Aktualisiert: 21.07.2021 - 16:58

Bereits 10 Jahre vorher Schlaganfall schnell erkennen: Diese Zeichen treten viel früher auf!

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Auf welche Anzeichen man achten sollte und was im Verdachtsfall genau zu tun ist, im Video!

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Wie man einen Schlaganfall erkennt, sollte jeder wissen – denn nur bei schnellem Handeln lassen sich schwere Schäden oder gar der Tod verhindern. Nun haben Forschende entdeckt, dass manche Anzeichen auf einen drohenden Schlaganfall viel früher auftreten als bisher gedacht. Das könnte Leben retten!

Wie schnell lässt sich ein Schlaganfall erkennen? Es gibt die typischen Anzeichen. Doch Forschenden zufolge geht's sogar noch viel früher. Denn gewisse Anzeichen deuten bereits Jahre zuvor auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin. Damit könnten möglicherweise Leben gerettet werden.

Anzeichen richtig deuten: Schlaganfallrisiko Jahre zuvor erkennen

Wer ist besonders gefährdet, im Laufe des Lebens einen Schlaganfall zu erleiden? Dieser Frage sind Forschende der Erasmus-Universität in Rotterdam in den vergangenen Jahrzehnten nachgegangen. Mit gutem Grund: Jährlich erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Klar war bereits, dass dabei vor allem das Lebensalter, bestimmte Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, aber auch das Geschleicht eine Rolle spielen.

Unklar war allerdings, woran man dieses Risiko erkennen kann, und ab wann. Dazu haben die Forschenden zwischen 1990 und 2016 insgesamt über 14.000 Teilnehmende einer Studie jeweils über mehrere Jahre begleitet. Alle vier Jahre wurden die Proband:innen, alle über 45 Jahre alt, gebeten, freiwillige körperliche und kognitive Tests durchführen zu lassen.

Dabei wurde etwa das Gedächtnis überprüft und Reaktionszeiten gemessen (kognitive Tests), oder sie wurden befragt, ob sie Alltagsaufgaben wie Einkaufen, Kochen, Putzen oder etwa Finanzverwaltung problemlos durchführen konnten. Die Ergebnisse wurden nun zusammengetragen und ausgewertet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry" veröffentlicht worden.

Diese Anzeichen zeigen sich schon viele Jahre vor einem Schlaganfall

Bereits während des Studienzeitraums hatten bereits 1.662 Teilnehmende einen Schlaganfall erlitten, dabei lag das Durchschnittsalter bei etwa 80 Jahren. Doch die Analyse der Daten zeigte, dass sich bereits zehn Jahre vor dem Schlaganfall gewisse Anzeichen bemerkbar gemacht hatten. Diese wurden nun zusammengetragen.

  • Besonders deutlich war ein Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit. Diese sei im Vergleich zu den Proband:innen ohne Schlaganfall schon Jahre zuvor deutlich stärker zurückgegangen.
  • Etwa zwei bis drei Jahre vor dem Schlaganfall zeigten sich zudem zunehmend Probleme beim Bewältigen alltäglicher Aufgaben.

Insbesondere drei Personengruppen zeigten sich in der Studie häufiger betroffen:

  • Frauen,
  • Personen mit geringerem akademischen Grad,
  • Menschen, die ein mit Demenz in Verbindung gebrachtes Gen besitzen.

"Der beschleunigte Rückgang der Kognition und der täglichen Leistungsfähigkeit vor einem Schlaganfall deutet darauf hin, dass Personen mit einem zukünftigen Schlaganfall Jahre vor dem akuten Ereignis an einer Anhäufung von Schäden innerhalb des Gehirns leiden", erklärte Studienautor Dr. Alis Heshmatollah von der Erasmus-Universität gegenüber der Zeitung "Daily Mail".

