Aktualisiert: 12.09.2021 - 12:10

Körpereigene Prozesse Lungenkrebs: Nicht nur Raucher sind gefährdet

Nicht rauchen und trotzdem an Lungenkrebs erkranken? Das ist leider möglich. Jetzt wissen Forschende auch, woran das liegen kann, und identifizieren drei Prozesse im Körper.

Foto: Getty Images/SHUBHANGI GANESHRAO KENE

Nicht rauchen und trotzdem an Lungenkrebs erkranken? Das ist leider möglich. Jetzt wissen Forschende auch, woran das liegen kann, und identifizieren drei Prozesse im Körper.

"Der hat nie geraucht und trotzdem jetzt Lungenkrebs!" Dieser Satz stammt gerne von passionierten Raucher:innen. Klar: Nicht jede rauchende Person erkrankt an Krebs, nicht jeder gesund lebende Mensch bleibt ewig gesund. Es ist immer eine Sache des Risikos. Lungenkrebs kann aber auch ohne äußerliche Einflüsse entstehen.

Ja, auch Menschen, die sich keinen oder wenigen Risikofaktoren aussetzen, erkranken gelegentlich an Krebsarten, die durch äußerliche Faktoren ausgelöst werden können. Ein Beispiel dafür ist Lungenkrebs. Gilt die Krebserkrankung als typisches Risiko unter Rauchenden, können auch rauchfreie Personen daran erkranken. Jetzt konnten Forschende herausfinden, warum auch nichtrauchende Menschen an Lungenkrebs erkranken – und wie man, darauf aufbauend, die Früherkennung und Behandlung optimieren könnte.

Nichtraucher:in und trotzdem Lungenkrebs: Daran liegt's

Für 80 bis 90 Prozent aller an Lungenkrebs erkrankten Menschen lässt sich die Ursache aufs Rauchen oder auf Schadstoffe aus der Umgebungsluft, etwa Feinstaub, Asbest und Co, zurückführen. Doch was ist mit den verbleibenden zehn bis 20 Prozent der Betroffenen? Manche Erkrankte haben zeitlebens nicht geraucht oder kamen auch nachweislich nicht oder nur wenig mit Luftschadstoffen in Kontakt. Woher kommen in diesen Fällen die Veränderungen in der Lunge?

Damit hat sich nun ein Forschungsteam des US National Cancer Institute befasst. Das Team um Maria Teresa Landi hat dazu einen systematischen Genomvergleich gemacht. Das Ergebnis ist nun in der Fachzeitschrift Nature Genetics erschienen.

Für ihre Studie haben die Forschenden Tumorzellen von 232 Nichtraucher:innen analysiert, die allesamt an Lungenkrebs erkrankt waren. Davon litten 189 am sogenannten Adenokarzinom, das zu den am häufigsten diagnostizierten Lungenkrebstypen gehört. Das Ergebnis: Manchmal verändern körpereigene Prozesse die Lungenzellen.

Wenn Lungenzellen mutieren und der Körper schuld ist...

Die Wissenschaftler:innen haben sich angeschaut, wie die Zellen bei nichtrauchenden Patient:innen mutieren und welche Ursachen Genveränderungen haben. Durch solche Mutationen verändern sich Lungenzellen demzufolge. Ausgelöst werden die Mutationen aber in den untersuchten Fällen nicht durch äußerliche Faktoren wie Zigarettenrauch, sondern durch Vorgänge im Körper selbst. Ursächlich sind vielmehr Kopierfehler, DNA-Schäden durch oxidativen Stress oder eine nicht vollständige DNA-Reparatur.

Unter anderem kann dies auch durch Viruserkrankungen (etwa das Humane Papillomavirus) oder hormonelle Einflüsse passieren. Aber auch Schadstoffe wie Küchenabgase oder Radon können beeinflussend sein und bei Nichtrauchenden zu Lungenkrebs führen.

Diese drei Unterarten von Lungenkrebs bei Nichtraucher:innen gibt's

Lungenkrebs äußert sich bei nichtrauchenden Menschen also anders als bei rauchenden. Drei verschiedene Subtypen sind bekannt. Alle unterscheiden sich im Verlauf und im Muster ihrer Mutationen, haben die Forschenden festgestellt:

"Piano": Ist für die Hälfte der Lungen-Tumore bei Nichtraucher:innen verantwortlich, meist ausgelöst durch Mutationen in Lungenstammzellen, die ihren Ruhezustand verlassen. Meist gibt es nur wenige Mutationen, erste Entartungen treten mitunter schon viele Jahre vor der Diagnose auf, schreibt Landi. Sie entwickeln sich nur langsam – ein großer Vorteil für die Früherkennung.

"Mezzo-Forte": Bringt schnelleres Wachstum mit und ist für rund 30 Prozent der Erkrankungen verantwortlich. Hier verändern sich Chromosomen – oder sie werden mehrfach kopiert. Es gibt mehr oder umfangreichere Mutationen.

"Forte": Die restlichen 20 Prozent wachsen deutlich schneller. In fast allen Zellen verdoppelt sich hier das gesamte Genom – ein Hinweis auf Probleme bei der Zellteilung.

Bessere Früherkennung und gezieltere Therapie

Das "Gute": Subtypen zwei und drei entstehen den Expert:innen zufolge meist aus einer einzelnen entarteten Vorgängerzelle. Das macht sie genetisch homogener, sagt Landi: "Dies könnte ihre Identifizierung mit nur einer Biopsie vereinfachen und ihre Therapie erleichtern."

Wir haben also einen langsam voranschreitenden Typ, der mit Früherkennung möglicherweise gut zu entdecken und früh erkannt besser zu behandeln ist, sowie zwei schneller wachsende Typen, die aber schnell identifizierbar und damit möglicherweise auch gezielter therapierbar sind. "Unsere Analyse belegt, dass es bei Nichtrauchern erhebliche Unterschiede zwischen den Tumoren geben kann. Das ermöglicht es, in Zukunft gezieltere Ansätze für ihre Behandlung zu entwickeln", schließt Landi.

Lungenkrebs ist weltweit eine der häufigsten Krebs-Todesursachen, auch weil die Diagnose oft erst spät erfolgt.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland
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Wichtig ist und bleibt eine Früherkennung. Sollten Sie Lungenkrebs-Symptome bei sich feststellen, sollte daher schnellstmöglich eine Untersuchung bei Lungenfachärzt:innen folgen. Noch besser ist es, sich regelmäßig untersuchen zu lassen, denn Symptome zeigen sich oft erst spät.

Wie kann man sich nun selbst gegen den Krebs schützen? Einen sicheren Leitfaden gibt es da leider nicht. Doch es gibt ein paar Dinge in der Lebensführung, die sich anpassen lassen. Neben Rauchverzicht aus offensichtlichen Gründen lohnt auch der Verzicht auf andere Zellgifte wie Alkohol. Aber auch eine ausgewogene Ernährung kann helfen, den Körper bei der Regeneration zu unterstützen. So können Lebensmittel mit Antioxidantien helfen, DNA-Schäden durch oxidativen Stress zu verhindern. Und auch regelmäßige Bewegung tut gut.

Studie: Landi, Zhwang et al. (Nature Genetics, September 2021): "Genomic and evolutionary classification of lung cancer in never smokers"

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