Aktualisiert: 18.08.2021 - 18:55

Das DKFZ informiert Krebs alternativ behandeln: Kann das wirklich funktionieren?

Von der Redaktion

Meditation und Entspannung können die kräftezehrende Krebsbehandlung durchaus erträglicher machen. Doch wie sieht es mit anderen komplementären und vor allem alternativen Methoden aus, die versprechen, den Krebs direkt zu bekämpfen? Wo Sie aufpassen sollten.

Foto: Getty Images/Fly View Productions

Meditation und Entspannung können die kräftezehrende Krebsbehandlung durchaus erträglicher machen. Doch wie sieht es mit anderen komplementären und vor allem alternativen Methoden aus, die versprechen, den Krebs direkt zu bekämpfen? Wo Sie aufpassen sollten.

Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Verständlich, dass Betroffene sich an jeden Strohhalm klammern, um die Krankheit zu überwinden. Neben medizinischen Krebstherapien rücken da immer wieder sogenannte komplementäre und alternative Methoden in den Fokus, die sanfte Heilung versprechen. Doch passen "sanft" und "Krebs heilen" überhaupt zusammen?

Eine bestimmte Heilpflanze einnehmen, meditieren und mit Willenskraft den Körper zur Heilung antreiben oder den Krebs sogar einfach wegessen: So schön das klingt – können solche alternativen Heilmethoden gegen Krebs wirklich funktionieren? Das Interesse für derlei komplementäre und alternative Methoden zur Krebsheilung, kurz KAM, ist stark. Schließlich kann man so selbst etwas tun – und es nährt die Hoffnung, die durchaus unangenehmen Nebenwirkungen einer Krebstherapie nicht miterleben zu müssen. Da kommt jedes sanft anmutende Heilsversprechen genau richtig. Aber ist es das auch? Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mahnt in einem Schreiben zu Vorsicht.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland
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Krebs alternativ heilen: Von sanften Versprechen zu umstrittenen und schädlichen Methoden

Traditionelle Heilverfahren, biologische Methoden, Naturmedizin: All das klingt nach Heilung ohne große Nebenwirkungen. Ein Wunsch, der gerade bei Krebspatient:innen groß ist – verständlicherweise. Aber KAM sind umstritten. Sie mögen in manchen Fällen neben regulärer Krebstherapie hilfreich sein, heißt es in einzelnen subjektiven Erfahrungsberichten. Doch klappt das? Und was, wenn die alternative Methode der medizinischen Methode vorgezogen wird und so wertvolle Behandlungszeit verloren geht? Oder die als sanft angepriesene Heilmethode doch gar nicht so sanft ist?

Was sind komplementäre und alternative Methoden zur Heilung überhaupt?

Aber was soll das überhaupt heißen, komplementäre und alternative Methoden? Zu KAM gibt es sogar eine Definition, die vom US-amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitut stammt, sich aber gut übersetzen lässt: Das DKFZ schreibt: Zu den KAM gehören Methoden, "die nicht dem medizinischen Standard entsprechen und entweder an Stelle (alternativ) oder zusätzlich (komplementär) zur Standardbehandlung angewendet werden."

Anders als die Standardtherapie, die leider gerne als "Schulmedizin" bezeichnet wird – dieser Begriff stammt jedoch vermutlich aus Homöopathiekreisen, wurde während der NS-Zeit etabliert und sollte vermieden werden, es handelt sich einfach um geprüfte medizinische Therapien, deren Nutzen und Risiken belegt sind, weshalb der Begriff "wissenschaftlich orientierte Medizin" vorgeschlagen wird –, gibt es in der Regel keine klaren Hinweise auf Wirksamkeit oder gar Schädlichkeit.

Gibt es sinnvolle KAM? Misteltherapie im Fokus

Therapien, die sich zu den KAM hinzuzählen lassen, gibt es einige. Manche zeigen Studien zufolge tatsächlich positive Einflüsse auf die Lebensqualität, was die Standardtherapie entsprechend unterstützen kann. Dazu gehört die Misteltherapie, die als komplementäre, also begleitende Therapie eingesetzt wird. Sie ist eine der bekanntesten komplementären Methoden in der Krebsbehandlung. Eigentlich gehört sie zur anthroposophischen Lehre. In den vergangenen Jahren konnte der Mistel als Heilpflanze allerdings eine tatsächliche Wirkung bestätigt werden. Sie gehört bis heute zu den am besten untersuchten Heilpflanzen, schreibt das ONKO Internetportal.

