27.06.2020 - 19:21

Diese Fragen sollten Sie stellen Daran erkennen Sie seriöse Gesundheits-Apps

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Seriöse Gesundheits-Apps erkennen: So geht’s!

Seriöse Gesundheits-Apps erkennen: So geht’s!

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Smartphones sind gut für die Gesundheit! Zumindest können sie es sein, wenn Sie die richtigen Apps nutzen, z. B. um Krankheitsmuster zu erkennen.

Im Dschungel der App- und Play-Stores ist die Auswahl an kostenlosen und -pflichtigen Gesundheits-Apps groß und schnelllebig, das Angebot oft unübersichtlich. Tatsächlich hat rund jeder zweite Smartphone-Nutzer hierzulande eine oder mehrere Apps zum Thema Gesundheit und Fitness auf dem Handy, wie eine Studie des Digital-Verbandes Bitkom zeigt. Dabei ist es vor allem beliebt, seine Körper- und Fitnessdaten aufzeichnen zu lassen, wie z. B. Schritte zählen. Ausgefuchstere Anwendungen, die nicht nur messen, sondern darauf basierend auch Ratschläge geben, sind momentan noch weniger gefragt.

Die Bandbreite an digitaler Gesundheitsförderung wird sich jedoch in den kommenden Jahren stark entwickeln, nicht zuletzt durch die Corona-Krise. Natürlich gibt es die offizielle Corona-App, die die Ausbreitung der Pandemie kontrollieren soll. Aber auch Lifestyle und e-Health-Angebote wurden für viele Menschen wichtiger. Seit des landesweiten Lockdown Mitte März ist die Anzahl monatlicher Gesundheits- und Fitness-App-Nutzer sprunghaft um 16 Prozent gestiegen.

Die wichtigsten Fragen zur Wahl der Gesundheits-App

Umso wichtiger ist es, zu erkennen, welche Angebote wirklich seriös sind und einen tatsächlichen Nutzen haben. Die Verbraucherzentrale und hat hierfür einen Fragenkatalog als Orientierungshilfe erstellt, der Anhaltspunkte bietet, um die richtige Gesundheits-App für Ihre Bedürfnisse zu finden. Sie sollten sich fragen:

  • Welche Funktion soll die App erfüllen?

Dabei ist besonders wichtig, dass die tatsächliche Funktion mit der versprochenen übereinstimmt. Sie sollten auch bedenken, dass kostenlose Apps oft nur sehr begrenzte Funktionen in der Gratis-Version anbieten. Wer mehr will, muss zahlen.

  • Wer ist der Hersteller der App?

Je nachdem, wer für die Inhalte verantwortlich ist, können sich verschiedene Absichten an die App-Nutzer richten. Ein wissenschaftliches Institut, Mediziner oder Krankenkassen haben meist eher Aufklärung und Prävention als Ziele. Pharmaunternehmen und andere kommerzielle Urheber sind wahrscheinlich auch (indirekt) daran interessiert, ihre Produkte bekannt zu machen und zu verkaufen.

  • Wie wird die App finanziert?

Gerade kostenlose Apps finanzieren sich meist über Werbung bzw. Sponsoren und Datenhandel. Ein Zeichen für die Seriosität ist, wenn transparent erkennbar ist, wer Sponsoren bzw. Werbeträger sind.

  • Sind die Informationen verständlich?

Eine App nützt nur, wenn die medizinischen Ratschläge so aufbereitet sind, dass sie auch Laien verstehen. Manche Gratis-Angebote fallen zudem negativ auf, weil die Inhalte nur eine unzureichende Übersetzung ins Deutsche sind.

  • Sind die ausgegebenen Daten/Werte plausibel?

Wer Mess-Apps verwendet, sollte sie unbedingt zur Kontrolle erstmal mit den vom Arzt gemessenen Werten (z.B. Blutdruck) vergleichen. Eine gute App alarmiert außerdem bei kritischen Werten und rät zum Arztbesuch. Hier finden Sie außerdem eine Übersicht, was Ihre Blutdruckwerte aussagen.

Darauf kommt es beim Datenschutz an

Machen wir uns nichts vor, selbst kostenlose Apps bezahlen wir – mit unseren Daten. Gerade bei besonders sensiblen zur eigenen Gesundheit beunruhigt das viele Nutzer verständlicherweise. 2019 wurde beispielsweise bekannt, dass einige der beliebtesten Gesundheits-Apps der USA höchstpersönliche Informationen ungefragt an Facebook weitergaben. Das soziale Netzwerk wusste dadurch u.a., wann Nutzerinnen ihre Periode bekamen oder wie hoch der Blutdruck eines Anwenders war. Hundertprozentige Sicherheit kann es zwar nie geben, aber einige Punkte, die jeder checken sollte, bevor er eine Gesundheits-App verwendet.

