Aktualisiert: 22.07.2021 - 16:01

Coronavirus Infiziert trotz Impfung? Wann Impfdurchbrüche auftreten können

Schützt die Impfung gegen Covid-19? Ja – aber leider nicht jede:n. Dass Durchbruchinfektionen auftreten können, war klar. Wie häufig sind sie tatsächlich, insbesondere bei der Delta-Variante?

Foto: Getty Images/Paul Biris

Schützt die Impfung gegen Covid-19? Ja – aber leider nicht jede:n. Dass Durchbruchinfektionen auftreten können, war klar. Wie häufig sind sie tatsächlich, insbesondere bei der Delta-Variante?

Wer geimpft ist, ist sicher – oder? Auf jeden Fall sicherer. Ganz ausgeschlossen werden kann eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 trotzdem nie. Und in manchen Fällen kommt es auch zu sogenannten Impfdurchbrüchen. Wann das der Fall ist, was dagegen hilft und warum die Impfung allein aus statistischen Gründen die bessere Wahl ist als Covid-19.

Immer wieder hört man eine Meldung wie "geimpft – und trotzdem krank geworden". Sogenannte Impfdurchbrüche – wenn also die Impfung am Ende doch nicht vor der Infektion und im schlimmsten Fall auch nicht vor einer schweren Erkrankung schützt – kommen leider vor. Das kann Menschen betreffen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, das kann aber auch an Fehlern bei der Impfung selbst liegen. Aktuellste Daten zeigen aber: In den meisten Fällen schützt die Impfung gut bis sehr gut, auch vor der Delta-Variante. Was lässt sich tun, um alle gut zu schützen?

Impfdurchbrüche: Selten, aber nicht ausgeschlossen

Einen hundertprozentigen Schutz vor Covid-19 bietet keiner der bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe. Dieses Ziel erreicht kein Impfstoff der Welt, auch nicht die gegen andere Erkrankungen. Zu unterschiedlich sind wir Menschen und unsere individuellen Immunsysteme. Und zu menschlich sind Anwendungsfehler bei der Impfung. Doch die Tendenz ist glasklar, wie aktuelle Daten aus Impfstudien zeigen: Die Impfungen wirken insgesamt sehr gut und schaffen es vor allem, viele schwere Verläufe und den Tod zu verhindern. Selbst gegen die Delta-Variante, die den Immunschutz stärker umgehen könnte, schlagen sie bisher gut an.

Probleme könnte es höchstens mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geben – und das liegt vor allem an der Dosierung. Dieser Impfstoff wird als Einzeldosis verabreicht. Doch Daten der anderen Impfstoffe zeigen: Erst die zweite Dosis schützt auch so richtig gut vor Delta. Dazu aber später mehr.

Durchbruchinfektionen kommen aber auch bei den Zwei-Dosis-Impfstoffen vor. Schon in den Impfstudien etwa zu Comirnaty war klar: Die Impfung schützt zu etwa 95 Prozent vor dem Wildtyp von Sars-CoV-2. Das bedeutet: Die rund fünf anderen Prozent können auch nach der zweiten Impfung am ursprünglichen Virus erkranken. Mit dem Auftreten einer hochansteckenden und offenbar auch den Immunschutz besser umgehenden Variante wie der Delta-Variante können aber umso mehr Geimpfte von Impfdurchbrüchen betroffen sein. Besonders bestimmte Personengruppen.

Nicht ausgeschlossen werden können außerdem Fehler bei der Impfung selbst, etwa wenn die Nadel nicht richtig gesetzt wurde oder wenn es eine Panne beim Händeln des Impfstoffes gab. Menschliches Versagen kommt leider vor. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann einen Antikörpertest machen. Beachten Sie aber, dass diese Tests nur begrenzte Aussagekraft besitzen, da keine Vergleichswerte existieren. Dennoch kann Ihr:e Hausärzt:in sicherlich entsprechende Tipps geben.

Darum wirken die Impfungen nicht bei jedem Menschen

Daten zu Comirnaty, dem Impfstoff von Biontech und Pfizer gibt es nun aus Israel. Dort wurde fast ausschließlich mit dem in Deutschland entwickelten Vakzin geimpft. Die einst sehr hohen Zahlen sind seit weiträumiger Impfungen stark zurückgegangen. Dennoch gibt es immer wieder Ausbrüche, auch unter Geimpften. Meist ist die Delta-Variante dafür verantwortlich.

