Aktualisiert: 03.09.2021 - 13:02

Auch als Covid-Schutz Grippe 2021: Die Impfungen gehen los

Schwangere profitieren von der Grippeimpfung, empfohlen wird sie daneben vor allem Senior:innen. Ab sofort sind die ersten Grippeimpfstoffe für die Saison 2021/22 verfügbar. Und sie könnten sogar vor schweren Covid-19-Auswirkungen schützen.

Foto: Getty Images/Ariel Skelley

Schwangere profitieren von der Grippeimpfung, empfohlen wird sie daneben vor allem Senior:innen. Ab sofort sind die ersten Grippeimpfstoffe für die Saison 2021/22 verfügbar. Und sie könnten sogar vor schweren Covid-19-Auswirkungen schützen.

Die diesjährige Grippesaison könnte aufgrund der Öffnungsschritte im Rahmen der Pandemie wieder etwas heftiger ausfallen als die vergangene, die ja per se ausgefallen ist. Ab sofort gibt's die ersten Impfstoffe. So oder so ist die Grippeimpfung eine gute Idee – sie kann nämlich auch die Gefahr für Komplikationen bei Covid-19 verringern.

Man könnte fast meinen, die Grippe gibt es nicht mehr. Schön wär's. Aufgrund der weitreichenden Maßnahmen gegen Covid-19 – insbesondere Lockdown und Masken, Abstand und Hygiene – ist die Grippewelle 2020/21 quasi ausgefallen. Nun, da bereits mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft ist und trotz steigender Inzidenzen wohl kein weitreichender Lockdown mehr folgt, haben aber auch wieder andere Erreger neben Coronavirus Sars-CoV-2 gute Karten, sich auszubreiten. Die Grippesaison steht an – und ab sofort sind die ersten Grippeimpfstoffe für 2021/22 verfügbar. Wer von der Impfung jetzt profitiert.

Grippesaison 2021/22 geht los: Diese Personen sollten sich impfen lassen

Der Herbst ist standardmäßig Start der Grippesaison. Als typisch saisonal auftretender Erreger mögen es Grippeviren nämlich lieber kühl und feucht. Wie heftig die Grippe ausfallen kann, haben wir zuletzt in der besonders starken Welle der Saison 2017/18 gespürt. Über die Saison starben Schätzungen zufolge rund 25.100 Menschen an den Folgen der Influenza.

Seitdem sind Grippeimpfstoffe etwas gefragter, unter anderem, weil sie mittlerweile statt nur noch drei jetzt vier Virenstämme abfangen und damit die Wirkungs-Chance erhöhen. Denn Grippeviren wandeln sich schnell, nicht immer deckt die Impfung die Stämme ab, die sich letztendlich durchsetzen. Doch die Trefferquote ist mittlerweile recht hoch.

Nach einem regelrechten Run auf die Impfstoffe im Frühherbst letzten Jahres – auch zum Schutz vor doppelter Infektion mit Influenza und Coronavirus – sollten die Impfstoffe nun früher bereit stehen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, hat nun die ersten Grippe-Impfstoffe freigegeben. Bis Ende August wurden die ersten 10,7 Millionen Dosen geprüft. Insgesamt sollen für die Saison 2021/22 neun Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Unter den ersten verfügbaren Impfstoffen ist das Vakzin Fluad Tetra von Seqirus zu finden, das speziell für Senior:innen zugelassen ist. Ihnen wird die Grippeimpfung ganz besonders empfohlen, da sie aufgrund eines oft schwächeren Immunsystems dem Risiko schwerer Grippeverläufe ausgesetzt sind.

Erster Hochdosis-Impfstoff für Senior:innen kommt

Zusätzlich gibt es weitere Präparate von Seqirus sowie unter anderem von Glaxo-Smith-Kline und AstraZeneca. Für Personen ab 60 Jahren aber dürfte noch ein weiterer Impfstoff eine große Rolle spielen. Das Vakzin Efluelda von Sanofi ist der erste Hochdosis-Impfstoff, auf den Menschen ab 60 nach einer Entscheidung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nun einen Anspruch haben.

Laut einer Mitteilung von Sanofi-Pasteur soll das Vakzin ab Mitte September im Großhandel verfügbar sein. Der Rest folge dann Mitte Oktober. Insgesamt ist geplant, dass zusätzlich zu den bereits vorbestellten Mengen noch zwei Millionen weitere Dosen verfügbar sein. Ärztinnen und Ärzte können aber in diesem Jahr auch noch auf einen der regulären tetravalenten Impfstoffe – also Vierfachimpfstoffe – ausweichen und Senior:innen mit diesen impfen, wenn Efluelda nicht verfügbar ist.