Es wird allerdings zwischen Präparaten der Pflanzenheilkunde unterschieden, die einen standardisierten Gehalt an isoliertem Mistellektin, einem Stoff in der Mistel, enthalten und die konstant dosiert eingenommen werden, sowie zwischen anthroposophischen Mistelpräparaten. Hier kommen verschiedene Mistelsorten in unterschiedlicher Dosierung entsprechend des Befindens der Patient:in zum Einsatz.

Die Misteltherapie kann allerdings durchaus selbst Nebenwirkungen mitbringen, da die Mistel als Heilpflanze das Immunsystem anregt und daher Beschwerden wie Entzündungen oder gar grippeähnliche Symptome hervorrufen kann. Zudem sollte sie als Immunanreger nicht bei Krebsarten angewendet werden, die vom Immunsystem ausgehen, etwa Leukämie oder Lymphome. Vor der Anwendung sollten Betroffene immer mit ihren Ärzt:innen sprechen!

Vorsicht: Da anthroposophische Medizin aufgrund der in Deutschland geltenden Gesetzeslage anderen Regeln unterliegt als die wissenschaftlich orientierte Medizin, darf sie auch ohne Nachweis zu Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vertrieben werden. Daher sollten Sie sich immer gründlich mit dem auseinandersetzen, was Sie da einnehmen.

Was ist mit anderen Methoden?

Für Therapien wie Homöopathie, Ayurveda, Zen-Meditation oder gar Nahrungsergänzungsmittel und Krebs-Diäten lässt sich der Nutzen bislang nicht nachweisen. Es gibt zwar Ernährungsformen, die das Allgemeinbefinden bei Krebs verbessern können. Auch Meditation oder ayurvedische Kräuter und Methoden können guttun. Doch das Empfinden ist immer subjektiv, und all diese Methoden sollten keinesfalls als Ersatz gesehen werden.

Gerade bei KAM aus der Naturmedizin wiederum, aber auch bei speziellen Ernährungsformen lassen sich Risiken zudem nicht ausschließen. Wo es der Homöopathie an Wirksamkeit fehlt, hat die Naturmedizin mitunter zu starke Wirksamkeiten in petto und sollte niemals unterschätzt werden.

Im Vergleich: Die Wirksamkeit und auch die Risiken der klassischen Krebstherapien aus der wissenschaftlich orientierten Medizin sind allesamt in klinischen Studien belegt und protokolliert. Das DKFZ betont daher, dass sie als die aktuell beste und daher empfohlene Therapie gilt.

Wann KAM problematisch werden können

Doch die Frage nach komplementären und auch nach alternativen Methoden taucht immer wieder auf, bestätigt das Forschungszentrum. Das ergeben regelmäßige Umfragen. "Die Motivation der Krebspatientinnen und -patienten ist verständlich. Oft schwingen Ängste vor Nebenwirkungen durch die Krebstherapie mit oder das Gefühl, nicht alle Möglichkeiten voll auszuschöpfen", erklärt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes.

Die Expert:innen des DKFZ betonen: Der Einsatz von KAM ist dann besonders problematisch, wenn dadurch auf eine Standardtherapie verzichtet wird. Aber auch bei komplementären Methoden muss vorher über mögliche Wechselwirkungen, verstärkte Nebenwirkungen oder andere Probleme aufgeklärt werden. Weg-Remers rät: "Daher ist es wichtig, im Arztgespräch offen über KAM zu sprechen. Machen Sie deutlich, warum Sie noch etwas Zusätzliches tun möchten oder nach einer Alternative zu Ihrer bisherigen Therapie suchen. Nennen Sie Beispiele für komplementäre und alternative Heilmethoden gegen Krebs, von denen Sie gehört haben, dann können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte leichter recherchieren, was über Nutzen und Risiken bekannt ist."

Ganz wichtig: Misstrauen Sie immer Anbietern, die Hilfe gegen jegliche Krebsarten versprechen oder überzeugen wollen, dass ihr Mittel in jedem Krankheitsstadium hilft. Krebs ist enorm vielfältig. Ein Wundermittel gibt es – leider – noch nicht. Informieren Sie sich außerdem über wissenschaftliche Studien zur Methode. Es sollte zudem immer einen Therapieplan geben, der sich individuell anpassen lässt und den Sie von unabhängiger Seite prüfen lassen können. Zudem sei gewarnt vor Anbietern, die aus Ihrer Misere Geld ziehen wollen und nur Bargeld oder Bezahlung in Vorkasse anbieten.

Der Krebsinformationsdienst weist auf die Möglichkeit hin, Fragen rund um das Thema KAM sowie jegliche Fragen zu Krebs kostenlos telefonisch unter der 0800-420 30 40 und per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de an die Ärztinnen und Ärzte des Dienstes zu richten. Informationen zu KAM gibt es außerdem direkt auf der Seite des Krebsinformationsdienstes.

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