Teilweise mussten auch Geimpfte in Krankenhäusern behandelt werden. Einer Studie rund um Dr. Tal Brosh-Nissimow vom Unversitätsklinikum der Stadt Ashdod zufolge sind 152 Personen mehr als sieben Tage nach der zweiten Impfung mit Comirnaty so schwer an Covid-19 erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Davon mussten 38 mechanisch beatmet werden, 34 Patient:innen verstarben an Covid-19. Hinweis: Bei den Teilnehmenden handelte es sich um die Hälfte der insgesamt in Israel unter einer Durchbruchinfektion leidenden vollständig Geimpften. Im Vergleich zu den schwer erkrankten Ungeimpften ist dies sehr wenig.

Doch eines war auffällig: Die meisten der Studienteilnehmenden hatten teils mehrere Vorerkrankungen, die allesamt Risikofaktoren für schweres Covid-19 sind: Bluthochdruck (71 Prozent), Diabetes (48 Prozent), Herzinsuffizienz (27 Prozent), Niereninsuffizienz und Lungenerkrankungen (je 24 Prozent), Demenz (19 Prozent) und Krebs (24 Prozent). 40 Prozent der Teilnehmenden hatten einen schwachen Immunschutz, da sie Medikamente wie Corticosteroide einnehmen mussten, eine Krebstherapie oder eine Immunsuppression nach einer Organtransplatation durchleben mussten.

Nur sechs der Teilnehmenden waren nicht vorerkrankt, von ihnen waren drei schwer erkrankt. Diese drei erholten sich aber nach erfolgreicher Versorgung wieder. Das Durchschnittsalter der Studienproband:innen lag bei 71 Jahren.

Man habe bereits erwartet, dass immungeschwächte Personen schlechter auf die Impfung ansprechen, schließen die Autor:innen der Studie. Hinzu kämen aber möglicherweise auch, dass die genannten Vorerkrankungen, insbesondere wenn sie gebündelt auftreten, den Impfschutz schmälern könnten. Auch das Alter solle berücksichtigt werden.

Mehr Impfdurchbrüche durch Delta-Variante?

Andere Studien konnten bereits zeigen, dass insbesondere die zweite Impfdosis sehr für den Schutz auch gegen die Delta-Variante verantwortlich ist. Das betrifft sowohl Spikevax von Moderna als auch Vaxzevria von Astrazeneca. Für letzteres Vakzin wurde nun eine britische Studie veröffentlicht, die sich die Wirksamkeit von Vaxzevria und Comirnaty jeweils nach zweiter Impfdosis gegen die Delta-Variante angesehen hat. Sie kommen zu dem Schluss: Die Wirksamkeit bleibt fast genauso hoch wie gegen die bis vor kurzem in Großbritannien (und auch in Deutschland) dominante Alpha-Variante: Comirnaty wirkt zu 88 Prozent gegen Erkankungen mit Symptomen durch die Delta-Variante. Vaxzevria verhindert zu 67 Prozent durch Delta ausgelöstes Covid-19 mit Symptomen.

Die meisten Infektionen verlaufen also symptomlos bzw. hat das Virus bei der Mehrheit der Geimpften keine Möglichkeit, sich auszubreiten, sollten sie damit in Kontakt kommen. Bei den verbleibenden Personen kann eine Infektion zwar zu Symptomen führen – nicht alle Erkrankungen aber verlaufen schwer.

Johnson & Johnson: Laborstudie zeigt verminderte Wirksamkeit, aber...

Lediglich beim Impfstoff von Johnson & Johnson sehen Experten ein mögliches Problem: Dieser Impfstoff wird erst einmal nur in einer Einfachdosis verimpft. Die Frage ist nun: Reicht dieser Schutz, der sich dadurch aufbaut?

Im Labor haben Forschende rund um Nathaniel Landau von der Grossman School of Medicine in New York nun Laboruntersuchungen dazu durchgeführt. Das Ergebnis: Gegen die Delta-Variante schützt das Vakzin von Johnson & Johnson zumindest im Laborexperiment weniger gut als die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Immerhin: Den Laborversuchen zufolge schützen die doppelten Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen deutlich besser vor der Delta-Variante und damit auch vor Impfdurchbrüchen als eine durch vorherige Erkrankungen erhaltene Immunität – die aber ebenfalls anderen Studien zufolge nicht zu unterschätzen ist.

