Aktualisiert: 05.01.2021 - 17:17

Corona und Co Vorsicht: Darum ist man nicht sofort nach einer Impfung immun

Ein kleiner Pieks und schon kann man nicht mehr krank werden? So schnell geht das nicht, man ist nicht direkt danach immun: Der Impfschutz muss sich erst aufbauen. Und das geht so:

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Ein kleiner Pieks und schon kann man nicht mehr krank werden? So schnell geht das nicht, man ist nicht direkt danach immun: Der Impfschutz muss sich erst aufbauen. Und das geht so:

Weltweit erwarten Menschen die Corona-Imfpung. Doch dabei taucht wieder einmal ein gefährlicher Irrglaube auf, der in diesem Fall durchaus Leben kosten könnte: Wir klären auf, warum man nicht direkt nach der Impfung immun ist und sich in den ersten Tagen durchaus noch anstecken kann.

Ein kleiner Pieks und schon kann die Krankheit einem nichts mehr anhaben. Schön, wenn es so wäre – aber weit am Funktionsprinzip von Impfungen vorbei. Denn eine Impfung wirkt nicht sofort. Der Impfschutz muss sich erst aufbauen, denn der Impfstoff bringt den Körper dazu, Abwehrstoffe gegen einen Krankheitserreger zu bilden. Das dauert einige Tage bis Wochen. In der Zwischenzeit kann man sich immer noch anstecken. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der hohen Infektionszahlen ist das wichtig zu wissen.

Impfschutz muss sich aufbauen: Deshalb wirkt eine Impfung nie direkt

Um zu verstehen, wie eine Impfung funktioniert, müssen wir uns die Reaktion unseres Körpers auf Krankheitserreger einmal genauer ansehen. Können Erreger wie Viren, Bakterien oder Pilze die Außenabwehr unseres Körpers wie die Hautflora oder mechanische Abwehrmechanismen wie Bronchialschleim oder Flimmerhärchen in den Atemwegen, Tränenflüssigkeit und Co durchdringen, kommt es auf unser Immunsystem an. Dieses schickt verschiedenste Zellen ins Rennen, um sich den Krankheitserregern anzunehmen, etwa T-Zellen, B-Zellen, Makrophagen.

Kennt das Immunsystem den Erreger bereits, ist es ein Leichtes, ihn zu bekämpfen. Dann werden genau die Abwehrzellen aktiviert, die dem Virus, dem Bakterium und Co den Garaus machen können. Ist der Erreger aber noch unbekannt, muss der Körper erst einmal Antikörper entwickeln, die zu diesem Erreger passen. Das dauert. Und machmal funktioniert das auch nicht ganz so gut aufgrund diverser Körperprozesse. So kann es etwa beim Coronavirus sein, dass der Körper keine optimale Immunantwort gegen das Virus generiert. Und: Bis die Antikörper entstehen, muss der Körper die Krankheit durchstehen.

Körper wird angeregt, Immunabwehr zu bilden – ohne Krankheit

Eine Impfung nimmt dies vorweg – und provoziert die richtige Immunantwort, ohne die Langzeitfolgen einer Erkrankung mitzubringen: Der Impfstoff enthält abgeschwächte Krankheitserreger, abgetötete Erreger oder, wie im Fall der mRNA-Impfstoffe, Bestandteile des Erreger-Genoms, die die Bildung von Antikörpern provozieren. Durch die Impfung wird der Körper also angeregt, selbst Abwehrstoffe zu bilden gegen einen Erreger, dessen Krankheit er noch nicht oder nur schlecht kennt (etwa durch Virusmutationen oder andere Veränderungen).

So kann der Körper dann später beim Kontakt mit dem tatsächlichen Erreger viel schneller reagieren und sogar den Ausbruch der Krankheit verhindern. Viren etwa können sich dann im Körper gar nicht erst reproduzieren, was dazu führt, dass der Geimpfte im besten Fall trotz Kontakt mit dem Virus selbst nicht mehr ansteckend ist. Haben diesen Schutz möglichst viele Menschen, können Krankheitserreger sogar ausgerottet werden – so, wie es etwa bei den Masern das Ziel ist. Und all das, ohne wirklich ernsthaft zu erkranken.

Impfschutz-Aufbau braucht manchmal mehrere Wochen

Doch da der Körper erst einmal lernen muss, wie auf den (im Vergleich zum Erreger) harmlosen Impfstoff und damit auf die entsprechenden Erregerbestandteile zu reagieren ist, braucht es seine Zeit, bis wirklich der vollständige Impfschutz vorhanden ist. Das kann je nach Impfstoff mehrere Wochen dauern. Manchmal sind mehrere Teilimpfungen notwendig – so wie bei der Impfung gegen FSME. Auch bei einigen der Corona-Impfstoffe ist dies der Fall: Die Vakzine von Biontech und Pfizer sowie von Moderna etwa müssen zweimal innerhalb von drei bis vier Wochen gegeben werden, damit der Impfschutz komplettiert wird. Und natürlich dauert es seine Zeit, bis das Immunsystem diesen Impfschutz aufgebaut hat. Entsprechend können sich frisch Geimpfte auch in den ersten Tagen nach einer Impfung noch immer infizieren und erkranken. Je größer der Impfschutz aber wird, desto mehr sinkt die Gefahr für schwere Erkrankungen.

Insbesondere während der Corona-Pandemie ist dieses Wissen wichtig. Das bedeutet nämlich: Auch wer geimpft ist, muss sich selbst weiter schützen – nebst dem Schutz anderer selbstverständlich.

