03.08.2021 - 15:16

Gefahr für Ungeimpfte? Delta-Variante: Wie ansteckend sind Geimpfte?

Trotz Impfung kann man sich, wenn auch selten, mit dem Coronavirus, insbesondere mit der aggressiveren Delta-Variante, infizieren. Aber ist man dann auch wirklich so ansteckend wie ein Infizierter, der nicht geimpft ist?

Foto: Getty Images/Aleksandr Zubkov

Trotz Impfung kann man sich, wenn auch selten, mit dem Coronavirus, insbesondere mit der aggressiveren Delta-Variante, infizieren. Aber ist man dann auch wirklich so ansteckend wie ein Infizierter, der nicht geimpft ist?

Ist die Delta-Variante des Coronavirus wirklich "so ansteckend wie die Windpocken", wie es derzeit aus den USA heißt – und sind Geimpfte damit wirklich eine Gefahr für Ungeimpfte? Warum hier stark unterschieden werden muss.

Die Delta-Variante hat sich in Deutschland innerhalb weniger Wochen durchgesetzt und die bis dato vorherrschende Alpha-Variante verdrängt. Denn sie ist sehr viel ansteckender als die bisherigen Coronavirus-Varianten. Aber können sich auch Geimpfte anstecken – und wenn ja: Können infizierte Geimpfte ansteckend sein?

Geimpft, aber mit Delta-Variante infiziert – ist man dann ansteckend?

Im Oktober 2020 wurde die Delta-Variante erstmals in Indien nachgewiesen. Von dort gelangte sie in der Zwischenzeit nach Großbritannien, wo sie innerhalb sehr kurzer Zeit die vorherrschende Variante wurde. Und nun ist sie auch bei uns in Deutschland mit über 90 Prozent (Bericht des RKI, Stand 29. Juli 2021) die Coronavirus-Variante, die den Großteil des Infektionsgeschehens ausmacht.

Immerhin: Die Impfungen gegen das Coronavirus schützen auch sehr gut vor der Delta-Variante – jedenfalls vor schweren Verläufen von Covid-19 und dem Tod. Doch infizieren können sich zumindest manche Geimpfte aber offenbar trotzdem. Sie werden nur weitaus seltener krank. Aber sind sie trotzdem ansteckend? Und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt der Infektion?

Aktuellen Studien zufolge führt die Delta-Variante nämlich zu einer erhöhten Viruskonzentration im Rachen bzw. in der Nase – was sie ansteckender als die bisherigen Varianten macht.

So laufen Infektionen bei Geimpften im Normalfall ab

Klar ist: Geimpfte sind nicht durch eine unsichtbare Wand vor Coronaviren geschützt. Sprich: Die Viren machen keinen Bogen um Geimpfte oder prallen einfach von ihnen ab. Sie können trotzdem einen Weg in den Körper finden. Der Unterschied zu Ungeimpften aber ist, dass das Immunsystem sofort weiß, was jetzt zu tun ist. Und je schneller es reagieren kann, desto schneller werden die eingedrungenen Viren abgetötet – und können sich nicht weiter im Körper vervielfältigen. Und vor allem können sie nicht krank machen.

Mitunter kann es aber dennoch zu einer gewissen Vervielfältigung kommen, etwa bereits in der Rachen- und Nasenschleimhaut. Und die Viren, die dort sitzen, können theoretisch auch wieder nach außen gelangen – durch Atmen, Sprechen, Singen, Niesen, Husten...

Dabei kommt es aber ganz stark darauf an, wie viele Viren es sind, die auf einen Körper treffen. Diese sogenannte Viruslast ist ausschlaggebend.

Ist Delta wirklich "so ansteckend wie Windpocken"?

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC ist die Virusmenge bei Infizierten mit der Delta-Variante deutlich höher als bei der ursprünglichen Variante von Sars-CoV-2. So kann sie sich auch schneller verteilen, heißt es in einer internen Präsentation des CDC, die der Washington Post vorliegt. Sie sei daher "so ansteckend wie Windpocken" – diesen Satz hat man zuletzt sehr oft in den Medien gehört. In den USA wurde damit auch die Wiedereinführung der zuvor weggefallenen Maskenpflicht begründet.

