Aktualisiert: 05.09.2021 - 14:18

Mütterliche Hormone Hexenmilch: Warum geben manche Babys Milch?

Zeigt Ihr Neugeborenes das Phänomen Hexenmilch, ist ganz normale Hygiene angesagt.

Foto: Getty Images/Subin Pumsom / EyeEm

Zeigt Ihr Neugeborenes das Phänomen Hexenmilch, ist ganz normale Hygiene angesagt.

Für frischgebackene Eltern ist das Phänomen erschreckend: Manche Neugeborenen sondern über ihre Brustwarzen eine milchähnliche Flüssigkeit ab – die sogenannte Hexenmilch. Was ist das und ist das gefährlich?

Es ist egal, ob Mädchen oder Junge – manche Neugeborene geben Milch! Ihre Brustwarzen sondern eine weißliche Flüssigkeit ab, die sogenannte Hexenmilch. Die gute Nachricht: Das Phänomen ist in aller Regel harmlos und verständlich, hat man den Prozess dahinter einmal erfahren. Dennoch sollten Eltern, deren Kind davon betroffen ist, ein Auge darauf haben.

Der Grund für Hexenmilch bei Neugeborenen sind wahrscheinlich Hormone

Hexenmilch – also Milchaustritt bei Neugeborenen – ist eine Form der Galaktorrhoe, dem Austritt von Muttermilch oder muttermilchartigem Sekret aus der Brust, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt. Der Unterschied: Während klassisches Galaktorrhoe in der Regel weibliche Säugetiere betrifft, kann Hexenmilch auch bei neugeborenen Jungen auftreten, nicht nur bei Mädchen.

Meist schwellen die Brustdrüsen bei betroffenen Kindern ein paar Tage nach der Geburt an. Kurz danach tritt die sonderbare Flüssigkeit auf. Warum genau das passiert, ist nicht hundertprozentig geklärt, doch es gibt eine Erklärung, die mittlerweile von den meisten Mediziner:innen als naheliegendste wahrgenommen wird: Mütterliche Hormone!

Eine werdende Mutter gibt nämlich während der Schwangerschaft über die Platzenta Hormone an ihr Ungeborenes ab. Auch solche, die sie während der Schwangerschaft produziert, um den Körper aufs Stillen vorzubereiten, nämlich klassischerweise Östrogen, aber auch Prolaktin. Kurz vor der Geburt wird nochmal extra viel der beiden Hormone ausgestoßen, die dann eben auch noch auf das Kind übergehen können.

Ist das Kind dann auf der Welt und hat viele Hormone abbekommen, kann es eben vorkommen, dass die Brustdrüsen des Neugeborenen anschwellen und die Hexenmilch ausstoßen.

Andere Erklärung: Unbedenkliche Hirn-Fehlfunktion

Andere Expert:innen vermuten, dass eine Fehlfunktion im Gehirn verantwortlich sein könnte, genauer gesagt ein Fehler in der Hirnanhangdrüse des Babys. Die könnte nach der Geburt selbst Prolaktin produzieren, das dann für die Milchproduktion verantwortlich ist. Allerdings gibt es zu diesem Denkansatz noch keine wissenschaftlich belegten Studien.

Merken Kinder das Phänomen Hexenmilch selbst?

Eltern können beruhigt sein: Neugeborene, die Hexenmilch produzieren, leiden nicht unter Schmerzen. Das Phänomen bildet sich außerdem in der Regel nach wenigen Tagen oder höchstens ein paar Wochen selbstständig wieder zurück. In seltenen Fällen kann das bis zu sechs Monate dauern, jedoch bleiben normalerweise keine Schäden zurück.