  • Welche Informationen kann die App verlangen?
    Es kommt immer darauf an, was eine Gesundheits-App leistet – demnach braucht sie verschiedene persönliche Daten. Allerdings stehen nicht unbedingt alle Freigaben wirklich in Verbindung mit der Nutzung. Wenn zum Beispiel der Zugriff auf das Adressbuch verlangt wird, obwohl Schritte oder Kalorien gezählt werden, sollte man als Nutzer hellhörig werden. Fragen Sie sich, ob die geforderten Zugriffberechtigungen tatsächlich für die Funktion der App notwendig sind.
  • Werden Daten weitergegeben?
    Niemand liest sich die Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen bei jedem App-Download durch, bevor er auf "Zustimmen" geht. Ob Daten an Dritte weitergegeben werden, ist den wenigsten Nutzern klar. Eine weitere Frage ist, zu welchem Zweck die Daten weitergegeben werden – meistens soll besonders zielgerichtete Werbung damit erstellt werden.

Mit wem werden die Daten geteilt? So finden Sie’s raus!

Ob und mit wem eine App persönliche Infos teilt, können Sie herausfinden, indem sie die Einstellungen bzw. Ihr Profil aufrufen (je nach App unterschiedlich). Wir haben als Beispiel die App "Clue" getestet, die Frauen hilft, Ihren Zyklus nachzuverfolgen. Herauszufinden, wer welche unserer Daten bekommen hat, war nicht ganz einfach, und überraschend.

Unter dem Punkt "Mehr" kommt man auf das persönliche Profil mit Namen und E-Mail-Adresse. Ganz unten auf dem Screen findet man den Satz "Umgang mit deiner Privatsphäre". Wenn man daraufklickt, erscheint die ausführliche "Datenschutzerklärung von Clue". Dann heißt es scrollen. Unter dem Punkt "Wie und warum Clue Ihre persönlichen Daten verarbeitet" erfahren wir, dass Gesundheitsdaten zur Förderung der Forschung anonymisiert an Wissenschaftler weitergegeben werden. Ein weiterer Klick führt auf die "Clue"-Website und eine ausführliche Erklärung dazu – allerdings auf Englisch.

Dort ist angegeben, dass die Zyklusinformationen u.a. an Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Deutschland, der Oxford University in Großbritannien und der Stanford University in den USA übermittelt werden. Außerdem erklärt "Clue", ein "Minimum an Daten" an Werbenetzwerke weiterzugeben. Das seien nicht die Menstruations- und Gesundheitsdaten, was genau an wen preisgegeben wird, ist aber auf den ersten, und auch zweiten Blick nicht zu erkennen. Erst ein weiterer langer, englischer Artikel gibt Aufschluss darüber, dass Daten auch für Facebook-Werbung verwendet werden. Einfach war diese Information aber nicht zu finden, dabei ist "Clue" im Vergleich noch ein sehr transparenter Anbieter.

Neu ab 2020: Gesundheits-Apps auf Rezept

Auch die Krankenkassen haben erkannt, dass Digitalisierung gut für die Gesundheit ist. Meistens liegt der Fokus auf der Prävention, die Digital-Angebote sollen einen fitten, bewussten Lebensstil fördern aber auch Hilfe bei bereits bestehenden Krankheiten wird geboten. Einerseits haben die Kassen ihre eigenen Apps für ihre Versicherten entwickelt, andererseits kann man sich seit diesem Jahr erstmals kostenpflichtige Apps "verschreiben" und von der Krankenkasse bezahlen lassen.

Die Voraussetzungen laut Bundesgesundheitsministerium: Wichtig für die Kostenübernahme ist, dass der behandelnde Arzt die Gesundheits-App auf Rezept verschrieben hat. In Frage kommen nur solche Apps, die geprüft und im "Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen" des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind. Bislang (Stand Juni 2020) sind allerdings die meisten in Frage kommenden Apps noch in der Zulassungsphase, aber spätestens Ende des Jahres soll es richtig losgehen.

Fest steht: In Zukunft wird Gesundheit APPsolut digital.

Wenn Sie noch mehr über Gesundheits-Apps auf Rezept und Ihre Sicherheit wissen möchten, können Sie sich bei der Verbraucherzentrale über alles rund um e-Health informieren. Auch auf Smartwatches und deren Möglichkeiten für die Gesundheit und den Alltag lohnt es sich, einen Blick zu werfen. Migräne-Patienten kann ein App-Tagebuch helfen.

Mehr zur neuen Corona-Warn-App und tagesaktuelle Infos zur Covid-19-Pandemie finden Sie auf unserer großen Coronavirus-Themenseite.

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