsangabe auf der Verpackung übrigens nie. Wir erinnern uns: "bei sachgemäßer Lagerung". Das heißt nichts anderes als: bitte kühl und trocken lagern. Am besten sogar im (sauberen) Kühlschrank.

Es kommt also vor allem auf die Lagerung an – ob Sie nun einen Sonnenschutz mit Octocrylene besitzen oder ohne: Die Sonnencreme, die den ganzen Sommer über im Auto herumliegt, wird viel eher das Zeitliche segnen als eine, die kühl und trocken aufbewahrt wird. Und auch auf die Entnahme kommt es an. Versuchen Sie am besten, die Öffnung nicht direkt anzufassen und säubern Sie sie, ist sie schmutzig geworden. In diesen Fällen entscheiden dann Geruchs- und Konsistenztest.

  • Sonnencreme mit Octocrylene: Gegen die Nutzung frischer Tuben und Flaschen spricht nichts. Denken Sie daran: Immer schön kühl und trocken lagern. Am besten entsorgen Sie diese Präparate dennoch nach einer Saison, um sich nicht der Gefahr durch Benzophenon auszusetzen.
  • Sonnencreme ohne Octocrylene: Hier gilt: Sind Geruchs- und Konsistenztest (siehe unten) bestanden, spricht nichts gegen eine immer schön kühl aufbewahrte, aber eigentlich abgelaufene Sonnencreme vom Vorjahr oder vielleicht vom Jahr davor. Dann aber ruhig etwas großzügiger sein. Denn nachlassenden UV-Schutz sehen wir mit bloßem Auge nicht. Unsere Haut aber wird's uns danken.

Woran erkennt man abgelaufene Sonnencreme?

Aber woran erkennt man denn nun, ob der Sonnenschutz noch gut ist?

Tipp 1: Die Haltbarkeit. Auf manchen Sonnencremes ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt. Dieses gilt aber nur für die kühl aufbewahrte und geschlossene Tube oder Flasche.

Anders ist es mit dem für Kosmetikprodukte üblichen Aufdruck, der auch auf den meisten Sonnencreme-Tuben zu finden ist: Ein kleiner Tiegel mit geöffnetem Deckel, auf dem eine Zahl und ein M aufgedruckt ist. Dieser gibt an, wie viele Monate das Produkt bei sachgemäßer Lagerung nach Anbruch haltbar ist, ohne Qualitätseinbußen zu befürchten. Steht dort etwa ein "12 M", heißt das, dass die Creme zwölf Monate, also ein Jahr, nach erstmaligem Öffnen noch den verspochenen Schutz gewährt. Ganz wichtig: "Dieses Mindesthaltbarkeitsdatum gilt nur, wenn das Produkt sachgemäß gelagert wurde!", erklärt Dr. Abeck. "Eine mehrstündige Exposition im heißen Auto oder am Strand in der prallen Sonne können die Haltbarkeit deutlich reduzieren!"

Jetzt merkt sich ja nicht jeder, wann die Sonnencreme-Flasche – oder ein anderes kosmetisches Produkt mit diesem Zeichen – erstmals geöffnet wurde. Doch da gibt's einen kleinen Tipp: Einfach das Öffnungsdatum mit einem wasserfesten Stift auf der Packung vermerken!

Tipp 2: Der Geruch. Trotzdem unsicher? Dann kurz mal an der offenen Flasche schnuppern: Riecht die Creme merkwürdig, anders als sonst, irgendwie ranzig? Dann weg damit!

Tipp 3: Die Konsistenz und Farbe. Oder einfach ein bisschen Creme aus der Tube drücken. Kommt nur Flüssigkeit raus oder sind Konsistenz und Farbe nicht mehr cremetypisch, dann ist die Sonnencreme ein Fall für den Müll.

Und wenn's doch passiert ist? Für Erste Hilfe bei Sonnenbrand gibt's Tipps im Video:

Erste Hilfe bei Sonnenbrand: Diese Hausmittel helfen!
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Neuer Sonnenschutz: Darauf sollten Sie achten

Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kauft je nach Bedarf lieber jedes Jahr eine kleinere Packung. Dann auch gleich auf die Inhaltsstoffe achten! Prof. Abeck gibt Tipps:

  • Mineralische Filter haben kein allergenes Potential und sind chemischen UV-Filtern daher vorzuziehen. Kosmetisches Problem daran: Sie lassen sich schwerer verteilen und haben den sogenannten "Weißeleffekt" – die Sonnencreme hinterlässt weiße Stellen auf der Haut. Sonnenschutz mit mineralischen Filtern beinhalten meist Substanzen wie Zink oder Titandioxid, die das Sonnenlicht einfach reflektieren.
  • Für den Kopfhautschutz eignet sich am besten ein Spray.
  • Reifere und trockenere Haut, etwa im Gesicht, kommt am besten mit einer leichten Creme-Formulierung klar, für den Lippenschutz eignen sich Wachse oder Öle mit UV-Schutz.

Wir klären über 5 Sonnencreme-Mythen im Faktencheck auf und verraten, welcher der perfekte Sonnenschutz für Ihre Haut ist.

Sonnenbrand vermeiden gilt übrigens nicht nur für Arme und Co. Auch der Sonnenschutz für die Kopfhaut ist wichtig!

Wichtig jedenfalls ist es, sich – nicht nur im Sommer – gut gegen UV-Strahlung zu schützen, und da ist Sonnencreme nur ein Teil von vielen Maßnahmen. Nur so lässt sich das Hautkrebs-Risiko reduzieren. Nichtsdestotrotz sollten Sie Ihre Haut regelmäßig untersuchen lassen. Hautkrebs-Symptome erkennen Sie ganz leicht mit der ABCDE-Regel.

Unser Experte: Prof. Dr. med Dietrich Abeck ist Facharzt für Dermatologie, Venerologie, Allergologie, apl. Professor für das Fachgebiet Dermatologie und Allergologie an der Technischen Universität München, Mitglied des Prüfungsausschusses im Gebiet Haut- und Geschlechtskrankheiten der Bayerischen Landesärztekammer, Mitglied des Facharbeitergremiums "Haut- und Geschlechtskrankheiten" der Bayerischen Landesärztekammer. Zudem ist er einer der Dermatologie-Experten auf dem Informationsportal derma.plus.

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