Aktualisiert: 20.07.2021 - 21:35

Klimawandel fördert Ausbreitung Die Tropenkrankheiten kommen: Diese Insekten bringen sie mit

Diese Gelbfiebermücke war bereits fleißig. Möglicherweise hat sie beim Blutsaugen Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber oder das namensgebende Gelbfieber übertragen. Experten zufolge werden solche tropischen Insekten hierzulande immer heimischer. Ein Hauptgrund: der menschengemachte Klimawandel.

Foto: Getty Images/frank600

Diese Gelbfiebermücke war bereits fleißig. Möglicherweise hat sie beim Blutsaugen Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber oder das namensgebende Gelbfieber übertragen. Experten zufolge werden solche tropischen Insekten hierzulande immer heimischer. Ein Hauptgrund: der menschengemachte Klimawandel.

Dengue, West-Nil-Fieber, Ebola: Diese Krankheiten gibt es bei uns nicht – oder? Die Insekten, die sie übertragen können, nutzen allerdings die immer tropischeren Temperaturen in unseren Gefilden. Ein Teil ist sogar schon in Deutschland angekommen.

"Das betrifft uns ja nicht" – ein unschöner Satz, den man in der Vergangenheit immer wieder gehört hat. Doch stimmt er noch? Das sich verändernde Klima hat immer drastischere Auswirkungen, die auch wir mittlerweile gehäuft am eigenen Leib zu spüren bekommen. Und damit sind nicht nur Wetterkapriolen gemeint. Trockene, tropische Sommer und vor allem viel zu warme Winter lassen es nebst voranschreitender Globalisierung zu, dass sich in unseren Breitengraden auch Krankheitsfälle mehren, die man eigentlich den Tropen zuordnet. Daher warnen Experten mittlerweile vermehrt vor Tropenkrankheiten – übertragen durch Insekten, die durch den Klimawandel bei uns heimisch werden. Was kommt da auf uns zu?

Tropische Krankheiten in Europa: Was der Klimawandel mit Insekten zu tun hat

Erkrankungen wie das Dengue-Fieber, aber auch Infektionen mit dem Zika-Virus oder dem Ebola-Virus ordnen wir in unseren Köpfen noch immer meist Gegenden zu, die von Armut geprägt und darüber hinaus weit weg sind. Doch Experten warnen: Diese sogenannten "vernachlässigten Infektionskrankheiten" (kurz "NTD" von engl. "neglected tropical diseases"), sollten auch bei uns ernstgenommen werden.

"Einige der sogenannten NTD sind bereits in Europa angekommen, andere werden erst in Dekaden kommen", so Prof. Dr. Sven Klimpel von der Goethe Universität. Er war einer der Sprecher bei einem Symposium der Initiative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH) und des House of Pharma in Frankfurt. Einzelfälle von Infektionen mit dem Zika-Virus und dem West-Nil-Virus etwa hat es in Europa und auch in Deutschland bereits gegeben – ohne dass Betroffene sich die Viren im Ausland hätten einfangen können.

Der Grund: Nebst unseren heimischen Mücken, die hier nicht heimische Viren von Zugvögeln oder Reisenden aufschnappen, werden auch immer mehr tropische Insektenarten entdeckt. Meist werden sie eingeschleppt, etwa durch Frachten. Das ist schon so, seit Import und Export stattfinden. Doch bis vor einigen Jahren waren die klimatischen Verhältnisse für eingereiste tropische Insekten viel zu ungemütlich.

In den vergangenen Jahren hat sich das geändert: Durch warme, teils extrem heiße Tage, starke Regenfälle im Wechsel zu Dürreperioden und vor allem durch viel zu warme Winter können solche Insekten hier mittlerweile durchaus gut überleben – und mit ihnen die Krankheiten.

So sieht das auch der Parasitologe Klimpel. Er nennt den menschengemachten Klimawandel als wesentlichen Grund – und nennt die Realität, in der wir uns wiederfinden: "Die Erderwärmung ist nicht rückgängig zu machen; 1,5 bis 2 °C Erwärmung sind realistisch. Wir können nur noch die Auswirkungen abmildern."

Diese Mückenarten breiten sich besonders aus

Bereits in Europa angekommen seien etwa Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke, die Asiatische Buschmücke, die Gelbfiebermücke sowie mittlerweile auch die Koreanische Buschmücke, so Klimpel. Mit sich bringen Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke etwa Viren wie Zika, Chikungunya, Gelbfieber und Dengue. Nebst Dengue-Virus überträgt die Asiatische Buschmücke wiederum das West-Nil-Fieber oder diverse Enzephalitis-Viren – Viren also, die eine Gehirnentzündung auslösen können.

