Aktualisiert: 31.07.2021 - 10:38

Herzfrequenz und mehr Hatte ich Corona? Fitnesstracker können Long Covid erkennen

Herzschlag beobachten – keine schlechte Idee, vor allem nach Covid-19. Fitnesstracker können einer Studie zufolge Long Covid erkennen.

Foto: Getty Images/PeopleImages

Herzschlag beobachten – keine schlechte Idee, vor allem nach Covid-19. Fitnesstracker können einer Studie zufolge Long Covid erkennen.

Haben Sie bereits einen Fitnesstracker, etwa eine Smart Watch, am Arm, die Ihren Fitnessstatus rund um die Uhr beobachtet? Dann könnte dieses Tool dabei helfen, Long-Covid-Symptome zu erkennen.

Nicht jede:r bemerkt eine Covid-19-Infektion als solche, manche Menschen fühlen sich nach leichten Symptomen über Wochen schlapp und kommen kaum auf die Beine. Doch noch ist vieles unbekannt über Long Covid, die Folgeerkrankung, die Vermutungen zufolge rund zehn Prozent aller Covid-19-Patient:innen trifft. Fitnesstracker könnten das ändern – und Aufschluss über Long Covid und die Dauer der Beschwerden geben.

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Wie Fitnesstracker Long Covid erkennen können

Was wissen wir über Long Covid? Betroffene verspüren oft eine zerschmetternde Müdigkeit bereits nach geringster Belastung. Aber auch Atemnot oder Herzprobleme sind häufig genannte Symptome. Fitnesstracker können diese Unstimmigkeiten des Körpers erkennen, haben Forschende aus den USA nun in einer Studie festgehalten. Sie haben sich Daten von Menschen angesehen, die an Covid-19 erkrankt waren und ihre Fitnesstracker-Daten in der Zeit nach der akuten Erkrankung zur Verfügung gestellt hatten.

Die Haupterkenntnis: Während Schlaf und körperliche Aktivität bei den meisten Patient:innen relativ schnell wieder normales Niveau erreichen, braucht das Herz mitunter länger: Die Herzfrequenz blieb bei den ehemaligen Covid-19-Patient:innen teilweise über zwei bis drei Monate erhöht. Bei anderen wiederum zeigte sich dagegen sogar ein verlangsamter Herzschlag, eine sogenannte Bradykardie.

Studie zeigt: Vor allem der Herzschlag ist auffällig

Die Forschenden vom Scripps Research Translational Institute in La Jolla in Kalifornien haben zwischen 25. März 2020 und 24. Januar 2021 die Daten von insgesamt 37.146 US-Amerikanern via Fitnesstracker übermittelt bekommen. 827 unter ihnen hatten via App mitgeteilt, dass sie einen PCR-Test auf Covid-19 gemacht hatten, weil sie akut an Atemwegserkrankungen litten. Bei 234 Teilnehmenden war der Test positiv ausgefallen. Diese Daten haben sich die Wissenschaftler:innen genauer angesehen.

Und das Ergebnis ist deutlich: Die Körperfunktionen von Covid-19-Patient:innen zeigten wesentlich stärkere Auffälligkeiten als die von jenen Teilnehmenden, die unter einer einfachen Erkältung gelitten hatten. Dabei zeigten sich die Auffälligkeiten sowohl während der akuten Erkrankung als auch im Nachgang:

Viele Patient:innen zeigten während der akuten Covid-19-Erkrankung eine erhöhte Herzfrequenz und eine längere Schlafdauer. Die Anzahl der Schritte hingegen nahm ab. Eine Auffälligkeit gab es zwischen Tag 9 und Tag 15 der Erkrankung, die sich bei einigen der positiv getesteten Teilnehmenden zeigte: In diesem Zeitraum nahm die Herzfrequenz vorübergehend ab. Bei einer Bradykardie verlangsamt sich das Herz. Warum dem so ist, ist noch unklar, jedoch sei dieses Phänomen bereits anderen Forschenden aufgefallen, heißt es. Im Anschluss stieg die Herzfrequenz jedoch wieder.

Auch der Puls verschnellerte sich während der akuten Erkrankung, blieb jedoch im Durchschnitt 79 Tage lang über den Werten, die vor der Erkrankung gemessen worden waren – etwa einen bis fünf Schläge darüber. Die Forschenden rund um Jennifer Radin sehen dies als ein Anzeichen für Long Covid.

Bei einem kleinen Teil der Patient:innen, bei 32 von ihnen, stieg der Puls jedoch um mehr als fünf Schläge mehr pro Minute an. Bei diesen Personen dauerte es im Mittel 133 Tage, bis sich das Herz wieder auf die Werte vor der Erkrankung beruhigt hatte. Auffällig: Auch die Covid-Symptome waren bei ihnen stärker, etwa mit Husten, Atemnot und Kopfschmerzen.

Plötzlich gesundheitliche Probleme? Fitnesstracker als Warngerät

Was kann man nun mit diesen Daten anfangen? Zuerst einmal helfen sie, die rätselhafte Folgekrankheit besser zu verstehen und Long Covid besser behandeln zu können. Über 200 Symptome sind zu Long Covid mittlerweile verzeichnet worden. Doch die Forschenden konnten bereits in einer vorhergehenden Studie im Fachblatt Nature zeigen, dass sich mit einem Fitnesstracker auch ein Verdacht auf Covid-19 zeigen kann. Die Wearables können den neuesten Erkenntnissen zufolge also auch Long-Covid-Symptome erkennen.

Immerhin gibt's immer mehr Neues zu Long Covid: Langzeitfolgen endlich genauer definiert!

Wer ein solches Gerät also nutzt und Auffälligkeiten entdeckt, tut gut daran, sich einmal ärztlich untersuchen zu lassen – insbesondere, wenn Sie in der Vergangenheit unklare Anzeichen eines Atemwegsinfektes hatten oder wissen, dass Sie an Covid-19 gelitten haben – aber auch unabhängig vom Coronavirus können solche Tools hilfreich sein, um einen Überblick über die eigene Fitness zu haben

Sie überlegen nun, sich eine Smartwatch mit Fitnesstracker-Funktion zuzulegen? Schauen Sie mal: Smartwatches: Bereicherung für die Gesundheit und den Alltag?

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Studien:

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