Welche Arten von Impfstoffen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten, mit denen Geimpfte immunisiert werden können. Neben seltenen Passivimpfungen – zu denen kommen wir weiter unten – gibt es die aktive Imfpung, von der oben die Rede war: Hier wird das Immunsystem des Körpers angeregt, selbst aktiv zu werden. Es gibt dabei verschiedene Arten, die wir kurz erklären wollen:

Totimpfstoff: Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger oder deren Bestandteile – sogenannte Antigene (von "Antikörper generieren"). Diese können sich nicht mehr vermehren und die Krankheit auch nicht auslösen. Beispiele sind Impfstoffe gegen Grippe (Influenza), Keuchhusten (Pertussis) oder Kinderlähmung (Polio).

Lebendimpfstoff: Hier werden lebende, aber in ihrer Wirkung stark abgeschwächte Erreger gespritzt. Sie sind so schwach, dass auch sie die Erkrankung nicht auslösen können. Hier ist das bekannteste Beispiel die Masern-, Mumps-, Röteln- und Windpockenimpfung.

Bei beiden Arten wird so künstlich eine sehr schwache Form der Krankheit, gegen die geimpft werden soll, erzeugt. Das Immunsystem kann dann darauf reagieren und selbst Antikörper bilden. Es merkt sich die Erreger, da es den Schutz selbst aufbaut und kann so zukünftig schneller reagieren.

Daneben gibt es noch genbasierte Impfstoffe, die derzeit in aller Munde sind. Vektorviren-Impfstoffe gibt es bereits seit längerem etwa gegen Ebola oder das Dengue-Fieber.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe
So funktionieren mRNA-Impfstoffe

mRNA-Impfstoffe: Diese Form der Impfstoffe kommt nun im Rahmen der Corona-Impfungen erstmals bei Menschen zum Einsatz. Hierbei werden nur Teile der Erbinformation des Virus gegeben, nämlich die Messenger-RNA. Sie gibt den Körperzellen die Information mit, um Antigene, also kleine Teile des Virus selbst herzustellen. Antigene alleine sind ungefährlich. Die Impfung ist also statt ganzer Erreger eher eine Art Bauplan. Im Fall von Sars-CoV-2 wird so das Spike-Protein nachgebaut, das das Virus nutzt, um in Zellen einzudringen. Auf diese Antigene reagiert dann das Immunsystem und eine Immunantwort wird provoziert. Die mRNA, also der Bauplan, wird schnell wieder abgebaut. Am Ende bleibt der Infektionsschutz.

Vektorimpfstoffe: Hierbei werden harmlose Viren mit einem Gen des betreffenden Erregers versehen und dann gespritzt. Diese Viren können zwar in Zellen eindringen, vermehren sich aber nicht und machen nicht krank. Die befallenen Zellen produzieren eine gewisse Zeit lang anhand des Erreger-Gens Antigene, die eine Immunantwort provozieren. Ein Beispiel ist der Corona-Impfstoff von AstraZeneca, der mit Affen-Adenoviren arbeitet. Diese sind für uns Menschen ungefährlich.

Gegen Covid-19 werden verschiedenste Imfpstoffe entwickelt, darunter insbesondere mRNA- und Vektorimpfstoffe. Diese Corona-Impfstoffe sind schon da oder kommen bald.

Exkurs Passivimpfung: Und dann gibt es noch passive Impfungen. Bei diesen Impfungen werden direkt Antikörper gegeben. Diese Impfungen kommen dann zum Einsatz, wenn man schon mit einem gefährlichen Erreger infiziert ist und schnellen Schutz braucht. Diese Art der Impfung hält aber nicht lange an, das Immunsystem kann so nämlich kein Gedächtnis ausbilden. In Akutfällen, etwa bei Tollwut gibt es diese Möglichkeit bei manchen Krankheiten aber.

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Eine aktive Impfung wirkt also nicht sofort. Insbesondere jetzt heißt es daher also auch trotz Pieks: Weiter Abstand halten, Hygienemaßnahmen einhalten, Maske tragen und Kontakte einschränken, bis wir die Coronavirus-Pandemie gemeinsam eindämmen. Wer möchte, soll laut Jens Spahn übrigens bis Sommer 2021 die Impf-Möglichkeit bekommen.

Immerhin: Möglicherweise gibt es bald ein Mittel, das zumindest in Sachen Covid-19 die Lücke zwischen Impfung und Schutzwirkung schließt: AstraZeneca, das britisch-schwedische Unternehmen, das ebenfalls einen Corona-Impfstoff ins Rennen schickt, arbeitet gleichzeitig an einem Medikament, das sofort immun gegen Corona machen könnte, für einen gewissen Zeitraum – bis der durch die Impfung angeregte Immunschutz aufgebaut ist. Damit könnten Risikopatienten noch besser geschützt werden. Ebenso wäre dies interessant für die Menschen, die tatsächlich nicht geimpft werden können, weil sie etwa eine Krebstherapie erhalten, die das Immunsystem beeinträchtigt.

Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen: Hier lesen Sie Gründe von Impfgegnern, die mit bestem Gewissen widerlegt wurden.

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Quellen: Stiftung Gesundheitswissen über Impfungen, Deutsche Welle: So funktionieren Impfungen, Infektionsschutz.de über Corona-Schutzimpfungen, Gelbe Liste über Corona-Impfstoffe, Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) über Impfstoffe, Netdoktor über Vektorimpfstoffe

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