Dennoch ist es natürlich verständlich, wenn Eltern verunsichert sind. Ein Gespräch mit Kinderärzt:innen oder Hebammen ist daher immer eine gute Wahl. So kann auch mithilfe von Ultraschall festgestellt werden, wie groß die Milchdrüsen tatsächlich angewachsen sind und wie lange das Phänomen anhält – oder ob es doch eine sehr seltene Komplikation gibt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Leider ist es ja immer so: Ganz ausgeschlossen werden können Komplikationen nie. Denn während des Hexenmilch-Ausstoßes sind die Brustwarzen des Kindes offen. Hier können bei schlechter Pflege Krankheitserreger eindringen und etwa eine Brustdrüsenentzündung oder Brustentzündung (Mastitis) auslösen. Solche Entzündungen müssen mit Antibiotika behandelt werden – und die möchte man einem Neugeborenen möglichst ersparen.

Es ist daher immer ratsam, mit Kinderärztin oder Kinderarzt über das Phänomen zu sprechen und regelmäßig Untersuchungen anzusetzen. Halten Sie die Brustwarzen Ihres Kindes außerdem möglichst sauber. Das heißt nicht, dass Sie sie übertrieben waschen müssen. Es reicht aus, das Baby in ganz normalem Umfang zu waschen und Wattepads auf die Brustwarzen zu legen. Die fangen nicht nur die Flüssigkeit auf, sondern verhindern auch, dass Kleidung an den geschwollenen Brustwarzen reibt und sie noch empfindlicher macht. Wichtig ist nur, dass Sie diese Pads regelmäßig wechseln.

Wichtig: Lassen Sie die Hexenmilch bitte immer ganz natürlich ablaufen und drücken Sie sie bitte niemals heraus! Das würde Ihrem Kind nur unnötige Schmerzen zufügen und erst recht eine Brustwarzenentzündung provozieren. Schließlich sitzen auch auf Ihren Händen gewisse Bakterien und Erreger. Fassen Sie die Brustwarzen Ihres Neugeborenen daher möglichst wenig an – und wenn, dann nur mit gründlich gewaschenen Händen. Auch zum Wechseln der Wattepads sollten Sie sich immer zuvor die Hände waschen.

Woher kommt der Begriff "Hexenmilch" überhaupt?

Damit wäre geklärt, dass Hexenmilch ein normalerweise harmloses und vor allem nicht ungewöhnliches Phänomen ist, das sich gut erklären lässt. Der Name des Phänomens allerdings stammt aus Zeiten, in denen diese Erklärung noch nicht so verständlich war – geschweige denn überhaupt vorhanden.

Erste Berichte über Babys mit Hexenmilch gibt es nämlich schon seit dem 16. Jahrhundert. Und auch darüber hinaus dürfte das Phänomen schon aufgetreten sein. Damals aber wusste man noch gar nicht, was Hormone überhaupt sind und wie so ein Körper überhaupt funktioniert. Stattdessen standen Aberglauben und Angst ganz oben, wenn etwas nicht der bekannten Normalität entsprach.

Die damals logische Schlussfolgerung: Es musste Hexerei sein! So gibt es Überlieferungen, dass Hexen mit einem Zauber Vögel dazu gebracht haben sollen, Babys zu befallen. Die wiederum sollen später ein giftiges Sekret aus der Brust ausgestoßen haben: die Hexenmilch.

Schön ist dieser Name natürlich nicht, wenn man das Phänomen dahinter nicht kennt. Er trägt damit leider zur Verunsicherung von Eltern bei.

Sie haben kürzlich ein Baby auf die Welt gebracht? Dann sollten Sie sich über die richtige Ernährung beim Stillen informieren.

Neugeborene und Babys sollten immer regelmäßig medizinisch betreut werden, um möglichen Krankheiten schnell den Garaus zu machen. So kann beispielsweise Mukoviszidose, früh erkannt, gut behandelt werden, so dass betroffene Kinder möglichst wenig Einschränkungen im weiteren Leben haben.

Keinkinder sind allerdings sehr anfällig für Infektionskrankheiten. So gefährlich ist Herpes bei Babys. Und wie ist das eigentlich? Kann man das Risiko für plötzlichen Kindstod senken?

Quellen: Gebauer-Sesterhenn, Praun: Das große GU Baby Buch (2. Auflage, 2005, S. 54), korasion 02/2017, focus.de

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