Aktualisiert: 07.02.2021 - 19:30

Verwarnungsgelder drohen Verbandskasten abgelaufen: Muss der jetzt wirklich weg?

Den Verbandskasten im Auto sollten Sie regelmäßig überprüfen – denn Kompressen und Co haben ein Verfallsdatum. Was muss wann ausgetauscht werden und was passiert mit dem abgelaufenen Material?

Foto: Getty Images/Science Photo Library

Den Verbandskasten im Auto sollten Sie regelmäßig überprüfen – denn Kompressen und Co haben ein Verfallsdatum. Was muss wann ausgetauscht werden und was passiert mit dem abgelaufenen Material?

Der Verbandskasten im Auto ist Pflicht – fehlt er, kann das bei Notfällen zum echten Problem werden. Doch das Verbandsmaterial kann sogar ablaufen. Warum das so ist und was dann damit passiert:

Er gehört zur Grundausstattung im Auto und soll in Notfällen sofort einsatzbereit sein: der Verbandskasten. Dass Erste-Hilfe-Material in gutem Zustand vorhanden sein muss, regelt sogar ein Gesetz, nämlich § 35h Abs. 2 der StVZO. Und dabei darf es nicht nur wild zusammengestreutes Material sein. Der Inhalt ist genau geregelt und muss der DIN 13164 entsprechen oder inhaltsmäßig zumindest mit dem dort gelisteten Inhalt übereinstimmen. Doch damit nicht genug: Ein Verbandskasten kann auch ablaufen – dann ist es an der Zeit, ihn auszutauschen. Bei einer Verkehrskontrolle droht sonst ein Verwarnungsgeld. Aber muss das ganze Material gleich in den Müll? Glücklicherweise nicht.

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Verbandskasten abgelaufen? Darum hat Verbandsmaterial ein Verfallsdatum

Aber wie sollen Mullbinden und Co überhaupt ablaufen? Schließlich sind die doch nicht verderblich – oder? Nun, doch. Jedenfalls dann, wenn es sich um klebende Materialien handelt. Die können nämlich laut Malteser Hilfsdienst an Klebkraft verlieren. Doch das ist nicht alles. Wundkompressen und andere Materialien, die mit offenen Wunden in Kontakt kommen, müssen steril sein. Diese Sterilität kann aber nur für einen gewissen Zeitraum garantiert werden – und daher gibt's ein Verfallsdatum.

Fünf Jahre lang sind Verbandskästen in der Regel haltbar, bevor sie aus dem Auto geräumt werden müssen. Sonst drohen Strafen – derzeit werden dafür 5 Euro verlangt. Vor allem aber leidet die Erste Hilfe.

Übrigens: Fehlen Warndreieck oder Warnweiste, schlägt das mit 15 Euro zu Buche.

Material genutzt? Dann bitte auffüllen

Glücklicherweise, so muss man es sagen, brauchen wir das Verbandsmaterial im Auto ja selten. Für den Notfall ist es wichtig, es dabei zu haben. Denn unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat – auch dann, wenn die Erste Hilfe nicht erfolgen kann, weil die Materialien fehlen. Übrigens ist Erste Hilfe auch in Corona-Zeiten eine Pflicht!

Nach Gebrauch des Verbandssets sollten die genutzten Verbandsmaterialien wieder aufgefüllt werden. Auch kleinere verbrauchte Materialien wie Pflaster und Co sollten sofort nachgefüllt werden, damit der Verbandskasten komplett bleibt. Ist ein Datum auf dem gesamten Paket aufgedruckt, sollte dieses nach Ablauf aber durchaus einmal ausgetauscht werden. Im Grunde reicht es aber auch, die abgelaufenen Materialien auszutauschen. Darauf aber bitte achten. Denn abgelaufenes oder nicht komplettes Verbandsmaterial gilt quasi als "nicht vorhanden".

Und auch, wenn bei der Kontrolle eventuell ein Auge zugedrückt wird: Nichtsterile Verbandsmaterialien bergen Risiken. Zwar ist Erste Hilfe mit abgelaufenen Materialien weit besser als gar keine Hilfe, jedoch sollten natürlich jegliche Risiken ausgeschlossen werden, die sich einfach vermeiden lassen.

Das muss alles vorhanden sein in der Verbandstasche:

  • Broschüre mit Anleitung zu Ersten Hilfe
  • Schere
  • Fingerkuppenverband
  • Rollenpflaster
  • Dreieckstuch
  • Einmalhandschuhe
  • Vliesstofftuch
  • Pflasterstrips
  • Fingerverband
  • Kompressen
  • Pflaster-Schnellverband
  • Kälte-Sofort-Kompresse
  • Netzverband
  • Reinigungstuch
  • Schnellverband
  • Rettungsdecke
  • Augenkompresse
  • Verbandtuch
  • Fingerling
  • Verbandpäckchen
  • Kleiderschere
  • Folienbeutel

Für die Hausapotheke – oder als Schulungsmaterial

Aber wenn der Notfall ausbleibt, der Kasten aber ausgetauscht werden muss – was passiert dann mit dem Verbandszeug? In den Müll wandern muss ein abgelaufener Verbandskasten zum Glück nicht. Er ist durchaus noch für die Hausapotheke geeignet. Schauen Sie aber regelmäßig auf die einzelnen Bestandteile und denken Sie dran: Mit der Zeit verlieren Kompressionen und Co ihre Sterilität – bei offenen Wunden daher bitte auf frische Ware zurückgreifen.

Wer seinen Verbandskasten doch loswerden möchte, kann ihn entweder über den Hausmüll entsorgen oder aber ihn Hilfsvereinen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder den Maltesern, den Johannitern oder dem Arbeiter Samariter Bund (ASB) spenden – denn die brauchen für Erste-Hilfe-Schulungen immer wieder Verbandsmaterial. Und für diesen Zweck eignet sich natürlich auch abgelaufene, nicht mehr sterile Ware.

Ein weiterer dankbarer Abnehmer ist die Seite verbandskasten-spenden.de – die nutzen abgelaufene Verbandskästen nämlich als Schulungsmaterial, um Menschen in Westafrika in Erster Hilfe zu üben.

Und noch ein Tipp, der glücklicherweise gar nichts mit Notfällen zu tun hat: Alte Mullbinden aus dem abgelaufenen Verbandskasten eignen sich wunderbar zum Basteln mit Pappmaché!

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Im Straßenverkehr kann's teuer werden: Mit diesen harten Strafen müssen Autofahrer jetzt rechnen. Probleme gehabt? Vielleicht gibt's Antworten in unserem Ratgeber Recht.

Quellen: bussgeldkatalog.org, bussgeldkatalog.de, ADAC

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