Wer von der Grippeimpfung profitiert

Angeboten werden nur noch Vierfachimpfstoffe, da sie sicherer wirken als die vorherigen Dreifachimpfstoffe. Empfohlen wird die Grippeimpfung seitens der Ständigen Impfkommission (Stiko) älteren Personen ab 60 Jahren, im Grunde profitieren aber alle Menschen mit sozialen Kontakten, insbesondere immungeschwächte Personen, Menschen, die im medizinischen Bereich oder in Bereichen mit erhöhter Exposition arbeiten sowie Kinder und Jugendliche. Für letztere gilt laut Stiko zwar keine generelle Empfehlung, Experti:innen, unter anderem von der Stiftung Warentest aber empfehlen sie trotzdem, da gerade Kinder und Jugendliche durch ihre meist ausgeprägte Immunantwort sehr gut durch die Impfung geschützt sind, aufgrund vieler sozialer Kontakte aber auch stark an der Verbreitung der Viren teilhaben.

Auch Schwangeren wird die Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Liegt ein Grundleiden vor, das das Risiko schwerer Influenza erhöht, darf die Impfung schon ab dem ersten Drittel gegeben werden.

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Studie: Grippe-Impfstoffe könnten auch vor schweren Covid-19-Folgen schützen

Nachdenken über die Impfung sollten zudem offenbar alle, die sich nicht gegen Covid-19 schützen lassen können oder noch zögern. Einer aktuellen Analyse zufolge kann die Impfung gegen die saisonale Grippe nämlich auch vor schweren Folgen einer Coronavirus-Infektion schützen. Das Risiko für Hospitalisierung, Sepsis und Schlaganfall ist demnach bei Grippe-Geimpften deutlich reduziert.

Für die Studie hat ein Team aus Forschenden rund um Susan M. Taghioff von der University of Miami Daten von fast 74.900 Patient:innen aus mehreren Ländern ausgewertet. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal "PLoS One" erschienen. Eine Hälfte der hinsichtlich Alter, Geschlecht, Ethnie, Rauchgewohnheit und Komorbiditäten vergleichbaren Proband:innen war sechs Monate bis zwei Wochen vor einer Covid-19-Infektion gegen Grippe geimpft worden, die andere Hälfte nicht.

Nicht gegen Grippe Geimpfte zeigten ein um bis 20 Prozent höheres Risiko für eine Hospitalisierung durch schweres Covid-19. Das Risiko für intensivmedizinische Behandlung lag bis zu 58 Prozent höher, das für eine Sepsis bis zu 45 Prozent und auch das Risiko für einen durch Covid-19 ausgelösten Schlaganfall war erhöht. Nur Unterschiede in der Mortalität gab es der Forschungsgruppe zufolge keine.

Man wisse nicht, wie genau die Grippeimpfung vor schweren Folgen einer Coronavirus-Infektion schütze. Eventuell sei die aktivierte Immunabwehr ausschlaggebend. Klar stellen sie: So gut wie die Corona-Impfstoffe schützen die Grippeimpfstoffe nicht vor schwerem Covid-19. Doch sie könnten als Überbrückung genutzt werden, bis weltweit genügend Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist. Denn auch wenn in Ländern wie Deutschland schon ein großer Teil den Impfschutz erhalten hat, fehlt er in vielen Teilen der Erde noch.

Die Studie ist übrigens nicht die erste ihrer Art. Schon länger prüfen Forschende weltweit, ob die Grippeimpfung auch vor schwerem Covid-19 schützt. Und auch wenn der Effekt einer Grippeimpfung gegen Covid-19 geringer sein sollte als gedacht, helfen Grippeimpfungen zumindest dabei, nicht zeitgleich nebst Coronavirus-Pandemie noch eine heftige Grippewelle laufen zu lassen.

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Das erste Mal seit fast 30 Jahren ist die Grippewelle in Deutschland zuletzt ausgefallen. Doch aufgrund weggefallener Corona-Maßnahmen, aber auch des nun fehlenden Grippe-Immunschutzes ist damit in der kommenden Saison weniger zu rechnen. Eine Impfung gegen die Grippe ist insbesondere für die oben genannten Gruppen daher ratsam. Sprechen Sie dazu am besten mit Ihren behandelnden Ärzt:innen.

Seit Monaten wird heftig über Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe diskutiert. Aber wie sieht es eigentlich mit Nebenwirkungen bei der Grippeimpfung aus?

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Bei den Grippeimpfstoffen, die in Deutschland bislang zugelassen sind, handelt es sich übrigens meist um sogenannte Totimpfstoffe, also Vakzine, die inaktivierte Viren oder Bestandteile von Viren enthalten. Hochwirksame Impfstoffe, die vor allem für Senior:innen geeignet sind, enthalten meist noch Wirkverstärker (Adjuvantien) oder Antigene. Für Kinder gibt es zusätzlich einen Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Viren enthält, aber als Spray über die Nase verabreicht werden kann. Währenddessen arbeitet unter anderem Impfstoffhersteller Moderna an einem mRNA-Impfstoff gegen die Grippe. Zukünftig könne sogar ein Präparat auf den Markt kommen, das sowohl gegen Covid-19 als auch Influenza schützt.

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