Doch Ergebnisse aus Laborversuchen sind nie gänzlich ins echte Leben übertragbar. Denn im Labor wurde lediglich eine Art der Immunantwort getestet. Unser Körper aber kann viel mehr. So gehen die Forschenden davon aus, dass auch der einmalige Impfschutz mit dem Johnson-&-Johnson-Vakzin mit der Zeit steigen könnte. Dies deuten Ergebnisse einer weiteren Studie aus Boston an. Sie konnten zeigen, dass die Immunantwort in den ersten 29 Tagen nach der Impfung noch recht schwach gegen die Delta-Variante des Coronavirus war, der Impftiter aber danach immer weiter angestiegen und nach acht Monaten viel höher gewesen sei. Die Studie befindet sich allerdings noch im sogenannten Preprint. Sie muss also noch von unabhängigen Expert:innen geprüft werden.

Hier muss man nun beobachten. In den USA etwa, wo viele mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft sind, zeigen sich bisher verhältnismäßig wenige Durchbruchinfektionen, während vor allem Ungeimpfte im Krankenhaus behandelt werden müssen. Kommt es aber doch im Laufe der Zeit vermehrt zu Durchbruchinfektionen, muss über eine Auffrischimpfung nach der Johnson-&-Johnson-Impfung nachgedacht werden. Möglicherweise könnte hier eine Kreuzimpfung infrage kommen, wie sie bereits mit Vaxzevria (AstraZeneca) und den mRNA-Impfstoffen durchgeführt wird.

Für Geimpfte gilt währenddessen: Schützen Sie sich weiterhin. Hundertprozentig sicher vor einer Durchbruchinfektion ist niemand. Die Impfung senkt das Risiko, schwer zu erkranken, aber enorm – vor allem mit der Zeit. Denn klar ist: Ein Impfschutz muss sich erst einmal aufbauen, man ist nicht sofort immun.

Fazit: Impfdurchbrüche können vorkommen – in Krankenhäusern und Co daher weiterer Schutz notwendig

Die Studienlage zeigt aber: Insgesamt schützen die Impfungen gut vor Covid-19, insbesondere bei jüngeren oder bei Menschen ohne multiple Vorerkrankungen oder geschwächtes Immunsystem können sie schwere Erkrankungen verhindern. Mancher wird sicherlich trotzdem etwas krank, viele infizieren sich möglicherweise trotzdem, bemerken aber keine Symptome. Wer aber geimpft ist, kann das Virus zumindest ewas seltener weitergeben, wenn eine Weitergabe auch nie ausgeschlossen werden kann.

All das lässt Stand jetzt einen Schluss zu: Geimpfte schützen sich selbst, sie schützen aber auch die, bei denen Impfdurchbrüche wahrscheinlich sind. Erhöht wird dieser Schutz aber, indem auch andere Maßnahmen gegen das Coronavirus noch eingehalten werden, zumindest in gewissen Kreisen: Wer etwa ein Krankenhaus oder ein Seniorenheim oder Pflegeheim betritt, sollte durchaus weiterhin auf Masken zurückgreifen. Auch in geschlossenen Räumen des öffentlichen Lebens sind Masken weiterhin von Vorteil, schützen sie doch unsere ungeimpften Mitmenschen und die, bei denen der Impfschutz nicht vollständig ist. Denn das Blöde ist: Man sieht es ihnen nicht an.

Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen!

Studien und Quellen:

Brosh-Nissimow, Wiener-Well et al. (Clinical Microbiology and Infection, Juli 2021): "BNT162b2 vaccine breakthrough: clinical characteristics of 152 fully vaccinated hospitalized COVID-19 patients in Israel"

Lopez Bernal, Campbell et al. (NEJM, Juli 2021): "Effectiveness of Covid-19 Vaccines against the B.1.617.2 (Delta) Variant"

Tada, Landau et al. (Preprint via bioRxiv, Juli 2021): "Comparison of Neutralizing Antibody Titers Elicited by mRNA and Adenoviral Vector Vaccine against SARS-CoV-2 Variants"

pharmazeutische-zeitung.de, aerzteblatt.de, t-online.de, evaluate.com

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe