Aktualisiert: 28.01.2021 - 17:55

Zeitspannen von über einem Jahr? Impftermin im Internet berechnen: So "gut" funktionieren die Tools

Corona-Impfung - Mythen und Fake News

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Das sind die Mythen zu Corona-Impfung.

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Die Frage nach dem eigenen Impftermin – oder dem für die Lieben – umtreibt derzeit wohl die meisten von uns. Wann man etwa dran ist, richtet sich nach der in Deutschland aufgestellten Impfstrategie, die die Bevölkerung in vier Übergruppen einteilt. Online-Tools im Internet sollen helfen, den ungefähren Impftermin zu berechnen. Wie das klappt? Naja, so semi-gut – mit teils frustrierenden Zahlen.

Die Corona-Schutzimpfungen sind in Deutschland angelaufen – allerdings sehr schleppend. Laut Impfstrategie wird derzeit noch die erste Gruppe von insgesamt vier geimpft: Die Personen mit "höchster Priorität", also Menschen über 80 sowie solche, die in der Pflege und Medizin tätig sind und Kontakt zu Risikogruppen haben. Bei der Terminverteilung geht es je nach Bundesland aktuell noch etwas chaotisch zu, unter anderem auch, weil es Probleme mit dem Impfdosen-Nachschub gibt. Doch es geht voran – und damit steigt auch die Hoffnung, die Jens Spahn uns allen mitgegeben hat: bis zum Sommer sollen alle, die wollen, den schützenden Pieks erhalten können. Aber klappt das auch?

Mit Online-Tools im Internet lässt sich der potentielle Impfzeitraum berechnen. Was man dafür braucht? Ein paar persönliche Daten wie Alter und Angaben zu Vorerkrankungen und zur beruflichen Tätigkeit. Anhand dessen wird man dann einer der vier Impfgruppen zugeordnet – und bekommt einen groben Zeitraum genannt. Eigentlich eine gute Idee. Die Ergebnisse sind bisweilen aber durchaus ernüchternd.

Online-Tools: Impftermin im Internet berechnen?

Einen Corona-Impfterminrechner hat die Ingenieurin Bogna Szyk mit ihrem Kollegen Philip Maus über das polnische Startup "Omni Calculator" entwickelt. Die Oberfläche ist recht einfach gehalten. Alles, was man eingeben muss, ist das Alter. Anschließend lässt sich ankreuzen, ob man sich in prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen befindet, ob und wo man berufstätig ist, ein Heim oder eine Gemeinschaftsunterkunft bewohnt, enge Kontaktperson einer Person mit hohem Erkrankungsrisiko ist oder unter einer der gelisteten Vorerkrankungen leidet. Und dann schätzt der Rechner anhand des deutschen Impfplanes, der geplanten Impfdosen sowie der derzeitigen Impfbereitschaft "wo Sie sich in der Warteschlange für eine Corona-Impfung in Deutschland befinden".

Das Tool basiert auf der Prioritätenliste, die die Bundesregierung veröffentlicht hat. Eingeordnet wird in diese vier Gruppen:

  1. Schutzimpfungen mit höchster Priorität
  2. Schutzimpfungen mit hoher Priorität
  3. Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität
  4. Schutzimpfungen mit normaler Priorität

Wer zu den jeweiligen Gruppen gehört, ist im Tool noch einmal genau aufgelistet.

Wer nun als junger, gesunder Mensch aber denkt, bereits ein Datum für diesen Sommer ausgespuckt zu bekommen, wird enttäuscht. Wir haben den Test mit einer 33-jährigen Person gemacht, die zur Gruppe 4 zählt, also gar keine Priorität erfährt. Laut Rechner von Bogna Szyk befindet sich eine Person mit diesem Hintergrund in der Warteschlange hinter "18.327691 bis 37.186.111 Personen in der Warteschlange. Mit einem Impftermin für die erste Dosis sei bei der von der Bundesregierung vorgesehenen Impfrate von 669.998 Impfungen pro Woche demnach zwischen dem 15. Februar 2022 und 16. März 2023 zu rechnen.