Die Windpocken sind hochansteckend. Sie können mehrere Meter über die Luft übertragen werden, erklärt etwa die Immunologin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) Christine Falk im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie vermute hinter dieser drastischen Wortwahl vor allem eine politische Motivation – um die Bürger:innen in den USA wieder von Abstand, Hygiene und vor allem der Maskenpflicht zu überzeugen. Man habe mit dem Abschaffen dieser Pflicht einen "Kardinalfehler" begangen. Und nun brauche es "ein dramatisches Szenario, um die Bevölkerung wieder einzufangen." In Deutschland sieht das anders aus: Hier besteht die Maskenpflicht in öffentlichen Räumen noch.

Studie in Singapur: Die Viruslast sinkt bei infizierten Geimpften viel schneller

Klar ist: Die Delta-Variante ist ansteckender. Aber wie ist das nun mit den Geimpften? Schließlich fällt für Geimpfte und Genesene auch hierzulande vielerorts die Test- und Quarantänepflicht weg, Menschen treffen sich auch wieder öfter.

Wir haben bereits festgestellt: Auch Geimpfte können sich infizieren, es kann zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommen. Doch die sind, auch wenn das derzeit nicht immer so klingt, selten.

Geimpfte haben sogar andere Symptome als Ungeimpfte, wenn sie sich tatsächlich mit dem Coronavirus infizieren und ihre Covid-19-Erkrankung spüren:

Diese Corona-Symptome haben Geimpfte
Diese Corona-Symptome haben Geimpfte

Wenn Geimpfte also mit dem Coronavirus in Kontakt kommen, können sie dann andere anstecken? Dazu gibt es nach und nach mehr Untersuchungen. So wurde am Nationalen Zentrum für Infektionskrankheiten in Singapur untersucht, wie hoch die Viruslast Infizierter mit und ohne Impfschutz ist und wie sie sich über den Zeitraum der Erkrankung verändert. Die Ergebnisse sind noch vorläufig, aber eine Tendenz ist erkennbar:

In beiden Gruppen – sowohl bei den Geimpften als auch den Ungeimpften – war die Viruslast im Rachen nach Infektion mit der Delta-Variante zu Infektionsbeginn ähnlich hoch. Das bedeutet: Zu Beginn der Infektion können geimpfte und ungeimpfte Infizierte das Coronavirus ähnlich gut verbreiten.

Doch dann kommt der Unterschied: Bei den Geimpften fiel die Viruskonzentration kurz darauf sehr schnell wieder ab. Das zeigt auch der Immunologe Carsten Watzl, der die Studie auf Twitter teilt:

Er schreibt: "Schon erstaunlich, wie schnell wir mehr über Delta lernen. Gestern noch: Infizierte Geimpfte tragen genau so viel Virus in sich wie Ungeimpfte. Heute: Aber sie bekämpfen das Virus schneller und sind dadurch kürzer ansteckend." Und weiter: "Warum? Weil die Geimpften viel schneller neutralisierende Antikörper haben, die das Virus effektiv bekämpfen."

Fazit: Wenn Geimpfte ansteckend sind, dann nur kurz

Das zeigt also: Auch Geimpfte können ansteckend sein, nachdem sie sich infiziert haben, mitunter sogar mehrere Tage. Ungeimpfte dagegen sind deutlich länger ansteckend. Und genau das ist es seiner Meinung nach, was die Pandemie antreibt – nicht die Durchbruchinfektionen von Geimpften. Denn die infizieren sich weitaus seltener als Ungeimpfte.

Sollte ein Infektionsverdacht bei Geimpften bestehen, rät die Virologin Sandra Ciesek aus Frankfurt im NDR-Podcast "Coronavirus Update" dazu, einen PCR-Test zu machen. Die Viruslast sei bei Geimpften wahrscheinlich zu gering, um bei einem Antigen-Schnelltest anzuschlagen. Dennoch können auch Schnelltests durchaus eine gewisse Sicherheit bringen, so dass sich auch Geimpfte in bestimmten Situationen auf das Coronavirus testen lassen sollten. Sind Viren vorhanden, deren Zahl aber für den Test zu gering ist, ist auch die Infektionsgefahr nicht allzu groß. Da sie aber nicht ausgeschlossen werden kann, ist es für Geimpfte auf jeden Fall ratsam, in Situationen mit Ungeimpften weiterhin auf Masken und Abstand zu setzen. Und im Zweifel eben auch noch auf Tests.

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Studie: Chia, Young et al. (medRxiv, Juli 2021): "Virological and serological kinetics of SARS-CoV-2 Delta variant vaccine-breakthrough infections: a multi-center cohort study"

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