Klimpel prognostiziert in seinem Vortrag aber: Nicht jede der tropischen Mückenarten werde sich flächenweit ausbreiten. Während etwa die Asiatische Buschmücke nur in bestimmten Gebieten auftreten dürfte, sehe es bei der Asiatischen Tigermücke schon anders aus. Sie habe bereits erste Nischen besetzt, weitere hält der Parasitologe aber für möglich – je nach künftigen Klimabedingungen. In Südeuropa sei sie bereits verbreitet. Sie gehört auch zu den drei in Deutschland bereits entdeckten exotischen Mückenarten.

Welche Krankheiten kommen auf uns zu?

Nebst Zika-Virus, das Klimpel durch eine weitere Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke als wahrscheinlich für Europa sieht, nennt er auch die Leishmaniose, eine von Sandmücken übertragene Erkrankung, die sowohl die Haut als auch die inneren Organe befallen kann. Etwa 350 Millionen Menschen seien weltweit infiziert. Auslöser sind kleinste Lebewesen, Parasiten, die Zellen befallen können. Verbreitet ist sie bereits in vielen Ländern rund ums Mittelmeer, in nord- und ostafrikanischen Ländern sowie in Asien, etwa in Indien, oder in Süd- und Mittelamerika. Sandmückenarten gibt es in Europa mindestens zehn. Je wärmer es im Norden wird, desto weiter breiten sie sich aus.

Doch nicht nur von Mücken gehe eine Gefahr aus, so Klimpel. Hierzulande kennen wir schwere Komplikationen wie von Insekten ausgelöste Gehirnentzündungen bereits von Zecken, die unter anderem eine Form der Gehirn- bzw. Hirnhautentzündung, die FSME übertragen können. Die Spinnentiere dürften sich seiner Ansicht nach zunehmend gar massenhaft ausbreiten. Erkenntlich ist das bereits am Zecken-Monitor für Deutschland. Während Arten wie der Gemeine Holzbock, die Auwald- oder die Schafzecke vor Jahren noch vor allem in südlichen Teilen des Landes heimisch waren und diese Gegenden als FSME-Risikogebiete galten, ist mittlerweile die halbe Karte rot – mit bereits einzelnen Bereichen auch in nördlicheren Gefilden.

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Hand in Hand: Was tun gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen?

Was aber tun, um die Auswirkungen des Klimawandels zumindest abzumildern und die Ausbreitung der NTDs zu verhindern? Dass insgesamt sehr viel mehr getan werden muss, um weitere klimatische Veränderungen einzudämmen, dürfte vielen spätestens nach dem horrenden Hochwasser im Westen Deutschlands klar geworden sein.

Experten widmen sich entsprechend ihrer Fachbereiche einzelnen Gebieten. So Virolog:innen und Infektiolog:innen den Viren, Bakterien und Parasiten, die da kommen, um mithilfe von Expert:innen aus der Pharmabranche nach geeigneten Therapiemöglichkeiten oder auch Impfstoffen zu suchen. So können sie schnell entwickelt werden, sollte es zu größeren Ausbrüchen kommen. Ähnliches haben wir beim Coronavirus gesehen: Impfstoffe waren überraschend schnell da, auch weil bereits damit gerechnet wurde, dass früher oder später eine solche Pandemie auftaucht. Mehr dazu: Zoonosen: Da werden noch einige Pandemien auf uns zukommen...

Gleichzeitig arbeiten Epidemiolog:innen daran, Ausbrüche besser und schneller kontrollieren zu können und erstellen Ansätze, wie die Menschheit schnellstmöglich reagieren kann. Umgesetzt werden muss dies dann unter anderem von Politik und Wirtschaft...

Aber auch jede Bürgerin, jeder Bürger kann selbst etwas tun. Ein erster, wichtiger Schritt: Informieren Sie sich über den Klimawandel und dessen mögliche Auswirkungen. Das nimmt, so komisch es klingt, einerseits Angst vor dieser großen, bedrohlichen Unbekannten, und schärft gleichzeitig den Verstand. So lassen sich schon im Kleinen Ideen finden, die diese Welt doch wieder etwas besser machen.

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