Die Studie ist nicht die erste, bei der diese Entdeckungen gemacht werden. Damit festigt sie die bisherigen Erkenntnisse. Bisher war man davon ausgegangen, dass sich diese Anzeichen rund vier bis sechs Jahre vor dem Schlaganfall zeigen. Dem niederländischen Forschungsteam zufolge könnten sie aber schon viel eher auffallen. Dazu müssten insbesondere Ärztinnen und Ärzte, aber auch Pflegende und Privatleute nur wissen, worauf sie zu achten hätten. So könnten Risikopatient:innen schon frühzeitig identifiziert werden. Wichtig sei, bereits im mittleren Erwachsenenalter auf entsprechende Anzeichen wie zunehmende kognitive Verschlechterungen zu achten.

Akuten Schlaganfall erkennen: Diese Anzeichen sollte jeder kennen

Bekannt sein sollten währenddessen die typischen Schlaganfall-Symptome:

  1. Sehstörungen: Das Gesichtsfeld ist eingeschränkt, Gegenstände, die sich insbesondere im linken Sichtfeld befinden, werden übersehen und auch das räumliche Sehen ist eingschränkt. Betroffene sehen mitunter doppelt und sind orientierungslos.
  2. Sprachstörungen: Betroffene können keine ganzen, selbst einfache Sätze mehr flüssig sagen, sondern reden sehr stockend. Auch Buchstaben und Silben werden vertauscht. Manche Menschen können gar nicht mehr sprechen. Bitten Sie die Person, einen ganz einfachen Satz zu sagen.
  3. Lähmungen und Taubheit: Eine Gesichtshälfte, manchmal auch die ganze Körperhälfte ist gelähmt. Im Gesicht ist das durch herabhängendes Augenlid, Mundwinkel und Wange erkennbar. Bitten Sie jemanden mit Verdacht auf Schlaganfall zu lächeln und die Arme zu heben.
  4. Starke Kopfschmerzen: Kommt es zu einer Blutung im Gehirn, resultiert das in starken Kopfschmerzen, mitunter auch Übelkeit und Erbrechen.
  5. Schwindel und Unsicherheit beim Gehen: Nebst Orientierungslosigkeit verspüren manche Betroffene auch Schwindel und können nicht mehr richtig laufen. Als alleiniges Symptom kommt dies seltener vor, es ist vor allem in Kombination mit den zuvor genannten ein sicheres Anzeichen.

Jeder sollte sich merken, wie sich ein Schlaganfall bemerkbar macht. Glücklicherweise gibt es hier eine fantastische Möglichkeit, die im Kopf bleibt. Der Comiczeichner Ralph Ruthe hat mit "Lächeln Sprechen Arme Hoch" einen echten Hit geschaffen, der sogar bereits Menschen das Leben retten konnte, wie er selbst in den sozialen Medien berichtete. Das Video sehen Sie hier. Teilen erwünscht!

Ruthe: Lächeln Sprechen Arme Hoch

Und ganz wichtig: Trotz Pandemiesituation bitte jegliche Anzeichen ernst nehmen und sofort den Notarzt rufen! Wegen Corona-Angst war die Sterberate durch Schlaganfälle zuletzt gestiegen. Doch bei Verdacht auf Schlaganfall zählt jede Minute!

Wichtig für Risikopatient:innen: Frühzeitig Lebensstil umstellen

Mit diesem neuen Wissen über die frühen Risikoanzeichen vor einem Schlaganfall ließe sich auch besser vorbeugen, so die Forschenden. Denn ein Schlaganfallrisiko lässt sich durch Anpassen des Lebensstils durchaus senken: durch eine Ernährungsanpassung, mehr Bewegung im Alltag, einen Verzicht auf Rauchen und am besten auch auf Alkohol. Auch eine medikamentöse Behandlung ließe sich so schneller individuell anpassen.

Allerdings kann jede:r etwas tun, um das eigene Schlaganfallrisiko zu senken, und zwar früh. Zu den genannten Lebensstiländerungen gesellt sich, Risikofaktoren auszumerzen, sofern möglich. Als großer Risikofaktor gilt etwa Bluthochdruck. Sollten Sie unter hohem Blutdruck leiden, lassen Sie ihn behandeln. So senken Sie Ihr Schlaganfallrisiko und das weiterer schwerer Erkrankungen.

Studie:

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