24.02.2020

Der Pieks wird Pflicht Die Masern-Impfpflicht kommt – das müssen Sie jetzt beachten

Das muss man über die Masern-Impfpflicht wissen
Fr, 18.10.2019, 11.56 Uhr

Das muss man über die Masern-Impfpflicht wissen

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Ab 1. März gilt sie, die Impfpflicht gegen Masern. Jedes Kind, das eine Kindertagesstätte oder eine Schule besucht, sowie jeder Mitarbeiter von Lehr- oder Sozialeinrichtungen muss die Impfung nachweisen. Was bedeutet das jetzt?

Die Masern-Impfung gibt es schon sehr lange. Und sehr lange schon ist sie äußerst erfolgreich im Kampf gegen die Infektionskrankheit. Doch ausgerottet sind die Masern noch lange nicht – sie gehören zu den ansteckendsten Infektionen der Welt. Allein in Europa sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO im ersten Halbjahr 2019 etwa 90.000 Fälle registriert worden. Noch immer sterben Menschen an der Erkrankung, teilweise auch Jahre danach an einer der Spätfolgen. In Deutschland liegt die Impfquote bei Schulanfängern zwar bei über 90 Prozent. Doch das reicht nicht. Oft fehlt auch die zweite, wichtige Impfung – denn der Schutz erfolgt bei Masern erst, wenn zwei Impfungen verabreicht wurden. Daher wird ab 1. März 2020 die Masern-Impfpflicht eingeführt. Was Eltern und Beschäftigte in Bildungs- und Pflegeeinrichtungen jetzt wissen müssen:

Masern-Impfung wird Pflicht in Deutschland: Darum gibt es sie

Bisher ist es in Deutschland also nicht gelungen, die Impfquote zu erhöhen. Die muss aber über 95 Prozent steigen, um die Masern langfristig loszuwerden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt dazu: "Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen. Deshalb muss die Masern-Impfung in Kindergärten und Schule verpflichtend werden. Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. 95 Prozent der Bevölkerung müssen gegen Masern geimpft sein, damit diese hochansteckende Viruserkrankung ausgerottet werden kann. Das ist unser Ziel."

Wen betrifft die Impfpflicht gegen Masern?

Angesprochen sind jetzt vor allem Eltern, deren Kinder in Kindergarten oder Kindertagesstätte oder aber in der Schule sind. Künftig sind sie dazu verpflichtet, den Impfschutz der Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres zu garantieren. Zurzeit kann noch nachgeimpft und der Nachweis nachgereicht werden. Zukünftig werden aber weder Kita-Aufnahme noch Schulbesuch ohne Nachweis der vollständigen Masern-Impfung möglich sein.

Zudem sind Mitarbeiter von Gemeinschafts- und Betreuungseinrichtungen in die Masern-Impfpflicht einbezogen. Das betrifft also auch Mitarbeiter in Kinderbetreuungseinrichtungen wie Kitas, sowie Schulen (ausgenommen Erwachsenenbildung), Tagesmütter, aber auch Mitarbeiter von Asylbewerber- sowie Flüchtlingsunterkünften, wenn sie nach 1970 geboren worden sind. Ebenfalls geimpft sein müssen die Besucher und Bewohner der genannten Einrichtungen.

Weiter gilt die Impfpflicht für alle, die in medizinischen Einrichtungen arbeiten: in Krankenhäusern, Tageskliniken, Arztpraxen, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, in der ambulanten Pflege sowie bei vergleichbaren Dienstleistern – also bei allen, die mit potentiell körperlich geschwächten Menschen zu tun haben.

Wann muss ein Kind gegen die Masern geimpft werden?

Die Masern-Impfung erfolgt in zwei Dosen und ist als Kombinationswirkstoff außerdem gegen Mumps und Röteln wirksam. Sie kann außerdem mit der Impfung gegen Windpocken kombiniert werden.

  1. Die erste Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei Kindern zwischen elf und 14 Monaten.
  2. Die zweite Impfung sollte dann zwischen 15. und 23. Lebensmonat folgen.

Auch Eltern, die bisher nicht oder nur einmal geimpft worden sind, sowie Schulkindern, die bisher nur einmaligen Impfschutz haben, sollten sich gleich mitimpfen lassen.

Was ist zu tun, wenn das Kind vor Kita- oder Schulaufnahme noch nicht oder unzureichend geimpft ist?

Über den gelben Impfausweis (Impfpass) oder das Kinderuntersuchungsheft müssen Eltern vor Aufnahme ihrer Kinder in Kindergarten, Kita oder Schule nachweisen, dass das Kind geimpft ist. Für Erwachsene in Betreuungseinrichtungen gilt der Nachweis per Impfpass. Aber auch ein ärztliches Attest kann den Impfschutz oder eine Masern-Immunität nachweisen.

Ist das Kind bereits in Kindergarten oder Schule, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 vorliegen.

Wer sein Kind nachimpfen lassen muss, kann dies beim Kinderarzt oder beim Hausarzt machen lassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie oder Ihr Kind geimpft ist? Dann schauen Sie entweder selbst in Ihrem Impfpass oder dem des Kindes nach und suchen nach dem Kürzel "MMR" – das steht für "Masern, Mumps, Röteln" oder "MMR-V" für "Masern, Mumps, Röteln, Varizellen". Die Impfungen müssen zweimal vorliegen.

Was passiert, wenn das Kind nicht geimpft ist?

Ab 1. März 2020 bzw. spätestens ab 31. Juli 2021 gilt eine fehlende Impfung laut Gesetzgeber als Ordnungswidrigkeit – mit Bußgeldern bis zu 2.500 Euro. Und die Bußgelder können nicht nur gegen die Eltern bzw. die nichtgeimpften Mitarbeiter, sondern auch zusätzlich gegen die Leitung von Kindertagesstätten und Schulen verhängt werden, da sie Kinder ohne Impfung zugelassen haben.

Nicht geimpfte Kinder dürfen dann keinen Kindergarten besuchen oder können auch (temporär) von der Schule ausgeschlossen werden.

Wer als Beschäftigter der Impfpflicht nachkommen muss, kann mit einem Tätigkeitsverbot belegt werden. Eine Zwangsimpfung wird es aber nicht geben.

Gerade Eltern von Kindern sollten sich aber gut überlegen, ob sie ihr Kind wirklich nicht impfen lassen wollen. Denn eine Masernerkrankung selbst ist nicht nur unangenehm, sondern kann gefährlich werden. Die Masern bringen auch schwere Folgen mit, etwa Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder Gehirnentzündungen, auch mit tödlichen Spätfolgen.

Vielen Eltern wird noch immer Angst gemacht, weil sich das Gerücht, dass die MMR-Impfung Autismus auslöst, hartnäckig hält. Mittlerweile wurde mehrmals bewiesen, dass dem nicht so ist. Jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass eine Impfung in Einzelfällen zu Impfschäden führen kann. Die Gefahr ist jedoch wesentlich geringer als die, an Masern zu erkranken und eine der schweren Folgeerkrankungen zu entwickeln.

Zudem ist nicht nur das eigene Kind gefährdet, sondern auch andere ungeimpfte Kinder – allen voran Säuglinge unter zehn Monaten, die aufgrund ihres Alters noch nicht geimpft sind! Die Kinderkrankheit Masern ist übrigens auch für Erwachsene nicht ungefährlich.

Bei besonders ansteckenden Krankheiten gilt die Maßnahme einer Impfpflicht übrigens als gerechtfertigt, um den Gesundheitsschutz Dritter zu gewährleisten und eine drohende Seuchengefahr wirksam abzuwehren, heißt es seitens Bundesverwaltungsgericht.

Schon gepiekst? Die wichtigsten Impfungen im Überblick! Mehr über Impfungen finden Sie auf unserer Themenseite.

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