Weiteres Tool bringt Bundesländer mit in die Berechnung

Ein weiteres Impftermin-Online-Tool gibt es von der Süddeutschen Zeitung. Hier führt ein Impfbot durch die Fragen. Personen, die schwanger oder unter 16 Jahre alt sind, werden sofort herausgefiltert, dann geht es ebenfalls um Alter, Beruf, Vorerkrankungen und Risikokontakte. Der Vorteil: Bei diesem Tool lässt sich auch das jeweilige Bundesland auswählen. Denn in den Bundesländern geht das Impfen derzeit unterschiedlich schnell vorwärts.

Unsere 33-Jährige aus Impfgruppe 4 lebt in Berlin – und sie erhält die Nachricht: Etwa 1,55 Millionen Menschen sind vor Ihnen mit dem Impfen dran, doch nur etwa 1,17 Millionen davon wollen sich auch impfen lassen. Etwa 1,01 Millionen Menschen warten mit Ihnen gemeinsam." Und weiter: "Wenn die Impfkampagne bald im geplanten Tempo läuft, können Sie ungefähr ab Mai 2021 mit einem Impftermin rechnen. Gehen die Impfungen in der bisherigen Geschwindigkeit weiter, könnte es auch bis Januar 2023 dauern."

Frustrierende Antworten? Darum ist das so:

Na immerhin ist hier der Sommer 2021 schon einmal potentiell genannt – vielleicht klappt's ja doch mit Jens Spahns Ankündigung, alle Deutschen bis Sommer mit einem Impfangebot zu versorgen. Aber Moment, Zeiträume bis 2023? Das klingt dann wieder frustrierend. Doch die Priorisierung ist wichtig – wer Risikogruppen angehört oder engen Kontakt mit solchen hat, profitiert eben mehr von der Impfung, insbesondere, weil sie vor einem schweren Verlauf der Erkrankung schützt. Bei kurzen Tests mit Personen über 80 Jahren ist das angegebene Zeitfenster immerhin kurz: bis April sollen diese Personen geimpft sein.

So ein Tool sei trotzdem nützlich, erklärt die Entwicklerin Bogna Szyk gegenüber dem Gesundheitsportal Apo.net: "Es liefert eine realistische Einschätzung, wann man tatsächlich geimpft werden könnte." So sollen auch zu hohe Erwartungen vermieden werden, da einfach zu viele Faktoren mit hineinfließen. So könnte es beispielsweise tatsächlich sein, dass der Impftermin für jüngere Menschen etwas näher rückt, sollte das derzeit vieldiskutierte Vakzin von AstraZeneca tatsächlich nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen werden. All solche Entwicklungen verändern den prognostizierten Impftermin immer wieder.

So richtig zuverlässig sind die Online-Tools zur Impftermin-Berechnung also nicht – oder zumindest noch nicht. Zu viele verschiedene Variablen laufen mit hinein, auf die wenig Einfluss genommen werden kann. Sicherlich verschieben sich die Termine mit jedem neuen Impfstoff nach vorne, mit jedem Lieferproblem nach hinten. Dennoch: Wenn wir uns an die Hoffnung klammern, dass Jens Spahns Impfversprechen bis Sommer eintritt, scheint der eigene Impftermin gar nicht mehr sooo weit weg. Und das ist doch ein gutes Gefühl.

Ganz verschwinden wird Sars-CoV-2 wohl allerdings auch mit der Impfung nicht – aber sie wird das Leben mit dem Coronavirus über kurz oder lang stark vereinfachen. Denn wenn die meisten Menschen vor einem schweren Verlauf geschützt sind, verlieren Covid-19 und das Coronavirus auch nach und nach ihre Bedrohlichkeit.

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